Februar 3, 2023

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M3GAN

M3GAN - Filmplakat
© 2023 Universal Pictures International

Um M3GAN gibt es schon seit geraumer Zeit viel Hype, viel Lob, viel Unerwartbarkeit. Mit von der Partie sind James Wan und das Independent-Horror-Filmstudio Blumhouse, was wohl auch der Grund ist, weshalb viele das direkt mal als Horrorfilm abstempeln. Es wird von „blutig“, „gruselig“, „erschrecken“ und anderen Dingen gesprochen und die Sneak Preview-Gemeinde jammerte schon zu Beginn: „Och nööö, ich kann jetzt schon nicht gut schlafen, ich will raus!“

Tipp von mir: Geht lieber rein! Es ist viel weniger Horrorfilm als Technologie-Instruction für die kommenden Jahre. Ich predige schon länger, dass wir Technik in den Händen halten und von ihr bestimmt werden, die wir lange nicht verstehen oder gar beherrschen, und dass uns das Maß an Können seitens der Technologie längst mit Lichtgeschwindigkeit überholt hat und wir auch bei permanentem Lernen kaum noch hinterher kommen, was aktuell bereits Phase ist.

Stichwort: ChatGTP. Vielleicht auch als Nicht-Technologie-Begeisterter schon mal gehört. Eine Künstliche Intelligenz, der man irgendwas sagt und die das dann ausführt. Jede App arbeitet zumeist im Hintergrund längst mit KI (= Künstliche Intelligenz) und auch die drei großen Big Player in der Gesellschaft (Siri, Alexa, Google Assistant) dürften einigen längst ein Begriff sein.

Die Technologie existiert – und wird vielfach eingesetzt. In den sozialen Medien grassiert aktuell ein Hype, dass man aus Bildern von sich großartige Avatar-Kunstwerke generieren kann. Und selbst die Politik greift inzwischen durch und legt Rechte-Bestimmungen auf künstlich erzeugtes Fotomaterial, so dass mithilfe von KI z.B. keine fiktiven Fotos mehr von berühmten Persönlichkeiten z.B. nackt erstellt werden können (deren Urheber dann das Urheberrecht an den Fotos hätte und diese an Zeitungen weiterverkaufen könnte.

Denkkonstrukt: Ich könnte also jetzt hingehen, einer KI befehlen, sie soll ein Bild davon erzeugen, wie Präsident Biden mit Putin gemeinsam im Bett Oralsex hat, eine andere KI diese ungewöhnliche Idee als Zeitungsbericht schreiben lassen und beides vermengt dann an die BILD weiterreichen, die das drucken würde (und mich natürlich dafür bezahlen, weil ich die Inhalte geliefert habe).

Auf Nachfrage, ob es davon noch mehr Beweismaterial gibt, könnte ich weitere Deepfakes erstellen, um meine falschen Aussagen als wahr zu untermauern und daraus würde dann ein Medienskandal entstehen, der weitreichende Folgen für unsere echte Gesellschaft haben kann.

Ok, krasses Beispiel, das so auch nicht ganz so einfach funktionieren würde, aber ihr versteht den Sinn dahinter? Stichwort: „Erledige diese Hausaufgaben“, Stichwort: „Schreib einen Brief, der meine emotionale Zerrissenheit gut wiedergibt und erklärt, warum ich diese Beziehung nicht mehr will und mich deshalb umgebracht habe“ – und das dann als Fake in der Schule verbreiten (obwohl es gar keine Beziehung gab) usw. … das Ausnutz-Potenzial ist riesig, und die Menschen wissen zum Teil noch nicht mal, was ein Deep Fake ist und glauben daher auch jedes Foto, was sie auf Twitter und Co. in die Hände kriegen.

M3GAN gibt Aufklärung über Technologie, die längst existiert und die in den kommenden Jahren allgegenwärtig sein wird. Das billige Toonie-Spielzeug mit „Knöpfchen löst Reaktion aus“-Funktion wird bald der Vergangenheit angehören, wir sind über die Generation Tetris hinausgewachsen.

Daher ist dieser Film so ungemein wichtig und kommt zum richtigen Zeitpunkt: Alles, was ihr dort seht, ist längst real und nachgewiesen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis das genauso normal sein wird wie es Facebook, Internet, E-Mail heute sind.

Ich bin inzwischen so alt, dass ich noch Sätze kenne wie: „Was willst du denn mit diesem Internet? Das wird sich niemals in der Gesellschaft durchsetzen.“

Und heute kriegen wir psychologische Krisen, wenn die Netzverbindung mal streikt und brauchen Therapeuten, weil wir nicht permanent online sein können. Wenn was digitales mal kurz nicht funktioniert, fällt gleich auf einem halben Kontinent der Flugverkehr aus usw.

Und genau so werden uns die Dinge aus M3GAN in Zukunft im Alltag begegnen. Aktuell diskutiert man im Dossier der ZEIT darüber, ob Computer eine Seele haben und tatsächlich leben. Merkt ihr, wie wichtig es langsam wird, dass sich die breite Allgemeinheit mal mit diesen Dingen auseinandersetzt, damit ein grundlegendes Verständnis für diese Dinge geschaffen wird, um so ein klein wenig den Überblick im Wahnsinn des Alltags behalten zu können?

Das ist kein Horror, sondern längst Wirklichkeit und betrifft alle von uns, weil wir längst unwissentlich davon umgeben sind und es einfach nur nicht merken. Und der Schritt von „Software mit Hardware koppeln und verkaufen“ ist im Stillen längst getan, es braucht nur noch ein bisschen allgemeine Akzeptanz.

Fragt euch mal selbst: Würdet ihr das Ding im Film kaufen, als es euch vorgestellt wurde? Wärt ihr begeistert von den Funktionen, die da so vorgestellt werden?

Es ist real.

Das ist vielleicht der größte Horror an dem Film, nicht das, was die Medien versuchen, zu verkaufen.

Wer jetzt wirklich hingehen und das zwingend als einen „Horror“-Film sehen will, der kann sich zusätzlich auf wirklich guten Eigenschaften des Films ausruhen: Er ist ungemein witzig, geladen mit Situationskomik, vielen funktionierenden Jokes und macht insgesamt einfach tierisch Spaß, ist unterhaltsam, zu keiner Zeit langweilig und funktioniert echt richtig richtig gut. Es gibt keine „Horrorfilmdummheit“, die Charaktere sind allesamt glaubwürdig, er hat Frauenpower, punktet mit Genialität und Wissen und auch generell macht’s echt richtig Spaß und er liefert bis zur letzten Minute echt richtig gute Unterhaltung.

Und wenn ihr euch nicht entertainen lassen wollt, dann nutzt ihn als „Schulbuchvorlage“ – denn ich verspreche euch: Das Zeugs da drin ist schneller in eurem Wohnzimmer, als ihr denkt.

.kinoticket-Empfehlung: Ein Lehrstück altbekannter Fragen zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz: Dieser Film überwindet die Klippe zwischen Technik und Humanismus und stellt permanent die richtigen Fragen im richtigen Kontext: Ein Film, den jeder gesehen haben sollte, um in Zukunft mit dem, was in unseren Wohnzimmern steht, klar zu kommen.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 12. Januar 2023

Original Title: M3GAN
Length: 102 Min.
Rated: FSK 16

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