August 13, 2022

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Matrix: Resurrections

Matrix Resurrections - Filmplakat
© 2021 Warner Bros. Ent.

Was für eine Legende, die im Jahr 1999 begann: Die damals noch unter The Wachowski Brothers bekannten „Andy & Larry“ Wachowski traten mit The Matrix eine Tür zu einer filmischen Dimension auf, die bis heute immer noch legendär ist und unzähligen Nachfolgewerken zum Vorbild wurde.

Nicht nur der Inhalt war unsäglich verschachtelt, tiefsinnig, metaphysisch und zutiefst philosophisch, sondern auch die Idee hat es bis dato so noch nicht auf der Leinwand gegeben.

Dabei wurde so vieles mit integriert, dass The Matrix damals tatsächlich zu meiner Bibel wurde, denn dieser Film erklärt einfach alles: Religion, Glaube, den Sinn des Lebens, unsere Existenz, warum wir so sind wie wir sind und was da draußen eigentlich so vor sich geht.

Dabei ist es so unfassbar tiefgründig, dass man sich den Film wieder und wieder ansehen muss, jedesmal mit einem einzigen anderen Aspekt im Auge – und dabei dann unzählige Hinweise, Wegweiser und weitere Verschachtelungen findet, die einen wieder ein Stück weiter zum Punkt der Erleuchtung führen.

Warner Bros. hatte damals noch Angst, das Ding würde nicht zünden und darum dazu gedrängt, einfach mal nur einen Film zu releasen und den „Rest der Geschichte“ zurückzuhalten.

Dieser wurde dann 2003 binnen kürzester Zeit als „Zweiteiler“ im Kino auf die Menschheit losgelassen und damit das Werk vollendet, was laut den Wachowskis als ein Ganzes gesehen werden sollte:

The Matrix ist die Idee, die Einführung, worum es geht. Der Start.
Matrix Reloaded ist der philosophische Part, der quasi alles erklärt und die Fäden zusammenführt.
Matrix Revolutions ist die actionfulminante Conclusion, die alles zu einem Ende führt.

Was für eine Trilogie! Ich habe wirklich Jahre meines Lebens damit verbracht, mir 1x täglich die Filme reinzuziehen und immer weiter geforscht, um meine Ansicht der Welt zu vervollständigen und das zu verstehen, was dieser Film in sich trägt.

Dazu kamen später noch Animatrix als Kurzfilmsammlung und mit Enter the Matrix sogar noch das Spiel heraus: Selbstredend, dass ich auch da meine Fühler drin hatte und alles rausholen wollte, was es zu finden gab.

Und nun geistern seit geraumer Zeit mächtig grüne Trailer durch die Kinos, in denen Erinnerungen hoch kommen, die das Herz wieder pulsieren lassen – und eine kleine Angst in mir aufkommen ließen: Was ist, wenn man jetzt einfach alles nur wiederholt?

😀

Dickes, breites Grinsen!

Kinder: Nichts davon! Es ist so unfassbar meisterhaft fortgesetzt worden, und alles – einfach alles – ist mit der Zeit gereift und noch vielschichtiger geworden, als eh schon. Unglaublich, wie man cineastisch-nostalgische Werte, die bislang auch handwerklich nie dagewesene Effekte geschaffen und seinerzeit damit das Kino revolutioniert haben, auf einmal in modern präsentiert und ein weiteres Mal gewisse Barrieren durchbricht und damit rein gar nichts an sich selbst verrät.

Die Show ist fulminant und fickt euer Hirn hoch exponentiell im Vergleich zu dem, was bisher geschah.

Genau da liegt auch eure Hausaufgabe: Niemand braucht meinen, sich den neuen Matrix Resurrections ansehen zu müssen, ohne seine Hausaufgaben gemacht zu haben: Und damit meine ich nicht, dass man sich „die alten Filme mal anschaut“: Damit meine ich, dass man sich die alten Filme so anschaut, dass man die Aussage derselben verinnerlicht, sich damit auseinandersetzt, darüber liest, darüber nachdenkt und sinniert und unglaublich vorbereitet auf den Film zugeht: Ohne das seid ihr verloren.

Genau das haben uns die Wachowskis in diesem Fall nämlich ebenfalls zugemutet: Keiner, der sich in den alten Schinken verliebt und verloren hat, kriegt jetzt nochmal Babybrei vorgesetzt – nein, man sagt euch: Ihr hattet jetzt 22 Jahre lang Zeit (auch diese Zahl schon wieder +Gänsehaut+), euch mit dem Thema auseinanderzusetzen und seid absolut fit darin, wir brauchen niemandem mehr etwas erklären, wir arbeiten einfach mit den Szenen und ihr werdet verstehen.

Daraus kann der geneigte Leser bereits entnehmen, dass es sich hier keinesfalls um einen Unterhaltungsfilm handelt (auch, wenn der unfassbar unterhält), sondern dass jeder Szene wieder eine mehr als metaphysische Bedeutung inneliegt, auch wenn diese nicht den Filmfluss oder die Erzählbewegung stört oder gar aufhält. Im Gegenteil: Auch dieser Film wird wieder von uns abverlangen, dass wir ihn erneut, und nochmal und wieder und wieder schauen… denn längst landet nicht alles im Langzeitspeicher, was da wirklich hin gehört, um alles grundlegend zu begreifen, was es zu begreifen gibt.

Alles, was es sonst noch zu bekritteln gäbe, erklärt der Film selbst … und da unsere Devise lautet: No Spoiler! wisst ihr, was das heißt: Macht eure Hausaufgaben und dann ab ins Kino!

Kurzum: Matrix Resurrections ist eine Bombe, die weder ihr Erbe zerstört, noch als langweiliger Fehlzünder die Zuschauer enttäuscht: Vielmehr kracht man so gewaltig eins hinten nach, dass es sich lohnt, den Rest des Jahres damit zu verbringen, die Quadrilogie zu genießen: Teil 1 – 3 zu Hause und den vierten dann im Kino.

.kinoticket-Empfehlung: Wie sollte man den Sinn des Lebens in einem Satz zusammenfassen können? Matrix Resurrections durchbricht alles und landet hoch oben auf einem Thron, von dem wir alle bisher noch nicht wussten, dass der überhaupt existiert. Fulminanter und geistreicher hätte man dieses Jahr kaum enden lassen können.

Nachspann: 🔘⚪️🔘 | Unbedingt sitzen bleiben. Es ist nicht nur der ikonische Abspann inkl. der Musik, sondern es folgt zum Schluss auch noch eine Szene.

Kinostart: 23. Dezember 2021

Original Title: Matrix: Resurrections
Length: 148 Min.
Rated: FSK 16

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