Into the Beat - Filmplakat
© 2020 Wild Bunch

Hinweis: Unter diesem Beitrag gibt es ein Gewinnspiel, bei dem 2x das Buch zum Film aus dem 360 GRAD VERLAG verlost wird.

Reden wir mal über Sprache, Ausdruck und Verständnis. Denn genau dies ist für diesen Beitrag eine essentielle Voraussetzung, um miteinander kommunizieren zu können.

Sprache ist für mich grundsätzlich fehlerhaft. Als Blogger und Autor bin ich jemand, der sich tagtäglich mit Wörtern, Wortschöpfungen, Sprachentwicklung und Veränderlichkeit auseinandersetzt. Der Gewinn von Sprache liegt darin, einander Dinge zu sagen und nicht allzuoft dabei zu scheitern, dass der andere sie gänzlich missversteht. In Anbetracht dieser Tatsache fühlt es sich schon mal grundlegend demütig und defensiv an, überhaupt etwas zu äußern.

Dann kommt Ausdruck. Ausdruck gibt es zum Beispiel mit Worten, oder mit Mimik oder Körpersprache. Hier liegt die Interpretationsfreudigkeit wieder auf einem völlig anderen Niveau, denn es gibt kein „Wort“, das man „so oder so“ verstehen kann, sondern das Spektrum ist viel weiträumiger gefasst. Ausdruckstanz zum Beispiel kann unzählige Interpretationsmöglichkeiten bieten und von jedem anders verstanden werden, obwohl alle in der selben Vorstellung hocken.

Daraus leitet sich dann das ganz persönliche Verständnis ab: Die „fertige“ Interpretation des Ausdrucks dessen, das irgendwer irgendwo gesagt haben will. Sprich: Es ist von vornherein absolut unmöglich, dass bei einer Sache alle tatsächlich exakt dasselbe verstehen, denn allein schon die Wortbedeutung interpretiert jeder Mensch mit unterschiedlicher Gewichtung und in verschiedene Richtungen (je nach Erfahrung etc.). Ziel ist hier viel mehr die Annäherung und möglichst große Teilmenge beider Parteien.

Diese Sache setze ich persönlich zum Beispiel grundsätzlich voraus, vor allem hier im Blog. Ich habe seit Bestehen immer wieder verkündet und darauf geachtet, darzulegen, dass dies hier alles meine persönlichen Ansichten und Meinungen sind, dass ich journalistisch betrachtet den totalen Klogriff abfeiere. Nix mit Objektivität, nix mit „beide Seiten gleichermaßen darstellen und den Zuschauer entscheiden lassen“, sondern subjektiv, polarisiert, einseitig, die eigene Meinung.

Jeder, mit dem ich persönlich gesprochen habe, weiß, dass es hier ausschließlich um meinen eigenen Geschmack geht und dass ich selbst sehr wohl weiß, dass dieser keine Allgemeingültigkeit hat, sondern ich immer wieder dazu aufrufe, sich ein paar Filme durchzulesen um meinen Geschmack einigermaßen kennenzulernen und dann entweder Gemeinsamkeiten oder Differenzen zu entdecken und sich daran zu orientieren.

Bei Into the Beat prallen nun Welten aufeinander, die dermaßen kontroverse Diskussionen in den Kinofoyers ausgelöst haben, dass ich mich nun tatsächlich tagelang darauf vorbereitet habe, hierzu etwas zu äußern und dabei den bereits auf mich zufliegenden Steinen auszuweichen 😀

Ganz einfach:

Ich bin kein „Tanzfilmtyp“. Street DanceHoneyFootlooseStep Up und wie sie alle heißen mögen: Ich „hasse“ dieses Genre, denn der Plot ist mir einfach zu platt und die Gegensätze zu krass. Ich persönlich kann dieser Kunstform absolut nichts abgewinnen.

Irgendein Mädchen/Junge aus dem „klassischen“ Sektor entdeckt „rebellisches Hip Hop“ und macht es sich zur Lebensaufgabe, gegen die alten Vormünder zu rebellieren und das Genre zu wechseln, entdeckt dabei ganz zufällig noch die Liebe und am Ende liegt sich jeder in den Armen und alles ist toll, weil Hip Hop auf einmal Bach und Chopin ablöst.

So könnte man bausteinhaft jeden dieser Filme beschreiben und der Plot würde sich jedesmal wieder 1A in das Systemgefüge einpassen lassen, denn davon gibt es partout keine Abweichungen.

Was bleibt, sind also die Dance-Moves, die Körperbeherrschung und Kraft benötigen, was ich als Laie nun auch wiederum extrem schwer einschätzen kann: Für mich sieht das mehr oder weniger sowieso alles „gleich“ aus und ist demnach „unspektakulär“, denn es reizt mich nicht und man kann mich damit – auch wenn es vielleicht mega professionell ist – nicht vom Hocker reißen.

Also geh ich hin und „blende den ganzen Tanzmist aus“ und bewerte die Filme nach reinem Kinovergnügen. Und da sind mir bei Into the Beat tatsächlich einige positive Aspekte aufgefallen, für die mich manche inzwischen schon mehrfach gesteinigt haben :D

Bislang war in solchen Filmen der „emotionale Abstand“ der einzelnen Charaktere immer sehr schwarz-weiß. Es gab keine Grautöne: entweder, oder – oder tot. Man durfte als „Klassikliebhaber“ noch nicht mal „normales Radio“ anmachen, sondern ausschließlich Klassik hören, während Rapper keinerlei Annäherung an andere Musikgruppen oder -geschmäcker entwickeln durften, ohne unten durch zu sein. Auch innerhalb von Familien oder (vormals) engen Freunden absolute Nulltoleranz. Diese Zerrissenheit ist mir immer too much gewesen, und genau da fing man hier durch stilistische Mittel an, sich einander anzunähern.

Dies kommt in Form von ausbleibenden, erwarteten Streits zum Beispiel oder der geheiligten Tonspur, auf die ich gern weiter eingehen möchte. Der Film hat einen ganz bestimmten Takt und es gibt keine krassen „Risse“, sogenannte Hard Cuts, die abrupt abbrechen und in das andere Genre wechseln, sondern man fadet immer sehr smooth durch die einzelnen Lager und verbindet alles, während der Zuschauer seinen wippenden Fuß niemals unterbrechen muss, sondern den Beat durchweg mit Metronom weiterverfolgen kann. Und auch die Bilder switchen manchmal, obwohl der Klang der gleiche bleibt und man deutlich merkt, dass auch der „Gegner“ zu den eigenen Tönen Bewegungen machen kann, die zueinander passen. Musikalisch bewertet also absolut spitze gelöst, was wiederum nichts über den Plot oder die Realität der Handlungen aussagt.

Nun kommen die Tanzfilmkritiker und schreien rum, dass die zwei nichts drauf hätten – und ja, auch da hab ich tatsächlich schon beeindruckendere Moves gesehen, jedoch ist dieser Teil für mich gar nicht die Absicht des Films gewesen (was der Trailer fälschlicherweise vermittelt hatte), sondern es geht vielmehr um eine Geschichte, die dann leider wieder an den Tanzfilm-Klischees struggelt und schließlich daran stirbt.

Der Plot ist also nach wie vor kacke, die (akustische) Umsetzung fand ich diesmal aber definitiv viel besser gelungen als bei anderen Filmen dieser Art. Der Soundtrack macht im Kino wirklich Spaß und auch die Stücke wurden meines Erachtens gut ausgewählt … das war einer der Gründe, weshalb ich den Film tatsächlich bereits 2x gesehen habe: Der Beat ist unvergleichlich und den Soundtrack würde ich mir sofort holen.

Was in meinen Augen auch ganz okay war, ist das Zusammenspiel der beiden Hauptcharaktere. Es wird viel gelacht, weniger verurteilt, alles etwas lockerer gehalten: Die Nulltoleranz wird umgangen und auch da finden sich wieder Annäherungen, die ich so von anderen Filmen dieser Gattung bislang nicht kannte.

Was mir gefehlt hat, war ein „ordentliches Finale“. Da merkt man dann, dass die Macher scheinbar keinen Bock auf einen Tanzfilm hatten und – bei genauerem Hinsehen – entdeckt man dies den ganzen Film über andeutungsweise in Form der einzelnen Schnitte. Immer dann, wenn’s zur Sache gehen sollte, beendet man die Szenen oder führt andere Blickwinkel ein, sodass man leicht überspielen kann, dass die artistische Leistung eben nicht so beeindruckend ist, wie man sie möglicherweise aus dem Theater oder Ballett tatsächlich kennen könnte – und dieses „Nicht können“ mündet in einem absolut unbefriedigendem Finale, dass eben keinen Paukenschlag abfeiert, sondern eher verblüffend ruhig und unwirklich daherkommt.

Damit ist der Film zerrissen, und das hört man danach auch vom Publikum: „Niemand würde sich entscheiden, so eine Karriere abzubrechen, wenn man bereits so weit gekommen ist“ vs. „Wenn du es von Anfang an nie wolltest, aber vom Vater dazu gezwungen wirst, wird es höchste Zeit, die Karriere abzubrechen, weil sie dich dauerhaft nicht glücklich machen würde“, „Die Moves waren Klasse“ vs. „Was sollte das? Was können die überhaupt?“, „Der Film hat mich auf allen Ebenen berührt und ist einfach toll“ vs. „Das war die totale Scheiße und sogar für einen Tanzfilm mega schlecht“ … die Meinungen gehen hier so krass auseinander, dass ich eigentlich sagen müsste: Gut gemacht, nur ein Film, der extrem polarisiert, ist ein guter Film … und dafür landen wahrscheinlich gleich wieder 300 Steine an meinem Kopf.

Also: Machen wir’s anders.

Gewinnspiel

Into the Beat - Book Cover
Buchcover „Into the Beat“ – Das Buch zum Film aus dem 360 GRAD VERLAG

Mir wurden nämlich freundlicherweise zwei Bücher zum Film aus dem 360 GRAD VERLAG zur Verfügung gestellt, die ich hiermit an euch weiterverlosen möchte.

Da hätten wir das nächste Kriegsgeflecht: Film vs. Buch, wenn der Film also schlecht ist, kann das Buch ja nur gut sein – und die eigene Fantasie und Kreativität im Kopf regt einen ja beim Lesen bekanntlich auch immer monströs an, weshalb ich das Buch jedem ans Herz lege.

Schreibt einfach bis einschließlich Montag, den 20. Juli 2020 in die Kommentare, zu welchem Song ihr zu Hause ganz gerne mal tanzt (oder tanzen würdet) und welche Beats euch in Wallung bringen.

Die beiden Gewinner*innen werden anschließend im Losverfahren ausgewählt und von mir benachrichtigt, gebt also bitte eine gültige E-Mail Adresse an, unter der ich euch erreichen und nach der Adresse fragen kann. Diese wird ausschließlich im Rahmen der Verlosung von mir persönlich genutzt und nach dem Versand wieder gelöscht.

Nun drücke ich euch die Daumen, wünsche allen viel Glück und sage mal vorsichtig: Geht ins Kino und bildet euch eure eigene Meinung – und lasst sie mich hinterher wissen 🙂

Kontrovers, deutsch, scheitert beim Plot an den üblichen Struggles des Genres, aber: Geheiligt sei die Tonspur: Hier wurde beeindruckend gearbeitet. Ein Film, der Diskussionen auslöst und entweder geliebt oder gehasst wird.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Werden mit einigen Tanz-Choreos eingeleitet, faden dann aber ins Schwarz und enthalten keine weiteren Szenen. Aufstehen erlaubt.

Kinostart: 16. Juli 2020

Original Title: Into the Beat – Dein Herz tanzt
Length: 98 Min.
Rated: FSK 0