August 13, 2022

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Men – Was dich sucht, wird dich finden

Men - Filmplakat
© 2022 Koch Films

Habt ihr einen harten Magen?

Und habt ihr eine harte Psyche?

Nein, jetzt kommt nicht der super-duper-geilomat-Horrorfilm, der „Coolness“ braucht, damit man ihn auch „überlebt“ und dieser ganze Schwachsinn, der sonst gerne auf solche Horrorplakate gedruckt wird… im Gegenteil: Es braucht Durchhaltevermögen und psychische Stärke, damit man nicht zu früh abkotzt und womöglich den Saal verlässt.

Ja, die Festival-Besucher sind allesamt begeistert und feiern Alex Garland, der sich offensichtlich das richtige Genre rausgesucht hat, um den Zeitgeist direkt in den Arsch zu treffen: Men-Bashing.

Es gehört heute doch schon zum guten Ton, dass man erstmal einfach per se auf die Männer eindrischt und sie für alles verantwortlich macht und zerstört. Toxische Beziehungen? Können nur von Männer ausgehen – denn Frauen sind von Natur aus Liebchen, die sich nie im Leben etwas zu Schulden können kommen lassen … es ist quasi von der Schöpfung her eh nicht möglich, dass auch weibliche Wesen dazu in der Lage wären, seelisches Unheil zu stiften.

Diese unreflektierte Art greift Garland hier auf und trifft damit den O-Ton der aktuellen Gesellschaft: Schuld? Der Mann. Dazu brauchen wir gar nix.

Komischerweise hat Johnny Depp seinen Prozess gegen eine Frau gewonnen, denn es stellte sich raus, dass die Anschuldigungen von ihr scheinbar falsch waren… und ihre Schulden bei ihm bezahlen kann sie ja auch nicht.

Ganz ehrlich? Mich hat dieses Urteil gewundert, denn ich hätte es anders erwartet.

Ja, es gibt sie – die gewaltbereiten Männer, die der Meinung sind, ihnen gehöre die Welt und sie könnten machen, was sie wollen und ihre „Bitches“ müssten überall springen, sobald sie mit dem Finger schnippen. Wer hat dieses Weltbild heraufbeschworen? Die Kirche? Der geistliche Glaube, der – sowohl im Christentum als auch im Arabischen den Mann über alles erhebt und die Frau nur als „Beigabe“ präsentiert und die über Jahrhunderte diese Sichtweise in den Köpfen der Menschen verankert haben?

Warum bashen wir dann nicht auf der Kirche rum, statt auf irgendeinem Geschlecht? Was überhaupt soll das?

Ja, genau das hat mir bei diesem Film extrem zu schaffen gemacht. Ich habe mich zeitweise an The Fountain erinnert gefühlt, der auch ziemlich abgefuckt daher kommt und sich an Symbolen a la „Adam und Eva“ orientiert und sie filmisch ins Exzentrische führt. Aber das hier geht halt einfach nur super-duper-klischeehaft gegen die Männerwelt – und begründet dabei noch nicht mal irgendwas.

Yo – und die Allgemeinheit? Feiert es.

Ich irgendwie auch … und zwar gegen Ende, als der Film so absurde und skurrile Momente annimmt, die sich weit über das hinweg beugen, das man normalerweise als „Wink mit dem Zaunpfahl“ bezeichnen könnte und hier einen Reigen an Interpretationsmöglichkeiten eröffnet … vergessen sind die wirklich miesen Animationen, vergessen ist das lahmarschig-langweilige Entrer, was einen zumindest eine halbe Stunde lang vermuten lassen hat, dass es sich hier wieder nur um ein weiteres Pandemie-Klischeemovie handelt (wenig Protagonisten, Wald, Abstände und das Drehbuch so geschrieben, dass man sich über Corona-Regeln wenig Gedanken machen muss), und da fing dann das Kino, in dem ich saß, auch an, zu kotzen: „Welcher Idiot gibt für so einen Schwachsinn denn Geld aus?“

„Ähm… du? Denn du sitzt hier im Saal und hast offensichtlich vorher dafür bezahlt?“

😀

Daran merkt man aber auch, dass hier nix mit „Masse abholen“ oder generic scenes zu machen ist, sondern man so weit im Independent-Wald gefangen ist, aus dem es kein Entrinnen mehr geben wird … und genau diese Riege feiert den Film auch, als gäbe es kein Morgen.

Muss man ihm lassen: Es gibt wirklich wenig Vergleichsmaterial in dem ermüdend langweilig gewordenen Portpourri aller Drehbücher, die wir inzwischen über die Leinwände haben flimmern sehen. Insofern ist dieser Streifen tatsächlich sehenswert … wenn man dafür einen harten Magen und viel psychische Stabilität mitbringt.

.kinoticket-Empfehlung: Wenn man weit weit weg von der Normalität will und wieder mal ein richtig abgefucktes Drehbuch umgesetzt sehen möchte, das sich ein wenig zu sehr an aktuellen Klischees aufhängt, dann ist man mit Men definitiv bedient. Durchhalten… und im Verlauf wird man dann doch von ziemlich viel Drehbuch-Vorarbeit belohnt, die den Film tatsächlich sehenswert machen. Wie gesagt: Nicht normal oder alltäglich. Deal with it.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Hier folgen keine weiteren Szenen, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 21. Juli 2022

Original Title: Men
Length: 100 Min.
Rated: FSK 16

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