Und was gibt’s sonst noch in dieser Woche?
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Nun ist es soweit und wir starten den Kleinkrieg, den ich nach „Beendigung“ der Krisenzeiten eigentlich erwartet hatte: AMC Theatres als weltweit größte Kinokette kündigt an, zukünftig alle Filme aus dem Hause Universal Pictures International zu boykottieren und auf ihren 11.091 Leinwänden weltweit nicht mehr zu zeigen.

Ursache des Streits ist das Vorhaben des Studios, seine Filme zukünftig zeitgleich zum Kino-Release auch im Video on Demand-Markt online zu bringen und somit die Exklusivität des Kinos zu beschneiden.

Genau dies war vor einigen Jahren schon einmal Thema, als Apple versucht hatte, Kinofilm-Releases in iTunes zu integrieren und damit böse auf die Schnauze gefallen ist. Gut so – dachte ich damals. Gut so – denke ich heute.

Die sich inzwischen immer mehr als übertrieben herausstellende Corona-„Krise“ sorgte in den vergangenen Monaten für ein Umdenken in vielen Bereichen, so auch im Kino. Studios ließen verlautbaren, dass man seine Filme nun exklusiv on Demand rausbringen würde und Universal tat dies als großangelegtes Experiment mit Trolls World Tour.

Diesen Weg möchte man nun zukünftig weiter beschreiten und es ist nur logisch, dass nun die Kinos auf die Barrikaden gehen, denn damit findet ein weltweit einzigartiger Einschnitt in die Veröffentlichungspolitik der Filme statt, der den Kinos als „Hort des Films“ ihre Exklusivität abspricht und sie somit „bloß“ zu einem weiteren „Big Player“ am Filmmarkt macht.

Ich sehe diese Entwicklung auch sehr problematisch, da es immer noch viele Menschen gibt, die der Meinung sind, Filme müsse man nicht zwingend auf einer großen Leinwand zu Gesicht kriegen. Als jemand, der sein Leben darauf verkauft, eben dies zu tun, weiß ich, dass das in sehr vielen Fällen eben sehr wohl einen Unterschied macht und viele Filme auch exklusiv für die Leinwand geschaffen wurden.

Wir alle spüren während der Ausgangsbeschränkungen, wie sich dies nun zu einer inflationären Egalität entfacht und man das Medium „Film“ irgendwie nicht mehr so richtig genießen kann. Es ist vielmehr einfach nur „viel“, „unübersichtlich“ und kein Monitor dieser Welt kann die Exklusivität eines Kinosaals tatsächlich ersetzen. Die schwer auf dem Saal liegende Ruhe, das Anmutige, der Teppich-Flair und die große Leinwand sorgen eben dafür, dass gerade Filme wie die Fast and the Furious-Reihe zu etwas Besonderem werden und ich kann mir schwerlich vorstellen, dass dieser Erfolg ebenso strahlen wird, wenn diese Titel auf irgendwelchen verstaubten, halbgaren Heim-Monitoren mit unterschiedlichen Bildeinstellungen und grottigem Sound abgespielt werden. Ganz von den sonstigen Ablenkungen einmal abgesehen, die man in einem Kinosaal einfach nicht hat und sich somit voll und ganz auf das Werk einlassen kann.

AMC hat sich auch weiterhin zu Gesprächen mit Universal bereit erklärt, sollten diese ihr Vorhaben überdenken und zur alten Cinema-First-Publikation zurückkehren wollen.

Es bleibt zu hoffen, dass dies kein kaltschnäuziger Kapitalismus-Krieg werden wird, denn Krieg fordert bekanntlich immer Opfer auf allen Seiten und ist somit niemals für jemand ein Gewinn.

Möge am Ende die Macht des Kinos siegen, VoD kriegt es im Anschluss ja dann trotzdem. Mit dem Unterschied, dass so manch sowieso schon (jetzt durch Corona erst Recht) gebeuteltes Kino anfänglich eben die einzige Möglichkeit für die Zuschauer bleibt, wenn sie „mitreden wollen“.

Zeitgleich „zwingt“ dieses Verhalten nämlich die Studios, Filme auch auf der Leinwand abzuspielen. Wie viel gutes Material geht in den Untiefen von VoD-Plattformen wie Netflix unter, weil es niemals das Licht einer Leinwand erblicken durfte?

In meinen Augen sollten sich Studios und Kinos nicht als Konkurrenz betrachten, sondern gemeinschaftlich zusammen arbeiten, da Studios das Material und Kinos den Ort liefern, um beides zur Vollendung zu bringen. Und mit dem „Hier, du auch noch“-Zweig des VoD und Heimkino-Markts am Schluss kriegt so jeder sein Stück vom Kuchen ab. Haben wir in Zeiten von Corona nicht gelernt, dass Dankbarkeit für Vorhandenes das Maß aller Dinge sein sollte?

Geschrieben aus dem emotionalen Herzen eines einfühlsamen Kinogängers und -liebhabers, der nicht den Kapitalismus, sondern das human-emotionale Empfinden in den Vordergrund stellt und dabei den Machern ebenfalls ihre Einnahmen gönnt, jedoch nicht auf Kosten der Filmexperience.

Hoffen wir, dass der Schachzug von AMC von vielen (großen) Kinos nachgeahmt wird und sich dieses Vorhaben von Universal als einmaliger Versuch enttarnt, dessen Beispiel anschließend niemand mehr folgen möchte. Es wäre ein herber Verlust für die Kinolandschaft.