Oktober 7, 2022

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Hatching

Hatching - Filmplakat
© 2022 Capelight Pictures

Ich bin zur Zeit immer etwas später dran, ich hoffe, ihr könnt mir das verzeihen … möchte an dieser Stelle aber gerne auf einen Streifen aufmerksam machen, der mich anfangs ziemlich gelangweilt – dann aber wiederum sehr fasziniert hat.

Hatching war einer der heiß erwarteten Beiträge zum diesjährigen Fantasy Film Fest, was gleich mal einen allumfassenden Rahmen definiert, in welchem Metier wir uns hier befinden. Indie, Coming-of-Age (eines der beliebtesten Formen innerhalb dieses Genre zur Zeit) und der typisch nordische Horrorflair, den man aus diesen Gefilden ganz gut kennt.

Was direkt von Anfang an beeindruckt, ist die nahezu perfekte Kulisse und Kameraführung – hier merkt man, dass dies kein Studentenwerk ist, sondern viel Liebe zum Detail, mühselige Kameraarbeit und große Überlegungen hinter jeder Szene und jeder Kamerafahrt stecken. Gepaart mit dem wunderbaren und beeindruckenden Soundtrack legt man die Messlatte gegenüber Konkurrenzfilmen gleich mal ganz oben an.

Ich schrieb zu Beginn, dass mich der Film erst gelangweilt hat … und möchte dies kurz erklären: Ich HASSE diese klischeeaufgesetzte Social-Media-Hallöchen-Rosa-Wölkchen-wir-sind-ja-alle-so-real-Instascheiße so dermaßen, weil man den kapitalistischen Betrug dahinter so offensichtlich erkennt und das gefakete Lächeln und der „Spaß“, den die Influencer während ihrer ach so überraschenden „Momente“ im „Leben“ haben, einfach falsch und verlogen sind.

Wenn Unternehmen ein paar 100.000 im Monat für Team, Location und „Beiträge“ in die Hand nehmen, nur um dann professionelle Fließband-„Wir sind so jugendlich und haben voll Spaß“-Clips abzudrehen, dann ist das einfach nur verlogen und vermittelt „echten Jugendlichen“ völlig falsche Vorstellungen von „Das kannst du im Leben erreichen“.

Genau diese Falschheit trieft nur so aus den Augen der Protagonistinnen und quasi der komplette Beginn des Films strotzt nur so vor dieser Falschheit und dem aufgesetzten Lächeln. Das wirkt mitunter so schlecht, dass man den Probanden schon unterirdische Schauspielschule unterstellen möchte und sich denkt, das Drehbuch wäre Mist oder der Film nimmt sich viel zu wichtig.

Im Verlauf wird dann aber recht schnell klar, dass diese aufgesetzte Kulisse gewollt ist und man damit fast schon metaphysische Symbolik betreibt, die sich auf ganz andere Themen fokussiert – und genau das macht den Film dann immens spannend.

Mit der Zeit ist es wunderschön anzusehen, wie sich die einzelnen Elemente ineinander ranken und komplexe Komplexe mit simplen Horrorstilmitteln vermischen und dabei weder an Ästhetik noch an Ausdrucksstärke sparen.

Hier finde ich es dann auch verzeihlich, dass man der Realität etwas untreu wird und quasi auch innerhalb der Horror-Logik ein paar kleine Patzer veranstaltet. Dies stört so lange nicht, so lange man den Schwerpunkt wirklich auf die symbolhafte Darstellung des Erwachsenwerdens richtet und dabei das Gefühlskonstrukt in den Vordergrund stellt.

Klar kann auch hier kein Regisseur den Vielseher mehr überraschen und man erahnt, worauf das Ganze hinauslaufen wird, allerdings finde ich die Art und Weise, wie man diese Dinge umgesetzt hat, so spannend inszeniert, dass es tatsächlich dazu anregt, das Thema neu aufzurollen und wieder einmal darüber nachzudenken, wie psychologisch vertrackt diese Dinge eben sind.

Wer also Spaß an Indie-Horror hat, sich gerne auf nordisch-kalten Flair einlässt und dabei zusehen möchte, wie man ganz normale Heranwachsenden-Alltagsprozesse völlig skurril interpretiert, dem sei Hatching wärmstens ans Herz gelegt.

.kinoticket-Empfehlung: Skurril, im Verlauf sehr vielschichtig, mit einer metaphysischen Prise und ganz viel Liebe für das Independent-Kino – allerdings mit sehr hohen Ansprüchen: All das macht Hatching zu einem sehr sehenswerten Stück Filmgeschichte.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss nicht abgewartet werden, hier kommen keine weiteren Szenen oder Bilder.

Kinostart: 28. Juli 2022

Original Title: Pahanhautoja
Length: 90 Min.
Rated: FSK 16

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