KROOS_Plakat
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Fußball: Entweder man liebt es, oder hasst es. Dazwischen? Kaum.

Genau das führte in der Vergangenheit auch schon oft zu Reibereien und viel Hass: Die einen feiern es fanatisch, schwelgen zwischen Bundesliga, Europameisterschaft und Weltmeisterschaft und dann gleich wieder von vorne – die anderen können dem ganzen schwarz-rot-gold-Trubel nichts mehr abgewinnen und sehen es noch nicht einmal mehr als Grund an, sich einfach besinnungslos zu saufen, so wie bei allen anderen “Anlässen” ebenfalls.

Ich gehöre auch zu der Fraktion, die Fußball nichts abgewinnen kann: Kein Verein, keine Mannschaft, die “mir” gehört, nichts, für das ich in dieser Hinsicht brenne und ich hatte jahrelang auch kein Verständnis dafür, dass man diesen Sport (warum genau den?) so frenetisch von allen Seiten vollgepumpt hat, während alles andere sang- und klanglos unterging.

WM in Deutschland: Flaggenmeer. Das hat mir gefallen. Einfach, weil ich den gesunden Geist eines ganzen Landes scheinbar wieder in den Vorgärten gesehen habe und die freudige Aufbruchsstimmung der Menschen mochte, denen eher zum Feiern als zum Griesgrämen zumute war. Davon gern mehr.

Da habe ich dann auch begonnen, Fußball ein wenig zu verfolgen, wenn “unser Land” gegen den Rest von Europa / der Welt angetreten ist – habe aber immer noch keine favorisierten Mannschaften oder Vereine oder gar Spieler.

Irgendwann kam Island und lehrte uns alle, was an Fußball einst besonders war, bevor es dem Kommerz verfallen ist und durch kontroverse Machenschaften seiner Seele beraubt wurde, die von der FIFA und Geldmogulen diktiert das Leben vieler Menschen auf so unterschiedliche Weise bestimmt. Und da war sie wieder: Die pure Freude und ein Grund zum Feiern: Emotionen rauszulassen und die Menschen von Grund auf zu begeistern und mit Emotionen zu überschwemmen.

Genau das mögen viele auch an diesem Sport und sehen es als Freikarte, endlich mal weinen zu dürfen, endlich mal schreien zu dürfen, endlich mal emotional und nicht “deutsch” sein zu müssen.

Und dennoch sind es irgendwie immer die gleichen Bilder, die gleichen Momente, die gleichen Situationen, die wir Menschen da vorgesetzt kriegen. Das übliche “Blabla”, auf das eben viele keinen Bock mehr haben.

Und genau da kommt Kroos ins Spiel: Eine Dokumentation über einen Fußballspieler – und nicht über Fußball. Manfred Oldenburg hat die Kamera dann eingeschaltet, wenn alle anderen wieder weg waren. Die Szenen eingefangen, die sonst keiner kennt. Das Bild eines Ausnahmespielers gezeichnet, das eben niemand in der Öffentlichkeit kennt und dessen Leben beleuchtet.

Meine These vor dem Film: “Wenn du Fußball jetzt hasst, wirst du spätestens nach diesem Film zu mir sagen, dass sich der Gang ins Kino gelohnt hat.”

Und die wurde mir inzwischen mehrfach bestätigt.

Wenn ich also “Toni Kroos” sage, dann wendet euch nicht ab, weil ihr denkt: Och nö, nicht der auch noch mit Fußball und Gelaber…, sondern geht ins Kino und schaut euch diese faszinierende, witzige und absolut menschliche Dokumentation an, die in meinen Augen absolut gelungen ist – und zwar nicht nur inhaltlich!

Zum ersten Mal hat man sich in einer Dokumentation nämlich auch um alles andere als den Inhalt gekümmert: Das Design der Bauchbinden ist perfekt, die Art und Weise, wie man als absoluter Fußball-Laie behandelt wird, ist vorbildlich und man kommt sich nicht als der übliche Vollspack vor, nur, weil man eben keine Ahnung hat, sondern wird von den Machern liebevoll herangeführt und immer mit Infos dazu begleitet, um genau zu wissen, wer das ist.

Und auch der Kameramann wusste oft genug, wo sein Arbeitsgerät am perfektesten positioniert ist, um berührende Bilder einzufangen, die man eben so noch nicht kennt. Wow!

Und da es hier um einen Menschen geht, und nicht den Sport, hat dieser Film seine ganz persönliche charmante Note, die das alles in nochmal einem völlig anderen Licht darstellt und dich am Ende eben doch anders überlegen lässt, was es nun mit Fußball alles auf sich hat.

Oder, um es mit den Worten von Toni Kroos zu sagen:

Und abschließend noch ein paar Eindrücke vom Red Carpet im mathäser Filmpalast in München zur Premiere des Films.

.kinoticket-Empfehlung: Ein berührendes Bild innerhalb eines Sport-Metiers, mit dem viele nichts mehr anfangen können, dass packend erzählt ist und völlig neue Einblicke liefert, die es bislang im TV nicht zu sehen gab und die eine völlig andere Welt offenbaren. Oldenburg hat es geschafft, das Leben eines Ausnahmespielers zu portraitieren, so dass auch Fußballgegner von seinem Film begeistert sein können.

Nachspann: Sollte man mitnehmen – hier kommen noch eine Menge weiterer Szenen.

Kinostart: 04. Juli 2019

Original Title: Kroos
Length: 113 Min.
Rated: FSK 0