Oktober 7, 2022

.kinoticket-blog.de

| highest standard in cinema addiction |

King Richard

King Richard - Filmplakat
© 2022 Telepool

Mit hollywoodesken Erfolgsgeschichten ist das so eine Sache. Ja, wir alle haben schon mindestens einmal vom American Dream gehört, dass jeder alles schaffen kann, wenn er nur will und sich richtig anstrengt und blablabla.

Wir alle haben die kitschigen Botschaften gehört, dass es keine Rolle spielt, wo man herkommt, wer man ist, welche Hautfarbe man hat und so weiter… und dann verlässt man die Fantasiewelt des Films und findet sich in einer völlig anderen Realität wieder.

Umso mehr Hoffnung dürfte King Richard geben – der an dieser Stelle ein paar Besonderheiten mitbringt: Inhaltlich mag inzwischen jeder irgendwo gehört/gelesen haben, dass es um die Tennisspielerinnen gehen soll, die weltberühmt geworden sind (da wären wir also bei der Realität) und tatsächlich sagt Will Smith selbst, dass das Thema Tennis erst an sechster Stelle auftaucht und es um ganz andere Dinge geht. Nicht umsonst heißt der Film ja King Richard und nicht Queen Serena & Venus.

Ich habe den Streifen inzwischen vielfach in verschiedenen Versionen gesehen und bin von jeder einzelnen begeistert. Genau dieses Drumrum hat mich fasziniert, dass es eben nicht zu einer öden Dokumentation oder zu einem weiteren dieser Kitsch-Movies gereicht, wie in Teilen der Trailer angedeutet hat, sondern man sich hier wirklich mit der Psyche eines Mannes auseinandersetzt und dieses unbändige Streben vorwärts aufzeigt. Die Lebenseinstellung als solches ist höchst bewundernswert.

Ihr merkt zur Zeit ja auch, dass ich ein wenig zurückhaltend geworden bin ob der Geschehnisse, die sich momentan in der Weltgeschichte abspielen, aus Respekt und Ehrfurcht vor den Menschen, die da gerade um ihre Existenz und Unterkünfte, ihre Familien, ihren Lebensraum und ihr Leben kämpfen. Irgendwie weiß ich grad nicht, inwieweit da „Kinovergnügen“ das richtige ist, um sich angemessen mit diesen Dingen auseinanderzusetzen.

Ich weiß aber auch, dass dieses Thema extrem viele beschäftigt und viele Menschen unglaublich strapaziert sind, ihre Hoffnung und Perspektiven verloren haben. Junge Leute, denen die Welt offen stehen sollte, werden erst zwei Jahre eingesperrt, kriegen Masken ins Gesicht, werden mit unzähligen Verhaltensregeln belegt und wenn das alles einigermaßen durchgestanden ist, gibt’s als Belohnung nen Krieg oben drauf. Viele verlieren dadurch den Mut, ihr Leben zu gestalten. Etwas aus sich zu machen. Nach etwas zu streben – wozu auch? „Wenn das durchgestanden ist, kommt die nächste große Scheiße“.

Ja, manchmal kann man solche Gefühle haben – und es ist gut, dass sie da sind. Und ich spreche dich direkt an, wenn du davon betroffen ist: Such dir jemanden und rede darüber. Und wenn keiner da ist, setz dich an irgendeinen Laptop oder Rechner und schreib es auf. Es ist völlig ok, Angst zu haben, verunsichert zu sein, keine Perspektive mehr im Leben zu sehen, weil alles irgendwie nur noch schwer ist.

Das ist auch der Grund, warum ich gerade diesen Film als „Schweigensbrecher“ ausgewählt habe: Er ist für Menschen wie dich gemacht, denn er spendet unglaublich viel Mut und Hoffnung und gibt ein Beispiel dafür, dass andere auch durch tiefe Täler gegangen sind und niemals aufgegeben haben, egal, welche Schwierigkeiten und erdrückenden Ereignisse um sie herum stattgefunden haben.

Smith und seine ganze Family hätten auch bei den ersten kleinen Schwierigkeiten aufgeben und sich zurück in ihre Höhlen verkriechen können – ihr Lebens-Autopilot war nicht auf Erfolg programmiert, sondern sie hatten beste Voraussetzungen zum Scheitern.

Und vielleicht gibt dir das auch den Mut, einfach weiter zu machen und trotz aller Umstände etwas aus deinem Leben zu machen.

.kinoticket-Empfehlung: Eine filmische Reportage über die unbändige Kraft eines Mannes und seiner Familie, die aufzeigt, wozu der menschliche Geist fähig ist.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Hier kommen immer wieder mal ein paar Clips am Anfang des Endscrolls – also steht nur gemütlich auf und verdeckt dabei niemandem die Sicht 😉

Kinostart: 24. Februar 2022

Original Title: King Richard
Length: 140 Min.
Rated: FSK 12

Das solltest du nicht verpassen

Jagdsaison - Filmplakat
2 min read
Nope - Filmplakat
3 min read