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Was könnte ich an dieser Stelle anderes sagen als „Es tut mir leid“?

Es tut mir leid, dass es notwendig geworden ist, dass sich jemand hinsetzt und solch einen Film produzieren muss. Es tut mir leid, dass es notwendig ist, andere Menschen über diese Geschehnisse aufzuklären. Es tut mir leid, dass all dies tatsächlich einmal passiert ist und Millionen Menschen solche Taten durchlitten haben.

Du sitzt ganz unverfroren in dem Film und schaust dir den Anfang an und denkst dir: Hoffentlich ist das nur eine Geschichte. Hoffentlich ist das kein Tatsachenbericht. Hoffentlich kommt am Ende nicht „… basierend auf dem Leben von …“ …

Es kommt.

Diese Frau hat genau das erlebt.

Und es tut mir leid, dass wir immer noch hier sitzen und darüber diskutieren, statt endlich einzusehen, dass unzählige Entschuldigungen und Kniefälle notwendig sind, um für dieses Unrecht um Vergebung zu bitten.

Ich kann nichts anderes, als einfach nur meine Klappe zu halten und demütig im Namen aller um Vergebung zu bitten und hoffe, dass sich immer noch möglichst viele finden, die sich den Film in irgendeiner Weise ansehen werden.

Im Kino ist er natürlich „imposant“, setzt sich mit viel mehr Druck im Innersten deiner Seele nieder und erzeugt intensive Gefühle – aber auch zu Hause, im TV, per Streaming oder sonst wie: Dies ist der falsche Zeitpunkt, um irgendwelchen Schau-Prinzipien nachzuheulen, denn dieser Film ist von solch immenser Bedeutung, dass ihn einfach jeder gesehen haben muss. Egal, wie.

Also schaut ihn euch an, versetzt euch in „ihre“ Lage – und spürt einmal, wie das ist, wenn eure Kinder, eure Familie, eure Männer, eure Frauen, eure Freundinnen, eure Bekannten, eure Leute an Stelle der Protagonisten wären. Was würdet ihr empfinden? Wie hättet ihr reagiert?

Genau so fühlen sich 2020 immer noch unzählige Menschen – und jeder davon ist einer zu viel.

Mein Kniefall vor ihren Taten, ein leises „Dankeschön, dass du aufgestanden bist“ und ein lautes „Vergib uns allen, die euch so etwas angetan haben und bis heute stellenweise antun.“

Als Mensch, der in Deutschland geboren wurde, männlichen Geschlechts mit heller Hautfarbe ist, habe ich kein Recht, irgendwelche Urteile in dieser Sache abzugeben: Alles, was an dieser Stelle richtig wäre, ist: Um Entschuldigung zu bitten und mich ehrfürchtig vor dem Leben von Harriet zu verneigen und ihr zu danken, dass sie damals aktiv geworden ist um für ihre Freiheit zu kämpfen. Es ist bis heute immer noch sehr sehr notwendig. Leider.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Zeigt euch ein paar der Original-Bilder, also springt nicht gleich auf, sondern gebt dem Film Zeit, zu einem Ende zu kommen.

Kinostart: 9. Juli 2020

Original Title: Harriet
Length: 125 Min.
Rated: FSK 12