Oktober 17, 2021

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James Bond 007: Keine Zeit zu sterben

Keine Zeit zu sterben - Filmplakat
© 2021 Universal Pictures International

Es ist die Zeit der großen Werke – und man spürt deutlich, dass ungefähr drei Jahre Produktionszeit jetzt in Rekordgeschwindigkeit durchs Kino geschleust werden wollen – einer der Gründe, warum ich mich auch ein wenig zurückgezogen habe: Jeder hat so seine eigenen Vorstellungen, was er momentan gerne sehen möchte und ist in der Regel zufrieden damit, überhaupt wieder vor einer Leinwand sitzen zu dürfen, auch wenn die Bedingungen dafür noch längst nicht optimal sind.

Gleichermaßen fühle ich mich auch immer ein wenig „ge-handbremst“ dabei, anderen zu empfehlen, große Räumlichkeiten aufzusuchen und sich inmitten von fremden Personen niederzulassen und seine Freizeit zu genießen: Zu viel Trara hängt da noch im Hintergrund dran, wo jeder persönlich entscheiden muss, wie er oder sie damit umgeht: Impfen lassen, 3G-Regeln, Hygiene, ärztliche Betreuung, Vernunft walten lassen … und wie ihr wisst, hat es mich persönlich auch schwer getroffen, was natürlich vieles in dieser Branche fürs erste mal anders ablaufen lässt.

Nichtsdestotrotz vertrete ich immer noch die Ansicht, dass man sich Filme grundsätzlich als erstes im Kino ansehen sollte: Niemals kriegt man danach den „ersten Eindruck“ wieder so phänomenal auf die Reihe, wie vor einer großen Leinwand mit etwas Publikum im Raum. Vor all dem steht jedoch die inzwischen verloren gegangene Vernunft, dass dafür auch Grundvoraussetzungen geschaffen werden müssen, die man in der Allgemeinheit nicht wirklich hinkriegt. Also von mir persönlich einfach mal der Appell: Lasst euch impfen (inzwischen gibt es viele Impfstoffe, es sind auch viele Monate vergangen, seitdem die ersten geimpft wurden und Erfahrungswerte sind inzwischen längst vorhanden) und verhaltet euch danach auch als Geimpfte so, dass Ansteckungen von anderen Personen möglichst vermieden werden können. Auch, wenn euch dieses Virus nicht mehr persönlich niederringt, so könnt ihr trotzdem Überträger sein, was das zeitweise Tragen von Masken auf den Wegen ins Kino etc. durchaus sinnvoll erscheinen lässt.

Also nehmt Rücksicht, haltet gegenseitig dazu an, die pandemischen Zustände schnellstmöglich auf medizinische Weise zu beenden, damit wir eines Tages nicht mehr über solche Vorkommnisse sprechen müssen, sondern uns wieder einzig und allein auf die Inhalte konzentrieren können und es auch wieder uneingeschränkt Spaß macht, diese in den kulturellen Einrichtungen anzuschauen.

Die Geschichte

Inzwischen fast schon Tradition: Die Herkunft zu besprechen, damit ihr erstmal ein paar Randfakten zu dem inzwischen weltweit langlebigsten Kinofranchise aller Zeiten erfahrt.

1953 hatte der fiktive Charakter erstmals als Agent 007 seinen ersten Fall – dank Ian Fleming, der in Folge 12 Romane und neun Kurzgeschichten veröffentlicht hatte.

Auch hier griff die Fernseh- und Filmwelt wieder zu und startete 1954 mit Casino Royale den ersten Bond-TV-Film und löste damit ein weltweites Phänomen aus.

Inzwischen hat sich daraus ein Kult entwickelt, der die Eigenheiten des Charakters als auch die Art, wie die Filme gemacht wurden, als popkulturelles Phänomen etabliert und unzählige Fans auf dem ganzen Erdball gewonnen hat. Eine der größten Diskussionen überhaupt: Wer ist der bessere Bond?

Los geht’s mit Sean Connery, der mit James Bond jagt Dr. No startete und insgesamt sechs Filme als Hauptdarsteller aufs Parkett legte.

Im Geheimdienst ihrer Majestät ist der einzige Streifen mit George Lazenby, weshalb dieser auch nicht so häufig in den Nennungen des besten Bonds auftaucht.

Mit Leben und sterben lassen startete Roger Moore seine Bond-Karriere und lieferte insgesamt sieben Verfilmungen ab.

Danach folgte Timothy Dalton mit Der Hauch des Todes und Lizenz zum Töten.

1995 startete dann Pierce Brosnan die Quadrilogie, die meine Kindheit prägte und lieferte mit Golden Eye, Der Morgen stirbt nie, Die Welt ist nicht genug und Stirb an einem anderen Tag ikonisches Kino, bevor der aktuellste Bond die Bildfläche betrat: Daniel Craig.

Gewissermaßen kann man jetzt von einem „Reboot“ der Reihe sprechen, denn Casino Royale war sein Debüt, welches dann mit Ein Quantum Trost, Skyfall, Spectre und nun eben Keine Zeit zu sterben als eine große Geschichte erzählt werden sollte, ohne daraus jeweils einzelne Werke werden zu lassen.

Gleichzeitig stellte man hier auch Rekorde auf: Skyfall und Spectre waren die bislang umsatzstärksten Filme der gesamten Reihe, insgesamt holte man mit den Craig-Filmen über 3,1 Milliarden Dollar in die Kasse und oben drauf zählt Keine Zeit zu sterben nun für viele Kinos zu den Hoffnungsträgern, endlich wieder Geld zu machen, Publikum zu kriegen und zum Teil über das Überleben des Kinos zu entscheiden.

Zündet der Stoff?

Schon bei Dune saßen wir fast 3 Stunden im Kino und auch der neue Bond macht hier keinen Unterschied: Die Laufzeit ist irre lang, vergeht aber dennoch irgendwie wie im Fluge, auch wenn der letzte Part dieser Quintologie nun doch hier und da gewisse Längen aufweist.

Schon im Vorfeld gab es dazu heißblütige Diskussionen und aufkommende Gerüchte: Bond soll zukünftig eine Frau werden, möglicherweise sogar eine PoC und dementsprechend etablierte man bereits im Trailer gewisse Hinweise darauf, dass dies wohl so passieren könnte.

Genau den selben Coup haben ja auch schon andere Filmreihen abgezogen: Ghost Busters (was ein völliger Flop war), Ocean’s Eleven, der mit Ocean’s Eight auch verweiblicht wurde und floppte und nun soll ein jahrzehntelanges Phänomen zwanghaft auch in die weibliche Presse gesteckt werden, damit jeder irgendwo zufrieden ist?

Meiner Meinung nach hätte man sich produzententechnisch aus dieser Diskussion völlig raus genommen, denn ganz ehrlich: Wenn man eine weibliche Agentin haben möchte, die immer wieder neue Missionen erlebt, dann soll man dazu einfach etwas eigenes, authentisches schreiben und verfilmen und nicht bereits Existentes verwursten und zwanghaft auf weiblich bügeln.

Wir müssen nicht alles, was es schon gibt, jetzt gendertechnisch anpassen und überall „neue, politisch korrekte Varianten“ produzieren, sondern vielmehr sollte das Problem als solches dadurch gelöst werden, dass zukünftig einfach eigener Stoff erschaffen wird, der Frauen eben nicht mehr die „billigen“ Rollen zukommen lässt und das Gender-Problem auf die Art löst, dass die „toxischen“, „rassistischen“ und „männerverherrlichenden“ Varianten einfach langsam aussterben und durch politisch korrekte Neuschöpfungen in Vergessenheit geraten. Dann erzeugt man auch keinen Hass.

Dementsprechend unsympathisch wirkt auch der „Ersatz“, den man hier immer wieder einspielt: Man spürt förmlich die Angst der Geldeintreiber, irgendwen in diesem irren Genderei-Massaker auf die Füße treten zu können und macht deshalb einfach mal pseudo-weltoffen alle möglichen Optionen ins Drehbuch, mit denen man sich anschließend dann auf Pressekonferenzen und TV-Statements rausreden kann.

Wenn ihr tatsächlich plant, Bond weiblich zu machen, dann müsstet ihr an der aktuellen Darstellerin einfach komplett alles ändern: Charme, Ausstrahlung, Fetzigkeit, Witz, Eloquenz, Mysterium, Coolness: Die Dame wirkt in allen Szenen gequält „frauenquotig“ und macht überhaupt keine Lust auf neue Sequels.

Dazu kommt dann der melodramatische Abgang, was in Summe keines der actionlastigen Bond-Erlebnisse hervorruft, die es bisher gegeben hat, sondern eher einen Ladies Night-Film, bei dem Bond selbst nur noch ein billiger Abklatsch seiner selbst ist.

Nachdem nun auch schon der Rat für die deutsche Rechtschreibung empfohlen hat, Gender-Stern, Gender-Gap und alle anderen Phänomene nicht zu benutzen, sollte man sich auch in der Filmwelt neu besinnen und Wege finden, die das „Unterdrückungsproblem“ auf andere Weise lösen.

Ein emotionales Ende einer Ära

Diesbezüglich bleibt eigentlich nur zu sagen, dass man sich auch hier vermutlich wieder die Mühe machen und alle Teile mit Daniel Craig am Stück schauen sollte, um hier die Gänze der Story und die Zusammenhänge richtig zu interpretieren.

Die Relationen zu den vorherigen Teilen sind gut gesponnen worden und man merkt, dass es sich hier um ein einzigartiges Fortsetzungswerk handelt. Im Zuge dessen darf man Keine Zeit zu sterben dann wohl als emotionales Ende einer Ära einordnen, das den Schauspieler, der anfangs immense Probleme mit dieser Rolle hatte, nun an einem Zeitpunkt aus dem Spiel holt, wo er sich endlich mit selbiger abgefunden hatte und anfing, sie gut zu verkörpern.

Mögen die kommenden Filme besser werden.

.kinoticket-Empfehlung: Dramatisch kurzweilige Action mit einigen Längen und dem misslungenen Versuch, auf das Genderei-Geschrei einzugehen, was in meinen Augen komplett nach hinten losging und damit das Gesamtwerk zu Bruch brachte.

Es wird großes versprochen und am Ende drückt man extrem auf die emotionale Drüse, damit ist es aber irgendwie kein richtiger Bond mehr, sondern eher ein Film für die Ladies Night, der nichts mehr mit seinen Vorgängern gemein haben will.

Nachspann: ⚪️⚪️? | Es folgt noch ein Teaser-Satz, der viele Fragen aufwirft…

Kinostart: 30. September 2021

Original Title: No Time To Die
Length: 164 Min.
Rated: FSK 12