| wenn aus filmen leidenschaft wird

Ausgrissn! – In der Lederhosn nach Las Vegas

Ausgrissn! - Filmplakat
© 2020 Majestic Sunseitn

Es läuft nicht immer alles nur so, wie’s einem die Alten vorgeben … genau das beweisen Julian und Thomas Wittmann in ihrem neuen Film: Ausgrissn! auf valide Art und Weise, und zwar vor und hinter der Kamera.

Die beiden haben sich nämlich eines Tages auf den Weg gemacht und wollten einfach die Freiheit finden… daraus wurde ein Filmprojekt, über das die „Großen der Filmindustrie“ bereits gesagt haben: „Lasst den Schmarrn“ – und die Jungs haben sich geantwortet: „Naa, des machmer jetz oifach.“ – und BÄM, steht auf einmal ein Movie auf der Leinwand, von dem sich die big productions ne fette Scheibe runterschneiden können.

Ausgrissn! ist nicht nur ein Film, sondern wird förmlich zu einem Kult, da hier nicht nur eine Geschichte der zwei Buam erzählt wird, sondern man auch eine gewisse Weltanschauung in Frage stellt und sich auf die Suche nach Alternativen begibt. Dabei werden die konservativ-kritischen Eigenschaften der ländlichen Bevölkerung genauso ins Boot geholt, wie die draufgängerischen Verrücktheiten der Gestörten-Fraktion, die aus altbekannten Weltbildern ausbrechen und einfach die Dinge anders machen wollen. Und da sage ich mal schlicht und einfach: Willkommen im Club.

Gedanken wie „Boah, noch ein Reisefilm“ etc. könnt ihr euch direkt stecken, auch wenn die anfangs vielleicht vorhanden sein sollten: Dieser Sache nehmen sich die Zwei in ihrem neu erschaffenen Genre „Spielfilmdokumentation“ direkt an und bilden hier einen wunderbaren Rahmen aus erzählerischen und fiktiven Elementen, die miteinander verflochten etwas in Perfektion erledigen: Den Nagel auf den Kopf treffen.

Noch nie hat man ganze Landstriche durch ein paar Protagonisten so perfekt beschrieben und ist dabei so immens schnell in einer ergreifenden Story gelandet, die tatsächlich die richtigen Fragen stellt und dabei niemals vergisst, übermäßig viel Herzblut, Seele und Leben in ihre Arbeit zu stecken: Man kümmert sich nicht mehr um die bekannten Instagram-Klischees, sondern fängt wunderbar an zu leben, zur Ruhe zu kommen, nachzudenken und aus all dem auszubrechen, was einem oftmals von „Omi und Opi“ mitgegeben wurde.

Dass dabei jetzt kein Generationenkonflikt-Gespräch entsteht, sondern auch die Sorgen der „Niedergelassenen“ berücksichtigt werden, zeigt, mit wie viel Umsicht die beiden während ihrer physischen und mentalen Reise umgegangen sind.

Wie sagte mir die Dame vom Verleih? „Die Zwei sin der Kracha“ – und davon durfte ich mich längst persönlich überzeugen, als sie in München im Kino Mond und Sterne-Freilichtkino ihren Streifen vorgestellt haben.

Thomas Wittmann (links), Ben von .kinoticket-blog.de (Mitte) und Julian Wittmann (rechts) auf der Präsentation von Ausgrissn! im Kino, Mond und Sterne in München | © 2020 https://www.kinoticket-blog.de | Andrea Hailer

Wie man am tosenden Applaus nach der Vorstellung bemerken konnte: Die Movie-Obermacker hatten Unrecht: Diese Kombination funktioniert hervorragend und hat das gesamte Publikum begeistert!

Also tut euch selbst einen Gefallen, sucht euch die Tourdaten auf der Homepage des Films raus oder schaut, in welchem Kino ihr den Streifen abgreifen könnt – und gönnt euch die Tour und den ganzen Spaß auf der großen Leinwand: Selten hat es sich so sehr gelohnt, ins Kino zu gehen, wie hier.

Das Herzblut und die Filmseele triefen aus allen Poren und verpacken diese neue Idee in frische Gewänder: Bayerisches Dokutainment mit viel Innovationsgeist und Mut zu neuen Ideen und Lebensweisen.

Nachspann: 🔘⚪️🔘 | Es lohnt sich, bis ganz zum Schluss sitzen zu bleiben!

Kinostart: 13. August 2020

Original Title: Ausgrissn! – In der Lederhosn nach Las Vegas
Length: 96 Min.
Rated: FSK 12

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Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze)

Soundtrack: https://amzn.to/3bzTV7Z


Die Epoche des Menschen

Die Epoche des Menschen - Filmplakat
© 2020 Happy Entertainment

Okay, wie machen wir’s?

Halt einmal kurz an, bleib kurz stehen, hol einmal tief Luft … STOPP!

Okay, hab ich deine Aufmerksamkeit?

Gut. Ist heutzutage ja nicht mehr so einfach, wo alles nur noch aus „Drüberwischen“, „schnell hochscrollen“, „kurzer Blick“ und „Ah, schon wieder die nächste App“ besteht.

Und sollte doch mal jemand über den Tellerrand schwappen und sich für etwas eine Stunde Zeit nehmen, oder auch zwei, zum Beispiel einen Film (aber bloß ohne Abspann, gnade dir Gott, du verpasst irgendwas da draußen im Leben, wenn du 1:36 Minuten länger im Saal sitzen bleibst!!!), dann äh … greifen die Vorurteile.

„Anthropozän“ zum Beispiel klingt ja schon mal fürchterlich langweilig, schrecklich, so nach Geologie-Unterricht mit irgendwas … ach komm… keine – uh, da ist Facebook schon wieder…. und Insta….

STOPP!

GEHT. IN. DIESEN. FILM.

´kay?

Wirklich.

Setzt euch ins Auto, parkt das Gefährt in den Tiefgaragen oder irgendwo in einer Seitengasse, schlendert zum Kino, löst ein Ticket und geht in Die Epoche des Menschen. Lasst euch einfach drauf ein.

Das ist kein Film. Keine Doku. Kein „Oh, alles ist schlecht, die Welt geht unter, Blabla-arte-Schrott.“ Das ist auch nichts für die Eliten. Oder Menschen, denen Geografie in der Schule tatsächlich gefallen hat.

Nö.

Das hier ist etwas… anderes. Eigentlich hat der Film gar kein Konzept, kein Drehbuch, keine Richtung gehabt – und zwar von Seiten der Macher aus, sondern sie haben einfach nur gezeigt.

Keine „Wir machen den Planeten kaputt“-Doku, hab ich doch eben schon gesagt.

Was sie hier zeigen, ist irgendwas seelisches. Etwas, das tiefer durch dich durch geht und … ohne Worte … etwas vermittelt. Du spürst, wie ein neues Zeitalter anbricht (angebrochen ist) und dieser Film hilft dir dabei, es zu verstehen.

Ich würde am liebsten meinen ganzen Quatsch, den ich hier grad runterschreibe, in Gänze wieder löschen, aus Angst, ihr schaut euch deswegen dann den Film nicht an.

Ehrlich: Ich hab noch nie etwas so beruhigendes, befriedendes und kurioserweise erholsames gesehen, wie Die Epoche des Menschen.

Dadurch, dass man eben nicht urteilt, dass man nicht hasst, verurteilt, „aufzeigen“ möchte, „Aufklärung machen muss“ oder den ganzen Bullshit, den es seit Jahrhunderten zu geben scheint und den bis heute kein einziger wahrlich in sein Leben aktiv einbaut und umsetzt … und wenn doch, dann gleich so fanatisch, dass es auch wieder kacke ist … dadurch, dass all dies hier nicht vorkommt, ist diese … was eigentlich? „Doku“ ist es nicht… dieses … Ding völlig anders. Reiner. Pur.

Es ist wie eine Bestandsaufnahme (bei dem jetzt viele schon wieder an arte-Dokumentationen denken), merkt ihr, wie verkorkst wir inzwischen eigentlich alle sind?

Die Epoche des Menschen befreit euch davon.

Und wenn ihr ihn gesehen habt, dann sagt mir einfach, wie. Ich hab nämlich keine Ahnung – aber ich weiß, dass es funktioniert.

Das ist kein Film, keine Dokumentation, kein roter Faden oder sowas … sondern höher. Reiner. Es boostet von innen heraus mit der Kraft einer ganzen Epoche – und völlig wertungsfrei. Eines der wichtigsten Dokumente unserer Ära. Unglaublich fesselnd, durchgreifend und extrem wichtig, um alle Zusammenhänge wieder zu verstehen. Ein Must-See.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Ja dann rennt halt raus, mein Gott …

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: Anthropocene: The Human Epoch
Length: 87 Min.
Rated: FSK 0

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Interstellar

Christopher Nolan ist in aller Munde … und hat mit Tenet auch den Sprung in die Liga der Allgemeinheit erfolgreich gemeistert: Zwar jammern alle, dass sie den Film nicht kapieren, aber anschauen tut ihn dennoch jeder.

In Momenten wie diesen zuckt es dann regelmäßig in des Journalisten Finger und man recherchiert wie blöd in den Archiven, um alles über das Leben und Wirken des gewünschten Objekts der Begierde zu erfahren, was für viele im Falle von Nolan natürlich Quatsch ist: Man kennt ihn einfach. The Dark Knight-Trilogie, Inception und eben Interstellar, der beweist, dass ihn die Thematik seines aktuellen Streifens schon länger beschäftigt und er bereits seit Jahren an diesen Ideen arbeitet und feilt.

Tatsächlich zählt Interstellar zu den Filmen, die in der Gesellschaft oft als „bester Film von ihm“ genannt werden … und im Zuge des ganzen Fiebers hin zu Tenet wurden seine preisgekrönten Werke ja auch zurück auf die Leinwände gebracht, was mich wiederum dazu veranlasst hat, jetzt doch etwas darüber zu schreiben.

Ich habe die Gunst der Stunde genutzt und mir den Streifen in OV angesehen, was ich all denjenigen, die nicht perfektes Englisch können, an dieser Stelle tatsächlich nicht raten kann: Der Anspruch ist riesig, die Stimmen vernuschelt, der Text gewaltig und man kapiert förmlich gar nix, wenn man die Sprache nicht medi-professionell beherrscht.

Das ändert nichts daran, dass das Werk als solches einfach großartig ist: Man spürte, dass Kino wieder seine altbekannten Kräfte entfaltet und hat den Unterschied zum heutigen Gros aller „Blockbuster“ deutlich wahrnehmen können.

Die visuelle Kraft, der erzählerische Umfang und das Streben nach etwas viel viel höherem und größerem ist Interstellar in die Wiege gelegt und dazu kommen viele Ausflüchte und ein Plotstrang, der eben nicht lapidar auf dem Boden liegt und mit einem kurzen Augenblick erfasst werden kann, sondern in den man sich reinarbeiten und durch rätseln muss, was da nun Sache ist.

Im Zuge seines aktuellen Stücks wisst ihr nun, was in den letzten Jahren eigentlich unsere Aufgabe gewesen ist: Diese Form des Filmemachens zu verstehen und sich auf die Achterbahnfahrt des Plots soweit einzustellen, damit man Werke wie Tenet dann auch wieder schneller verstehen und begreifen kann.

Nolan ist niemand, der ne Schnulzenschmonzette auf den Weg wirft, die man in der ARD im Nachmittagsprogramm abnudelt, sondern er fordert sein Publikum heraus und mobilisiert geistige Ansprüche, mit denen man sich auseinandersetzt – oder eben nicht.

Daher gilt er – trotz solcher Welterfolge wie The Dark Knight – doch eher als Nischenspezialist, der ein ganz bestimmtes Publikum hat, das ihn liebt und feiert und will gar nicht die große Masse befriedigen.

Ich selbst bin gespannt, wohin uns diese Reise noch trägt… aber es tut in allen Fällen wahnsinnig gut, seine alten Werke wieder einmal auf der Leinwand bestaunen können zu dürfen.

Nutzt die Chance für den Zeitsprung in die Vergangenheit und zieht euch das Werk auf der Leinwand rein, sofern ihr die Chancen bekommt: Ein großartiger Film, der nichts von seinem Charme und Aussagekraft verloren hat und auch heute im Kino immer noch wirkt.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 6. November 2014

Original Title: Interstellar
Length: 169 Min.
Rated: FSK 12

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4K UHD https://amzn.to/2ZfgOZg
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News: Aktuelle Gratis-Angebote im ICE der DB (Stand: September 2020)

ICE Szene in München Pasing
© 2020 https://www.kinoticket-blog.de

Folgende Angebote stehen im September 2020 zur Auswahl

Top-Filme

(NEU) Shape of Water – Das Flüstern des Wassers
Sherlock Holmes
Percy Jackson – Diebe im Olymp
Invictus – Unbezwungen
Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen
Avatar – Aufbruch nach Pandora
Männerherzen
Nie wieder Sex mit der Ex

Joyn Originals

Diese werden nicht vollständig angeboten, sondern enthalten jeweils ausgewählte kostenfreie Episoden. Wer die kompletten Staffeln sehen möchte, benötigt hierfür eine JoynPlus-Mitgliedschaft.

Ma Pa
Check. Check
jerks.
Slavik – Auf Staats Nacken
Dignity
The Entertainers
Frau Jordan stellt gleich
Die Läusemutter
Singles‘ Diaries

Top-Serien

Diese werden nicht vollständig angeboten, sondern enthalten jeweils ausgewählte kostenfreie Episoden. Wer die kompletten Staffeln sehen möchte, benötigt hierfür eine JoynPlus-Mitgliedschaft.

Aus dem Tagebuch eines Uber-Fahrers
The100
The Big Bang Theory
Eine wie Alaska
Atlanta Medical
The Orville
What we do in the Shadows
9-1-1
The Gifted
Genius.

TV-Highlights

Diese werden nicht vollständig angeboten, sondern enthalten jeweils ausgewählte kostenfreie Episoden. Wer die kompletten Staffeln sehen möchte, benötigt hierfür eine JoynPlus-Mitgliedschaft.

The Voice of Germany
Queen of Drags
BIG!
Joko & Klaas gegen Pro7
Die Martina Hill Show
The Voice Senior
Alle gegen 1
Mord mit Ansage

Wissenswertes

Mythos Megalodon – Das Geheimnis des Urzeit-Hais
Naturwunder Costa Rica
Teleskop Blick ins Universum
Indien – Wildes Paradies
Into the Blue Hole – Expedition in unbekannte Tiefen
Die Tierwelt Patagoniens
Project C.A.T. – Eine Zukunft für Tiger
Giant Sharks – Hai-Expedition vor Kuba

Für die Kleinen

The Spectacular Spider-Man
Teen Titans Go!
Be Cool Scooby-Doo!
New Looney Tunes
The Tom und Jerry Show
Dorothy und der Zauberer von Oz
Friends
Thomas & Friends


Mulan

Mulan - Filmplakat
© 2020 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Mulan zählt zu den Phänomenen, mit denen so viele ihre Kindheit verbracht haben, und Disney arbeitet nicht erst seit gestern daran, all die Klassiker mit menschlichen Darstellern neu zu beleben und in dieses Jahrhundert zu überführen.

So auch mit Mulan, der inzwischen seinen langfristigen Corona-Arrest hinter sich hat und als große Hoffnung auf den Neustart galt … und ihn versemmelte. Dabei war die Vorarbeit so dermaßen grandios, dass sogar ich als großer Disney-Kritiker mit offenem Mund am Boden kniete und den Herren und Damen meinen Respekt zollen musste: Ja, alle bisher erschienenen Teaser und Trailer sind super großartig und erzeugen jedesmal Gänsehaut auf dem ganzen Körper, wenn sie in einem der immer noch fast leeren Kinosäle den Neuanfang ankündigten.

So viele haben sich drauf verlassen, dass Tenet den Beginn macht, als die immer wieder abgesprungen sind, lag die Hoffnung auf Mulan und zu dem Zeitpunkt, als ich diesen Text hier schrieb, hatte ich noch nicht einmal mehr die Hoffnung, dass dieses Werk überhaupt je in einem großen Saal gezeigt werden würde (und die Vorbestellung zu Tenet längst in der Tasche).

Immerhin kann sich Disney mit seinem großartig gestarteten und klug inszenierten eigenen VoD-Portal immer elegant aus der Affäre ziehen, ohne sein Gesicht zu verlieren – getreu dem Motto: „Schaut her, was wir euch für großartigen Content im Vergleich zu anderen bieten… extra für das Portal designt und kreiert.“

Dabei gehört ein Werk wie dieses auf die Leinwände und sonst nirgendwo hin.

Und letztendlich ist es noch schlimmer gekommen, als ich gedacht hätte: Man hat den Leinwänden den Release versagt und ihn direkt zu Disney+ geschoben, aber nicht etwa so, dass die Abonnenten dieses vergleichsweise teuren Portals ihn dann einfach schauen können: Nein, man benötigt zu dem bestehenden Disney+ Abo zusätzlich nocheinmal Geld … und zwar saftige 21,99 €, um einen VIP Access zu erkaufen, der es dann erst ermöglicht, den Film tatsächlich abspielen zu können.

Was genau verdienen die Kinos daran? Genau: 0,00 €! Disney als Familienunternehmen, das traditionelle Werte vertritt und für ein gutes Leben plädiert? Am Arsch… wir lassen die kleinen Kinos einfach verrecken, wenn wir uns dann überteuert noch viel mehr Geld zu 100% in die eigenen Taschen stopfen können. Das ist laut deren Ansicht nun die „beste Option“, den Film zu releasen, und es reut mich, sagen zu müssen, dass ich einer der wenigen bin, die ihn jemals auf der Leinwand gesehen haben. Ich hätte es jedem einzelnen von euch gegönnt!

Aber zurück zum Plot: Über die Geschichte und etwaige Veränderungen brauchen wir nicht reden, die kommen immer wieder auf, seitdem irgendwer den großartigen Gedanken hatte, Grimms Märchenstunde neu zu interpretieren und den Zuschauern neuartigen Inhalt aus alten Geschichten zu backen.

Genauso wenig möchte ich an dieser Stelle über Animation vs. Humans diskutieren: Ich denke, das trägt nicht zur Debatte bei. Mulan zählt nämlich tatsächlich zu den Werken, die man sehr wohl im Kino gesehen haben darf, denn die Re-Interpretation kann sich sehr wohl sehen lassen und wurde ordentlich gemeistert.

Man spart weder an feinfühligen, asiatischen Nuancen, noch an Action und Bombast und lässt hier niemanden wirklich auf der Strecke. Das altbekannte „Jeden in der Familie zufrieden stellen“ funktioniert auch jetzt noch und liefert hier wirklich Unterhaltung, die jedoch von der großen Leinwand lebt.

Also bockt auf, was immer ihr findet, reißt die Leinwände in die Breite, donnert die Boxen hoch und lasst das Spektakel über euch ergehen: Enttäuscht zu werden fühlt sich in der Tat ganz anders an…….. Achnee, geht ja nicht, denn Disney möchte euch das ja lieber gerne vorenthalten. Ach scheiße verdammt… ähm … ja … also … äh …. keine Ahnung.

Gelungener Sprung in die menschliche Realität: Die Geschichte überzeugt nach wie vor und durch die unfassbaren Gelder und Talente im Hintergrund lässt auch die Umsetzung niemand im Stich: Lohnt sich, in einem Kino zu sehen: Und das möchte Disney euch gerne ersparen, denn etwas mehr Geld in den eigenen Taschen ist vieeel besser als ein zufriedenes Publikum!

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Die ersten Momente kann man ruhig noch mitnehmen, danach folgt die übliche Blackroll.

Kinostart: 4. September 2020 exklusiv auf Disney+ mit VIP Access für zusätzliche 21,99 € … und ab 4. Dezember 2020 gibts ihn dann inklusive des „normalen“ Disney+ zu sehen.

Original Title: Mulan
Length: 115 Min.
Rated: FSK 12

Diesen Film kaufen auf:
Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze) 


After Truth

After Truth - Filmplakat
© 2020 Constantin Film Verleih GmbH

Nachdem bei After Passion die Jugend jubilierte, die Fangemeinde weinte und die Presse sich in Grund und Boden schämte, hatte ich versprochen, mir das Buch zu organisieren und es zu lesen, weil tatsächlich sehr viele Stimmen laut wurden, die gesagt haben: Schade, der erste Teil wurde verkackt, das Buch ist sooooo gut.

Und tatsächlich: Ich kann’s bestätigen. Nach 70 Seiten hab ich das erste Mal aufgehört zu lesen, als ich es mir gekauft hatte … und es war mir eine helle Freude, durch die Story zu wandeln, weil Anna Todd tatsächlich das Talent hat, die Dinge zu erfassen, zu benennen und auf einen Punkt zu bringen.

Man könnte sagen: Entweder schaust du dir ein paar dutzend Liebesfilme an und beschäftigst dich eine Weile damit, was die Jugend in diesem Alter umtreibt, oder du liest das Buch und hast alles in Summe vorhanden. Sehnsüchte, Entdeckungen, Er- und Selbstfindung, die heißblütige, völlig nicht-von-dieser-Welt-hafte Vergötterung seines Schwarms, das Leben inside und outside von Konservativismus und so viele andere Themen, die einem im Leben begegnen können, wurden hier aufgegriffen und solide bearbeitet. Dass dabei der Blickwinkel der Teenager niemals verlassen wird, mag manch einen, der es im Leben inzwischen schon „weiter gebracht“ hat, möglicherweise stören, genau das liefert aber Authentizität und sorgt für eine allseits gegenwärtige Glaubhaftigkeit, die die Stärke und „Wucht“ dieser Liebe auszeichnet und unterstreicht.

Nun haben wir nicht nur das allseits bekannte Buch-Film-Problem, sondern tatsächlich eine Barriere, bei der ich sogar soweit gehen und sagen würde: Das ist einfach nicht verfilmbar.

Aufgefallen ist mir das u.a. daran, dass ich anfangs den Film sogar mehrfach im Kino angeschaut habe, um zu probieren, ob es anschließend eine andere Auswirkung auf einen hat und man den Film (wenn man Plot und Twists bereits kennt) doch anders betrachten kann und kam nicht darüber weg, dass der eben einfach „schlecht“ ist.

Eben so viel Angst hatte ich, das Buch aufzuschlagen und mein Versprechen einzuhalten, denn das ist nicht nur nicht meine Literatur, sondern interessiert mich auch persönlich nicht im Geringsten, genau deshalb hab ich es damals auch öffentlich versprochen, um es wirklich durchzuziehen.

Und das Buch hatte mich irgendwie direkt und ich hab grundsätzlich keinerlei Schwierigkeiten damit gehabt, die Story in meinem Kopf völlig neu entstehen zu lassen und seltsamerweise musste ich mich dafür auch nicht an die Bilder der Personen im Film klammern oder irgendwelche Szenen dazu reproduzieren, sondern das Ding lebte völlig losgelöst durch sich selbst und war bis zum Ende hin einfach stimmig.

Genau das zeigt, dass der Film quasi nicht als „Buchverfilmung“ taugt, sondern ein träger Abklatsch eines Versuchs davon ist, der meiner Meinung nach nicht von Erfolg gekrönt sein kann, weil man die seelischen Gefühlswelten niemals in der Form in einen Film kriegt, dass es den Ansprüchen gerecht wird, die Todd in ihren Büchern befriedigt.

Ich würde hier sogar auch einen Unterschied machen und die Bücher vom Genre leicht distanzieren, weil das, was dort aufgeschrieben wurde, tatsächlich weit weg von Kitsch und Romantik, Liebe und Sissi-Blumen-Tralala ist und eben genau jene Probleme aufgreift, die Jugendliche in dem Alter beschäftigen und die für sie wahrhaftig und existent sind.

Nachdem ich nun das erste Buch durch habe, waren meine Erwartungen beim kommenden Film After Truth natürlich unterirdisch: Nun kommt zu dem systemischen Versagen noch das „der zweite Teil“-Phänomen dazu, was es zusätzlich nach hinten kippt und eigentlich nur als Totalschrott enden kann.

Und als der Trailer das Licht der Welt erblickte und über die Leinwände huschte, dachte ich wieder: „Oh Gott… naja, man kann’s nicht verhindern“… meine Erfahrung in dem Film war aber eine völlig andere.

After Truth überrascht nun damit, dass man augenscheinlich weiß, dass die Verfilmung nicht so funktioniert, wie das Buch in alle Ecken und Winkel hinein leuchtet und ist quasi nur eine Ansammlung von „Triggern“, die die Leser der Werke angedeutet sehen lassen, welchen Part man jetzt im Kopf dazu einfügen muss.

Zum ersten Mal überhaupt würde ich empfehlen: Lest After Passion und schaut danach After Truth und verknüpft beide Welten miteinander, denn diesmal funktioniert das. Der zweite Teil hat eine immense Lust in mir wiedererweckt, den zweiten Teil ebenfalls als Buch zu ordern und an einem gemütlichen Schmöker-Abend zu verinnerlichen. Als Kenner der geschriebenen Werke merkt man nämlich, wie die Filmemacher versuchen, immer wieder in die Tiefe der Story abzutauchen und ihnen die Kunstform „Film“ dabei im Weg steht.

Nun kann man die Schuld auf den Cast schieben, auf ein schlechtes Drehbuch oder einfach auf die labilen Zustände, oder darauf, dass der Film zeitlich gesehen eigentlich viel zu kurz ist, um auf alle Einzelheiten und Details aus dem Buch eingehen zu können, also werden extrem viele tragreiche Momente und Elemente manchmal z.B. nur mit einem Blick oder einer einzigen kurzen Kamera-Sekunde abgefrühstückt. Aber man spürt deutlich, dass die Macher eben versucht haben, so viel wie möglich mit zu nehmen und zumindest den Lesern ein Triggerfeuerwerk schenken, die dann tatsächlich wieder übelst Bock kriegen, die Bücher dazu in die Hand zu nehmen und (nochmal) zu lesen.

Insofern ist der Film eine gelungene Unterhaltung, für die man an dieser Stelle tatsächlich kurioserweise einmal Hintergrundwissen braucht: Und zwar in Form des geschriebenen Wortes, denn auch der erste Teil macht euch im Vorfeld dazu nicht zwingend glücklicher.

An Vergleiche a la Fifty Shades of Grey für Pubis möchte ich mich an dieser Stelle auch nicht wagen, auch wenn gewiss einige Parallelen erkennbar sind, die man aus Jugendfilmreihen dieser Art öfters kennt (Twilight-Reihe z.B.). Diese Form des Konkurrenzkampfs hat der Film nicht nötig und es wäre auch keine Bereicherung, im Vergleich zu ermüden.

Tatsächlich entwickelt der Streifen durchaus seine Momente, taucht in das (geschriebene) Epos sachte ein und bringt es in genau der gleichen (miesen) Manier wie bei Fifty Shades auf die Leinwand, nur dass das hier irgendwie ein bisschen mehr Spaß macht.

Vorstellungen wie Ladies Night, BRAVO Preview oder ein gemeinsamer Filmabend mit der Clique (und Abstand im Saal) sind hier definitiv die absolut richtigen Varianten, um den Film zu genießen und das beste da raus zu holen.

Dieser Film struggelt an seiner Unverfilmbarkeit und macht durch das Gewitterfeuer an Triggern für die Leserschaft der Bücher unglaubliche Lust auf die geschriebenen Werke: Die ragen nämlich mit einer großartigen Welt aus dem Geschwulst der Liebesromane heraus und greifen die alltäglichen Situationen von Teenies hervorragend auf und verarbeiten sie zu einer wunderbaren Lösung. Die Filme können dies „technisch“ niemals bewältigen, liefern aber eine gute Variante, um das Buch irgendwie „zum Leben zu erwecken“. In der Clique definitiv sehenswert.

Nachspann: ⚪️🔘⚪️ | Nicht gleich wegrennen, es kommt im Mittelteil nochmal eine kleine Szene.

Kinostart: 03. September 2020

Original Title: After We Collided
Length: 106 Min.
Rated: FSK 12

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: https://amzn.to/2F9zrqD
Bluray: https://amzn.to/2ZjvXZw
DVD: https://amzn.to/35f34S8


Die Boonies – Eine bärenstarke Zeitreise

© 2020 Little Dream Pictures

So, jetzt haben wir alle das Plakat gesehen und können uns wieder beruhigen und gemächlich an den Kinokassen ein Ticket für den Film lösen. Und schön Abstand halten dabei.

Was?

Äh…

Ja, genau! Einer der lustigsten, wuscheligsten und coolsten Kidsmovies, die ich seit langem gesehen habe. Und wenn die Kinder förmlich zum Störfaktur mutieren, weil die Erwachsenen im Saal den Film mehr feiern als die Kleinen, dann wisst ihr, was gespielt wird.

Tatsächlich geht man mit einer forschen, absolut fitten und aufgeweckten Schnuffigkeit zur Sache, die nicht nur den Plot voran treibt, sondern ein großartiges Schauspiel auf die Bildfläche zaubert, bei dem alle Faktoren, die mir dabei so einfallen, bestens gelöst werden.

Es ist dramatisch, es ist seelig, man trifft den Nerv der Emotionen. Es ist herzlich, verliebt, kindlich, verspielt, durchtrieben, rasant, wild, abenteuerlustig, magisch, zum Teil episch und es steckt Kohle da drin irgendwie … keine Ahnung.

In China ist dies wohl eine Serie, die man dort schon in vielerlei Hinsicht abfeiert und mit Comics und Episoden gesegnet hat, Die Boonies – Eine bärenstarke Zeitreise ist nun der Kinofilm dazu, der allerdings internationale Erfolge einheimst – und das in meinen Augen völlig zu Recht.

Natürlich gibt es immer noch die Menschen, die der Meinung sind, dass ich Kinderfilme grundsätzlich verreiße (Mach ich wirklich diesen Eindruck? 🤷) und ich kann euch sagen: Ganz im Gegenteil. Ich hab ihn gefeiert und mich köstlich darüber amüsiert, dagegen kann sogar der neue Minions-Trailer einpacken!

Um es also nochmal im Presse-Slang zu sagen: Eine der erfolgreichsten chinesischen Cartoon-Shows mit über 600 produzierten Folgen seit 2012 in über 80 Ländern war die Ausgangs-Idee dieses Kinofilms, der selbst inzwischen mehr als 100 Mio. US-Dollar Einnahmen verzeichnen kann und somit zu Chinas zweiterfolgreichstem Animationsfilm gehört und für den Golden Rooster Award nominiert wurde, einem von Chinas wichtigstem Filmpreisen.

Also schnappt alles, was laufen kann, zwei Augen hat und während der Vorstellung die Klappe hält und dann rasch rasch ins Kino: Diesen Film solltet ihr unter gar keinen Umständen nicht gesehen haben 😉

Nachspann: 🔘⚪️🔘 | Sitzen bleiben, hier kommt noch einiges … und auch den Zwischen-Black-Roll abwarten, am Schluss erwartet euch noch eine kleine Szene.

Kinostart: 27. August 2020

Original Title: Xiong chu mo: Yuan shi shi dai
Length: 93 Min.
Rated: FSK 6

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: (folgt in Kürze)
Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze)


Porträt einer jungen Frau in Flammen

© 2020 Alamodefilm

Hinweis in eigener Sache:

Corona hat uns in Teilen in unsere Wohnzimmer verbannt und dazu verdammt, den Leinwänden für die Dauer des Lockdowns den Rücken zuzukehren. Das hat dazu geführt, dass einige Titel nicht mehr im Kino angesehen werden konnten bzw. sorgt aktuell immer noch dafür, dass vieles das Licht der Leinwand gar nicht erst erblickt.

Außerdem ist es seit jeher Gang und Gebe, die Filme nach einem gewissen Zeitraum auch online auf VoD-Portalen sowie auf Blu-ray und DVD anzubieten. Da habt ihr ab sofort die Möglichkeit, .kinoticket-blog.de aktiv zu unterstützen, indem ihr eure Käufe über die jeweiligen Links am Ende jedes Beitrags tätigt. Dadurch helft ihr dabei, dieses Blog am Leben zu erhalten, da ich als Amazon-Partner an qualifizierten Verkäufen verdiene.

Es wäre toll, wenn ihr diese Chance in Zukunft häufig nutzt, denn damit ist im Endeffekt allen geholfen. Vielen Dank schon mal an dieser Stelle.

Und nun zum Film: Der ging bereits vor dem wirtschaftlichen Kollaps auf die Leinwände und wurde von mir nicht mehr rechtzeitig rezensiert, da ich mich zu diesem Zeitpunkt bereits in meiner Krankenphase befunden und keine Kritiken veröffentlicht habe. Da er momentan aber z.B. über Amazon Prime Video abrufbar ist, dachte ich, arbeiten wir nun die Warteliste ein wenig ab.

Wer sich nicht zu viel Spannung aus dem relativ unaufgeregten Plot herausnehmen möchte, sollte einen Bogen um den Trailer machen, der andererseits aber wiederum sehr gut das Wesen dieses Films zum Besten gibt. Nicht umsonst ist Porträt einer jungen Frau in Flammen ein gefeierter Insider bei Arthouse-Fans und bekommt zu Recht genügend Aufmerksamkeit zugespielt.

Noémie Merlant und Adèle Haenel vertiefen sich hier in die verflochtenen Entdeckungen des gegenspielerischen Charakters, wobei sich die beiden immer mehr aneinander annähern und dabei die tiefen Tiefen menschlicher Empfindungen entdecken und auf eine sehr stilvolle und ambient-lastige Weise zelebrieren.

Man spürt sehr deutlich, welche schöpferische Kraft hier der Kunst zugesprochen wird und feiert diese Form der Weltwahrnehmung durch sensationell ausgestaltete Kameraeinstellungen und sehr gesichtsbezogene Darstellung. Dabei steht kaum im Weg, dass die Abhandlungen bereits einige Jahrhunderte in der Vergangenheit liegen, denn das schafft Platz, um sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können und ermöglicht dem Zuschauer, die Szenerie frei von politischen und modernen Einflüssen zu genießen.

Die prekäre Schärfe und kantige Art, die von beiden hierbei auf die Leinwand gebracht wird, ist zu Recht preisverdächtig und wurde in Cannes bereits in Form des besten Drehbuchs ausgezeichnet.

Hier zeigt sich einmal mehr, dass es doch möglich ist, ein sensationelles Drehbuch zu verfassen, eine Gabe, die ich in unserem Land noch schmerzlich vermisse.

Definitiv mitnehmen, wahrlich prachtvolle Inszenierung einer unglaublichen Annäherung in einem Metier, das wohl keiner aus seinem Alltag kennen dürfte.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 31. Oktober 2019

Original Title: Portrait de la jeune fille en feu
Length: 122 Min.
Rated: FSK 12

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: https://amzn.to/3hLLc4L
Bluray: https://amzn.to/2Zje2Cj
DVD: https://amzn.to/35eNaav


Lassie – Eine abenteuerliche Reise

© 2020 Warner Bros. Ent.

Nicht nur, weil sowieso jeder mit Tenet beschäftigt ist, sondern auch, weil mich einige schon vor einigen Wochen danach gefragt haben: Hier kommt sie endlich – die Kritik zu Lassie, dem allseits bekannten Hunde-Kinder-Film.

Ich bin an die Sache ziemlich voreingenommen rangegangen – und zwar aus zweierlei Perspektiven: Einerseits habe ich durch Bailey einen ziemlich mieses Kindheitstrauma 😉 und auch andere Hundefilme haben mich nicht zwingend überzeugen können und immer so ihre Hürden zu überbrücken gehabt, was mal gut, mal weniger gut funktioniert hat … andererseits bin ich absoluter Fan von Sebastian Bezzel, der hier ja eine starke Rolle verkörpert, mit der man mich eigentlich immer sofort kriegt.

Aber: Der Film will ja eigentlich den Fokus auf Lassie legen, also bewerte ich das (als Katzenmensch) jetzt mal aus der Perspektive des Hundes.

Und da hat man in effectu richtig gute Arbeit geleistet. Der Streifen nimmt sich Zeit, um die Natur, das wallende Haar, die Schönheit einer ganz eigenen Welt gebührend darzustellen und gibt dem Kinozuschauer ausreichend Freiraum, um das auch gebührlich zu zelebrieren.

Daneben ist das Zielpublikum tatsächlich jüngerer Generation, für die die Welt auch noch nicht nach realen Maßstäben funktioniert und bei „kleinen Ereignissen“ eine ganze Galaxie zusammenbricht – und im Rahmen dessen hat man die Problematiken auch sehr gut rausgearbeitet und mit Lösungsmöglichkeiten präpariert, die für mich in diesem Zusammenhang auch nicht aus dem Rahmen schlagen, sondern insgesamt tatsächlich ein sehr rundes, stimmiges und genießbares Bild abgeben.

Summa summarum war ich wahrlich recht angetan von dem Streifen und kann ihn euch auch besten Gewissens empfehlen, sofern ihr danach jagen solltet: Geht in die VoD-Portale oder zieht ihn euch auf DVD oder Blu-ray rein, sofern ihr mit Nachwuchs gesegnet und auf der Suche nach einer brauchbaren Nachmittagsunterhaltung seid.

Trotz großer Vorurteile, mit der ich an die Sache rangegangen bin, sehr überzeugend, berührend und gut gemacht: Man nimmt sich Zeit für Natur und stellt das Hunde-Kinder-Leben fantastisch dar. Daumen hoch!

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | wartet noch mit ein paar “Schaustellerbildern” auf, danach darf man den Saal aber gerne verlassen.

Kinostart: 20. Februar 2020

Original Title: Lassie – Eine abenteuerliche Reise
Length: 106 Min.
Rated: FSK 0


Tenet

Tenet - Filmplakat
© 2020 Warner Bros. Ent.

Am Mittwoch war es endlich soweit und Großmeister Christopher Nolan brachte seinen lang erwarteten Film Tenet endlich ins Kino.

Vieles hat sich seitdem geändert. Man spürte in der Vorstellung, dass Kino die ganze Zeit eigentlich auf Pause stand und kein Material auf der Leinwand gezeigt wurde, welches auch nur annähernd den Anspruch von ihm erreicht und die Stärken und Größen von Kino ausspielen kann.

Bereits in der Einführungssequenz wurde man als Zuschauer schon wieder mit Eindrücken und geballter visueller Kraft erschlagen, so dass unmissverständlich klar gemacht wurde: ab jetzt läuft es wieder anders.

Der ganze Film strotzt vor einem Übermaß an Eindrücken, Verflechtungen, Verschachtelung und erfordert solch ein immenses Ausmaß an geistiger Wachsamkeit, die nahezu ausgeschlossen bei einem Menschen in dieser Form vorhanden sein kann.

Damit gelingt Nolan der Schachzug, den Kinos tatsächlich Material in die Hände gespielt zu haben, welches das Publikum wieder anlockt, denn: man muss den Film nicht nur drei oder vier mal gesehen haben, um überhaupt begreifen zu können, was da gerade passiert ist.

Und an dieser Stelle spreche ich rein von dem Geschehen der Erzählung und noch nicht davon, weitere Verbindungen oder Querverweise erkennen zu können. Die stecken nämlich ebenfalls hinter jedem ach nur erdenklichen Winkel, was es selbst erfahrenen Kino-Freaks unmöglich macht, alles bereits nach wenigen Malen Film zu erfassen und zu verstehen. Die zahlreichen Twists im Plot, die sich mit der Zeit neben immer neuen Verwirrungen hier und da auflösen, überraschen mit geistigem Einfallsreichtum und einem wahnsinnig ausgeklügelten System, was abermals zeigt, welch hingebungsvolle kreative Kraft in diesem Regisseur steckt.

Tenet ist nicht dafür gemacht, einmal gesehen und dann abgehakt zu werden, selbst wenn das ebenfalls befriedigend sein kann, da der Film weder an Action noch an großartiger Unterhaltung spart. Ich wette, Leute wie wir, die kinobesessen sind, werden bis ins hohe Alter diesen Film immer wieder sehen können und dabei jedes Mal neue Querverweise und versteckte Easter Eggs entdecken können.

Eine Sache sollte ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: das Schauspiel von Robert Pattinson. Dieser Mann liefert in diesem Film eine derartig brillante Schauspielleistung, die ihn endgültig aus seiner Rolle, mit der er groß geworden ist, enthebt und zu einem der wertvollsten Schauspieler unserer Generation macht.

Nun wissen wir, weshalb dieser Film so lange gebraucht hat, um endlich releast zu werden: dafür braucht es die Möglichkeit, in kurzer Zeit relativ häufig ins Kino zu gehen und ihn sich immer wieder ansehen zu können. Und nachdem man oft genug auf großer Leinwand mit viel Platz zum Suchen die Chance hatte, diese brachiale Wucht auf sich wirken zu lassen, kann man dann in tiefere Recherchen vorgehen und ihn sich wieder und wieder zu Hause anschauen.

Deshalb ist es auch gut, dass keine anderen Filme im Kino starten, denn wir Zuschauer haben jetzt erst einmal richtig viel zu tun, um dieses Werk auch nur annähernd zu begreifen und zu verstehen.

Keine Angst, wenn man bereits nach 10 Minuten aussteigt, zu verstehen, wer was wie warum und wo: Schaut es durch. Löst noch ein Ticket und geht wieder rein … und dann wiederholt das ein paar Mal. Wir haben Zeit, bis der nächste große Film im Kino startet … und genau die werden wir auch brauchen. Großartig!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht ausharren, hier folgt dann nichts weiter.

Kinostart: 26. August 2020

Original Title: Tenet
Length: 150 Min.
Rated: FSK 12