Narziss & Goldmund - Filmplakat
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Was tun, wenn sich Kino gegen das Urheberrecht wendet und den Wünschen eines Autors vehement widerspricht? Als Kinofan sollte ich diese Einstellung eigentlich begrüßen, als Kunstliebhaber und Wertschätzer ethischer Prinzipien läuft hier aber einiges schief.

Hermann Hesse hat nie ein Geheimnis darum gemacht, dass er niemals wollte, dass seine Werke verfilmt werden und bereits in den 70er Jahren ist man diesem Wunsch schon nicht nachgekommen und hat seine zum Teil als unverfilmbar geltenden Werke auf die Leinwand gebracht.

Ich kann es gewissermaßen nachvollziehen, denn vieles, was ein Autor machen kann, stößt in Bild- und Ausgestaltungsform sehr schnell an Grenzen, denen unsere Realität nun einmal unterworfen ist. Hier wahrlich die richtigen Stilmittel, Ausarbeitungsmethoden und optischen sowie akustischen Umsetzungen zu finden, die exakt den Wünschen des Autors und Urhebers entsprechen, ist nahezu ausgeschlossen. Es ist immer ein Kompromiss, der sehr leicht nach hinten losgehen kann.

Was man jetzt also davon halten kann, dass mit Narziss und Goldmund ein weiteres Hesse-Werk die Leinwand bespielt, darf jeder mit sich selbst ausmachen. Dass es zumindest in deutschen Landen verfilmt wurde und somit aus dem Geburtsland Hesses stammt, mag hier nur ein kleiner Trost sein, die Deutschen können deswegen nicht zwingend besser Kino machen wie bisher.

Unterteilt ist dieser Film mehr oder weniger in zwei Phasen, wobei ich bereits mit der ersten schon gravierende Schwierigkeiten hatte: Irgendwie absolut nicht mein Ding, nicht meine Zeit, nicht meine Umsetzung und die Schauspieler mir persönlich mega unsympathisch.

Danach greift die Boy-Masche, aber auch hier merkt man sehr schnell, dass Authentizität und Realismus nicht die gewünschten Kriterien waren … und zu dem Zeitpunkt hab ich dann auch die Wunschvorstellungen von Hesse abgekoppelt und es als „eigenständigen Film“ betrachtet, der dann durchaus seine sympathischen Momente entwickelt, jedoch mit historischen Lücken und unzähligen Fehlern glänzt – sofern man für so etwas ein Auge hat.

Wer sich daran nicht stört, dem wird optisch viel geboten, auch der historisch-kritisierte Look hat etwas für sich: Man muss eben immer mit dem Deal klar kommen, dass dafür die Echtheit der Zeitgeschichte eingebüßt wird, dann kann man mit dem Rest durchaus seinen Spaß haben.

Man sollte Hesse nicht verfilmen, dann kommt man auch mit diesem Streifen klar: Durch seine eigene Weise entwickelt er im Verlauf durchaus charmante Momente und bietet auf jeden Fall optisch einiges zum Besten. Historische Korrektheit oder glaubwürdige Umsetzungen darf man aber keinesfalls erwarten.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 12. März 2020
Heimkino-Start: 17. September 2020

Original Title: Narziss und Goldmund
Length: 118 Min.
Rated: FSK 12