MONOS - Zwischen Himmel und Hölle - Filmplakat
© 2020 DCM Film Distribution GmbH

So Kinder, der Todesschuss für die Stille der Kinos ist gefallen – und wir starten mit einem monumentalen Epos, das sich gewaschen hat: MONOS – Zwischen Himmel und Hölle!

Wäre der Film nicht längst auf dem Sundance Filmfestival gelaufen (und das bereits im Januar 2019!), hätte ich gesagt: Die Stille hat nicht nur die Zuschauer beruhigt, sondern auch die Regisseure durchs Feuer gehen und neue Wege beschreiten lassen, denn: Kino beschreitet mit diesem sensationellen Einstand ein neues Zeitalter!

Was unsere Vorväter auf ihre Weise versucht haben, uns beizubringen, machen wir heute einfach selbst – und stellen dabei alle Originale weit in den Schatten ihrer Zeit. MONOS – Zwischen Himmel und Hölle trägt die zwei Hauptkomponenten der körperlich-geistigen Empfindungen bereits im Titel: Es ist ein wahrer Genuss voller Anspruch und Leidenschaft!

Leute, dieser Streifen hat das Potenzial, das Apocalypse Now unserer Generation zu werden! Hier wurde auf so vielen Ebenen soooooo hart gearbeitet. Jeder Laut, jedes Geräusch, jede Kameraeinstellung, die Züge der Gesichter des Casts, die Spiele, die Geräusche, die (überraschend wenige, dafür oscarreife) Musik im Film, die Lichtgebung, die Farbe, die Angepasstheit eines jeden einzelnen Segments einer jeden einzelnen Szene: Wenn es etwas gibt, dass den Namen „Meisterwerk der Moderne“ verdient, dann ist es dieser Film.

Über mögliche Zusammenhänge des Kriegs in Kolumbien und politische Affinitäten werdet ihr ganz sicher bereits in vielen anderen Rezensionen gelesen haben. Ich sage euch: Genau das hat mich an diesem Film u.a. mit berauscht: Diese Zeitlosigkeit, in die man abtaucht und eben keine Namen, keine Länder, keine Zugehörigkeiten, keine rassistische Jammerei oder ähnliche Züge auf Banner schreibt und damit durch die Straßen zieht und andere Leute tötet. Im Gegenteil: Es ist ein Koloss voller Einfühlsamkeit, tief ins Herz stechende Emotion, die vielmehr das rituelle Aufwachsen unter bestimmten Bedingungen beschreibt und sich dabei an der Geschichte Kolumbiens bedient, ohne diese in den Vordergrund stellen zu wollen.

An dieser Stelle hinkt vielleicht auch der Vergleich zu Apocalypse Now, in dem das Kriegswesen viel anschaulicher und präsenter war und eher die „amerikanische Trommel der Army“ getrommelt wurde, was sich hier in viel eklatanteren Zügen künstlerischer Perfektion auslebt, die Szene für Szene nach Aufmerksamkeit schreit und dabei Stadien mit brachialer Eleganz durchspült, als gäbe es kein Morgen mehr.

Plant nach den 102 Minuten Spielfilmlänge noch jede Menge Zeit ein, die ihr brauchen werdet, um wieder zu euch zu kommen: Nach jedem Drogenrausch ist man auch nicht gleich wieder auf der Platte, sondern brauch erstmal eine Nacht lang tiefen Schlaf. Genau so gehts euch auch mit diesem Film: Der setzt zu und spätestens wenige Stunden danach zieht’s euch zurück in die Kinosäle, denn ihr könnt dem Drogenrausch genauso wenig entkommen, wie ein Süchtiger seiner täglichen Dosis Stoff.

Und – Fuck You, Corona! – da die Kinosäle wieder öffnen (18. Juni die ersten, am 02. Juli dann viele weitere), bietet sich euch genau die Showbühne, die man braucht, um MONOS seine ganze Kraft entfalten zu lassen: Eine riesige Leinwand, viel Platz, Einsamkeit, Dunkelheit … und Zeit.

Besser hätte man das Kinojahr 2020 des neuen Zeitalters nicht starten lassen können!

Was für ein brachialer Aufbruch in eine neue Generation des Kinos. Stilistische Perfektion, cineastischer Wahnsinn und ein Monument wahrhaft dramaturgischer Größe, die vor allem durch eines glänzt: Dem Drang nach Perfektion. Das ist Alejandro Landes definitiv gelungen! Pflicht!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Da eh jeder geregelt und in Ruhe nach draußen spazieren muss, nutzt die Zeit und bleibt einfach sitzen. So lang ist der nicht – und wenn ihr 1,4 Minuten später wieder Tageslicht erblickt, geht’s euch deshalb trotzdem nicht besser.

Kinostart: flexibel seit 4. Juni 2020 in den Kinos in Deutschland

Original Title: Monos
Length: 102 Min.
Rated: FSK 16