Inna de Yard - Filmplakat
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Musik hat hierzulande ja schon einen fast inflationären Wert: Wo immer man ist, dudelt irgendein Lautsprecher vor sich hin und quasselt die ganze Zeit den selben Quatsch. Sender umschalten bringt inzwischen auch nichts mehr: Einheitsbrei in Dauerbeschallung.

Wäre man bösartig, könnte man meinen, es gäbe fortan landesweite Foltertorturen, denen man sich (zumindest im Berufsleben) kaum noch entziehen kann.

War man früher hier und da noch auf der Suche nach geeigneter Musik (und hat sie tatsächlich manchmal auch gefunden), heißt die heutige Challenge oft: Radio aus, ohne dass jemand von den Kollegen es merkt und man endlich mal ein paar Minuten Stressfreiheit im Kopf hat.

Unter dieser Prämisse geht völlig unter, dass Musik einst mal dafür da war, Kulturen auszudrücken, Lebensweisen wiederzugeben, Dinge zu erzählen, die von der Geschichte und dem Wirken eines Landes, einer Gesellschaft, einer Zunft oder ähnliches berichten – dass Musik eine Art “Way of Life” sein kann und tatsächlich auch heute hier und da noch ist.

Wer dann “Jamaica” liest, ist wohl an dieser Stelle endlich raus, da sehr viele damit erst recht nichts anfangen können … und hier beginnt, der Film interessant zu werden, denn genau dieses “Vorurteil” durchlebte der Protagonist auch und machte sich auf die Suche nach der Tiefe dieser Musik-Kultur.

Was dabei raus kommt, hat sogar mich ergriffen – und ich zähle zu jenen, die mit “Kiffer-Mugge” nichts anfangen können.

Die Eindrücke, die Beats, die Festen im Leben dieser Menschen werden hier eindrucksvoll beschrieben und man wird mitgerissen auf eine Reise der besonderen Art.

.kinoticket-Empfehlung: Taucht ein in eine Kultur und zeigt, wozu Musik einst fähig war, bevor der Kommerz sie getötet und gefressen hat: Zurück an die empfindsamen Eindrücke, in der man sich mit Musik weltweit noch Gehör verschaffte. Dieses Portrait einer Kultur ist definitiv sehenswert!

Nachspann: Darf man mitnehmen, hier wird man noch mit einigen Bildern und Szenen verwöhnt.

Kinostart: 20. Juni 2019

Original Title: Inna de Yard
Length: 99 Min.
Rated: FSK 6