| wenn aus filmen leidenschaft wird

Dora und die goldene Stadt

Dora und die goldene Stadt - Filmplakat
© 2019 Paramount Pictures Germany GmbH

Langsam muss ich mir Strategien ausdenken, wie es mir zukünftig gelingt, auch Erwachsene in Filme wie diesen zu kriegen: Ihr würdet es bereuen, hättet ihr das Werk nicht auf der Leinwand gesehen.

Ja, es kommt von einer Zeichentrickserie namens Dora und ja, das Zielpublikum sind Kinder … doch: Dora und die goldene Stadt klingt zwar klischeehaft böse nach Kindergarten, ist jedoch humortechnisch definitiv oberste Schublade intellektueller Art angesiedelt und brät seinen Zuschauern einen Gag nach dem anderen über.

Dazu kommt: 49 Millionen US-Dollar Produktionsbudget sind nicht gerade wenig (was den Erwachsenen vielleicht etwas mehr hilft, in den Saal zu tigern) und ein weltweites Einspielergebnis von derzeit 100.5 Millionen US-Dollar sagt eigentlich auch ganz klar, dass hier nicht nur Kids die treibende Kraft sein können.

De facto stellt dieser Film sich in die Presche der „Wir kämpfen für eine Randgruppe der weltweit-breiten Wahrnehmung“ und fungiert als das Black Panther-Pendant für Latinos, die hier unglaublich präsent auftreten und gerade mit der Hauptrolle ein junges Mädchen inszenieren, von deren Coolness sich einige eine Scheibe abschneiden sollten.

Als Oldie (oh mein Gott, hab ich das echt grad gesagt?) fühlt man sich fast ein wenig an die Zeit von Crocodile Dundee zurückerinnert, der auch der Modernität des Westens auf seine althergebrachte Weise begegnete und dessen Filme bis heute absoluten Kultstatus genießen.

Dass dies auch mit peruanischen Wurzeln funktioniert, beweist Dora und die goldene Stadt: Ein Film, der sich das Zuschauerherz behände packt und es charmant einwickelt.

Danach hat man definitiv gute Laune, ist fasziniert und von Glück und purer, positiver Energie nur so geladen. Und wieso sollte dies ausschließlich kleinen Kids vorbehalten bleiben?

.kinoticket-Empfehlung: Ein seelischer Muntermacher, der immense Lebensfreude, unbändige Coolness und Abenteuerfeeling verströmt und dafür reichlich in die Humorkiste greift. Sollte man dringend gesehen haben. Auch als Erwachsener. Wirklich.

Nachspann: Hier kommt noch ein Song und am Schluss ein ziemlich cooler Tusch – Sitzenbleiben lohnt sich!

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: Dora and the Lost City of Gold
Length: 100 Min.
Rated: FSK 6


Intrigo: In Liebe, Agnes (Gewinnspiel)

Intrigo - Gewinnspiel - Preis
© 2019 https://www.kinoticket-blog.de | Coverdesign: btb

Hinweis: Dieser Beitrag ist ein reiner Gewinnspiel-Beitrag, der zum Kinostart der Intrigo-Filmreihe veröffentlicht wurde.

Wie euch sicherlich bereits aufgefallen ist, starteten die Intrigo-Filme nicht im September, sondern erst diese Woche, weshalb mir der Verleih auch nochmals ein Gewinnspiel aufs Auge drückte, um meine Leserschaft im wahrsten Sinne des Wortes zu befriedigen.

Zur Verfügung stehen insgesamt drei statthafte Bücher, in denen sensationelle fünf Kurzgeschichten von Håkan Nesser inkludiert sind, die ich hiermit zur Feier des Kinostarts an euch weiterverlosen möchte.

Dies umfasst folgende Stories:

  • Tom
  • Tod eines Autors
  • In Liebe, Agnes
  • Die Wildorchidee aus Samaria
  • Sämtliche Informationen in der Sache

Um an dieses literarische Schmuckstück zu gelangen, beantwortet in den Kommentaren folgende Frage:

Welches Genre lest ihr am liebsten und was fasziniert euch daran? Und warum möchtet ihr das Buch gewinnen?

Unter allen Kommentaren, die bis einschließlich 14. Oktober 2019 eingehen, entscheidet das Los und die Gewinner/innen werden anschließend via E-Mail benachrichtigt und nach der Adresse zwecks Versand gefragt. Gebt diesbezüglich bitte wieder eine gültige E-Mail an, unter der ihr erreichbar seid.

Viel Glück – und wer sich nochmal den Beitrag mit der Filmkritik durchlesen möchte, bitte hier entlang: https://www.kinoticket-blog.de/intrigo-in-liebe-agnes/

Ich drück auch die Daumen 🙂


Short Critics: We Have Always Lived In The Castle – Ein ganz gewöhnlicher Held – Abikalypse – Die Drei !!! – Benjamin Blümchen

Und was gibt’s sonst noch in dieser Woche?
© 2019 https://www.kinoticket-blog.de

We Have Always Lived In The Castle

We have always lived in the Castle - Filmplakat
© 2019 Kinostar Filmverleih GmbH

Ein Genrefilm mit absolut seltsamen Charakteren und einer äußerst fragwürdigen Aussage innerhalb eines stimmigen Arrangements – Dieser Titel sollte bewusst ausgewählt und nicht “per Zufall” im Kino gesehen werden, weil der Verstörungsfaktor definitiv hoch ist. Humor ist gegeben, seltsame, tief in der Nische vergrabene Elemente genauso. Nichts für den Mainstream.

Nachspann: Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: We Have Always Lived In The Castle
Length: 90 Min.
Rated: FSK 12

Und weil’s so schön ist, noch ein paar Titel, die bereits angelaufen sind, zu denen ich allerdings noch nichts geschrieben hatte…

Ein ganz gewöhnlicher Held

The Public - Szenenbild
Ein ganz gewöhnlicher Held: Bibliothekar Stuart Goodson (Emilio Estevez) überzeugt durch sein herausragendes Engagement.
© 2018 Koch Films

Genauso, wie die Heldentaten dieses Mannes irgendwo in der Öffentlichkeit untergegangen sind, genauso behandelt man diese “Spezies” auch oft und gerne in der Öffentlichkeit: Ich hab es selbst am eigenen Leib erfahren, auf eigenen Wunsch hin, und weiß, wie demütigend so etwas sein kann. Dass dieser Film dann ironischerweise noch The Public heißt, zeugt fast schon von schlechtem Charakter einer Gesellschaft, denn dieses Werk ist wichtig und sollte keineswegs so in der Versenkung verschwinden, wie es das scheinbar ist.

Nachspann: Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts mehr.

Kinostart: 25. Juli 2019

Original Title: The Public
Length: 119 Min.
Rated: FSK 6

Abikalypse

Abikalypse - Filmplakat
© 2019 Warner Bros. Ent.

Ihr kriegt, was ihr erwartet: Einen Film, für deren Produktion Die Lochis mitverantwortlich waren und deren Zeitgeist ziemlich gut auf die Leinwand geworfen haben. YouTube ist der Star, die Musik ist ziemlich cool und die Story trägt einen durch altbekannte Klischees einer Abiparty, wie man sie kennt. Sollte man einen Teenager sein Eigen nennen, ist dies lehrreicher Stoff, für alle anderen eher vernachlässigbar.

Nachspann: Muss man nicht ausharren, hier wird’s auch nicht besser 😉

Kinostart: 25. Juli 2019

Original Title: Abikalypse
Length: 90 Min.
Rated: FSK 12

Die Drei !!!

Die Drei !!! - Filmplakat
© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Das weibliche Pendant zu Die Drei Fragezeichen erzählt eine ziemlich cool verpackte Detektivgeschichte für Kinder und wartet mit Spritzigkeit und unglaublich talentierten Jungtheaterdarstellern auf, deren Performance echt verblüfft. Really? Selten so gute Inszenierungen von Kids gesehen – ein Pflichtfilm für Familien.

Nachspann: Mitnehmen – hier kommen noch jede Menge lustige Outtakes zum Zuge.

Kinostart: 25. Juli 2019

Original Title: Die Drei !!!
Length: 103 Min.
Rated: FSK 0

Benjamin Blümchen

Benjamin Blümchen - Filmplakat
© 2019 StudioCanal

Für den technischen Stand heutiger Zeit ziemlich mies animiert, der Plot tangiert auch eher an die Sprachunfähigkeiten eines Neugeborenen und enttäuscht eher. Nach einer Weile gewöhnt man sich jedoch an die “billige Zeichnung”, was jedoch der Story auch keinen großartigen Aufschwung bringt: Sollte man nicht der absolute Fan sein respektive Kinder in dem Alter haben, darf man diesen Film getrost übergehen.

Nachspann: War zur Pressevorführung noch nicht final, kann daher nicht bewertet werden.

Kinostart: 01. August 2019

Original Title: Benjamin Blümchen
Length: 91 Min.
Rated: FSK 0


Gemini Man

Gemini Man - Filmplakat
© 2019 Paramount Pictures Germany GmbH

Will Smith ist in aller Munde und hat zuletzt mit Aladdin‘s Neuverfilmung gezeigt, dass er sich perfekt als „digitales Opfer“ eignet, den man durch die KI jagen und auf der Leinwand zu jeder Menge digitalen Wundern herausfordern kann.

Und: Er hat bis heute hart an seinem Körper gearbeitet und wartet immer noch mit einer Fitness auf, die ihn zu einem Jungbrunnen-Nutzer abstempelt, der in Hollywood wenig Konkurrenz fürchten muss. Unglaublich, wie man in diesem Alter noch so aussehen und körperlich so fit sein kann.

All dies gelangt ihm zum Vorteil, da das filmische Interesse an seinem Charakter dadurch kaum abgeschwächt wird. In Gemini Man ist – wie der Name bereits deutlich vermuten lässt – sein Gegenspieler eine um 27 Jahre verjüngte Alter-Ego-Version seiner selbst.

Dolby Vision™
Zudem trumpft Ang Lee mit einer filmischen Sensation auf: 3D+ in HFR (High Frame Rate).

Um das technisch zu verstehen, ganz kurz eine (hoffentlich verständliche) Erklärung:

Das Bild im Kino wird über UHD-Projektoren auf die Leinwand geworfen, ist also im Volksmund als „4K“ auf der Leinwand sichtbar. Bislang war das Problem bei 3D Filmen jedoch, dass die Bilder einmal fürs rechte und einmal fürs linke Auge projiziert werden mussten, weshalb technisch also sozusagen 8K-Projektoren notwendig wären, die es de facto aber noch nicht in den Kinos gibt.

Dieses Problem hat man inzwischen durch Doppelprojektoren gelöst, die – z.B. im Dolby Cinema™ quasi eine 8K-Projektion ermöglichen.

Das herkömmliche Bildmaterial wird bislang mit 30 Bildern pro Sekunde, die schnell hintereinander ablaufen, auf die Leinwand geworfen, so dass der Eindruck von Bewegung entsteht, indem einfach unfassbar schnell viele aneinanderhängende Bilder gezeigt werden.

Peter Jacksons Der Hobbit-Trilogie war damals die erste, die HFR genutzt, also mit 60 Bildern pro Sekunde gearbeitet und damit ein „flüssigeres“ Bild erzeugt hat, als es bisher üblich war.

Diese Technik hat man inzwischen übertroffen und einen Master generiert, der mit 120 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet wurde und aus dem man anschließend eine 60 Bilder pro Sekunde-gerenderte Version erstellt hat, die nun in 3D-Doppelprojektion auf die Leinwand gebracht wird.

Das Ergebnis: „8K“ in 3D mit einer Bildrate von runtergerechneten (also saumäßig präzisen) 60 Bildern pro Sekunde. Damit ist man nahezu an dem Standard, den das menschliche Auge realistisch wahrnimmt und kann ein Leinwanderlebnis generieren, dass zu dem Besten gehört, was derzeit möglich ist.

Die Pressevorführung des Films hat tatsächlich in meinem neuen Lieblingskino stattgefunden und wurde mir somit auf dem weltweit besten Standard vorgeführt – und tatsächlich: Das Ergebnis ist überwältigend!

Die Präzision und das „Eintauchen“ ins 3D funktioniert nun auf eine völlig neue, steuerbare Art und Weise, die eben nicht nur durch Klang und Fokus, sondern auch durch Tiefe und Räumlichkeit den Zuschauer zu lenken weiß und hier glasklare Bilder abliefert, die man so noch nicht auf diesem Planeten gesehen hat.

Dolby Atmos™
Dazu gesellt sich ein hervorragender Soundtrack von meinem neuen Lieblingskomponist Lorne Balfe (God, I love you!), der sich in den Ohren festbeißt und nicht mehr so schnell loslässt.

Auch hier spielt man wieder alle Trümpfe aus und bestätigte meine Vermutung: Diesen Film bitte ausschließlich im Dolby Cinema™ und nirgends anders schauen – es kann nur noch schlechter werden.

Der Film als solches entpuppt sich für Smith als ein sehr einfühlsamer und geerdeter Streifen, der weniger auf Action setzt – wie der Trailer vermuten lässt – sondern vielmehr auf seelisch-psychologischer Tiefe arbeitet und inhaltliche Interpretationen liefert, die ihn zu einem sehenswerten Stück machen.

.kinoticket-Empfehlung: Das, was einen tatsächlich irre umhaut: Das Bild und die technischen Möglichkeiten, die hier wieder eine Art „neues Zeitalter“ einläuten: Man fragt sich die ganze Zeit: Ist das wirklich grad real, was ich hier erlebe? – Nehmt den Film unbedingt mit!

Nachspann: Braucht man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: Gemini Man
Length: 117 Min.
Rated: FSK 12


Eine ganz heiße Nummer 2.0

Eine ganz heiße Nummer 2.0 - Filmplakat
© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Eine ganz heiße Nummer feierte bereits im Oktober 2011 einen grandiosen Erfolg und sagenhafte acht Jahre später entschließt man sich nun, das Trio Infernale der bayerischen Ländlichkeit wieder auf die Kinoleinwände loszulassen und bringt mit Eine ganz heiße Nummer 2.0 erneut ein Schmuckstück des Humors in die Kinos, das sich den Weg in die Herzen ländlicher Heimatliebe schwer erkämpft hat.

Als Zielpublikum würde ich mich jetzt nicht mal mehr konsequent auf‘s ARD– und ZDF-Publikum festlegen wollen, denn den Film habe ich nun schon mehrfach gesehen und bin selbst tatsächlich genüsslich davon angetan.

Man ist witzig, urig, bayerisch zünftig, kommt mit der seit Eberhofer gängigen bayerischen Mundart gut zurecht und liefert hier ein humorvolles Ensemble, das sich gewissermaßen thematisch an die Moderne angepasst hat.

In einer Welt des Stresses und der unablässigen Reizüberflutung tut es einfach gut, in einem Film zu landen, in dem alles noch normal scheint, gerade deshalb aber zu unüberwindbaren Problemen führt, die die Frage nach Modernität und Aktualität stellen.

Der Zustand, den man sich als moderner Bürger kaum noch vorstellen kann, wird hier einfach vorausgesetzt und man beschäftigt sich rückwirkend wieder mit der Meisterfrage: Ja oder nein?

Dieses „back-to-the-roots“-Gefühl, die Simplizität des Lebens nochmal genießen zu können und gleichzeitig mit neuen Gedanken und aktualisierten Einstellungen die Dinge des Alltags völlig neu bewerten zu dürfen, macht nebenbei im Kino richtig Spaß.

Dazu gibt‘s tolle Musik, heimatliche Szenen und Bilder und jede Menge Spaß im Kino, der sich durchaus auch für Zielgruppen-Fremde lohnen kann.

Just give it a try.

.kinoticket-Empfehlung: Herzlich, urig, witzig, voll sprühender Lebensfreude und Tatendrang, um den Anschluss nicht zu verlieren: Diese Komödie ist nicht nur für die Generation 50+ gedacht – reingehen!

Nachspann: Der Song ist ziemlich cool, es folgen aber keine weiteren Szenen oder Bilder mehr.

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: Eine ganz heiße Nummer 2.0
Length: 91 Min.
Rated: FSK 12


Zwischen uns die Mauer

Zwischen uns die Mauer - Filmplakat
© 2019 Alpenrepublik GmbH

Erinnert ihr euch, dass ich kürzlich erwähnte, dass der Mauerfall sein 30jähriges feiert? Im Zuge dessen macht man viel in den Kunstschmieden der Welt und ich finde es toll, wie qualitativ hochwertig die diesjährigen Filme über die Zeit der Grenze und -öffnung tatsächlich sind.

Ich höre schon landesweites Stöhnen darüber, weil keiner mehr mit dem Thema mitziehen möchte, es niemanden interessiert und quasi kaum eine Minute im Leben vergeht, in der nicht irgendwo irgendwas über diese Epoche ausgestrahlt wird – vergesst all das.

Trinkt ein Glas Wasser, zieht euch was warmes an, sucht das nächstbeste Kino auf und löst ein Kinoticket für Zwischen uns die Mauer. Ja, vielleicht blöder Titel, der einige Vermutungen anstellen lässt, aber ihr wisst ja: Vorurteile = böse. Also lasst es.

Tatsächlich hat mich in den vergangenen Jahren oft die nostalgisch-schwelgende Art von Menschen gestört, die vermutlich keine Minute in der DDR gelebt haben und sich nun nach einem System sehnen, in dem angeblich alles so viel besser war: Das Bild, das von der DDR gezeichnet wurde, war in meinen Augen romantisch verklärt und keinesfalls korrekt und wahrheitsgemäß.

Dies holen Filme wie dieser nun mit Bravour nach und eröffnen, unter welch schwierigen Bedingungen Freigeister und Menschen mit ganz normalen Sehnsüchten leben mussten und wie abnormal der Alltag „drüben“ gewesen ist.

Genau diese Entwicklung sehe ich in vielen der Titel, die zum diesjährigen Jubiläum gestartet werden und es freut mich ungemein, dass der Wahrheit nun endlich Genüge getan wird. Vorbei mit falschen Behauptungen, vorbei mit selektiver Wahrnehmung, rein in die Wirklichkeit – basierend auf dem autobiografischen Roman von Katja Hildebrand, den zu lesen ich seitdem auf meiner To-Do-Liste habe.

.kinoticket-Empfehlung: Endlich spricht man breitflächig die Wahrheit über das System „DDR“ und zeigt anhand einer wunderbaren wahren Begebenheit, was damals wirklich Sache war. Kein „Just another … movie“, sondern absolut positiv überraschend – geht unbedingt rein!

Nachspann: Muss man nicht sitzen bleiben, rausgehen erlaubt!

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: Zwischen uns die Mauer
Length: 110 Min.
Rated: FSK 6


Enzo und die wundersame Welt der Menschen

Enzo und die wundersame Welt der Menschen - Filmplakat
© 2019 Twentieth Century Fox

Die Übersetzungs-Titel-Problematik hatten wir ja schon oft thematisiert: Englische Originale, die inzwischen von immer mehr Deutschen ebenfalls verstanden werden würden, erfahren üble Sprachverbrechen, wenn es darum geht, sie in die jeweilige Landessprache zu transportieren.

Die Folge: Im Titel landet meist irgendwas mit „Tod“ (verkauft sich anscheinend besser) und unfassbar viel sprachliche Ästhetik geht verloren – und mit ihr oft gleich ein großes Stück Sinn hinter den sicherlich weise gewählten Worten.

Schaut man sich The Art of Racing in the Rain einmal genauer an, merkt man sofort, dass hier nahezu romantisches Potenzial steckt und dies keins der üblichen Billigheimer sein kann, die bei solchen Titelbildern in dieser Kategorie Film normalerweise zu erwarten wären.

Und ja, ich bin immer noch kein Hundefreund und habe immer noch nicht wirklich meinen Frieden mit eben jenen Filmen geschlossen, die auf den „Oh Tier – süß“-Button drücken und damit Emotionsdrüsentränen verströmt sehen wollen. Funktioniert bei mir nicht.

Und ich liebe Enzo und die wundersame Welt der Menschen. Das liegt jedoch nicht (nur) daran, dass Patrick Dempsey Produzent der ganzen Sache ist, sondern schlichtweg daran, dass die Macher en gros verstanden haben, wie man Geschichten erzählt.

Das hier ist eine. Eine die packt, eine die wunderbar ist, eine, die man gerne anschaut bzw. liest. Nicht umsonst war die Buchvorlage dazu 3½ Jahre auf den Bestsellerlisten und wurde in 38 Sprachen übersetzt: Das schreit förmlich nach Kino!

Und voilà: Hier ist es. Großartig gecastet, großartig gefilmt mit einer Stärke, auf die immer mehr Filme verzichten: Einen sensationellen Plot, der Wert auf Inhalt und nicht auf Kitsch legt und damit allen anderen seines Fachs weit voraus ist.

Dass es hier nicht zwingend um den Hund geht (wie man es z.B. von Bailey kennt), sondern tatsächlich The Art of Racing in the Rain gezeichnet wird, zeugt von künstlerischem Charakter und wartet mit viel Liebe, Gefühlsdetailreichtum und jeder Menge großartiger Szenen und Momenten auf, die herzerwärmend sind und keinerlei Aggression hervorrufen.

.kinoticket-Empfehlung: Ihr müsst nicht schon wieder durch einen Tierfilm, ihr solltet stattdessen aufgebaute Vorurteile ablegen und euch auf diese großartige Geschichte einlassen, deren Stärke intensiver Inhalt ist und die von dramatischem Kitsch nichts wissen möchte. Wenn Hundefilme (falsches Wort!), dann so hier!

Nachspann: Braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: The Art of Racing in the Rain
Length: 109 Min.
Rated: FSK 6


Deutschstunde (inkl. Gewinnspiel)

Deutschstunde - Filmplakat
© 2019 Wild Bunch

Hinweis: Unter dem Beitrag findet ihr ein Gewinnspiel, bei dem ein Fanpaket bestehend aus 2x Freikarten sowie das Buch zum Film verlost werden.

Gute Geschichten zu erzählen ist mittlerweile eine große Kunst geworden: Aufgrund der Vielzahl an Movies existiert inzwischen so ziemlich jede menschliche Erzählung mindestens in einer Form bereits für die Leinwand und es wird immer schwerer, neuen Stoff zu finden, der den Zuschauer inhaltlich packt und an die Leinwand fesselt. Aus diesem Grund feiern Filme wie Avengers: Endgame auch derzeit einen großartigen Boom, weil man neue Felder zu entdecken versucht, die Kino und seine Inhalte völlig neu definieren und entdecken müssen und man mit technischen Raffinessen wie exzellentem CGI versucht, neue Begeisterungsareale zu erschließen.

Deutschstunde punktet ganz nach klassischer Manier nicht mit dem Brimborium drumrum, sondern verblüfft durch eine unglaublich spannende, atemberaubende und in sich funktionierende Story – setzt also völlig auf das „Inhalte“-Pferd und wiehert damit einem Welterfolg entgegen!

Hierbei bedient man sich einer Weisheit aus dem Kybalion: “Wie oben, so unten, wie außen, so innen.“ und reduziert abermals ein komplexes Systemgeflecht auf einzelne Charaktere, die sinnbildlich für eine ganze Gesellschaft stehen und historische Öffentlichkeitsarbeit leisten, die jung wie alt bestaunen kann.

Der Titel hört sich für die Schulfraktion eher nach „Warum haben wir keine Freistunde“ an und macht so überhaupt kein Bock aufs Ansehen – aber ich verspreche euch: Dieser Film hat‘s in sich und es dauert keine paar Minuten und ihr vergesst sogar, aufs Klo zu müssen.

Deutschstunde zählt zu den Produktionen, die einem hinterher erstmal für ein paar Stunden das Maul verschließen und dafür sorgen, dass man kein Wort mehr raus bringt, weil‘s einfach flasht und auf einer tieferen Ebene berührt und umhaut. Genau das sind die Filme, die noch lange im Gedächtnis nachhallen und die man kaum vergessen kann und immer wieder aus den Regalen hervorkramt, um sie noch einmal zu sehen.

Umso bildgewaltiger stellt sich das Epos dann aber auf der Leinwand dar: Hier wirkt das Geschehen nochmal eine Spur härter und man wird noch tiefer in die Trostlosigkeit vergangener Epochen geschmissen. Dies hat ein Florian Henckel von Donnersmarck schon einmal mit Das Leben der Anderen geschafft, und dies führt ein Christian Schwochow ebenfalls authentisch und einzigartig zu einem Erfolg, der sich in Buchform bereits weltweit mit Bravour verkaufte.

Gewinnspiel

Deutschstunde - Fanpaket
© Benjamin Klob | .kinoticket-blog.de

Und damit euch die Entscheidung hierfür etwas leichter fällt, wurde mir von Wild Bunch und Atlantik in Kooperation ein Fanpaket zum Film bereitgestellt, das ich an euch weiter verlosen möchte. Enthalten sind zwei Gutscheine für den Film, die ihr in einem Kino eurer Wahl innerhalb Deutschlands gegen Freikarten eintauschen könnt, sowie das Buch zum Film, der Weltbestseller von Siegfried Lenz, der auch danach bei gemütlichem Tee und eingemummelter Decke auf der Couch für atemberaubende Unterhaltung sorgt.

Was müsst ihr tun, um in den Lostopf zu gelangen?

Schreibt bis einschließlich Dienstag, 8. Oktober 2019 in die Kommentare, welchen Film ihr zuletzt im Kino gesehen bzw. welches Buch ihr zuletzt gelesen habt und was euch daran begeistert hat.

Unter allen Kommentaren wird anschließend per Random der oder die Gewinner/in ausgelost und von mir benachrichtigt – gebt im Zuge dessen also bitte – wie gehabt – eine gültige E-Mail Adresse an, unter der ich euch zwecks Adressabfrage erreichen kann.

Der Gewinn wird der oder demjenigen dann von mir persönlich zugesandt und die Adressdaten wieder gelöscht. Anspruch auf den Gewinn besteht nicht, Barauszahlung ist ebenfalls nicht möglich und es gelten nach wie vor die vernunftbasierten Regeln für Gewinnspiele.

Ich wünsche euch wie immer viel Glück dabei – und lege euch dringend ans Herz:

.kinoticket-Empfehlung: Schaut diesen Film, egal, wie! Er wird euch auf einer intensiven Ebene erreichen und garantiert verändert wieder von dannen ziehen lassen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass dies irgendjemanden unberührt lässt.

Nachspann: Muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: Deutschstunde
Length: 125 Min.
Rated: FSK 12


Skin

Skin - Filmplakat
© 2019 24 Bilder

In meinen Augen gibt es kaum ein Thema, das wichtiger wäre, um darüber zu reden. Und weil keiner mehr zuhört, braucht es Mittel, die Menschen wenigstens für ein paar Minuten … oder wenige Stunden zur Räson zu bringen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich etwas erzählen zu lassen.

Wer könnte so etwas besser, als Kino?

Skin handelt nicht etwa von Skinheads, sondern erzählt eine wahre Geschichte eines Mannes, der einen weitreichenden Wandel hinter sich hat und u.a. mit dafür verantwortlich war, die Welt zu großen Teilen besser zu machen.

Skin spricht über das getrübte Bild, das in den Medien verbreitet, in Social Media verwüstet und in den Köpfen der Leute zu irrsinnigen Monstren gesponnen wurde.

Skin erzählt etwas, womit sich heute jeder einmal auseinandersetzen sollte.

Skin ist ein Film, den man zwingend mindestens 1x gesehen haben muss. Auch aus entertainment-technischen Gründen: Es fängt krass an, es ist krass zwischendurch und es endet krass. Nicht nur die Bedeutsamkeit ist hier von enormer Wichtigkeit, sondern auch für den geneigten Kinogänger ist dies gefundenes Fressen – mit einem grandiosen Jamie Bell, den so mancher eventuell noch aus Billy Elliot kennt.

Was mich besonders begeistert, ist die unverblümte Art, wie man hier in ein dreckiges Element menschlichen Niedergangs eingeführt wird und geschichtliche, hochaktuelle und -brisante Entwicklungen quasi am “lebenden Objekt” präsentiert bekommt. Niemals wurde etwas so schleierhaft Mystisches derart einfach und verständlich durchleuchtet und von seiner Unkenntlichkeit bereinigt.

Wer das System dahinter verstehen möchte, wer wissen will, wie “die” arbeiten, wer verstehen möchte, wie es “dazu kommen konnte”, der kommt um diesen Film schlichtweg nicht drum rum.

Und damit gilt Skin fast schon als ein Meisterstück deutscher Enthüllungsgeschichte, der zur Grundlektüre eines jeden Staatsbürgers gehören muss, denn wir haben diesen Schwachsinn verzapft und sind verantwortlich für die weltweite Epidemie, die dadurch ausgebrochen ist.

Hier folgt nun die Heilung des Geistes.

Nehmt sie. Schluckt sie. Und verbreitet sie weiter.

.kinoticket-Empfehlung: Pflicht! Also rein!

Nachspann: Braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts mehr. Außer, dass du geschockt bist!

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: Skin
Length: 117 Min.
Rated: FSK 16


Short Critics: Der Distelfink – Shaun das Schaf 2: Ufo-Alarm – Gelobt sei Gott – Gut gegen Nordwind

Und was gibt’s sonst noch in dieser Woche?
© 2019 https://www.kinoticket-blog.de

Regelbruch

Zeiten ändern sich – und wer jetzt glaubt „Oh mein Gott, er will doch Geld damit verdienen…“ >> Falsch! Das wird niemals mit diesem Blog passieren. Promised.

Was aber tatsächlich Fakt ist: Früher wurde einfach weniger publiziert und veröffentlicht – und zwar von Seiten der Studios. Deshalb hatte ich damals meine eigene Regel aufgestellt: Maximal 1 Beitrag pro Tag, um niemandem auf die Eier zu gehen und die Leser/innen nicht mit zig E-Mails am Tag zuzuspammen.

Das Ganze hat auch wunderbar funktioniert: Gab es mal eine Woche mit mehr Filmstarts als Tage, konnte man dies galant in die nächste fließen lassen, wo dann vielleicht nur drei oder vier Neustarts waren – und hatte dort auch genug Material zum Schreiben.

Inzwischen sind es aber pro Woche 11-18 Filme, die neu starten – und ich habe nur 7 Tage für mein „Ein Beitrag pro Tag“-Ding, was schlussfolgernd bedeutet: Ich werde niemals auf den grünen Zweig kommen und pünktlich alle Filme bewerten können, sondern permanent nachhängen und dabei mindestens die Hälfte der Filme verlieren, weil die so weit in die Vergangenheit rutschen würden, dass es niemanden mehr interessiert.

Mein Bestreben ist stets, dem Kinozuschauer die Chance zu geben, sich ein individuelles Bild vom aktuellen Programm bilden zu können, ohne dabei gespoilert zu werden und ohne von der medialen Marktmacht abhängig zu sein, die eben nur auf Filme hinweist, die im Hintergrund gut und gerne zahlen (oder bestechen).

Wie korrupt die Medienlandschaft inzwischen ist, merke ich immer wieder, wenn es darum geht, dass man ohne Geldverdienen eben doch immense Vorteile genießt, die auf den ersten Blick nicht gleich ersichtlich sind.

Darum habe ich mir überlegt, euch diese neue Kategorie hier vorzustellen: Short Critics – die alles enthält, was nicht mehr in die Woche gepasst hat.

Erstes Kriterium, einen Film zu bewerten, ist also folglich: „Hab ich dem Film einen Tag dieser Woche spendiert? Dann ist er besser als der Rest.“ – oder ich hatte einfach immens Bock, über diesen Film zu schreiben. Immerhin richtet sich die Leserschaft ja schon seit jeher an meinem individuellen Filmgeschmack aus.

Und alles, was eben sonst noch so am Start ist und nicht mehr genügend Tage hatte, folgt in Zukunft in Kürze hier.

Natürlich freu ich mich über Rückmeldungen eurerseits – gern in den Kommentaren oder weiterhin – wie üblich – via Messenger, die Daten dazu habt ihr.

Der Distelfink

Der Distelfink - Filmplakat
© 2019 Warner Bros. Ent.

Der Film hat eine zu lange Einstiegszeit mit viel zu vielen Sekunden Wartezeit pro Schnitt, schafft es dann aber doch, dich richtig zu packen und in die Geschichte zu reißen.

Das goldfarbene Bild und die warme Atmosphäre zielen auf den originalen Buchtitel „The Goldfinch“ ab, an dessen Vorlage man sich teils zitatgenau gehalten hat, wenngleich die Erzählung im Buch chronologisch und im Film mit Rückblenden aufgearbeitet wurde, was es aber nicht weniger spannend macht. Großartig: Ansel Elgort mit exzellentem Charme und ruhiger Ausstrahlung!

Nachspann: Muss nicht abgewartet werden.

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: The Goldfinch
Length: 150 Min.
Rated: FSK 12

Shaun das Schaf 2: Ufo-Alarm

Shaun das Schaf 2: Ufo Alarm - Filmplakat
© 2019 StudioCanal

Altbekannt, wie man es von Aardman gewöhnt ist, unglaublich lustig, herzlich und liebevoll gestaltet. Shaun-Fans kommen definitiv auf ihre Kosten.

Der Film ist besser, als der Trailer verspricht und macht mit der gesamten Familie definitiv richtig Spaß. Mitnehmen!

Nachspann: Bitte bis ganz zum Schluss sitzen bleiben, hier kommt noch einiges – und zwar auch ganz am Ende!

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: A Shaun the Sheep Movie: Farmageddon
Length: 90 Min.
Rated: FSK 0

Gelobt sei Gott

Gelobt sei Gott - Filmplakat
© 2019 Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG

Verstörend, schockierend, aufklärend: Auch wenn man vorher eigentlich gar keinen Bock auf das Thema hat, fesselt dich der Film sofort und bricht mit Schweigetabus rund um das Thema Kirche: Französisches Machwerk abseits des Humors, das extrem packt und kräftig in der Gefühlswelt rührt.

Genauso wichtig wie seinerzeit Spotlight gehört auch dieses Werk auf alle Leinwände, um das Thema nie zum Erliegen kommen zu lassen, bis jedes einzelne Opfer seine Gerechtigkeit bekommen hat.

Nachspann: Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: Grâce à Dieu
Length: 137 Min.
Rated: FSK 6

Gut gegen Nordwind

Gut gegen Nordwind - Filmplakat
© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Daniel Glattauer ist ein hervorragender Schreiber und Kolumnist, dessen Bücher auch ich schon mit Vorliebe verschlungen habe.

Seine Stärke liegt meiner Meinung nach in dem Ausbilden der Fantasie des Lesers, eine Eigenschaft, die einem der Film vollständig nimmt. Darum ist das Medium „Kinofilm“ an dieser Stelle wohl absolut ungeeignet, um diesen Stoff zu vermarkten. Daran hinkt auch der Streifen, der einfach nicht zünden will und jeglichen Charme aufgrund der Unzulänglichkeiten einbüßt. Aber ich wüsste selbst auch nicht, wie ich das filmisch besser hingekriegt hätte – also einfach: falsches Medium. Bleibt beim Buch!

Nachspann: Braucht nicht abgewartet zu werden.

Kinostart: 12. September 2019

Original Title: Gut gegen Nordwind
Length: 122 Min.
Rated: FSK 0