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Fast & Furious: Hobbs & Shaw

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© 2019 Universal Pictures International

The Fast and the Furious hat sich bereits seit dem ersten Teil zum absoluten Meisterwerk seines Fachs entwickelt: Es gibt bis heute schlichtweg keinen einzigen Film, der dieser Reihe – oder einem einzigen Teil davon – auch nur annähernd Konkurrenz machen könnte.

Schade? Oder gut so? Für das Franchise auf jeden Fall absolut kein Grund, das Niveau in irgendeiner Weise abzusenken: Das einzige, was hier tiefergelegt wird, sind die Autos. Sonst nichts.

Und man muss glaube ich nicht zwingend damit aufwachsen oder etwas von Autos verstehen, um hier gepackt und durchgeschüttelt zu werden: Die Fast & Furious-Reihe hat sich vom soliden Autoschrauber-Mythos zur Blockbuster-Legende entwickelt und im Verlauf seiner Existenz auch immer höhere Maßstäbe an den Tag gesetzt, die eines in Perfektion erledigen: Unterhalten.

In den letzten Teilen hat man im Volke zunehmends den immer größer werdenden Unrealismus kritisiert, der aus einstigen “Garagennachbarn” eben doch wieder Leinwand-Superhelden gemacht hat – aber ganz ehrlich? Ich hab deswegen trotzdem Gänsehaut.

Hobbs & Shaw als Film – sowie als Team – passen nicht zur “Familie”, weswegen man ihnen auch ein Spin-Of spendiert hat, um

a) die Charaktere nicht aussterben zu lassen (was der Fast-Reihe selbst vmtl. gut tun würde)

und

b) ihnen ihre eigenen, gebührenden Stories zu erlauben, denn trotz jeder Kritik: Sowohl Johnson als auch Statham sind unfassbar gute Action-Schauspieler, denen man niemals den Gang zur Leinwand verwehren darf.

Und genau das spielt man jetzt auch aus: Das “Fast & Furious”-Logo prangert oben als kapitalistischer Motor in der Ecke, aber der Film heißt in Wahrheit einfach nur “Hobbs & Shaw” und liefert einen Action-Bombast, der weder Niveau, noch Unterhaltung, Humor oder Brachialismus eingebüßt hat, sondern in stiller Eloquenz liefert: Man hat im Kino mörderischen Spaß und sieht sich desöfteren einfach mal so mit offenem Mund dasitzen: Die Action und das Krawumm sind ordentlich und man begeistert mit Szenen, die Entertainment par excellence auf den Tisch legen.

Und damit ist das Kinoticket jeden Cent wert, solange ihr den Film im größten und lautesten Dolby Atmos™-Saal aller Zeiten konsumiert. Das bedeutet für München: Es gibt exakt 2 Kinosäle, die diese Actionschlacht gebührend zeigen können: Das mK6 und das Dolby Cinema™.

Dolby Atmos™
Genau da hab ich den Film auch gesehen – in beiden Sälen. In beiden Varianten. Und beides war ein überragender Sound-Orgasmus, den ich einfach nur gefeiert habe. Selbst die Übersetzungen sind hier absolut nicht schlecht gelungen, was ihr allerdings definitiv vermeiden solltet, sind OmU-Varianten, denn die lenken zu sehr vom Film ab und sind einfach nur störend.

Dafür ist die Action ein Hochgenuss, die Beats laut, die Bässe hauen raus und das Motorenjaulen ein wahrer Hochgenuss. Alles, was man aus dem F&F-Universum inzwischen kennt, wird aufgefahren und verbessert: Die städtische Häuslichkeit wird zugunsten von Blockbuster-Fever verkauft, dafür erhält man aber ungleich bessere Action und es macht akustisch extrem viel Laune!

Dolby Vision™
Die Liste der Referenz-Filme hat sich sowieso bereits verändert: Und Fast & Furious: Hobbs & Shaw gehört dazu: Hier kann ich wieder nur Lobeshymnen an Deutschlands einziges Kino von wahrere Größe singen: Geht ins Dolby Cinema™. Das mK6 punktet hier zwar mit der größten Leinwand innerhalb dieser Landesgrenzen und liefert dadurch auch eine extrem gute Schlacht, allerdings toppt nichts die Farbbrillanz und das extreme Schwarz und kräftige Leuchten dieser optischen Augenweide: Natürlich liefert man so einfach die besseren Blicke auf die schnittigen Wagen und die abnormen Raser-Modelle. Gänsehaut garantiert!

.kinoticket-Empfehlung: Verabschiedet euch von dem Gedanken, dass Fast & Furious hier weiter bedient wird, und akzeptiert einen immens geilen Actionstreifen, der das Niveau weiter hält – und dadurch evtl. einen neuen Strang im Erzähluniversum schafft, damit auch aus diesem Franchise eines Tages ein neues MCU wird. Ich würde es mir wünschen.

Nachspann: Aufstehen, aufstehen, aufstehen … und dann die Hälfte verpassen. Ganz ehrlich? Ich kann das Rausgerenne im Kino vor dem finalen Shot langsam echt nicht mehr verstehen … und Fast & Furious: Hobbs & Shaw liefert gleich dreimal mehr einen Grund dafür, das nicht zu tun: Es. Kommt. Noch. Was. Also bleibt einfach mal hocken. Was könnt ihr in den 20 Sekunden denn schon wirklich lebenswichtiges verändern, wenn ihr so frühzeitig aus dem Saal rennt?

Kinostart: 01. August 2019

Original Title: Fast & Furious: Hobbs & Shaw
Length: 136 Min.
Rated: FSK 12


Geheimnis eines Lebens

Geheimnis eines Lebens - Filmplakat
© 2019 Entertainment One Germany GmbH

Judi Dench ist eine Größe auf der Leinwand, egal, mit was man sie beauftragt – ihre Persönlichkeit und ihr Charme reißen das Ruder in jedem Fall auf Seiten der Sympathie und des Mitgefühls mit ihrem Charakter. Wenn man nun bedenkt, dass diese Frau fast blind ist und darum Schauspielern für sie quasi mittlerweile absoluter Nonsens, ist es erstaunlich, wie man sie in Geheimnis eines Lebens inszeniert. Klar wurde ihre Rolle entsprechend so angepasst, dass sie keine Verfolgungsjagden auf in 6 Meter hoch installierten Reckbarren mehr durchführen muss, sondern quasi mehr oder weniger “nichts schief” laufen kann, wenn man allerdings nichts davon weiß, dass diese Frau tatsächlich kaum etwas sieht – Wahnsinn, mit welcher Performance sie da einfach mal um die Ecke schneit.

Der Plot des Films haut einen jetzt nicht sonderlich vom Hocker, sondern wäre in anderen Streifen wohl eher nur eine beiläufige Selbstverständlichkeit. Daraus ergibt sich jetzt keine zwingende Pflicht, seinen Filmschatz tatsächlich um diese Geschichte zu erweitern, was wiederum nicht bedeutet, dass diese Wahl die schlechteste wäre.

Wer gerne in diesen Metiers verweilt und sich mit derlei Geschichten gerne umgibt, findet hier einen toll gespielten Streifen, der diese Gelüste zu 100% befriedigt, jedoch im allgemeinen Verständnis der heutigen Abgeklärtheit keine neuerlichen Fakten mehr auf den Tisch zu werfen vermag, zumal hier eh schon viel zu viel Undurchsichtigkeit und Mythos-Glaube am Start ist, als dass man den geneigten Cineasten dadurch mit irgendetwas verblüffen könnte.

Das Erzählenswerte liegt hier viel mehr in den Hintergründen, die weder vom Film direkt angesprochen werden, noch jemand auf Anhieb als wichtig erachten könnte, nämlich: Diese Geschichte ist wahr und sie hat sie ein Leben lang tatsächlich mit sich rumgetragen.

Der fade Beigeschmack, warum gerade jetzt so etwas “offenbart” werden muss, bleibt am Ende aber dennoch mit fliegenden Fragezeichen im Raum.

.kinoticket-Empfehlung: Grandiose Performance, mittelmäßige Story, fragwürdige Absicht: Als Zuschauer fühlt man sich ob der vielen Mythen rund um diese Themen etwas alleingelassen, wenn es um den Grund für diesen Film geht – der besinnt sich ganz seines Genres und liefert tolle Bilder und eine solide Geschichte, die aber nicht mit nennenswerten neuen Fakten aufzuwarten weiß, sondern eher subtil vermittelt, dass an den leichtgläubigen Mysterien doch manchmal mehr dran ist, als man vorher glaubte.

Nachspann: Muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 04. Juli 2019

Original Title: Red Joan
Length: 102 Min.
Rated: FSK 6


Ausgeflogen

Ausgeflogen - Filmplakat
© 2019 Alamodefilm

Wenn’s französisch klingt, ist’s herzig … so könnte man pauschalisieren und würde damit in den meisten Fällen noch nicht mal arg daneben liegen. Mon Bébé ist tatsächlich ein absolut kitschig klingender Titel, der im Deutschen nicht besser wird und dem man all die nervigen kleinen “Dududus” und “Dadadas” anhängen darf, die so mancher an werdenden Eltern so extrem hasst.

Wer an dieser Stelle aber den Fehler macht und tatsächlich glaubt, dass das ganze Kleinkindgequengel nun Bühne auf der Leinwand findet, der schadet sich selbst und verweigert von vornherein einen Film, den ich auf die ToDo-Liste eines jeden Kinofans setzen möchte, denn Ausgeflogen ist wirklich ein Insidertipp.

Um euch die Angst vor “Oh mein Gott, er wird alt und kriegt langsam die Krise” ein bisschen zu nehmen: Ja, ich kann diesem ganzen Generve von Babys und Kleinkindern immer noch nichts abgewinnen – ich bin kein “Vatertyp”, ich hab keinen eigenen Familiensinn und allein der Gedanke, mich mit jemand zu verbünden und irgendwann eigene kleine Kids in die Welt zu setzen, löst Horror und Schrecken bei mir aus: “Hilfe, ich verliere meine wohlgeliebte Einsamkeit, meine Lebensfreiheit und mein Recht, durchgeknallt und anders zu sein als andere und das in vollen Zügen auszukosten.” Ihr braucht also nicht zu fürchten, dass jetzt auf einmal auch kleine, dicke, komisch aussehende Babys auf den Tisch kommen und ich beschwörend anfange, drumrum zu tanzen und eben jenes Szenario heilige.

Ganz im Gegenteil: Ausgeflogen kümmert sich um andere Dinge – von anderen Seiten aus, und tut dies in einer romantisch-erträglichen Version, von der ich nur zu gern mehr sehen würde. Hier schlägt das “französische Gen” wieder einmal zu, das quasi mehr oder weniger garantiert, dass der Film gut werden wird – und beide Hauptdarstellerinnen erledigen hier auch einen Job, der nach Schauspielschul-Vorbild ausschaut: Extrem gut gespielt, extrem einfühlsam und emotionsnah und auf eine wohlige Art und Weise, in der man sich gern für eine Zeit lang selbst ertränken möchte, um es richtig auszukosten.

Der Film hat Tempo, fordert also auch durch seine permanente Fahrweise und lässt einem wenig Zeit, zur Ruhe zu kommen und das Gesehene irgendwie zu verarbeiten – leise ist also was anderes, aber die Geschwindigkeit und der “Lärm” nerven nicht, sondern sind hingebungsvoll und ehrlich, eine liebevolle Ode an das Leben und seine Wendepunkte.

.kinoticket-Empfehlung: Wer immer die Chance hat, das Ding im kleinen Rahmen cineastisch zu konsumieren: Tut es! Ausgeflogen ist ein Insidertipp, der durch einen möglicherweise schlecht gewählten Originaltitel dazu verleitet, den großen Fehler zu begehen, diesen Film zu ignorieren. Absolut liebevoll gespielt – eine Ode an das Leben.

Nachspann: Muss man nicht sitzen bleiben, es folgen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 18. Juli 2019

Original Title: Mon Bébé
Length: 87 Min.
Rated: FSK 6


Es gilt das gesprochene Wort

Es gilt das gesprochene Wort - Filmplakat
© 2019 X Verleih

Es ist immer wieder herrlich, mitzuerleben, worüber sich Menschen alles so wunderbar echauffieren können, ohne wirklich Ahnung davon zu haben, worüber sie sprechen. Wer was wann wie und warum tut, und wen man alles für seine Handlungen aus dem Nichts heraus zu kritisieren hat, nur weil die allgemeine gesellschaftliche Stimmungslage in Deutschland das gerade so vorschreibt.

Dann sind die schuld, dann ist die Politik schuld, dann sind wieder die schuld, dann wieder die anderen … und irgendwie macht’s alles überhaupt keinen Sinn. Wäre ich Gott und würde über allem stehen und auf die Menschheit als solches hinunterschauen, hätte ich womöglich einen riesigen Spaß dabei oder permanente Kopfschmerzen vom andauernden Facepalmen.

Tatsächlich sind viele der “unlösbaren Probleme und Ängste”, mit denen manch besorgter Bürger umherschweift und sein Leben gerade so vor dem Abgrund zu retten sucht, an der Nase herbeigezaubert und von findigen Journalisten kapitalspendend in Szene gesetzt worden – und würde man sich anhand von ein paar Zahlen und globalen Fakten Überblick über die Lage verschaffen, würde man sehr schnell begreifen, dass es außerhalb vom Bildschirm auch noch fünf andere Seiten gibt: hinten, oben, rechts, links und unten – und begreifen, dass das, was man in Zeitungen oder Online-Magazinen zu lesen bekommt, nur eine von vielen Sichtweisen ist, die niemals alles vollständig offenbaren.

Welche Zeitung schreibt in den Artikel: “Kind tödlich verunglückt auf dem Frankfurter Hauptbahnhof und ich hoffe zu sehr, dass dieser Artikel durch meine reißerische Headline unzählige Klicks generiert und meiner Zeitung möglichst viel Kohle durch Werbeverkäufe einbringt”?

Das wäre schon ein kleines bisschen mehr Wahrheit. Wahrscheinlich geht den “besorgten und absolut geschockten und zutiefst Trauernden” das Leid anderer dermaßen am Arsch vorbei, weil sie nur denken: “Gott sei Dank, ist nicht mein Kind gewesen, also was solls” – auch das wäre in vielen Fällen wohl wieder ehrlich.

Nüchtern betrachtet: Ein Jemand (achtet mal drauf, wie die Zeitungen denjenigen bezeichnen und mit welch hypervorsichtigen Mutmaßung man hier auf einmal galant “Terror”, “Anschlag”, “Moschee” und anderen Müll ins Spiel bringt) hat zwei Menschen vor den Zug gestoßen und wollte dann abhauen, wurde aber geschnappt.

Bewertung? Krank. Und gefasst. Also kümmern sich die Gerichte um ihn. Punkt.

Und jetzt geht der mediale Verbalkrieg los, mit dem wieder “Urängste” der Bürger geschürt werden, die “Heimat” (was ist das?) auf einmal gefährdet sehen und die große Rassismus-Einwanderungs-Diversitäts-Gender-Politik-Debatte erbricht sich von neuem über das “dumme Volk” – ein Jammer!

Ich sehe in mehreren Wochen schon politische Diskussionen im Ersten vor mir, in der über die Zentimeterhöhe von absurden Zäunen an Bahnsteigen diskutiert wird (Es wäre das öffentliche Chaos und würde viel mehr Zerstörung und Wut verursachen, als ohnehin schon im öffentlichen Verkehr besteht) und keiner würde merken, dass wir uns alle damit beschäftigen, dass wir zu “blöd” sind, um irgendwo nicht eine Kante runterzufallen oder geschubst zu werden, nur weil ein Kranker geistig oder seelisch oder was weiß ich ausgetickt ist und etwas verursacht hat, das in der Tat absolut verurteilungswürdig ist und in höchstem Maße bestraft gehört.

Man kann aber genausogut hingehen und anfangen, metaphysische Analysen zu betreiben und pseudotiefsinnige Fragen stellen wie: “Was hat eine Gesellschaft für einen Wandel hinter sich bringen müssen, damit einzelne Individuen zu solch harten Entscheidungen fähig werden und dann Opfer ihrer selbst werden, um eine so schreckliche Tat auszuführen?”

Oder provokanter: “Gibt es derzeit zu wenig aggressive Videospiele, in der solche Menschen ihren Hass ausleben können?”

Ihr merkt: Es gibt unfassbar viele Seiten und niemand (auch ich nicht) sollte sich anmaßen, in irgendeiner Weise über etwas Bescheid zu wissen.

Nachdem ihr vor lauter Text wahrscheinlich schon alle eingeschlafen seid, kommen wir doch mal zum Film: Es gilt das gesprochene Wort greift nämlich eben jene “Vorbestimmtheit” von Charakteren auf und verwandelt sie in das komplette Gegenteil. Der Film zeigt. Das, was niemand sehen möchte.

Ausländer müssen kriminell sein. Schmarotzer. Bösewichte, die am Unheil dieser Welt schuld sind. DIE ANDEREN!!! Wahhhh!

Und aus diesem Grund empfehle ich euch: Bleibt dem Film fern. Ihr seht es nämlich nur als moralische Bekehrungsversuche an. Politische Einflussnahme. Meinungsmache. Und genau das stimmt nicht.

Weder in der Realität – noch im Film. Tatsächlich hat mich diese Weichzeichnerei an dem Werk nämlich beides: Einerseits wahrlich begeistert, weil’s endlich mal nicht das Klischee ist, das ich nicht mehr hören möchte, was sich jeder in seinem alltäglichen Medienwahn gleich zurechtspinnt, andererseits extrem gestört, weil es mit der Zeit zu einer schillernden Traumblase wird, die ein dermaßen unrealistisches Licht auf diese Lebensformen und -weisen wirft, das in vielen Fällen eben doch der Realität entbehrt.

Ich würde sagen: Der Film ist der Gegenpart zur verzerrten Wahrnehmung in dieser Dimension – ein utopisches Wunschdenken – und die Realität liegt irgendwo dazwischen. Tatsächlich ist es auch extrem schwer, hier Bewertungen vorzunehmen, denn – wie eingangs erwähnt – der Mensch echauffiert sich so gerne über so vieles. Und hat am Ende doch überhaupt keine Ahnung.

Und dafür bietet Es gilt das gesprochene Wort unfassbar viel Unterredungsmaterial.

Also geht rein.

Und diskutiert danach.

Die Chance darauf habt ihr z.B. bei der Kino-Premiere in Hamburg am heutigen 30. Juli um 19:30 Uhr in den Zeise-Kinos, wo u.a. Regisseur Ilker Çatak, Anne Ratte-Polle, Godehard Giese und Ingo Fliess anwesend sein werden.

Weiter geht’s dann mit der Kinotour durch folgende Städte:

Berlin: 31. Juli 2019 – 20:30 Uhr – Filmtheater am Friedrichshain
Frankfurt / Main: 1. August 2019 – 20:30 Uhr – Cinema
Stuttgart: 2. August 2019 – 20:00 Uhr – Atelier am Bollwerk
Leipzig: 3. August 2019 – 20:00 Uhr – Passage
Potsdam: 4. August 2019 – 12:00 Uhr – Thalia Programmkinos

Bei allen Veranstaltungen sind jeweils Regisseur und diverse der oben genannten Personen vor Ort und stehen euch Rede und Antwort.

Wem das alles nicht passt, der kann sich schon mal das 15. Festival des deutschen Films in Ludwigshafen auf die Fahnen schreiben, dort wird der Film ebenfalls nochmals gezeigt.

.kinoticket-Empfehlung: Kontrovers anders und in meinen Augen gleichzeitig gut und schlecht: Er behandelt von der Öffentlichkeit geschundene Menschen gänzlich anders, vergeht sich aber an sich selbst und betreibt eine Weichzeichnerei, die meiner Meinung nach wieder destruktiv auf die Situation wirkt und Schönmalerei betreibt, statt die wahre Natur herauszuarbeiten. Das Gefühl der utopischen Wunschträumerei lässt einen irgendwann einfach nicht mehr los.

Nachspann: Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 01. August 2019

Original Title: Es gilt das gesprochene Wort
Length: 120 Min.
Rated: FSK 12


Tel Aviv on Fire

Tel Aviv on Fire - Filmplakat
© 2019 MFA+ FilmDistribution

Irgendwann krieg ich auf’s Dach von euch, weil ich immer too late poste … ich weiß … Sei’s drum: Filmperle.

Kennt ihr das, wenn im Kino z.B. türkische Komödien laufen und man irgendwie immer den gleichen, schrägen Humor vorgesetzt kriegt? Das gleiche gilt für israelisches Kino: Seltsam, bizarr und irgendwie total eigen. Tel Aviv On Fire bricht hier mit den Regeln und legt köstlichsten Humor vor, den man aus diesen Riegen so eigentlich sonst nicht kennt.

Okay, ich kann jetzt auch keine zwei Hände voll israelischer Filme aufzählen, hab in meiner reich gefüllten Kino-Vergangenheit aber selten wirklich annehmbares aus diesem Land konsumieren dürfen – bis jetzt.

Der Plot kümmert sich zwar auch am Rande um israelisch-palästinensische Konflikte und zeugt damit von Aggressionpotenzial, verpackt dies aber zu einer Nebensache und konzentriert sich auf eine wunderbar schräge, situationsgeladene Komödie, die man einfach gesehen haben muss. Das beweist, dass auch Israel und Palästina dazu in der Lage sind, Stoff zum Lachen zu liefern und das abstruse Bild meiner Kindheit (Israel / Palästina = Krieg) langsam zu verändern.

Dass dabei beide Seiten ihr Fett wegkriegen, ist löblich und stellt einmal mehr politische Interessen an den Rand der Wichtigkeiten und kümmert sich darum, dass neben all dem Wahnsinn, der inzwischen da draußen in der Welt stattfindet, auch noch ein kleines bisschen Leben stattfindet, das man mit Genuss in sich aufsaugen darf. Und genau dazu lädt Tel Aviv on Fire ein: Unbekümmertes Fröhlich sein im Kino mit teils derbem Humor, der alles und jeden auf die Schippe nimmt und dabei nicht so wirklich wert auf political correctness legt.

.kinoticket-Empfehlung: Herrlich schräg, wahnsinnig unterhaltsam und urkomisch: Endlich fängt man im Land des Krieges damit an, Stoff zum Lachen zu produzieren. Eine Komödie, die man unbedingt gesehen haben muss!

Nachspann: Mitnehmen – das passt vollkommen zum Film und sollte nicht vorzeitig abgebrochen werden.

Kinostart: 04. Juli 2019

Original Title: Tel Aviv On Fire
Length: 97 Min.
Rated: FSK 6


Wenn Fliegen träumen

Wenn Fliegen träumen - Filmplakat
© 2019 Filmdisposition Wessel

Wenn Fliegen träumen hat es auf meine Top 10 geschafft … die Top 10 der schlechtesten Filme des Jahres.

Ganz ehrlich? Ihr habt bei mir schon vorab so viele Steine im Brett, wenn’s um Roadmovies geht – und das hier soll einen darstellen. Nur leider geht der Schuss gleich mehrfach nach hinten los. Wie kann man auf gut deutsch nur so einen Müll produzieren?

Bei allem Gemeckere über die Filmförderungen und Co., die angeblich immer in die Plots reinreden etc., fragt man sich an dieser Stelle, ob eben jene mit den entsprechenden Auflagen nicht doch etwas hilfreich gewesen wäre – denn das hier ist die größte Grütze überhaupt.

Die Idee? Schrott. Von Innovation oder ähnlichem keine Spur. Einfach nur lieblos dahingeklatschte Figuren, die weder sich selbst überzeugen, noch gut gespielt sind oder anderweitig von sich reden machen. Es tauchen angebliche Charaktermerkmale auf, von denen man rein gar nichts mehr im Film sieht und hört und grundsätzlich wirkt das Gesprochene an dieser Stelle mehr als unglaubwürdig, weil das Verhalten der Protagonisten einfach gänzlich anders ist.

Die Grundbausteine eines jeden Roadmovies sind auch hier zu finden, entbehren aber jedweder Logik und sind in sich einfach lächerlich. Als halbwegs denkender Mensch fragt man sich an zu vielen Stellen facepalmend einfach nur “Warum?” und findet nirgendwo logische oder zumindest akzeptable Antworten. Und das hat nichts mit Unverständnis dem Plot gegenüber zu tun…

Den Mut und das Selbstvertrauen in allen Ehren, hier gänzlich auf fremde Hilfen zu verzichten und alles aus eigener Tasche zu löhnen – die Frage ist aber: Merkt dabei eigentlich keiner mehr, wie sehr man von Logik und Vernunft wegdriftet und am Ende einfach nur noch lächerliche Scheiße abliefert?

Hätte sich irgendwer mit ein wenig Distanz nur Ansätze des Drehbuchs vor der Umsetzung durchgelesen, wäre sofort ins Auge gesprungen, dass hier so viel Widersinnigkeit an einem Fleck ist, dass es geradezu weh tut. Wie schaffen es Filme wie dieser eigentlich ins Kino?

Im Gespräch mit Vertretern der Presse hat ebenfalls kein einziger etwas Gutes an dem Werk gefunden – was normalerweise ein Anzeichen dafür ist, dass der Film genial ist – nur: Ich hab auch nichts gutes darin gefunden, und das tue ich ansonsten an dieser Stelle eigentlich.

.kinoticket-Empfehlung: Spart’s euch oder nutzt es als Wetteinsatz, wenn ihr jemanden hart bestrafen wollt: Diese 83 Minuten sind durchgehend eine Qual – der Schmerz der ins Gesicht schlagenden Faust des Intellekts hallt noch lange nach und lässt einen nicht vergessen, was für einen gewaltigen Fehler man hier gemacht hat: Bleibt dem Film bitte bloß fern!

Nachspann: ist animiert, wer es bis hierhin geschafft hat, darf die paar Minuten auch noch durchhalten.

Kinostart: 27. Juni 2019

Original Title: Wenn Fliegen träumen
Length: 83 Min.
Rated: FSK 0


Yesterday

Yesterday - Filmplakat
© 2019 Universal Pictures International

Es gibt Songs, die jeder kennt und jeder mitsingen kann. Dies sind nicht viele, dafür kennen sie umso mehr. Und es gibt Songs, die man tausend Mal hören kann und sie gehen einem danach immer noch nicht auf den Geist.

Beruflich bedingt werde ich immer mit der Art Song konfrontiert, die jeder kennt und wäre längst Milliardär, wenn mir jedesmal jemand 1 Cent dafür zahlen würde, wenn erneut eines dieser gefühlten Hand voll Lieder angestimmt wird. Seltsamerweise sind das nämlich immer die gleichen.

Yesterday kümmert sich um echte Stars und liefert dazu eine brandheiße Plotidee, die ich tatsächlich im Kino sehr gefeiert habe. Dazu kommt unbändiger Humor, liebevolle Schnelligkeit und ein grandioser Auftakt, was den Spaß im Kinosaal beträchtlich auf hohe Ebenen bringt.

Viele kritisieren den Film, und meinen damit wohl den Moment, wenn irgendwann klar ist, was gespielt wird und man sich von Seiten der Schöpfer her nicht mehr so recht entscheiden kann, wohin die Reise gehen soll. Man bleibt ziellos – was in meinen Augen aber nichts daran ändert, dass die Idee wundervoll inszeniert wurde und man in dieser Vorstellung sehr wohl gut unterhalten – und natürlich mit meistermäßiger Musik umspült wird.

Darum würde ich sagen: Lasst euch von den Miesepetern da draußen nicht die Laune verderben und probiert es doch einfach mal selbst im Kino: Ich hatte nämlich meinen riesigen Spaß während der Vorstellung.

.kinoticket-Empfehlung: Super genial inszenierte, witzige Idee, die im weiteren Verlauf des Films etwas Fahrt verliert und am Ende irgendwo ziellos umherirrt – dennoch nichts an Humor verschenkt und für einen tollen Abend im Kino sorgen kann.

Nachspann: Ihr seid in einem Musik-Film, also nehmt die Musik auch bis ganz zum Schluss mit. Szenen folgen aber keine mehr.

Kinostart: 11. Juli 2019

Original Title: Yesterday
Length: 117 Min.
Rated: FSK 0


Der König der Löwen

Der König der Löwen - Filmplakat
© 2019 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Disney ist nicht gerade bekannt dafür, ständig tollen, innovativen Stoff zu liefern, sondern glänzt in den letzten Jahren mehr oder weniger dadurch, Altbekanntes durch den Aufwärm-Wolf zu drehen und es erneut für überteuerte Preise ans Volk zu verhökern.

Ich habe mich oft gefragt, was die eigentlich die ganze Zeit über machen, zumal auch noch Twentieth Century Fox in deren Besitz übergegangen ist und man nun eigentlich ja wieder mal damit anfangen könnte, wahre Filme zu machen, wo sie nun die Könige des Kinos in ihren Schubladen horten.

Sitzen die den ganzen Tag über nur noch rum und zählen ihre Golddukaten, wie einst Dagobert Duck?

König der Löwen liefert mir nun tatsächlich eine Vermutung: Ja, es ist auch aufgewärmt, wiedergekäut, jeder kennt die Story und sie wurde nahezu szenenidentisch nachgestellt, aber!

Und dieses aber ist riesig: Ich glaube nun, sie haben all die Jahre im Hintergrund an einer Technik gefeilt, die letztendlich nun in nahezuer Vollendung auf dem Screen präsentiert wird und die die Filmkunst in die nächste Ebene hievt: Die Viecher hier drin sind animiert – und es ist abgöttisch, wie abnormal grandios das nun aussieht!

Ehrlich: Die Mähnen der Wölfe, die Bewegungsabläufe von Tatzen, Mäusen, Gazellen und dem ganzen Gekröse auf dem Boden – die „Echtheit“ ist so unfassbar unglaublich, dass man wahrlich vor Staunen nicht mehr den Mund schließt! Wie geht sowas?

Entweder müssen sie jeden Zentimeter eines Tieres an Synapsen und Andi-Serkis-Motionmesser angeschlossen haben, oder sie hatten genug Zeit und haben unfassbar aufmerksam hingesehen und zugeschaut, wie die Natur funktioniert und was alles bei kleinsten Kleinigkeiten exakt für Dinge geschehen. Muskeln, Fleisch, Tatzenbewegungen, Haare, Umwelteinflüsse – es wurde einfach auf jedes Detail unfassbaren Wert gelegt und eine Optik auf den Screen geworfen, die ein neues Zeitalter der Animation einläutet.

Tatsächlich durfte man sich an den Archiven des alten Films bedienen und konnte deren damalig schon enorme Recherchen in der Tierwelt zu Rate ziehen, desweiteren hat man in verschiedenen Zoos ein aufwendiges Kamera-System installiert, um die Tierwelt dort zu beobachten, ihre Bewegungen zu studieren und die Tierlaute aufzuzeichnen, die letztendlich auch für den Film herhalten mussten.

Und die Teams sind tatsächlich nach Afrika gereist und haben sich „vor Ort“ von dem Leben überzeugt und eine ganze Menge Eindrücke mit nach Hause genommen, die den Animateuren dann als Referenz dienten – hier merkt man wieder einmal: Je echter und authentischer man ist, umso überzeugender kommt man rüber – das Publikum merkt sowas!

Hierfür ein bodenliegendes Chapeau von mir: Das ist wahrlich eine technische Meisterleistung, bei der ihnen vermutlich andere nicht so schnell das Wasser reichen werden! Respekt Respekt!

Grobschnitzige Fehler hat man sich in der deutschen Synchronisation auch geleistet (und keine Angst, jetzt kommt nicht das übliche Geheule): Man hat die Songs übersetzt.

Kinder? Elton John übersetzt man nicht – und synchronisiert ihn nicht! Niemals! Keines der originalen Lieder ist hierzulande so unbekannt oder unverständlich, dass man es übersetzen müsste – und wenn, dann bitte ausschließlich als optionale Untertitel – und niemals von Laien neu eingesungen! Das ist, als müsste Tante Helga eben mal die Beatles neu einsingen, weil sie sonst niemand versteht! Sowas geht – mit Verlaub – absolut nicht!

In der OV ist man spätestens bei Circle of Life am Ende und das Kino rockt den Saal, weil die Optik und Akustik stimmt und man einfach fertig ist mit Gott und der Welt! In deutsch wirkt es höchst befremdlich und eher wie ein kleiner Kindersong in einem zweitklassigen Family-Movie und niemals in der Größe und Respektabilität, die einem das Original liefert.

Also auch hier ein klares „Ja“ für die Original-Versionen in den Kinos.

Zur Geschichte muss ich nichts sagen, wer die animierte Fassung nicht kannte, hat jetzt die Chance, das Ganze nachzuholen – durch die fast 100%ige Deckungsgleichheit empfiehlt sich allerdings kein Double-Feature, sondern man sollte sich für eine der beiden Varianten entscheiden. Tipp: Eine der beiden läuft grade in den Kinos 😉

Stellt man nun noch Vergleiche zu anderen Werken an, darf man auch hier wieder ein wenig mit der FSK wedeln: 6 ist reichlich eng bemessen, wenn man sich diverse Szenen mit bösartigeren Kreaturen anschaut, andererseits hätte es sehr wohl auch noch viel boshafter sein dürfen, um der ganzen Kiste noch mehr energischen Biss zu verleihen, was dann jedoch wieder in zielgruppenabnormer FSK 12 oder 16 geendet hätte und kapitalistisch gesehen fatal für Disney wäre. Ihr kennt das.

.kinoticket-Empfehlung: Final lässt sich sagen: Jon Favreau (das ist Happy für die, die ihn nicht bei echtem Namen kennen ;-)) hat das Ruder hier gut in die Hand genommen und genau wie bei Marvel bewiesen, dass er ein Filmemacher ist, dem wir in ein paar Jahren lebenswerkhuldigend zujubeln werden, weil dieser Typ einfach verstanden hat, wie Entertainment funktioniert. Aber nutzt bitte auch die Chance und schaut es euch in seiner Intention an und nicht in dem Machwerk, das die deutsche Synchronisationsgesellschaft daraus produziert hat: Die packt nicht, sondern liefert „Konservenware“ – das ist im OV völlig anders!

Nachspann: Muss man nicht aussitzen, sofern man die Songs nicht hören möchte.

Kinostart: 17. Juli 2019

Original Title: The Lion King
Length: 117 Min.
Rated: FSK 6


Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich

Long Shot - Filmplakat
© 2019 StudioCanal

Seth Rogen steht für mich für Mittelklassehumor, nicht ganz erste Sahne, aber auch nicht permanent unter der Gürtellinie – nur kurz davor.

Damit macht er solides Kino, über das man ablachen kann, sofern keine großartigen Ansprüche vorherrschen oder man etwa meint, hier humoristisch hochwertige Ausführungen gebracht zu kriegen. Ich weiß nicht, wie ich diese Zielgruppe betiteln soll, allerdings scheint es dafür genügend Abnehmer zu geben, ansonsten würde nicht am Fließband solche Ware produziert werden.

Dennoch – bei aller Lästerei – sticht Long Shot ein kleines bisschen unter seinen Filmkollegen hervor: Man gibt sich in einigen Punkten echt Mühe, etwas besonderes zu sein. Genau das ist eine von Rogens Spezialitäten: Er kümmert sich auch um ein kleines bisschen Sinn hinter dem ganzen Blödsinn, so dass im Film immer wieder ernstere Momente entstehen, die einen ansatzweise zum Nachdenken anregen, jedoch stilbewusst immer sofort wieder mit schlechten Witzen eingerissen werden.

Ist okay, ist halt sein Ding.

Desweiteren hat man begonnen, in einer größeren Produktion das Bild der Frau wunderbar herauszuarbeiten und an einem besseren allgemeinen Verständnis für Geschlechterrollen zu arbeiten, die eben andere Selbstverständlichkeiten vorsehen, als das heute immer noch in weiten Teilen der Welt der Fall ist.

Dies kann negativ sein, insofern man meinen möchte, dass ein mittelmäßiger Comedy-Schinken nicht zwingend die beste Bühne für solcherlei Vorhaben ist und damit der Schuss nach hinten losgehen kann, dies kann genauso gut positiv sein, indem eine Selbstverständlichkeit vorausgesetzt wird, von der man sich unbewusst dann doch inspirieren und damit zulässt, dass die kleinen Rädchen der großen Veränderung auch hier willig weitergedreht werden.

Am Ende hatte man eine Menge Unterhaltung, wenig Fremdscham-Momente und einen Kuchen, der zwar wenige – dafür aber prägnante Stückchen zum Rauspicken geliefert hat, die den Film in den oberen Rängen seines Genres platzieren.

.kinoticket-Empfehlung: Seth Rogen hat seinen eigenen Humor, den muss man mögen und mit ihm klar kommen, dann ist auch der Film wunderbar unterhaltsam und positiv überraschend, was dieses Genre angeht.

Nachspann: Muss man nicht aushalten, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 20. Juni 2019

Original Title: Long Shot
Length: 116 Min.
Rated: FSK 12


O Beautiful Night

O Beautiful Night - Filmplakat
© 2019 NFP marketing & distribution

Ich bin ein Nachtmensch. War ich schon immer. Bereits als Baby. Sonnenlicht? Schlafenszeit. Kein Wunder, dass ich heute immer wieder in die Kinos abdrifte >> dort ist Nachtbetrieb angesagt. Ich liebe die Nacht. Schon als Kind hat es mich begeistert, nachts durch die Straßen zu tigern. Nachts gehört die Stadt dir allein. Und selbst „Metropolen“ wie München oder Berlin sind nachts erträglich. Zum einen das Wetter (im Sommer lässt es sich nachts einfach absolut leben im Vergleich zum Tag) und zum anderen die Bevölkerungsdichte, die nachts ungemein geringer ist als tagsüber.

Wer in München mal vom Marienplatz zum Stachus wandern möchte, ohne einer Menschenseele zu begegnen: Nachts ist eure Tageszeit dafür. Ergo müsste gerade ich jemand sein, der bei einer Huldigung an die dunkle Seite des Tages eigentlich auf dem Boden knien und lauthals „danke“ sagen müsste.

Tu ich aber nicht.

Ja, aufgrund dieser Vorgeschichte waren meine Erwartungen an diesen Film immens. Und auch das Poster-Design ist ansprechend und wer es wagt, ein paar Sätze aus dem Plot zu verinnerlichen, bekommt auch recht schnell Lust auf den Film: Der wiederum enttäuscht auf ganzer Ebene.

Weder sind die Figuren gut gecastet (Sorry, aber ich fühl mich als Kinogänger hier fast schon leicht verarscht, denn Fernsehen einschalten ist eine Sache, Ticket lösen und ins Kino und dafür vorher noch weite Anreisen auf sich nehmen, eine andere – und wenn man dann bloß Fernsehkost vor die Füße kriegt … ?) noch ist im Plot irgendwas, das weitere Hinweise darauf zulässt, dass hier wirklich für den Big Screen gearbeitet wurde.

Leute, wir sind hier im Kino und nicht irgendwo in einer billigen TV-Butze, die man mit jedem möglichen Scheiß voll dröhnen kann und dann erwarten, dass alle Welt einen abfeiert. So läuft‘s nicht. Im Kino herrschen Ansprüche, die dürft ihr höchstens mit weniger Geist unterbieten, müsst dafür dann aber umso mehr optische und akkustische Anreize bieten, damit man die Mühe tatsächlich auf sich nimmt.

Fernsehen hingegen ist „Wegwerfware“, die bei den meisten sowieso nicht bewusst konsumiert wird – und dafür ist der Plot dann fast schon zu gut – aber eben so übel klischee-deutsch, dass einem schlecht davon wird.

Völlig unterschätzt meiner Meinung nach wird hier das künstlerische Design, mit dem man den Streifen vollgepackt hat. Diese ganzen Anspielungen, auf die man stoßen kann, wenn man sich nicht von den miesen Dialogen oder dem schlechten Twist ablenken lässt, sind tatsächlich wieder einen Blick in den Film wert – aber gebt bitte wenig bis gar kein Geld dafür aus …

Bereits zur Kinotour hat man in vielen Städten bereits extra angefertigte Schwarz-Weiß-Fassungen des Films angeboten, in der die Farbenpracht dann wieder verloren geht und die dem Film anscheinend dann noch das gewisse Extra stehlen … ich hab mich mit der Farbvariante rumgeschlagen und war eben so absolut nicht hin und weg.

.kinoticket-Empfehlung: Mal ein schlechtes Beispiel dafür, was arte auch sein kann: Miese Twists, schlechter Cast, stumpfe Dialoge und aus allen Ecken und Enden schreit es „Ich bin nur fürs Fernsehen produziert und gehöre einfach nicht auf eine Leinwand.“

Nachspann: Lohnt sich nicht abzuwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 20. Juni 2019

Original Title: O Beautiful Night
Length: 89 Min.
Rated: FSK 12