| wenn aus filmen leidenschaft wird

Measure of a Man – Ein fetter Sommer

Measure of a Man - Filmplakat
© 2019 Kinostar Filmverleih GmbH

Dieser „Sommer“ ist quasi fast untergegangen, zumindest hab ich mal keine großartigen Kinos gefunden, die diesen Film überhaupt plakatiert haben. Und das in meinen Augen völlig zu Unrecht.

Natürlich kann man jetzt anfangen mit dem großartigen Donald Sutherland, der hier auch wirklich wieder eine grandiose Rolle abliefert und seinem unterschwelligen Bombast nochmal einen Schippe drauf legt, ich finde jedoch, dass dieser Film durch ganz andere Paritäten glänzt.

Zum einen: Blake Cooper. Ja, es tut den ganzen Film über weh, zu sehen, wie diesem Kerl zugesetzt wird und wie er sich allen Widrigkeiten zum Trotz immer wieder auferhebt und über seine psychisch angeknackste Seele stolpert, um am Ende zu wahrer Größe zu finden. Klingt kitschig? Ist es aber nicht.

Was mich zu Punkt 2 führt: Genau dieses ausgequetschte Konzept von Versager und Held, von Loser und Gewinner, von „Ich helf dir, du hilfst mir“ ist in der Filmgeschichte gefühlt in jedem Film zu finden. Measure of a Man konzipiert daraus aber ein vollkommen anderes Erlebnis und erzeugt Gefühle in einem, die man bis dato so nicht kannte – zumindest nicht in diesem Zusammenhang.

Diese Geschichte rührt von einem Bestseller aus der Bücherwelt – und das zu Recht – und hat in meinen Augen auf der Leinwand viel zu wenig Aufmerksamkeit erfahren, was man nun dringend nachholen sollte. Inzwischen dürfte der Titel ja auch in den VoD-Vorratsschränken aufgetaucht sein. Aus diesem Grund hab ich beschlossen, trotz meiner unfassbaren Langsamkeit gerade, diesen Titel doch noch ins Blog-Archiv zu integrieren: Er ist viel zu gut, als dass er irgendwo in Vergessenheit geraten dürfte.

Ein Plot, der aus bekannten Elementen etwas völlig neues zimmert und dabei die Emotionen der Seele aufs Tiefste anspricht: Dazu ein wundervoller Cast, rührselige Bilder und eine Geschichte, die von wahrer Größe erzählt.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht ausharren, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 13. Juni 2019

Original Title: Measure of a Man
Length: 99 Min.
Rated: FSK 6


Back to Maracanã

Back to Maracana - Filmplakat
© 2019 jip Film & Verleih

Fußballfilme sind derzeit wieder aktuell, aus diesem Grund wird cineastisch alles vor die Kamera gezerrt, was sich nicht rechtzeitig sträubt.

Back to Maracanã ist allerdings kein Film über einen Fußballspieler oder eine Doku über einen Verein, auch wenn die Handlung an wahre Ereignisse anlehnt und sich quasi im Rahmen des Spielfeldes bewegt.

Jedoch blieb bei mir bei diesem Film die Begeisterung einigermaßen gebändigt. Das Problem ist, dass man nicht die euphorische Kraft und geballte Sehnsucht der Fans loslassen kann, sondern mit einem Plot an die Menschen heran tritt, der irgendwie nicht so richtig weiß, wohin er will.

Damit hat man zwar Fußball – ja – aber mit einer Story, die eben keine Richtung aufweist und am Ende auch irgendwie keinen Sinn macht. Wichtige Elemente der Geschichte muss man erraten oder sich selbst herleiten und fragt sich deshalb als Zuschauer des Öfteren einmal, was das alles überhaupt soll.

Dies ist insofern enttäuschend, als dass man in fremde Länder abgetaucht und hier tatsächlich die Chance hätte, andere Fußballkultur etwas besser kennen zu lernen und zu erleben.

Somit würde ich diesen Film als Mittelklasseevent einstufen, dass zwar nice anzusehen ist, aber eben nicht wirklich mit Power überzeugt.

Handelt im Rahmen von Fußball, ist aber keine Doku und lässt somit die pure Begeisterung der Fans auf der Strecke. Einige Punkte der Erzählung erschließen sich für den Zuschauer nur schwer.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Seichter Abgang, also rennt nicht gleich raus 😉

Kinostart: 18. Juli 2019

Original Title: Back to Maracanã
Length: 92 Min.
Rated: FSK 0


A Toy Story – Alles hört auf kein Kommando

Toy Story 4 - Filmplakat
© 2019 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Saftige 24 Jahre ist’s her, dass Regisseur John Lasseter für Pixar ein unsterbliches Werk der Filmgeschichte zauberte, von dem bis heute die Kinder zehren.

Vier Jahre später (unfassbar lange für die heutige Massenproduktion) verfasste man dann die Fortsetzung, ganze 11 Jahre (!) dauerte es erneut bis zu Teil 3 und weitere 9 Jahre sollten ins Land ziehen, damit am heutigen Tag endlich Teil 4 das Licht der Welt erblickt und auf den Kinoleinwänden die Zuschauer begeistert.

Was das alles bedeutet?

Nunja, Filme werden immer dann schlecht, wenn zwischen den Fortsetzungen maximal 12 Monate liegen … denn in dieser Phase lässt sich nichts so ausgereift durchwurschteln, dass wirklich Kreativität und Geist sprudeln und Macher auch mit Freiräumen beschenkt werden können, damit die Filme tatsächlich etwas taugen.

Gleichermaßen bedeutet es fast immer automatisch: Liegen so immens große Zeiträume zwischen den einzelnen Veröffentlichungen, garantiert das nahezu, dass der aktuelle Schinken grandios wird.

Exakt das ist mit Toy Story 4 (diesmal haben die Amis den mieseren Titel von beiden) passiert: Der Film ist viel zu geil, um ihn an die Kinder zu verschenken!

Ich war Mitte März diesen Jahres bereits zu einer Footage-Präsentation des kommenden Toy Story zum Frühstück im Kino geladen, wo uns u.a. der Entstehungsprozess von Disney vorgestellt wurde und Oscar®-Preisträger sowie Produzent Jonas Rivera jede Menge Spannendes aus dem Nähkästchen erzählte.

Glaubt mir, es fiel extrem schwer, solange den Rand zu halten, um nun endlich an alle Welt hinauszuschreien: Er ist fertig, er ist auf der Leinwand und ihr dürft ihn endlich in allen Formen und Varianten genießen und euch immer wieder reinziehen: Toy Story 4 – der geilste Film dieser Reihe!

Im Ernst? Schickt eure Kinder ins Bett, legt euch Wein und Sekt parat, schlagt die Beine übereinander und genießt die Bauchlachkrämpfe, zu denen euch dieser Streifen zwingen wird! Es wird brutal geil und enthält sowas von freakige, spaßige und intensive Momente, dass mir manchmal wahrhafte Zweifel kommen, inwieweit das wirklich noch für Kinder geeignet ist.

Toy Story ist erwachsen geworden“ zu sagen wäre fad, aber irgendwie ist er aus der Baby-Kinder-Youth-Schiene tatsächlich raus und ein immenses Vorbild nicht nur in technischer Hinsicht: Die Natürlichkeit der Szenen ist atemberaubend, die Animationen technisch an absolut vorderster Front, der Cast VIP-mächtig bis oben hin, die Erfolgsgarantie von Pixar macht auch hiervor keinen Halt und das, was man zu sehen bekommt, begeistert absolut alle – nicht etwa „nur die Kids“.

Also bringt eure Kinder zu Bett, geht in die Stadt, besorgt euch Tickets und dann genießt die Show. Mit den Kids könnt ihr danach nochmal rein – ihr wollt ihn sowieso mindestens 2x sehen! :))

Megamäßig gut – der beste Teil der Reihe und die unglaublich lange Produktionsphase lässt wieder einen Garantieschein im Schaufenster stehen, der aus diesem Ding erneut einen ungeheuren Erfolg machen wird: Der Humor toppt alles und irgendwie stellt sich die Frage: „Ist das wirklich für Kinder oder eher für Erwachsene gemacht?“ – Ich denke eher letzteres. Definitiv ansehen!

Nachspann: ⚪️🔘🔘 | Unbedingt sitzen bleiben – bis ganz zum Schluss, denn es wird noch 2x witzig nachgelegt!

Kinostart: 15. August 2019

Original Title: Toy Story 4
Length: 100 Min.
Rated: FSK 0


Vox Lux

VOX Lux - Filmplakat
© 2019 Kinostar

Das Plakat wirbt mit einer „gewaltigen Provokation“ und ich bin mir an dieser Stelle nicht sicher, ob der Zuschauer damit gemeint ist oder man – wie anzunehmen wäre – den Stoff anspricht. Provokativ ist es auf jeden Fall – und zwar für den Zuschauer, der sich seines Geldes beraubt sieht und nicht weiß, wie hoch die Verarsche noch sein kann, die einem da von der Leinwand aus entgegen schlägt.

In den USA hat dieser Titel sein Release bereits verjähren lassen und scheinbar hatte hierzulande keiner Lust, auf den aktuellen Zug mit aufzuspringen und den Streifen ins Programm aufzunehmen, weil er dort zu schlecht ankam?

Warum produziert man so etwas nicht als Direct-to-DVD-Option und lässt die Kinoauswertung aussen vor? Dann besinnt man sich automatisch bloß auf die Fan-Anhängerschaft und belässt es als Nischenprodukt ohne „gewaltige Wirkung“. Das hätte wohl so manche Peinlichkeit erspart.

Nichts gegen Natalie Portman oder Jude Law – beides herausragende Darsteller, die in der Vergangenheit wunderbare Werke abgeliefert und sich ihre Titel und Anerkennungen damit redlich verdient haben – doch in diesem Plot?

All das ist absolut übertrieben, driftet mit Vollkaracho in die „In den USA ist jeder behindert“-Klischeewand und reißt dann mit unübersichtlichen Besetzungsproblemen und irgendwelchen lapidaren Annahmen absolut nichts mehr aus dem Häuschen.

Singen? Irgendwo wirbt man mit Sia, die tatsächlich ein zwei Songs rausgebracht hat und tatsächlich singen kann – aber auf der Leinwand geht’s darum irgendwie überhaupt nicht, sondern man macht einfach was, dann wieder nicht, dann wieder doch, dann zusammenhanglos irgendwas, vielleicht ist’s ein Rückblick – vielleicht aber auch einfach nur – ach nee, das ist .. hä? Warum ist die jetzt in der Vergangenheit die andere und die andere auf einmal wieder ne andere? Was war das nochmal? Nee … ach egal.

Genau das ist das breitflächige Gefühl gewesen, nach dem sich die Presse samt mir einig darüber war, dass Vox Lux (der Titel hat übrigens auch überhaupt nix mit dem Film zu tun komischerweise) der schlechteste Film des Jahres überhaupt ist.

Und diesen Titel muss man sich auch bei mir toleranter Sau erst einmal redlich verdienen.

Schade drum. Potenzial hat das Ding nämlich.

Ein absoluter Schuss, für den noch nicht mal ein Ofen herhalten will: Grausam zusammengestellt, absolut null kuratiert und für den Zuschauer eine reine Langeweile.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Hat noch zwei Hintergrundbilder … muss man aber nicht zwingend abwarten.

Kinostart: 25. Juli 2019

Original Title: Vox Lux
Length: 110 Min.
Rated: FSK 12


Leberkäsjunkie

Leberkaesjunkie - Filmplakat
© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Inzwischen hat’s ganz Deutschland infiziert und wir haben die gute Kunde: Ja, der alljährliche Eberhofer ist wieder im Kino … und es ist Zeit, einmal zwei Blicke auf die Eberhofer-Timeline zu werfen:

Dampfnudelblues (2013)
Winterkartoffelknödel (2014)
Schweinskopf al dente (2016)
Griessnockerlaffäre (2017)
Sauerkrautkoma (2018)

Und ich hoffe, ihr habt alle eure Hausaufgaben gemacht und euch die vorherigen Teile brav in Reihenfolge angeschaut … Derzeit spielen’s die Medien ja wieder rauf und runter: Klar, es ist ein bayerisches Gen, mit dem man klar kommen muss, ändert aber nix daran, dass die Nachfrage danach inzwischen in ganz Deutschland vorhanden ist, was zwei Dinge beweisen:

  1. Eure zahlreichen Feedbacks in den letzten Jahren aus den nordischen Gefilden, wann der Film dort startet…
  2. Die Tatsache, dass Constantin Film sich tatsächlich dazu entschieden hat, den Leberkäse dieses Jahr nicht nur in Bayern und Baden-Württemberg, sondern landesweit zu verteilen: Ja, auch der Norden hat seine Releases bekommen und man gibt der Nachfrage nun endlich statt. Thx 4 that an dieser Stelle.

Und wenn man jetzt nochmal ganz an den Anfang zurückspringt und sich an die bissige Bösartigkeit zynischen Humors zurückerinnert, mit denen Teil 1 und 2 so wunderbar gepunktet haben, dann kommt bei so manchem vielleicht wehmütiges Sehnen nach mehr Spaß, nachdem die letzten Jahre die Handbremse ein wenig angezogen wurde.

Die gute Nachricht an dieser Stelle: Man zieht wieder an! Und zwar richtig gaudig mit jeder Menge Spaß, Heiterkeit und bayerischem Lebensgefühl, das man unverblümt und ohne Stolpersteine nun wieder nach Herzenslust auslebt.

Ja, Leberkäsjunkie macht extrem Lust auf mehr und ich freue mich schon auf die kommenden Teile … aber so lange: Kinoticket lösen und den aktuellen Part genießen. Und dazu am besten ein ganz fettes Stück Leberkäse. Ganz nach Eberhofer-Vorbild.

Und damit euch nicht langweilig wird, bis das Kino endlich anfängt: Hier noch ein paar Einblicke auf den Red Carpet in München zur Deutschlandpremiere von Leberkäsjunkie – mit jeder Menge Prominenz im Schlepptau. Have fun!

Legt wieder ordentlich los und macht richtig Laune – und vor allem Lust auf mehr. Go 4 it!

Nachspann: ⚪️🔘⚪️ | Nicht gleich aufspringen, hier kommt nochmal etwas …

Kinostart: 01. August 2019

Original Title: Leberkäsjunkie
Length: 96 Min.
Rated: FSK 12


Fisherman’s Friends – Vom Kutter in die Charts

Fishermans Friends - Filmplakat
© 2019 Splendid Film GmbH

Unter britischem Humor mag jeder verstehen, was er möchte: Oftmals eine zynische, an den Haaren herbeigezogene, satirische Unwirklichkeit, die mit Biss und viel Kraft punktet und die Menschen aus tiefster Seele zum Lachen bringt.

Fisherman’s Friends wird zwar als britische Komödie beschrieben, ähnelt aber eher einer herzlichen Nacherzählung der wahren Begebenheit, auf der dieser Plot tatsächlich beruht und die das auch durch Bildmaterial im Abspann beweist.

Damit ist das Geschehen nicht mehr all zu absurd, wie man es sonst aus britischen Komödien kennt, sondern haftet durchaus etwas Ernsthaftigkeit an die Sache, die dem Attribut „britische Feel-Good-Komödie“ jedoch keinerlei Konkurrenz macht.

Sommer, Sonne, gute Laune – und ein Vorfall, der zwar recht seltsam anmutet, diese Truppe aber zu nationalem Ruhm gebracht hat und ihnen damit den Durchbruch verschaffte.

Der Zeitpunkt, an dem dieser Film die Leinwände bespielt, könnte also besser nicht gewählt sein – und jedem, der seine Seele mal wieder etwas streicheln möchte, sei ans Herz gelegt, sich ein Kinoticket für diesen Film zu besorgen.

Das Flair und die Heimeligkeit ist vielerorts vielleicht schon dem großen globalen Wahnsinn gewichen – umso mehr gut tut es, sich einmal noch in die Höhlen der Vergangenheit zurückzuziehen und zu erkennen, was wahre Werte tatsächlich bedeuten.

Liebevoll inszenierte, völlig verrückte – aber dennoch wahre – Tatsachen, die den Wert einer Gemeinschaft ganz neu definieren. Das sommerliche Gefühl von Freude und Zufriedenheit und der spaßige Faktor Großbritanniens sorgen hier für zusätzlichen Filmspaß im Kino. Nehmt ihn mit!

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Zeigt Bilder der echten Fisherman’s Friends. Also dran bleiben.

Kinostart: 08. August 2019

Original Title: Fisherman’s Friends
Length: 112 Min.
Rated: FSK 0


Cleo

Cleo - Filmplakat
© 2019 Weltkino Filmverleih GmbH

Cleo ist ein modernes Märchen … und sollte darum nicht automatisch in die Kinderabteilung der Kinowelt verbannt werden: Dieser Film gehört meines Erachtens in die arte-Sparte der unterhaltenden Künste, denn hier wurde aufgebahrt, was man sonst aus diesen Landen kaum zu sehen bekommt: Kamera-Künste und Bildfertigkeiten, die einen auch als Erwachsenen zum Staunen veranlassen.

Diese wirklich bildhübsche und animationsgeladene Erzählweise strotzt nur so vor Perfektion und liebevollen Details: Eine Hommage an die Stadt, vergangene Zeiten, Historien und das Kino selbst: Cleo vermittelt das Gefühl, die Macher hätten einerseits alle Zeit der Welt gehabt, andererseits etwas vollkommen selten gewordenes: Freie Hand beim Drehen.

Dies wurde u.a. durch die Wim Wenders-Stiftung ermöglicht, die den Film finanziert und somit die Grundlage gelegt hat, um diese Story in seiner Herzlichkeit auf diesem Wege erzählen zu können.

Und ganz gleich, was man über Märchen denkt, über Schatzsucher wissen könnte oder von den Hauptdarstellern hält: Cleo verblüfft durch seine akurate und absolut besondere Bildführung, die den Film heute schon zu einem der wertvollsten seiner Sparte macht: Ganz großes Kino! Rein da!

Marleen Lohse und Folke Renken auf der Premiere von Cleo in München
© Petra Schönberger

Unglaublich erstaunliche Bildfertigkeiten, die von den Machern hier aufgebaut wurden: Die unbeschreiblich ausdrucksstarke Arbeit erzählt ein modernes Märchen in einer ganz neuen Form! Reingehen!

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Unbedingt sitzen bleiben und mitnehmen 🙂

Kinostart: 25. Juli 2019

Original Title: Cleo
Length: 99 Min.
Rated: FSK 6


Leid und Herrlichkeit

Leid und Herrlichkeit - Filmplakat
© 2019 StudioCanal

Pedro Almodóvar kennen viele als einen herausragenden Regisseur, der tiefgründige Erzählungen startet und dessen Filme in der oberen Liga des cineastischen Intellekts angesiedelt sind: Spanien braucht also nicht nur als Meisterland des verdorbenen Horrors herhalten, sondern kann eben viel mehr.

Mit Leid und Herrlichkeit offeriert er uns nun seine inoffizielle Biografie und spiegelt damit autobiografische Teile seines Lebens auf die Leinwand, die man mit seinen vorherigen Filmen kaum vergleichen kann.

Eine große Aufgabe war dies sicher auch für Hauptdarsteller Antonio Banderas, der einmal mehr beweist, dass nicht nur der große Krieger in ihm steckt, sondern er zu sehr viel mehr fähig ist.

Der Film wartet so mit wunderbaren Elementen, einem durchtriebenen Twist und sehr viel spanischem Flair auf, den zu genießen garantiert kein Fehler ist: Ich habe ihn mehrfach im Kino gesehen und jedes einzelne Mal davon in mich aufgesogen.

Eine Kunstform, die nicht mit anderen vergleichbar ist und erneut zeigt, zu was Kino alles fähig ist.

Erzählt autobiografische Elemente aus dem Leben des Regisseurs, verpackt in eine wunderbare Story, die mit einem grandiosen Twist überrascht und durchweg hervorragende Schauspielerinnen liefert.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht zwingend abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 25. Juli 2019

Original Title: Dolor Y Gloria
Length: 112 Min.
Rated: FSK 6


Fast & Furious: Hobbs & Shaw

Fast and Furious - Hobbs and Shaw - Filmplakat
© 2019 Universal Pictures International

The Fast and the Furious hat sich bereits seit dem ersten Teil zum absoluten Meisterwerk seines Fachs entwickelt: Es gibt bis heute schlichtweg keinen einzigen Film, der dieser Reihe – oder einem einzigen Teil davon – auch nur annähernd Konkurrenz machen könnte.

Schade? Oder gut so? Für das Franchise auf jeden Fall absolut kein Grund, das Niveau in irgendeiner Weise abzusenken: Das einzige, was hier tiefergelegt wird, sind die Autos. Sonst nichts.

Und man muss glaube ich nicht zwingend damit aufwachsen oder etwas von Autos verstehen, um hier gepackt und durchgeschüttelt zu werden: Die Fast & Furious-Reihe hat sich vom soliden Autoschrauber-Mythos zur Blockbuster-Legende entwickelt und im Verlauf seiner Existenz auch immer höhere Maßstäbe an den Tag gesetzt, die eines in Perfektion erledigen: Unterhalten.

In den letzten Teilen hat man im Volke zunehmends den immer größer werdenden Unrealismus kritisiert, der aus einstigen „Garagennachbarn“ eben doch wieder Leinwand-Superhelden gemacht hat – aber ganz ehrlich? Ich hab deswegen trotzdem Gänsehaut.

Hobbs & Shaw als Film – sowie als Team – passen nicht zur „Familie“, weswegen man ihnen auch ein Spin-Of spendiert hat, um

a) die Charaktere nicht aussterben zu lassen (was der Fast-Reihe selbst vmtl. gut tun würde)

und

b) ihnen ihre eigenen, gebührenden Stories zu erlauben, denn trotz jeder Kritik: Sowohl Johnson als auch Statham sind unfassbar gute Action-Schauspieler, denen man niemals den Gang zur Leinwand verwehren darf.

Und genau das spielt man jetzt auch aus: Das „Fast & Furious“-Logo prangert oben als kapitalistischer Motor in der Ecke, aber der Film heißt in Wahrheit einfach nur „Hobbs & Shaw“ und liefert einen Action-Bombast, der weder Niveau, noch Unterhaltung, Humor oder Brachialismus eingebüßt hat, sondern in stiller Eloquenz liefert: Man hat im Kino mörderischen Spaß und sieht sich desöfteren einfach mal so mit offenem Mund dasitzen: Die Action und das Krawumm sind ordentlich und man begeistert mit Szenen, die Entertainment par excellence auf den Tisch legen.

Und damit ist das Kinoticket jeden Cent wert, solange ihr den Film im größten und lautesten Dolby Atmos™-Saal aller Zeiten konsumiert. Das bedeutet für München: Es gibt exakt 2 Kinosäle, die diese Actionschlacht gebührend zeigen können: Das mK6 und das Dolby Cinema™.

Dolby Atmos™
Genau da hab ich den Film auch gesehen – in beiden Sälen. In beiden Varianten. Und beides war ein überragender Sound-Orgasmus, den ich einfach nur gefeiert habe. Selbst die Übersetzungen sind hier absolut nicht schlecht gelungen, was ihr allerdings definitiv vermeiden solltet, sind OmU-Varianten, denn die lenken zu sehr vom Film ab und sind einfach nur störend.

Dafür ist die Action ein Hochgenuss, die Beats laut, die Bässe hauen raus und das Motorenjaulen ein wahrer Hochgenuss. Alles, was man aus dem F&F-Universum inzwischen kennt, wird aufgefahren und verbessert: Die städtische Häuslichkeit wird zugunsten von Blockbuster-Fever verkauft, dafür erhält man aber ungleich bessere Action und es macht akustisch extrem viel Laune!

Dolby Vision™
Die Liste der Referenz-Filme hat sich sowieso bereits verändert: Und Fast & Furious: Hobbs & Shaw gehört dazu: Hier kann ich wieder nur Lobeshymnen an Deutschlands einziges Kino von wahrere Größe singen: Geht ins Dolby Cinema™. Das mK6 punktet hier zwar mit der größten Leinwand innerhalb dieser Landesgrenzen und liefert dadurch auch eine extrem gute Schlacht, allerdings toppt nichts die Farbbrillanz und das extreme Schwarz und kräftige Leuchten dieser optischen Augenweide: Natürlich liefert man so einfach die besseren Blicke auf die schnittigen Wagen und die abnormen Raser-Modelle. Gänsehaut garantiert!

Verabschiedet euch von dem Gedanken, dass Fast & Furious hier weiter bedient wird, und akzeptiert einen immens geilen Actionstreifen, der das Niveau weiter hält – und dadurch evtl. einen neuen Strang im Erzähluniversum schafft, damit auch aus diesem Franchise eines Tages ein neues MCU wird. Ich würde es mir wünschen.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Aufstehen, aufstehen, aufstehen … und dann die Hälfte verpassen. Ganz ehrlich? Ich kann das Rausgerenne im Kino vor dem finalen Shot langsam echt nicht mehr verstehen … und Fast & Furious: Hobbs & Shaw liefert gleich dreimal mehr einen Grund dafür, das nicht zu tun: Es. Kommt. Noch. Was. Also bleibt einfach mal hocken. Was könnt ihr in den 20 Sekunden denn schon wirklich lebenswichtiges verändern, wenn ihr so frühzeitig aus dem Saal rennt?

Kinostart: 01. August 2019

Original Title: Fast & Furious: Hobbs & Shaw
Length: 136 Min.
Rated: FSK 12


Geheimnis eines Lebens

Geheimnis eines Lebens - Filmplakat
© 2019 Entertainment One Germany GmbH

Judi Dench ist eine Größe auf der Leinwand, egal, mit was man sie beauftragt – ihre Persönlichkeit und ihr Charme reißen das Ruder in jedem Fall auf Seiten der Sympathie und des Mitgefühls mit ihrem Charakter. Wenn man nun bedenkt, dass diese Frau fast blind ist und darum Schauspielern für sie quasi mittlerweile absoluter Nonsens, ist es erstaunlich, wie man sie in Geheimnis eines Lebens inszeniert. Klar wurde ihre Rolle entsprechend so angepasst, dass sie keine Verfolgungsjagden auf in 6 Meter hoch installierten Reckbarren mehr durchführen muss, sondern quasi mehr oder weniger „nichts schief“ laufen kann, wenn man allerdings nichts davon weiß, dass diese Frau tatsächlich kaum etwas sieht – Wahnsinn, mit welcher Performance sie da einfach mal um die Ecke schneit.

Der Plot des Films haut einen jetzt nicht sonderlich vom Hocker, sondern wäre in anderen Streifen wohl eher nur eine beiläufige Selbstverständlichkeit. Daraus ergibt sich jetzt keine zwingende Pflicht, seinen Filmschatz tatsächlich um diese Geschichte zu erweitern, was wiederum nicht bedeutet, dass diese Wahl die schlechteste wäre.

Wer gerne in diesen Metiers verweilt und sich mit derlei Geschichten gerne umgibt, findet hier einen toll gespielten Streifen, der diese Gelüste zu 100% befriedigt, jedoch im allgemeinen Verständnis der heutigen Abgeklärtheit keine neuerlichen Fakten mehr auf den Tisch zu werfen vermag, zumal hier eh schon viel zu viel Undurchsichtigkeit und Mythos-Glaube am Start ist, als dass man den geneigten Cineasten dadurch mit irgendetwas verblüffen könnte.

Das Erzählenswerte liegt hier viel mehr in den Hintergründen, die weder vom Film direkt angesprochen werden, noch jemand auf Anhieb als wichtig erachten könnte, nämlich: Diese Geschichte ist wahr und sie hat sie ein Leben lang tatsächlich mit sich rumgetragen.

Der fade Beigeschmack, warum gerade jetzt so etwas „offenbart“ werden muss, bleibt am Ende aber dennoch mit fliegenden Fragezeichen im Raum.

Grandiose Performance, mittelmäßige Story, fragwürdige Absicht: Als Zuschauer fühlt man sich ob der vielen Mythen rund um diese Themen etwas alleingelassen, wenn es um den Grund für diesen Film geht – der besinnt sich ganz seines Genres und liefert tolle Bilder und eine solide Geschichte, die aber nicht mit nennenswerten neuen Fakten aufzuwarten weiß, sondern eher subtil vermittelt, dass an den leichtgläubigen Mysterien doch manchmal mehr dran ist, als man vorher glaubte.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 04. Juli 2019

Original Title: Red Joan
Length: 102 Min.
Rated: FSK 6