November 30, 2020

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Hell or High Water

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Es ist wieder Lockdown, wir sind wieder dazu verdammt, zu Hause zu bleiben und ich begrüße diese Entscheidung bedingt, denn: In meinen Augen handelt die Bundesregierung zu lasch, wir werden Weihnachten feiern und im Januar dann mit noch höheren Zahlen dem Teufel die Seelen unserer Mitmenschen zuschieben dürfen.

An dieser Stelle Grüße nach Leipzig.

Auch noch ein Punkt, worüber sich streiten lässt: Gastro, Freizeit, Kino, Theater, Oper und der ganze Kunst-Quatsch von der Bundesregierung geschlossen mit dem Mantra: „Ja, irgendwo muss man ja anfangen“. Ähm… right. Jeder Restaurant-Besuch ist eine Möglichkeit mehr, mit Menschen und Haushalten in Kontakt zu kommen, die es nicht geben würde, wenn die Leute to-go-bestellen, richtig. Allerdings höre ich bislang nichts von „Superspreader-Events“ aus Kinos, Theatern, Gaststätten und Opern und stelle diese Entscheidung hiermit mal als äußerst fragwürdig hin.

Klüger wäre gewesen, wir hätten uns alle im März zusammengerafft und unsere Disziplin über den Sommer hinaus getragen. Dann wäre nämlich nur ein einziges Jahr im Arsch gewesen. Und nicht – wie jetzt – ein ganzes Leben. Aber die humanistische Gemeinschaft unseres Landes wollte es ja nicht anders.

Die großen Leinwände sind geschlossen, die billigen Fernseher erleben erneut eine Hochblüte … und auch ich widme mich mit diesem Blog erneut der heimischen „Freude“ des Filmschauens… was bedeutet: Weniger „Gemeinschaft“ in einem Saal (ja, das geht auch mit Abstand), weniger Red Carpet-Feeling im Foyer, weniger verbale Kontakte und Unterredungen zwischen den Vorstellungen, weniger …….. Leben. Nun geht’s halt nur um die Inhalte des Films und darum, irgendwie Zeit totzuschlagen und dem Dasein irgendeinen verdammten Sinn abzuringen. Und das ist – in meinem Fall – manchmal gar nicht so leicht.

Ja, mein Leben bestand wirklich aus Reisen, Fernweh stillen und diesen gottverdammten Leinwänden. Und ich hab keine Ahnung, wann und wie und ob ich die überhaupt je wieder sehen werde. Aber sei’s drum.

Für heute hab ich euch mal einen Titel aus dem Blu-ray-Regal rausgestöbert, den ich damals nicht im Kino bewertet hatte: Hell or High Water.

Jeff Bridges benötigt ja inzwischen keinerlei unbedarfter Ankündigungen mehr: Er ist ein Leinwandgott, der später mal mit seinem Ableben eine riesige Lücke in meinem Herzen hinterlassen wird. Er spielt großartig, er wird sogar großartig synchronisiert und ich mag seine Art.

Ebenfalls viel Sympathie erntet bei mir Chris Pine, vielen als die miese Variante von Captain Kirk in den Star Trek-Remakes bekannt, die in Fankreisen ja auch nicht zwingend auf Liebe stoßen, ich aber dennoch irgendwie in mein Herz geschlossen hab.

Wenn jetzt noch das gute alte American Texas Ranger-Feeling mit fetziger Country-Einschlag-Music und ner verdammt brillanten Story und einer wahnsinnig feldlastigen Kamera-Umsetzung daher kommt, wie David Mackenzie das sehr schön hinbekommen hat, dann hat man einen Film, der einen zurück katapultiert in eine Zeit, nach der sich glaube ich momentan einfach viele sehnen: In der einiges noch normal war.

Die Welt konnte noch wunderbar aufgeteilt werden in gut und böse. Im guten alten American Texas war noch vieles einfacher. Man regelte die Dinge auf unkomplizierte Art und Weise. Und im Hinblick auf die Milliarden Augen, die zur Zeit auf Amerika gerichtet sind angesichts der Krimi-Show, die man sich zur Presidents Election dort drüben geliefert hat, versteht man dank diesem Streifen auch ein wenig mehr das Wesen der Amerikaner, über die man hierzulande so gerne vorschnell urteilt.

Warum die ihre Freiheit so lieben, dass Waffen zur Grundausstattung eines Lebens gehören – und warum … Hell or High Water macht so richtig schön das Wesen amerikanischer Geschichte, Kultur und Vergangenheit deutlich und zeichnet ein wunderbares Bild dieser einst so wunderschönen Nation, die heutzutage ebenfalls an den Krankheiten der Moderne leidet und viel Heilung bedarf.

Vielleicht macht es gerade deshalb so richtig Laune, diesen Streifen jetzt zu schauen: Die klassischen Werte wie „Film-Ehre“ und unverwechselbares Schauspiel geben sich hier die Hand und gestalten eine Unterhaltungs-Auszeit, die man sich nicht nur sehnlichst wünscht, sondern die in vielen Fällen mit Sicherheit auch dringend benötigt wird.

Lasst euch also von mir diesen Titel an die Hand geben (besorgen könnt ihr ihn gerne über die Links unten, damit unterstützt ihr dieses Blog, sofern ihr ihn noch nicht euer Eigen nennen solltet) und genießt ein paar Minuten Normalität innerhalb einer Welt, die einfach nur noch krank und durchgeknallt ist. Auf dass sich die Zeiten wieder ändern mögen und irgendwann auch der letzte Idiot kapiert, dass man sich gerade jetzt ein wenig anders verhalten sollte, richtig Leipzig?

Eine mehr als schmeichelnde Rückschau in eine Epoche, in der alles noch unkompliziert und einfach war. Starke Aussagen, eine grandiose Erzählung mit oscarprämierten Schauspielern – ein herrlicher Auszeit-Moment in einer kranken Zeit.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht aussitzen. Es folgt nichts weiter.

Kinostart: 12. Januar 2017

Original Title: Hell or High Water
Length: 102 Min.
Rated: FSK 12

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