NewYork
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New York – eine Stadt voller Kriminalität, in der man nachts brutal niedergeschossen wird, die zudem von Müllbergen durchkämmt ist und das kriminelle Herz der USA darstellt … es gibt so manches Vorurteil über die Millionenmetropole, die tatsächlich weltweit kaum würdige Ebenbilder als Konkurrenz vorfindet.

Auch hierzulande erleben wir momentan wieder einmal, was Massenpanik in den Köpfen der Menschen anrichten kann und welche gravierenden, negativen Folgen angstgesteuerte Fehlinformationen in der Gesellschaft auslösen.

Dazu kommt eine mittlerweile fast schon normal gewordene Lebensweise von Menschen, die von Zeitdruck, permanentem Stress und einer Dauerbelastung durchzogen ist, die das Pensum eines gesunden Stresslevels längst überschritten hat und in den meisten Fällen zu Krankheiten und in seltenen Fällen sogar zum Tod führt.

Die Erwartungshaltung, der Leistungsanspruch und das Abverlangen von immer mehr in immer kürzerer Zeit bringt so manchen kurz vor den Abgrund.

Matt Green hat sich dieser Lebensweise entsagt und ist eines Tages aufgestanden, um einfach etwas anders zu machen. Ich möchte an dieser Stelle nichts vorweg nehmen, denn ihr kennt mein Credo: Filme sind immer dann am besten, wenn man eingangs möglichst wenig darüber weiß.

Ich hatte das unglaubliche Privileg, diesen Menschen persönlich kennenlernen zu dürfen und seine völlig fremdartige, von vielen als „sinnfrei“ kritisierte Lebenseinstellung näher zu begutachten und bin der Meinung: Genau deshalb ist es wichtig, was dieser Mann getan hat und immer noch tut.

Jeremy Workman hat ihn dabei 3 Jahre lang begleitet und dabei aus über 600 Stunden Filmmaterial ein Werk geschnitten, das in vielerlei Hinsicht für den Zuschauer ein absolutes Juwel darstellt.

Wer sich gegen meine Empfehlung wieder dem Trailer zuwendet, wird vom Film zusätzlich nochmal positiv überrascht. Der vermittelt nämlich einen anfänglichen Eindruck, der das ganze Ausmaß des Films aber kaum wiederzugeben weiß, sondern nur in Teilen anreißt, worauf man sich bei New York – Die Welt vor deinen Füßen einlässt.

Tatsächlich räumt dieser Streifen auf eine beruhigende und spannend simplifizierte Art mit Vorurteilen auf. Und genau diese Einfachheit ist es, die in Summe zusammengetragen den Blick von Tausenden von Zuschauern umlenken und verändern kann – das Potenzial dieser Dokumentation ist unerschöpflich.

Der Grund, den viele automatisch suchen, erhebt sich aus der totalen Entspanntheit, die Green auch auf dem Screening rübergebracht hat. Beim Q&A wurde erneut deutlich, wie leistungsversessen, aufgeregt und überdreht die Menschheit heutzutage geworden ist.

Doch auch für Liebhaber von Schönem, Menschen, die Humor mögen (und davon gibt‘s in dem Film reichlich) und Personen, die sich Weltreisen momentan nicht erlauben können oder möchten, strotzt diese Doku nur so vor Reichtum, Lebensfreude und einer Idee, die brillanter eigentlich kaum sein könnte: Ganz ehrlich? Ich bewundere ihn, ich bewundere diese Entscheidung und ich sehe mich in Teilen in seinem Tun auch ein Stück weit selbst.

It‘s not just another one… Auch hier fällt es mir grade schwer, mit möglichen Vorurteilen gegenüber „Dokus“ | „Amerika“ | „New York“ | „Intellektuellen-Blabla“ aufzuräumen und fordere etwas unglaublich teures von euch: Vertrauen.

Vertraut mir, wenn ich euch sage: Schaut diesen Film in dem Drang nach Entdeckungen. Findet all die Perlen, die Schönheit, die Eleganz der euch umgebenden Natur, Menschen, Kulturen, Botschaften. Macht diese intime Reise in eine Nation mit, die euch wahrlich traumhafte Ecken einer Stadt vorstellt und Dinge zeigt, die man als Außenstehender so wohl niemals gesehen hätte.

Es ist das liebevollste, ehrlichste, unkomplizierteste und beherzteste Portrait, dass ich je von dieser Stadt zu Gesicht bekommen habe und am Ende eine Geschichte, die auf mehreren Ebenen der Erzählweise einfach funktioniert, einen bleibenden Eindruck hinterlässt und nicht zuletzt Menschen zu Hunderten wieder zusammenführt, um gemeinsam etwas zu erleben und am Ende das Gefühl zu genießen: „Ich war mit dabei.“

Dieser Coup ist Workman definitiv gelungen.

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Kino ist ja bekanntlich nicht nur die Chance, einfach den Film zu sehen, sondern sollte im Optimalfall ja immer noch das gewisse Extra liefern, das den großen Unterschied zu Streamingportalen und TV ausmacht.

Wie wär‘s denn, wenn ihr auch die Chance dazu hättet, Regisseur Jeremy Workman und Hauptdarsteller Matt Green auf einer Kinotour zu begegnen und euch die Dokumentation bereits bei den Publikumsvorführungen vorab anzuschauen?

Diese finden in den kommenden Tagen nämlich noch in folgenden Städten statt:

Donnerstag, 05. März 2020 um 20:30 Uhr in Wien im Votiv Kino
Samstag, 07. März 2020 um 19:30 Uhr im Abaton in Hamburg

und abschließend am Montag, 09. März 2020 um 20:00 Uhr im Filmtheater am Friedrichshain in der Hauptstadt in Berlin.

Lasst euch diese wunderbare Chance nicht entgehen und entdeckt den wahren Fundus an kreativer Inspiration einfach hautnah zum Anfassen und stellt im Anschluss dann eure Fragen dazu.

.kinoticket-Empfehlung: Ein großartiges Portrait einer Stadt, eines Menschen in dieser Stadt und einer Lebensweise, die uns allen zu denken geben sollte, ob die Welt im Kollektiv momentan nicht auf dem falschen Dampfer ist. Ein wahres Juwel in der Welt der Dokumentationen mit einer lang nachhallenden Botschaft. Reingehen!

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Stadtläufer Matt Green (links) mit Regisseur Jeremy Workman (rechts) | © Florian Jänicke
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Nachspann: Beinhaltet keine weiteren Szenen, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 12. März 2020

Original Title: The World Before Your Feet
Length: 95 Min.
Rated: FSK 0