Oktober 27, 2021

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Ich bin dein Mensch

Ich bin dein Mensch - Filmplakat
© 2021 Majestic Filmverleih

Wir leben in einem immens spannenden Zeitalter und ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wo ich vor Aufregung anfangen soll. Kürzlich wurden auf der WWDC wieder ein paar neue Features bekanntgegeben, die – wenn man mit offenen Augen aufmerksam hinsieht – die Richtung weisen, in die es mit dieser Welt in den kommenden Jahrzehnten gehen wird.

Ein ganz großes Thema dabei: Künstliche Intelligenz. Wir haben in den vergangenen Jahren eine relativ schnelle Entwicklung durchgemacht, was solche technischen Innovationen angeht, dass viele schon per se aus der Nummer aussteigen und nur noch mit Angst reagieren.

Alles geht schnell – zu schnell – denn die Technik, die heute bereits auf dem Markt ist, hat das Verständnisvermögen der Menschheit längst überholt. Es gibt immer wieder Leute, die von „Ich will mich nicht abhängig machen“ reden, obwohl der Zug schon seit Jahrzehnten abgefahren ist und wir längst über den Point of no return hinaus sind, was das angeht.

Als ich jung war und mit Internet angefangen habe, hat mir jeder gesagt: „Du Spinner, was willst du da? Geh raus ins echte Leben, sowas wie Internet braucht doch kein Mensch.“

Zwinker zwinker … und heute? Geht mal raus und nehmt jemandem sein Smartphone aus den Händen und schaut dabei zu, wie die Katastrophe binnen Minuten ihren Lauf nimmt.

Und ich rede hier nicht mehr von „Ja, ich kann genauso gut auch die Zeitung aufschlagen und da nachlesen, was es Neues da draußen gibt“. Ja, kannst du. Mach ich sogar auch. Print. Weil Papier etwas wunderschönes ist und man dabei eine Haptik erfährt, die kein noch so modernes Display dieser Welt hergibt.

Das Mitschwingen dieser unersetzlichen Nostalgie, das unverwechselbare Rascheln, während man umblättert… und dennoch möchte ich auf den futuristischen Fortschritt niemals verzichten. Okay, gewisse Early-Adopter-Affinitäten darf man mir an dieser Stelle gerne nachsagen, aber ich stehe dazu, dass ich mich inzwischen daran gewöhnt habe, dass die Technik für mich arbeitet und nicht mehr umgekehrt.

Früher war ich derjenige, der sich Nacht für Nacht um die Ohren geschlagen hat, um rauszufinden, warum da jetzt Fehler Nr. Ex_04AH48x1937 angezeigt wird und was das für praktische Bedeutungen hat. Heute erwarte ich von der Technik, dass sie mir den Alltag so angenehm wie möglich macht – und dabei selber mitdenkt.

Wie das geht? Durch künstliche Intelligenz.

Und die haben wir alle gemeinsam hochgezogen. Du also nicht?

Dann erinnere dich mal daran, wenn du dich irgendwo mit Google Capture einloggst und bei diesen Bildchen anklickst, welche Quadrate z.B. alles Schornsteine enthalten. Was glaubst du, ist das?

Könnten etwa … diese milliardenfachen Klicks der ganzen Welt zusammengenommen eine riesige Datenbank für KI sein, die somit ganz genau mit jedem dieser Klicks gelernt kriegt, was Brücken sind? Wo Autos sind? Wo Türen sind? Gehsteige? Ampeln?

Und was glaubt ihr, warum man da keine Donutkrümel identifizieren muss, sondern Straßensituationen?

Möglicherweise, weil wir alle dazu beigetragen haben, dass „artificial intelligence cloud systems“ lernen, mit den alltäglichen Situationen umzugehen, sie zu identifizieren? Richtige Einschätzungen zu treffen, um später eigenständig denken und handeln zu können? Autonomes Fahren und so? Grafische Situationen richtig auswerten und blitzschnell erkennen?

Yes, wir alle haben dazu beigetragen, dass der Weg hin zur funktionierenden KI schneller denn je beschritten wurde und der Reifeprozess hin zur brauchbaren Unkontrollierbarkeit hat so an Fahrt aufgenommen, dass niemand mehr dazu in der Lage ist, diese Entwicklung in seiner Rasanz wieder auszubremsen.

Und wisst ihr was? Das ist auch gut so, denn es hilft uns tatsächlich inzwischen massiv im Leben und bringt eine Qualitätssteigerung, die immens ist.

Was hat man sich früher rumgeärgert, weil dies und das wieder nicht richtig funktioniert, man seine Schlüssel verlegt hat, den Zettel nicht mehr findet, wo der Termin notiert war, keinen Überblick über seine Finanzen oder seinen Jahresablauf hatte und sich dennoch in einer damals noch etwas langsamer stattfindenden Welt zurecht finden musste?

Menschen haben unzählige Semester lang Medizin studiert, um rauszufinden, wie man anderen Menschen in Not möglichst effizient helfen kann und damit möglicherweise sogar Leben rettet.

Heute? Halten wir die Kamera unseres Smartphones über den Körper desjenigen, der am Boden liegt und kriegen von der KI gesagt, wo genau wir drücken müssen, damit die Person wieder mit Atmen beginnt.

Im Zuge der letzten Jahre haben wir so immense Fortschritte in medizinischer Hinsicht gemacht und damit die Forschung so extrem schnell vorangetrieben, dass es bald nur noch Sekunden dauern wird, und wir uns mithilfe der von uns selbst geschaffenen Technik selbst aus der Scheiße ziehen können.

Und es hört immer noch nicht auf. Ja, die Hardware ist inzwischen so ausgewachsen, dass man auch gerne ein Gerät von vor 8 Jahren in die Hände nehmen kann und damit im Alltag bestens zurecht kommt. Ist trotzdem keine gute Idee. Warum?

Gehen wir z.B. mal ein paar Monate zurück zur Erfindung des Lidar-Scanners beim Apple iPhone. „Wozu brauch ich das?“

Damals, als es großspurig verkündet wurde, konnte man diese Frage kaum sinnvoll beantworten. „Keine Ahnung? Ist halt ein nettes Gimmick.“

Yo, gib dafür mal 1500 € aus, nur um das neueste Handy und genügend Speicherplatz für die Zukunft zu haben, damit das Gerät nicht nur 12 Monate durchhält und dann aus Platzgründen ersetzt werden muss.

Korrekt. Aber denken wir mal weiter. Inzwischen kann man mit einigen kostenlosen Apps unfassbar realistische 3D-Modelle anfertigen und damit dann weiter arbeiten. Brauchst du nicht?

Dann überlegen wir mal: IKEA. Du fährst hin, misst aus, hast den Zettel mit den Maßen zu Hause vergessen, kaufst aufs Gradewohl und „mit gutem Bauchgefühl“ um dann zu Hause festzustellen, dass es doch 3 cm zu breit ist und nicht dorthin passt, wo du es eigentlich aufstellen wolltest. Dazu der Sprit, der Stress, überfüllte Einkaufsläden, Schlangen an der Kasse und insgesamt auch nicht grade ein gemütlicher Nachmittag. Und wofür? Um dann wieder hinzufahren und das Teil auszutauschen, obwohl man beim Aufbauen schon die erste Schraube falsch eingedreht hat und hier an dem einen Holzstück ein Eckchen rausgebrochen ist?

Okay – dann mal mit Lidar-Scanner. Gleiche Situation: Du brauchst ein neues Möbelstück. Also rufst du den Online-IKEA-Katalog auf und aktivierst Augmented Reality. Dann hast du den Schrank direkt auf deinem Display und siehst durch die Kamera deine Räumlichkeit und kannst dir ein so realistisches Bild davon machen, dass das „Bauchgefühl“ in Rente geschickt werden kann. Du kannst binnen eines Fingerwischs das Möbelstück woanders platzieren, verschiedene Optionen durchprobieren und letztendlich ein „maßgeschneidertes“ Möbelstück nach Hause liefern lassen (oder gerne auch hot-dog-abholen fahren), wo du dir 100% sicher bist, dass es passt und am Ende gut aussieht. Kein Stress mehr, sondern man kann sich ausschließlich auf die Genuss-Momente konzentrieren. Das nervige Ausmessen und vergessen entfällt.

Brauchst du nicht?

Dann gehen wir kurz zu den Maklern. Einmal kurz mit der Smartphonekamera durch die Bude laufen, um Grundrisse, Räume und 3D-Ansichten realistisch darzustellen und online feilbieten zu können. Wohnungsbesichtigung machen, wenn man von Hamburg nach Konstanz am Bodensee ziehen will? Warum 2x die Umwelt belasten, wenn man sich die Wohnungsbegehung auch online auf dem heimischen 80-Zoll-Fernseher in 8K-Auflösung mit VR-Brille reinziehen kann und somit „live“ die Wohnungsbegehung machen kann? Spart Geld für die Reise und anhand der erfassten Möbelstücke kann man die Wohnung im Vorfeld schon einrichten, ohne dass man Dinge quer durch Deutschland schleift, die anschließend aufgrund von Platzmangel doch bei Kleinanzeigen landen.

Brauchst du nicht?

Bleiben wir bei Kleinanzeigen. Du willst etwas verkaufen. Covid-Situationen. Warum nicht einfach ein 3D-Modell des Gegenstands hochladen, der jedweder Beschreibung entbehrt, weil sich das Gegenüber den von dir angebotenen Gegenstand „in echt“ anschauen kann, ohne dass ihr dabei Kontakt habt? Dann könnte man mit dem Display direkt mal zum Auto und sich dort ein Beispiel ansehen, wie die neuen Sitzbezüge dann im eigenen Auto aussehen werden und ob die Teile überhaupt passen.

Brauchst du nicht?

Dein Auto ist kaputt. Du machst die Motorhaube auf und tust so, als hättest du Ahnung davon, während deine Freundin auf dem Beifahrersitz langsam austickt und ihr schlussendlich doch den ADAC ruft, um euch in irgendeine überteuerte Werkstatt abschleppen zu lassen, wo man euch dann gebührend übers Ohr haut, weil ihr schlichtweg keine Ahnung von der Materie habt?

Einfach die Kamera in die Motorhaube halten und dann auf dem Display den Motor in 3D-Modelle zerlegen können. Schritt für Schritt Anleitung, was wo wann gemacht werden muss. Oder ne preisliche Einschätzung machen lassen aufgrund von Millionen anderer solcher Fälle, mit der ihr den Händler dann konfrontieren könnt.

Schränke aufbauen.

Pflanzen identifizieren, um die richtigen Pflegehinweise zu bekommen. Direkt in deinen Kalender eingespeist. „Du solltest heute dieses Bäumchen wieder mit ca. 480 ml Wasser gießen, weil die Wetterwerte und Umweltsituationen so und so und das die optimalen Bedingungen sind, damit die Pflanze bestens gedeiht.“

Wegweiser da draußen. Alles, was künstliche Intelligenz als Bild verstehen kann, kann man auch vertonen. „Links neben dir befindet sich eine Ampel, die derzeit auf rot steht. Davor warten 4 Personen. Eine zu deiner rechten, die anderen als Gruppe auf der linken Seite. Von rechts kommen 3 Autos, danach ist die Straße frei. Ändere deine Laufrichtung um 13° nach links, um den Überweg gerade zu übergehen und auf keine Hindernisse zu stoßen. Deine geschätzte Ankunftszeit beträgt 13 Minuten, du wirst also 18 Minuten vor deinem Termin vor Ort sein. Soll ich dir beim auf dem Weg befindlichen Café noch einen Latte Macchiato vorbestellen, den du dann nur noch abholen brauchst?“

Wir machen Blinde damit sehend. Wir können so vielen Menschen damit helfen, ein würdigeres Leben zu führen. Und wir machen es uns in vielerlei Hinsicht extrem einfach.

„Siri, schalt das Licht ein.“ „Siri, spiel sanfte Musik.“ „Siri, was ist heute noch los?“ „Wer singt das?“ „Füge diesen Song zu meiner Playlist x hinzu.“ „Schicke eine Nachricht an meine Mum: Bin gleich da, brauchst du noch was vom Aldi?“ „Rufe meinen Dad an“ „Erinnere mich in 10 Minuten: Bernd zurückrufen.“ „Stelle den Timer ‚Eier Ben‘“ „Wie komme ich heute noch preisgünstig nach Hannover?“ „Schalte meinen Fernseher ein.“ „Spiele Ozeanklänge und schalte Licht und Musik in 2 ½ Stunden aus.“

Oder denken wir mal weiter. Das oben geht ja alles schon.

Kamera auf deinen Teller: „Deine Mahlzeit enthält 1433 Kalorien. Um deine Ernährungsziele weiter zu verfolgen, könntest du das durch 210 Gramm davon ersetzen bei gleichbleibendem Geschmack und höherer Sättigung. Außerdem beugst du damit diesem und jenem Leiden vor.“

Ganz ehrlich? Ich habe eine App, die auf künstlicher Intelligenz basiert und Rezepte basierend aus dem, was dein Kühlschrank hergibt, generiert und ich habe in den letzten Wochen damit angefangen, danach zu kochen – und der Geschmack haut dich wirklich um!

Wovon haben wir milliardenfach im Internet? Rezepten. Und Meinungen dazu. Sagte nicht irgendwer mal in einem völlig übertrieben langen Beitrag ziemlich am Anfang, dass wir alle dazu beigetragen haben, KI intelligent zu machen?

Stell dir vor, du liegst abends gemütlich im Bett und wählst anhand dessen, was noch vorrätig ist, aus, was du in der kommenden Woche gerne essen möchtest, machst dir deinen Wochenplan und drehst dich dann gemütlich rum. Und morgens steht ein Paket vor deiner Tür (weil die KI weiß, dass du gleich arbeiten bist, das Zeug aber vorher noch in den Kühlschrank räumen musst), in dem die fehlenden Komponenten für deine Mahlzeiten in der richtigen Menge (Mittwoch kriegst du Besuch, steht im Kalender, 2 Personen, für die du mehr kochen musst) drin sind. Geil?

Stell dir vor, du fliegst nach China in Urlaub und brauchst kein einziges Wort chinesisch sprechen, weil die Glasses auf deinen Augen die Lippen deines Gegenübers ablesen und Echtzeit übersetzen können und dir in deine Kopfhörer in deiner Landessprache übersetzen, was die Frau da hinterm Fleischtresen grade von dir wissen will und während du in deiner Landessprache antwortest, hört sie es in ihrem Mandarin-Dialekt und ihr beide könnt bestens miteinander kommunizieren. Geil?

(Geht übrigens schon.)

Stell dir vor, eine weitere Pandemie kommt und überfällt die Menschheit. Und die KI sagt: „Wir brauchen dieses Rohmaterial, das hab ich bei einer AR-Aktion in Hamburg in der x-Straße 48 entdeckt – und wir brauchen dieses Rohmaterial, davon gibt es Vorkommen an folgenden Geolocations … und die benötigten Mengen könnten wir in diesen Lagerhallen produzieren und dann wird eine lebensbedrohliche Gefahr abgewendet.“ Nie wieder „Hätte ich das gewusst…“-Situationen.

Und ganz ehrlich? Wir haben schon so viele Dinge an die KI abgegeben. Zeitmanagement. Musikalische Untermalung. Zusammenstellung der Filme. Lebensmomente, Erinnerungen, soziale Interaktion. Wir sind noch wenige Tage davor entfernt, dass die Fernseher zu Hause automatisch erkennen, wer alles davor sitzt und nur übereinstimmende Vorlieben auf dem Mainscreen angeboten werden. Das lästige „Worauf habt ihr Bock, was wollt ihr sehen? Neeee quengel quengel“ entfällt.

„Siri, zeig mir mehr davon.“ „Spiele Songs wie diesen.“

Wenn du nach Hause kommst, schwenkst du ein iPhone einmal kurz über die HomePod-Lautsprecher und deine Musik wird nahtlos an die heimische Anlage und AppleTV abgegeben, damit du dein Stück, dein Podcast oder was auch immer noch fertig hören kannst.

Gleichermaßen kannst du die Titel mit auf Reisen nehmen.

Wir sind so weit, dass wir kein „Diese Maus steckt an dem Gerät und geht nur da“ mehr haben, sondern über alle Grenzen hinweg mit einem Eingabegerät arbeiten können und Projekte grenzüberschreitend voranbringen können. Es gibt immer weniger Barrieren, es wird alles immer leichter.

Die Technik reduziert sich immer weiter: Ein Interface (Display), Eingabe- und Ausgabegerät. Punkt.

Bald kommt es nicht mehr drauf an, was du hast, sondern nur noch, dass du damit connected bist. Und wozu das alles? Damit die KI basierend auf meiner Stimmung, die sie anhand von beispielsweise meiner Stimmlage beim Befehle diktieren erkennt, die richtigen Serien fürs Abendprogramm raussuchen kann?

Ja, es gibt da noch unfassbar viel zu regeln. Gesetze der Robotik. Ethik von künstlicher Intelligenz. Dafür brauchen wir eine Bundesregierung, für die Internet kein „Neuland“ ist. Die Schwachstelle ist und bleibt der Mensch. Und die Regulierungen haben längst begonnen – in immer mehr Ländern müssen sich große Tech-Unternehmen in verschiedenen Anhörungen den Gerichten stellen, werden untersucht und kriegen Schranken, an die sie sich zukünftig halten müssen. Das dauert noch, bis das in einer „würdigen Weise“ vonstatten gehen wird, aber ihr seht: Es sind längst Dinge möglich, von denen unsere Väter noch als SciFi geredet und die sie für unvorstellbar gehalten haben. Sind sie aber nicht, sondern längst Realität. Ich renne nicht mehr raus zur Bushaltestelle und studiere diese vergilbten Schilder von Fahrplan, sondern frage: „Wann fährt der nächste Bus nach…?“

Ich suche keine Fernbedingung mehr und ärgere mich über ausgelaufene Batterien, weil die Katze mal wieder drauf gepisst hat, sondern sage „Wecke meinen AppleTV.“

Und mit dem, was da in Zukunft noch möglich werden wird, steuern wir auf eine unfassbar spannende Zukunft hin, in der auch weiterhin mein Hammer-Beispiel gelten wird: Nicht die Technik ist böse, sondern der Mensch entscheidet, was er damit anstellt. Einen Hammer kann man hervorragend benutzen, um einen Nagel nicht mit bloßer Hand in die Wand schlagen zu müssen. Stellt eine unfassbare Arbeitserleichterung dar und beugt Verletzungen vor. Oder man nutzt ihn, um jemandem den Schädel einzuschlagen. Die Schwachstelle ist der Mensch, nicht der Hammer.

Warum ich das alles erzähle?

Weil mit Ich bin dein Mensch dieses Thema filmischerseits angegangen wird – und zwar sowas von gut, dass ich meinen Hut davor ziehe.

Maria Schrader hat hier einen Film gebastelt, der mal nicht mit der bedrohlichen „Schmeißt eure Taschenrechner aus dem Fenster, sonst übernehmen Roboter noch unser Leben“-Kinoangst ums Eck schnellt, sondern legt hier einen Geniestreich aufs Parkett, der absolut zeitgemäß ist und vor Fachwissen nur so strotzt. Man spürt permanent, dass das komplette Team im Hintergrund hier die Hausaufgaben gemacht, man sich mit der Materie auseinandergesetzt hat und den Fokus auf die Dinge richtet, die für die Menschheit diesbezüglich noch auf der Todo-Liste stehen.

Und dabei geht man ebenfalls große Schritte in die Zukunft (auch, wenn diese nicht mehr so weit weg zu sein scheint, wie manche immer noch glauben), behält aber immer kühlen Kopf und setzt sich einfach faszinierend professionell mit dem Thema auseinander. Und das in einem Machwerk, das keinen englischen Originaltitel vorweisen kann, weil es aus der deutschsprachigen Schmiede stammt und mit deutschsprachigen Schauspielern glänzt.

Wow – einfach wow. Mimik, Gestik, selbst die viel von mir angeprangerten Sprach-Unnatürlichkeiten sind hier nahezu ausgemerzt und lassen pures Filmvergnügen aufkommen, während man sich angstfrei dem Thema nähert und sich essentiell und umfassend damit beschäftigt. Allein das ist ein Grund, diesen Film nicht ungesehen an einem vorbei gehen zu lassen.

Dazu kommt das unverwüstlich-vielseitige Bild der deutschen Hauptstadt, die als Filmelement schon oft eine gute Figur gemacht hat und hier in einem völlig neuen Licht präsentiert wird. Tolle Stimmungen, faszinierende Einstellungen und Blickwinkel, die für mich als Berlin-Liebhaber auch ein Grund sind, sich das Ding nochmal anzusehen.

Und dass etwas Technisches dann noch gefühlvoll und durchdringend (hier sieht man wieder, warum es so wichtig ist, dass wir zukünftig mehr Frauen an die Macht kriegen) präsentiert wird und überall noch eine Brise wunderbaren Humors dazu kommt, rundet für mich den perfekten Kinoabend ab.

Ganz ehrlich? Schaut euch diesen Film zwingend an, der seine Premiere auf der Berlinale gefeiert hat und am 17. Juni 2021 in ausgewählten Kinos in Deutschland angelaufen ist.

Hier hatte ich mich ja schon mal zu dem holprigen Start der Kinoöffnungen ausgelassen, weshalb auch dieser Filmstart quasi zwei Termine hat: Ausgewählte Städte haben den Film seit 17. Juni 2021 im Angebot, bundesweit startet er dann am 1. Juli 2021. Wichtig ist: Wann auch immer er in deiner Stadt startet: Geh rein und sieh ihn dir an.

.kinoticket-Empfehlung: Die angstfreie Auseinandersetzung mit etwas Unbekanntem verarbeitet in einem Werk mit viel weiblicher Sensitivität, bodenständigem Humor und unglaublich spannender Unterhaltung – all das liefert Ich bin dein Mensch innerhalb eines Films.

Der weit gefasste Blick in die Zukunft erscheint greifbarer denn je und bietet im Zuge der technischen Neuerungen unseres Jahrzehnts einen Einblick in das, was uns in den kommenden Jahren beschäftigen wird. Dass dabei nicht mit billigen Plot-Tricks, sondern mit enormem Hintergrundwissen gearbeitet wird, macht diesen Streifen neben den ausgezeichneten Darstellerleistungen extrem sehenswert.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht aussitzen, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 17. Juni 2021 in ausgewählten Kinos | 01. Juli 2021 bundesweit

Original Title: Ich bin dein Mensch
Length: 104 Min.
Rated: FSK 12

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