Februar 5, 2023

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Mit Herz und Hund

Mit Herz und Hund - Filmplakat
© 2022 Weltkino Filmverleih GmbH

Nicht vergessen: Ihr geht alle schön brav in Avatar: The Way of Water (3D) während wir hier nur ein bisschen Hausaufgaben für’s Heimkino abarbeiten… heute: Ein Beitrag aus dem Sommerloch 2022, zumindest fühlt sich das so an.

Der Film erfüllt aber nicht nur dieses Klischee, sondern auch noch ein anderes: Kennt ihr das, wenn es so Streifen gibt, die „Das goldene Zeitalter“ feiern und Silberrücken als Hauptdarsteller inszenieren, bei denen alles gaaaaaanz ruhig und langsam abläuft und man irgendwie auch nicht so richtig ne Moral hat oder braucht, ist ja eh alles egal, die Alten sind eh am Ende ihrer Tage angekommen, sollen aber das Gefühl kriegen, nochmal so richtig durchzustarten und das Volle aus dem Leben schöpfen?

Als Jungspund hat man da immer das Gefühl: OMG! Aber sie tauchen eben immer wieder auf und wollen Omi und Opi doch mal dazu bewegen, vielleicht irgendwann in drei Jahren doch in einer Sonntagsmatineé zu sitzen und sich so einen „Schwachsinn“ anzuschauen.

Interessant dabei ist, dass ich schon in einigen dieser Vorstellungen war und die älteren Herrschaften und Damen dann selbst empört über diese Anspruchslosigkeit waren und meinten: „Naja, wenn die meinen, dass das Leben im Alter so ist…“ 😉

Genau das bietet dieser Film: Man ist alleine, hat vielleicht keine so große Hoffnung mehr, sein Leben gelebt, spult nur noch desinteressiert seinen Alltag ab und trifft dabei durch Zufall auf jemanden, der „das Feuer des Lebens wieder entfacht“.

Wenn wir unseren Fokus jetzt also auf diese unglaublich kleine Aufmerksamkeitsspanne legen und davon ausgehen, dass zu viel Happening-Momentum gleich für reihenweise Herzinfarkte sorgt, was die Filmemacher auf gar keinen Fall verantworten wollen, dann hat dieser Film auch eine „Spannungskurve“, die – wenn man wieder raus auf 100% zoomt, aber genau so aussieht, wie diese Linie, wenn jemand im Krankenbett tatsächlich verstorben ist… Ihr versteht?

Was ich damit sagen will: WENN es jemanden gibt, den diese ermüdende Langsamkeit interessiert, WENN jemand es toll findet, dass quasi nichts mehr passiert und man mit „Uh, heut morgen hab ich einen Joghurt geöffnet statt meines Zwiebacks und der war schlecht! Boah, was ne Aufregung, da musste ich extra nochmal in Netto gehen und dort hatten sie dann keine mehr, also hab ich ausnahmsweise mal nichts gefrühstückt!“ tatsächlich Aufregung ins Leben bringt, dann hat man hier einen Film, der genau diese Klientel wahnsinnig unterhält, Plottwists bereit hält und Momente generiert, die „herzallerliebst“ sind 😉

Kann es sein, dass ich so ein klein wenig Abneigung gegen diesen Oma-Muff habe?

True 😀 Also verzeiht, aber sagt mir wenigstens nicht nach, ich hätte nicht auch diesen Stuff angeboten und darauf hingewiesen. Und wenn der regulär im Sommer im Kino lief, stehen die Chancen ja gut, dass er demnächst mal irgendwo im SeniorenCafé-Frühstückskino auftaucht. Ich bring dann auch frischen Joghurt mit 😉

+duck und wegrenn+

.kinoticket-Empfehlung: Laaaaaangsam, goldene Jahre-mäßig und als Mensch mit pulsierendem Herzen ein Film, der quasi keine Spannungskurve hat, sondern so vor sich hin dümpelt und nichts passieren lässt. Sommerloch-Klischee vom Allerfeinsten!

Nachspann: ⚪️⚪️🔘 | Enthält ganz am Schluss noch eine Widmung, die man sich aber auch gerne ersparen kann.

Kinostart: 09. Juni 2022

Original Title: 23 Walks
Length: 98 Min.
Rated: FSK 6

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