| wenn aus filmen leidenschaft wird

Der Spion von nebenan

Der Spion von nebenan - Filmplakat
© 2020 TOBIS Film GmbH

Der Spion von nebenan klingt jetzt nicht sonderlich spektakulär als Titel, ist für mich aber DER Grund schlechthin gewesen, kurz nach Corona-Öffnung wieder ins Kino zu rennen: Dieser Film hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen und strotzt nur so vor Lebendigkeit, Witz, Charme und vergnüglicher Beseeltheit.

Dave Bautista glänzte nicht nur in seiner Rolle in Guardians of the Galaxy (wo er vielen zum ersten Mal richtig bewusst auf den Bildschirmen ins Auge gestoßen sein dürfte), sondern hat inzwischen den Absprung aus der WWE-Region auf die Leinwand geschafft und haut einen Hit nach dem anderen raus.

In My Spy belegt er nicht nur eine der Hauptrollen, sondern ist auch gleichzeitig Produzent und beweist, dass in ihm tatsächlich einiges verborgen steckt und wir in den kommenden Jahren (hoffentlich) noch einiges erwarten dürfen.

Ich glaube, kaum einer dürfte bereut haben, den Film, der ja auch schon vor dem Lockdown gestartet war, gesehen zu haben: Inzwischen gibt‘s ihn sogar als VoD und in den Regalen und ich empfehle es jedem: Legt ihn euch in irgendeiner Weise zu oder nutzt die Chance und geht – wie immer am besten – ins Kino, um dort den größtmöglichen Fun-Faktor aus dem Streifen zu ziehen.

Und eine Warnung an alle, die jetzt meinen: „Naaaaaja… schau ich mir erstmal den Trailer an“: Tut‘s nicht – denn der könnte beschissener nicht sein. Der Spion von nebenan ist als Film um so unglaublich vieles besser, als der Trailer zu zeigen vermag und das, was den Film so großartig macht, sieht man keine einzige Sekunde lang in der Vorschau: Er hat das perfekte Timing, man spielt sich die verbalen Humor-Schläge zu und hört bei einem Joke nicht auf und lässt ihn wirken, sondern ballert weiter und weiter und liefert so eine Schlagfertigkeit, die eben nicht nur an Bautista hängen bleibt, sondern sich durch die einzelnen Charaktere durchschlängelt.

Damit erreicht und hält man ein Humor-Level, das großartiger nicht sein könnte und liefert hier eine kurzweilige, coole und kribbelnde Story, die man – am besten ganz ohne Spoiler – einfach gesehen haben muss.

Für mich einer der gelungensten Filme überhaupt, die dieses Jahr insgesamt gestartet sind bislang. Unfassbar witzig, wahnsinnig gut getaktet und mit einer konstanten Humor-Gewalt, die sich nicht selbst feiert, sondern einfach liefert, liefert, liefert: Geht rein und seht ihn euch auf jeden Fall an!

Nachspann: 🔘🔘⚪️ | Es folgen noch einige Bilder, also dürft ihr ruhig noch etwas hocken bleiben.

Kinostart: 12. März 2020

Original Title: My Spy
Length: 101 Min.
Rated: FSK 12


Chaos auf der Feuerwache

Chaos auf der Feuerwache - Filmplakat
© 2020 Paramount Pictures Germany GmbH

Schon auf dem Plakat lässt sich erahnen: Auch dieser Film richtet sich an die Familie und bedient dabei eher das jüngere Publikum, wobei man jetzt ausdrücklich behaupten kann: Der Blödelei-Faktor ist zwar hoch angesiedelt und driftet teilweise auch in die Lächerlichkeit ab, jedoch zünden viele Gags innerhalb dieses Abenteuerspektakels und sorgen somit eben bei besagten Familien-Küken für jede Menge Vergnügen.

John Cena und seine Crew machen sich hervorragend und die angesetzten Running Gags ermüden zwar im Verlauf des Films ein wenig und auch über Realismus-Verträglichkeit brauchen wir nicht reden, jedoch versprüht dieser Film jede Menge gute Laune und ist im 14:00 Uhr-Programm wahnsinnig gut aufgehoben.

Hier hat man ordentlich schöpferischen Wumms in die Kanonenrohre gepackt, die man im Verlauf des Films immer wieder mit Getöse explodieren lässt – und dabei eben auch oft den Kern des Humors trifft, der auch bei erwachseneren Menschen für Vergnügen sorgen kann.

Mit Comedy ist es nach wie vor eine problematische Sache: Kaum etwas ist so schwierig zu drehen, wie Komödien, nicht nur, weil das Pensum zwischen „Find ich nicht komisch“ und „find ich nicht mehr komisch“ unfassbar eng geschnallt ist und die Zeiger dabei je nach Publikum in die verschiedensten Richtungen ausscheren und es – behaupte ich einfach mal – nahezu unmöglich ist, etwas zu generieren, das wirklich ausnahmslos alle zum Lachen finden.

Chaos auf der Feuerwache hatte jetzt aber genügend Szenen, die auch mich unweigerlich zum Lachen gebracht haben und bei denen grundsätzlich im Saal kein Auge trocken blieb. Allerdings heftet auch an manchen Stellen das Prädikat „Etwas zu übertrieben“.

Hat urkomische Szenen, sorgt für viele Lacher, dreht dabei aber auch sehr auf und übertrifft manchmal bei einigen ein wenig den Zenit des Erträglichen. Insgesamt aber eine gute, unterhaltsame und kurzweilige Story, die gerade in Familienkreisen für jede Menge Gaudi sorgen dürfte.

Nachspann: 🔘🔘⚪️ | Sitzen bleiben – hier werden noch jede Menge Outtakes zum Besten gegeben 😉

Kinostart: 27. Februar 2020

Original Title: Playing with Fire
Length: 96 Min.
Rated: FSK 0


Paw Patrol: Mighty Pups

Paw Patrol - Mighty Pups - Filmplakat
© 2020 Paramount Pictures Germany GmbH

Die Befürchtungen waren riesig bei allen Menschen, die dem Kindeskindalter entwachsen sind, und ich sag‘s mal so: Machen wir ein Trinkspiel des Todes daraus 😀

Bei jedem „Super“ im Film einen Shot und ihr seid spätestens nach 3 Minuten tot.

Dass sich Transformers und der ganze Kruscht daran orientiert, die Merchandise-Marketing-Maschine anzuwerfen und daraus oft keinen großen Hehl macht: Geschenkt. Sollen sie, immerhin mag ich die transformanten Viecher selbst ohne Ende und hab auch nix dagegen, wenn solche übergroßen Figuren dein Wohnzimmer übernehmen. Same with Lego, same with Barbie, same with Wendy & Co. und und und.

Da stand aber der Filmspaß im Vordergrund und man konnte – auch ohne Merch – trotzdem einigermaßen Freude im Kino empfinden, zumindest, wenn die Leinwände groß und die Boxen laut genug waren.

Nickelodeon, toggolino und Co. sind aber von Beginn an darauf ausgerichtet, Spielzeuge zu verkaufen und hier ist in meinen Augen ein viel zu lang unkritisiertes Phänomen am Start: Es werden keine Filme mehr gemacht, zu denen es dann Figuren gibt, sondern es gibt Figuren, zu denen irgendwas produziert wird, um die Figuren auch zu verkaufen.

Diese Tatsache schlägt bei Paw Patrol: Mighty Pups so hart an, dass es auch mit viel Product-Placement-Toleranz schwer fällt, dem Film wirklich den Willen abzugewinnen, als eigenständiges Werk existieren zu wollen, denn das Ganze gleicht eher einer Marketing-Verkaufs-Show für die Hundies und weniger einer gut erzählten Geschichte.

Und dabei reiht sich ein „Ich bin Super-Hundi mit Superkräften, der super gelaunt diesen Super Auftrag super ausführen wird“ ans nächste, dass mehr oder weniger das gesamte Kino hinterher sich ausschließlich mit „Super“-Sätzen unterhalten hat, weil‘s jeder (auch die Kids) irgendwie affig fand. Böse Zungen mögen behaupten, man wollte so die Produkte mit einem gewissen Verkaufsadjektiv bestücken … aber in dieser Übertreibung geht der Schuss „super“ nach hinten los.

Ich hätte durchaus meinen Spaß daran haben können, denn wie ihr wisst, schau ich mir auch jeden Kinderscheiß an und bewerte ihn hier und bin deshalb auch für solche Geschichten „kritisch empfänglich“, aber das war mir tatsächlich extrem zu viel.

Gut animiert, ja, und wenn man sich mit viel Gewalt von der Merch-Schiene abwendet, dann mag auch die „Story“ ihre liebenswürdigen Momente haben, denen man sogar einen pädagogischen Touch abgewinnen könnte (Zielgruppe: Eben-noch-Baby-gewesen), aber als Erwachsener sollte man definitiv 3 Gallonen Schnaps mit in den Saal nehmen, um die Show einigermaßen zu überleben.

Die Merchandising-Absichten zerstören alles andere über die Maßen, dass einem Hören und Sehen im wahrsten Sinne des Wortes vergeht. Lieber unterschwelligeres Product-Placement als diese „Verkaufs-Show“ für die Spielzeuge, dann hätte man am Film Spaß – und wer will, hinterher an den Figuren beim Spielen auch noch. So wirkt alles extrem übertrieben und seltsam im Kino und man hat das Gefühl, einer kompletten Verkaufssendung beizuwohnen.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Teleshopping lässt grüßen.

Kinostart: 5. Juli 2020

Original Title: Paw Patrol – Mighty Pups
Length: 90 Min.
Rated: FSK 0


Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle - Filmplakat
© 2020 Universal Pictures International

Anhand dieses Titels können wir zwei gravierende Merkmale des Filmbusiness festhalten:

  1. Etwas, das bereits einmal da gewesen ist, wird in Zukunft nicht zwingend besser
  2. Robert Downey Jr.s Charme unterliegt nahezu jeder.

Ja, mit ihm zu werben, ist ein genialer Geniestreich, denn das war auch der Grund, weshalb ich auf diesen Film heiß war: Ich wollte einfach nur wissen, wie sich dieser Mann in der neuen Rolle macht. So ziemlich jeder dürfte ihn als Tony Stark in der Avengers-Filmreihe kennen, eine Rolle, die ihm zeitlebens auf die Stirn getackert zu sein scheint. Brillanter kann man kaum werden.

Dr. Dolittle verbinde ich zuallererst mit Eddie Murphy, dessen übertriebenem Humor ich auch nicht sonderlich aufgeschlossen gegenüber bin, weswegen ich mich in der Vergangenheit mit diesem Film-„Franchise“ auch ziemlich wenig beschäftigt habe.

Und das, was ich befürchtet hatte, trat genau so ein: Man kann Downey eine professionelle Schauspielerei nicht aberkennen, jedoch stirbt um ihn herum alles andere durch zwar optisch gut gemachtes Aussehen, aber inhaltlich gleichbleibendes „Niveau“, das viel weniger spannend und unspektakulär daherkommt. Irgendwie driftet man fast wieder in Richtung Murphy: Durchgeknallt, absonderlich, merkwürdig – und damit kommt eben im Mainstream kaum jemand zurecht.

Für Kids mag’s zwar abenteuerlich sein, den 104sten Animated-Animal-Movie auf einer Leinwand zu bestaunen, und auch die Geräusch- und Soundkulisse kann sich an gewissen Stellen durchaus sehen lassen, jedoch hat man kaum etwas verpasst, wenn man den Film nicht gesehen hat: Der Twist ist belanglos und es reut einen fast schon, dass so viel enorme Rechenleistung und digitale Arbeit in so einen Plot-Langweiler gesteckt wurde.

182 Mio. US$ Einnahmen (Stand: Februar 2020) ist zwar ein kapitalistischer Grund, solch einen Film überhaupt zu drehen und ebenfalls ein schlagkräftiges Argument, dass gegen folgenden Wunsch spricht: Lasst bereits erzählte Geschichten doch einfach sie selbst sein und kümmert euch in der Zukunft um eigene Ideen: Damit tätet ihr den Zuschauern zumindest einen riesigen Gefallen.

Hier steckt viel CGI und teilweise bombastischer Sound drin, der das jüngere Publikum durchaus zu unterhalten weiß, allerdings zündet der Film in meinen Augen eher gar nicht und trägt mit viel Bekanntem und erzählerischer Langeweile auf. Schade eigentlich, denn der Hauptdarsteller ist zu so viel mehr fähig, wie wir alle bereits wissen.

Nachspann: ⚪️🔘⚪️ | Es kommt nochmal eine kleine Zwischensequenz, also rennt nicht direkt raus, sondern wartet ein wenig ab. Es lohnt sich 🙂

Kinostart: 30. Januar 2020

Original Title: Dolittle
Length: 102 Min.
Rated: FSK 6


Into the Beat – Dein Herz tanzt (inkl. Gewinnspiel)

Into the Beat - Filmplakat
© 2020 Wild Bunch

Hinweis: Unter diesem Beitrag gibt es ein Gewinnspiel, bei dem 2x das Buch zum Film aus dem 360 GRAD VERLAG verlost wird.

Reden wir mal über Sprache, Ausdruck und Verständnis. Denn genau dies ist für diesen Beitrag eine essentielle Voraussetzung, um miteinander kommunizieren zu können.

Sprache ist für mich grundsätzlich fehlerhaft. Als Blogger und Autor bin ich jemand, der sich tagtäglich mit Wörtern, Wortschöpfungen, Sprachentwicklung und Veränderlichkeit auseinandersetzt. Der Gewinn von Sprache liegt darin, einander Dinge zu sagen und nicht allzuoft dabei zu scheitern, dass der andere sie gänzlich missversteht. In Anbetracht dieser Tatsache fühlt es sich schon mal grundlegend demütig und defensiv an, überhaupt etwas zu äußern.

Dann kommt Ausdruck. Ausdruck gibt es zum Beispiel mit Worten, oder mit Mimik oder Körpersprache. Hier liegt die Interpretationsfreudigkeit wieder auf einem völlig anderen Niveau, denn es gibt kein „Wort“, das man „so oder so“ verstehen kann, sondern das Spektrum ist viel weiträumiger gefasst. Ausdruckstanz zum Beispiel kann unzählige Interpretationsmöglichkeiten bieten und von jedem anders verstanden werden, obwohl alle in der selben Vorstellung hocken.

Daraus leitet sich dann das ganz persönliche Verständnis ab: Die „fertige“ Interpretation des Ausdrucks dessen, das irgendwer irgendwo gesagt haben will. Sprich: Es ist von vornherein absolut unmöglich, dass bei einer Sache alle tatsächlich exakt dasselbe verstehen, denn allein schon die Wortbedeutung interpretiert jeder Mensch mit unterschiedlicher Gewichtung und in verschiedene Richtungen (je nach Erfahrung etc.). Ziel ist hier viel mehr die Annäherung und möglichst große Teilmenge beider Parteien.

Diese Sache setze ich persönlich zum Beispiel grundsätzlich voraus, vor allem hier im Blog. Ich habe seit Bestehen immer wieder verkündet und darauf geachtet, darzulegen, dass dies hier alles meine persönlichen Ansichten und Meinungen sind, dass ich journalistisch betrachtet den totalen Klogriff abfeiere. Nix mit Objektivität, nix mit „beide Seiten gleichermaßen darstellen und den Zuschauer entscheiden lassen“, sondern subjektiv, polarisiert, einseitig, die eigene Meinung.

Jeder, mit dem ich persönlich gesprochen habe, weiß, dass es hier ausschließlich um meinen eigenen Geschmack geht und dass ich selbst sehr wohl weiß, dass dieser keine Allgemeingültigkeit hat, sondern ich immer wieder dazu aufrufe, sich ein paar Filme durchzulesen um meinen Geschmack einigermaßen kennenzulernen und dann entweder Gemeinsamkeiten oder Differenzen zu entdecken und sich daran zu orientieren.

Bei Into the Beat prallen nun Welten aufeinander, die dermaßen kontroverse Diskussionen in den Kinofoyers ausgelöst haben, dass ich mich nun tatsächlich tagelang darauf vorbereitet habe, hierzu etwas zu äußern und dabei den bereits auf mich zufliegenden Steinen auszuweichen 😀

Ganz einfach:

Ich bin kein „Tanzfilmtyp“. Street DanceHoneyFootlooseStep Up und wie sie alle heißen mögen: Ich „hasse“ dieses Genre, denn der Plot ist mir einfach zu platt und die Gegensätze zu krass. Ich persönlich kann dieser Kunstform absolut nichts abgewinnen.

Irgendein Mädchen/Junge aus dem „klassischen“ Sektor entdeckt „rebellisches Hip Hop“ und macht es sich zur Lebensaufgabe, gegen die alten Vormünder zu rebellieren und das Genre zu wechseln, entdeckt dabei ganz zufällig noch die Liebe und am Ende liegt sich jeder in den Armen und alles ist toll, weil Hip Hop auf einmal Bach und Chopin ablöst.

So könnte man bausteinhaft jeden dieser Filme beschreiben und der Plot würde sich jedesmal wieder 1A in das Systemgefüge einpassen lassen, denn davon gibt es partout keine Abweichungen.

Was bleibt, sind also die Dance-Moves, die Körperbeherrschung und Kraft benötigen, was ich als Laie nun auch wiederum extrem schwer einschätzen kann: Für mich sieht das mehr oder weniger sowieso alles „gleich“ aus und ist demnach „unspektakulär“, denn es reizt mich nicht und man kann mich damit – auch wenn es vielleicht mega professionell ist – nicht vom Hocker reißen.

Also geh ich hin und „blende den ganzen Tanzmist aus“ und bewerte die Filme nach reinem Kinovergnügen. Und da sind mir bei Into the Beat tatsächlich einige positive Aspekte aufgefallen, für die mich manche inzwischen schon mehrfach gesteinigt haben :D

Bislang war in solchen Filmen der „emotionale Abstand“ der einzelnen Charaktere immer sehr schwarz-weiß. Es gab keine Grautöne: entweder, oder – oder tot. Man durfte als „Klassikliebhaber“ noch nicht mal „normales Radio“ anmachen, sondern ausschließlich Klassik hören, während Rapper keinerlei Annäherung an andere Musikgruppen oder -geschmäcker entwickeln durften, ohne unten durch zu sein. Auch innerhalb von Familien oder (vormals) engen Freunden absolute Nulltoleranz. Diese Zerrissenheit ist mir immer too much gewesen, und genau da fing man hier durch stilistische Mittel an, sich einander anzunähern.

Dies kommt in Form von ausbleibenden, erwarteten Streits zum Beispiel oder der geheiligten Tonspur, auf die ich gern weiter eingehen möchte. Der Film hat einen ganz bestimmten Takt und es gibt keine krassen „Risse“, sogenannte Hard Cuts, die abrupt abbrechen und in das andere Genre wechseln, sondern man fadet immer sehr smooth durch die einzelnen Lager und verbindet alles, während der Zuschauer seinen wippenden Fuß niemals unterbrechen muss, sondern den Beat durchweg mit Metronom weiterverfolgen kann. Und auch die Bilder switchen manchmal, obwohl der Klang der gleiche bleibt und man deutlich merkt, dass auch der „Gegner“ zu den eigenen Tönen Bewegungen machen kann, die zueinander passen. Musikalisch bewertet also absolut spitze gelöst, was wiederum nichts über den Plot oder die Realität der Handlungen aussagt.

Nun kommen die Tanzfilmkritiker und schreien rum, dass die zwei nichts drauf hätten – und ja, auch da hab ich tatsächlich schon beeindruckendere Moves gesehen, jedoch ist dieser Teil für mich gar nicht die Absicht des Films gewesen (was der Trailer fälschlicherweise vermittelt hatte), sondern es geht vielmehr um eine Geschichte, die dann leider wieder an den Tanzfilm-Klischees struggelt und schließlich daran stirbt.

Der Plot ist also nach wie vor kacke, die (akustische) Umsetzung fand ich diesmal aber definitiv viel besser gelungen als bei anderen Filmen dieser Art. Der Soundtrack macht im Kino wirklich Spaß und auch die Stücke wurden meines Erachtens gut ausgewählt … das war einer der Gründe, weshalb ich den Film tatsächlich bereits 2x gesehen habe: Der Beat ist unvergleichlich und den Soundtrack würde ich mir sofort holen.

Was in meinen Augen auch ganz okay war, ist das Zusammenspiel der beiden Hauptcharaktere. Es wird viel gelacht, weniger verurteilt, alles etwas lockerer gehalten: Die Nulltoleranz wird umgangen und auch da finden sich wieder Annäherungen, die ich so von anderen Filmen dieser Gattung bislang nicht kannte.

Was mir gefehlt hat, war ein „ordentliches Finale“. Da merkt man dann, dass die Macher scheinbar keinen Bock auf einen Tanzfilm hatten und – bei genauerem Hinsehen – entdeckt man dies den ganzen Film über andeutungsweise in Form der einzelnen Schnitte. Immer dann, wenn’s zur Sache gehen sollte, beendet man die Szenen oder führt andere Blickwinkel ein, sodass man leicht überspielen kann, dass die artistische Leistung eben nicht so beeindruckend ist, wie man sie möglicherweise aus dem Theater oder Ballett tatsächlich kennen könnte – und dieses „Nicht können“ mündet in einem absolut unbefriedigendem Finale, dass eben keinen Paukenschlag abfeiert, sondern eher verblüffend ruhig und unwirklich daherkommt.

Damit ist der Film zerrissen, und das hört man danach auch vom Publikum: „Niemand würde sich entscheiden, so eine Karriere abzubrechen, wenn man bereits so weit gekommen ist“ vs. „Wenn du es von Anfang an nie wolltest, aber vom Vater dazu gezwungen wirst, wird es höchste Zeit, die Karriere abzubrechen, weil sie dich dauerhaft nicht glücklich machen würde“, „Die Moves waren Klasse“ vs. „Was sollte das? Was können die überhaupt?“, „Der Film hat mich auf allen Ebenen berührt und ist einfach toll“ vs. „Das war die totale Scheiße und sogar für einen Tanzfilm mega schlecht“ … die Meinungen gehen hier so krass auseinander, dass ich eigentlich sagen müsste: Gut gemacht, nur ein Film, der extrem polarisiert, ist ein guter Film … und dafür landen wahrscheinlich gleich wieder 300 Steine an meinem Kopf.

Also: Machen wir’s anders.

Gewinnspiel

Into the Beat - Book Cover
Buchcover „Into the Beat“ – Das Buch zum Film aus dem 360 GRAD VERLAG

Mir wurden nämlich freundlicherweise zwei Bücher zum Film aus dem 360 GRAD VERLAG zur Verfügung gestellt, die ich hiermit an euch weiterverlosen möchte.

Da hätten wir das nächste Kriegsgeflecht: Film vs. Buch, wenn der Film also schlecht ist, kann das Buch ja nur gut sein – und die eigene Fantasie und Kreativität im Kopf regt einen ja beim Lesen bekanntlich auch immer monströs an, weshalb ich das Buch jedem ans Herz lege.

Schreibt einfach bis einschließlich Montag, den 20. Juli 2020 in die Kommentare, zu welchem Song ihr zu Hause ganz gerne mal tanzt (oder tanzen würdet) und welche Beats euch in Wallung bringen.

Die beiden Gewinner*innen werden anschließend im Losverfahren ausgewählt und von mir benachrichtigt, gebt also bitte eine gültige E-Mail Adresse an, unter der ich euch erreichen und nach der Adresse fragen kann. Diese wird ausschließlich im Rahmen der Verlosung von mir persönlich genutzt und nach dem Versand wieder gelöscht.

Nun drücke ich euch die Daumen, wünsche allen viel Glück und sage mal vorsichtig: Geht ins Kino und bildet euch eure eigene Meinung – und lasst sie mich hinterher wissen 🙂

Kontrovers, deutsch, scheitert beim Plot an den üblichen Struggles des Genres, aber: Geheiligt sei die Tonspur: Hier wurde beeindruckend gearbeitet. Ein Film, der Diskussionen auslöst und entweder geliebt oder gehasst wird.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Werden mit einigen Tanz-Choreos eingeleitet, faden dann aber ins Schwarz und enthalten keine weiteren Szenen. Aufstehen erlaubt.

Kinostart: 16. Juli 2020

Original Title: Into the Beat – Dein Herz tanzt
Length: 98 Min.
Rated: FSK 0


News: Neue Kinostarts von Constantin Film für 2020 / 2021

Und was gibt’s sonst noch in dieser Woche?
© 2020 https://www.kinoticket-blog.de

Soeben hat auch Constantin Film Verleih GmbH seine neuen Kinostart-Termine für die kommenden Zeiten bekannt gegeben, die da wie folgt lauten:

09. Juli 2020: Das Beste kommt noch
01. Oktober 2020: Drachenreiter
22. Oktober 2020: 100% Wolf
17. Dezember 2020: Ostwind – Der große Orkan

Darüber hinaus startet im Herbst diesen Jahres die Fortsetzung von After Passion – genannt: After Truth und auch die Eberhofer-Fans dürfen sich auf das Kaiserschmarrndrama freuen, der nächste Kriminal-Streich der Buchreihe von Rita Falk.

Auch im nächsten Jahr hat man bereits Termine festgesetzt, und zwar für Sönke Wortmanns Contra, der am 14. Januar 2021 das Licht der Leinwand erblicken soll.

Zudem probiert sich Deutschland einmal mehr an Theaterverfilmungen und bringt am 18. Februar 2021 Caveman – Der Kinofilm in die Lichtspielhäuser und auch das übernächste Eberhofer-Werk ist mit dem 05. August 2021 bereits datiert: Dann geht’s um das Guglhupfgeschwader.

Ich persönlich beginne langsam, Hoffnung zu hegen, dass es tatsächlich weiter geht. Immer mehr Menschen trauen sich wieder ins Kino und die Hygienevorschriften dort sind nicht nur erstklassig, sondern werden vom Personal auch hervorragend beobachtet und umgesetzt. Selbst während den Vorstellungen wird oft darauf geschaut, dass die Abstände eingehalten und die Zuschauer auf den Raum gut verteilt sitzen. Ein guter Augenblick, um überhaupt mal darauf hinzuweisen, dass man sich beim Kauf eines Tickets auch tatsächlich auf den erworbenen Platz setzen sollte und nicht stupide Diskussionen im Kinosaal beginnen, während der Film bereits läuft.

Inzwischen kämpft man auch in politischen Sphären darum, während des Films die Abstände zumindest auf 1m zu beschränken, das würde das aktuelle Dilemma brechen und mehr Zuschauer in die Säle lassen, was wiederum auslöst, dass in den Startlöchern wiehernde Zugpferde wie Tenet final grünes Licht sehen.

Einerseits brauchen wir wieder Filme, die tatsächlich massenweise Zuschauer ins Kino locken (viele davon warten bereits auf ihre Release), andererseits benötigt es gleichermaßen Lockerungen für die Kinobesitzer, um die Säle auch füllen zu dürfen und damit Anreize für die Verleihe zu liefern, die großen Blockbuster auch wirklich zu starten … und (ganz wichtig): Es braucht ein defensives, verständnisvolles Mitarbeiten jedes einzelnen Gastes, um diese Kombination am Leben erhalten zu können und den Kinogenuss (und das Überleben vieler Häuser) für die Zukunft zu sichern.

Hört auf, mit dem Kinopersonal über dies und das zu diskutieren, wenn die ihre Vorgaben nicht umsetzen und kontrolliert werden (und ja, die Herrschaften sind tatsächlich aktiv unterwegs), dann muss das ganze Haus schließen und davon hat am Ende keiner was. Also macht es allen so leicht wie möglich und setzt auf dem Weg von der Straße bis hin zum Sitzplatz einfach euren Schnutenstrampler auf, dann sind alle zufrieden und sobald ihr am Platz sitzt, darf eure Zunge dann auch wieder Frischluft atmen.

Und dann können wir alle uns wieder über fantastische Vorstellungen auf gebührenden Leinwänden freuen – und darüber berichtet euch wie immer gerne und voller Herzblut

Euer Ben von .kinoticket-blog.de


Eine größere Welt

Eine größere Welt - Filmplakat
© 2020 MFA+ FilmDistribution

Ich weiß, viele von euch kennen dieses Gefühl nicht, also versuch ich‘s mal zu beschreiben. Was Stadt ist, wisst ihr. Was Gebäude, Autos, Geräusche, Menschen, Ansammlungen, alltäglicher Lärm ist.

Irgendwann ist das alles vorbei, je mehr man auf dem Land wohnt. Es wird Abend, es wird Nacht, die Menschen gehen schlafen und außerhalb der Großstadt erobert dann die Natur ein Stück ihrer selbst zurück. Es wird ruhig, Bäume rascheln etwas lauter, der Wind wird hörbar, Pfützen beginnen zu singen, die Regentropfen plätschern über die Baumwipfel auf dem Weg nach unten und lassen immer wieder das zärtliche „Pitsch Platsch“ auf jedem der Blätter ihres Weges erklingen.

Dann kommt die Ruhe. Die Einsamkeit. Das Alleinsein und Eins sein mit sich selbst. Die Gedanken. Nirgendwo steht das „erlösende eigene Auto“, dass einen schnell wieder binnen Minuten zurück in die Zivilisation bringt. Nirgendwo ist der sogleich wieder angekuppelte Stecker zum „Supermarkt“ um die Ecke, nirgendwo ist Zivilisation.

Nur du und die Natur.

Ich habe diese Erfahrungen oft gemacht in den Jahren, die ich draußen gelebt habe – ganz bewusst. Ich wollte mich von den Menschen abnabeln, zu mir selbst finden, mein eigenes Szenario zwischen der Erde und meinem Körper erschaffen – und es ist mir in vielerlei Hinsicht auch gelungen.

Warum ich das alles erzähle? Eine größere Welt ist eine großartige Errungenschaft, die eben jene Erfahrungen gefühlvoll einsammelt und den Menschen näher bringt, ohne dass die dafür in den Outdoorshop rennen und sich für die Wildnis rüsten müssen. Der „Übergang“ zwischen menschlicher Hektik und heilsamer Natur ist fließend und kommt völlig ohne Schmerz oder seelisches Leid aus. Der Zuschauer wird eingesammelt und liebevoll auf dem Weg dahin begleitet und ganz behutsam in eine Welt geführt, nach der ich mich – heute – wieder extrem sehne.

Das Motto des Films – diese „größere Welt“ – zu entdecken, ist für viele sprachlich ein unüberwindbares Hindernis, da der Mensch per se dazu erzogen wird, ihm unbekanntes vorerst zu verdammen und nicht über den Schatten seiner selbst zu springen.

Worum es hier geht, mag auf den ersten Blick ebenfalls mystisch und verborgen erscheinen, entfaltet aber im Laufe seiner Zeit eine faszinierende Anziehungskraft, die deshalb so stark ist, weil es eben kein esoterischer Humbug, sondern vielmehr eine von Authentizität untermalte Interpretation einer wahren Geschichte ist, die inzwischen – man höre und staune – sogar wissenschaftlich untermauert ist und als eine der Grundlagen für neurologische Forschung gilt.

Die Hauptdarstellerin im echten Leben begleitete die Entstehung des Films allzeit beratend und es war den Machern ein großes Bedürfnis, im Einklang mit ihren Empfindungen und Erlebnissen zu sein, denn “zum ersten Mal war nicht ich es, die das Thema wählte, sondern das Thema mich“ – so die Regisseurin Fabienne Berthaud.

Dieses Fundament an Glaubwürdigkeit spürt man im Film überdeutlich. Es gibt durchaus Elemente, die fürs Kino gemacht und als unterhaltsames Gimmick eingebaut werden mussten, die Gedanken dahinter, das Entdecken, die Reise durch die Horizonte menschlichen Denkens entfacht aber solch ein energiegeladenes Ereignis, das im Verlaufe der Zeit tatsächlich Früchte zu tragen beginnt und den Zuschauer mit einer total fremden Lebens- und Verhaltensweise konfrontiert.

Genau das macht es in meinen Augen im Kino gerade spannend: Keine unliebsamen Wege, kein zeitraubendes Rausreißen aus alten Gewohnheiten, gepaart mit Ausreden, warum dies und das nicht geht, sondern die irre moderne Chance, eine ganze Errungenschaft eines Lebens in nur 100 Minuten zu konsumieren und an den Ergebnissen teilzuhaben.

Und spätestens, wenn die Trommeln einsetzen und sich die Fülle akustischer Eloquenz durch die Luft ausbreitet, spätestens dann seid ihr froh, ein Kino als Ort gewählt zu haben, an dem ihr diesen Film zum ersten Mal seht. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes einfach unbeschreiblich!

Eine wahre Errungenschaft, die die Reise aus der westlichen Welt hinein in seelischen Frieden und innere Neuentdeckung antritt, ohne dabei über die üblichen Steine esoterischer Unglaubwürdigkeit zu stolpern. Die wahren Begebenheiten dieses Films dienen noch heute als Grundlagen neurologischer Forschungen.

Nachspann: 🔘🔘⚪️ | Zeigt Bilder der „echten“ Corine und weitere sehenswerte Einblicke in die Echtheit des Films. Sitzenbleiben lohnt sich also.

Kinostart: 09. Juli 2020

Original Title: Un Monde Plus Grand
Length: 100 Min.
Rated: FSK 12


Undine

Undine - Filmplakat
© 2020 Piffl Medien GmbH

Christian Petzold und Franz Rogowski gehören zusammen wie Leonardo DiCaprio und Martin Scorsese – mit dem Unterschied, dass erstgenannte einheimische Filmschaffende sind, die – genau, wie bei Scorsese auch – einen ganz eigenen Filmgeschmack liefern und sich dabei konsequent treu bleiben.

Filme mit Rogowski muss man mögen, seine spezielle Art mag nicht jedem angenehm erscheinen. Er selbst spielt oft den etwas unnahbaren, ruhigen, gesellschaftlich-defensiven Charakter in seiner ganz eigenen Welt, die – nach einigem Betrachten – für den Zuschauer ihre ganz eigenen, kleinen Schönheiten zu offenbaren und damit durchaus zu punkten weiß.

Das war in LUX – Krieger des Lichts so, das war in Transit so, das war in In den Gängen so – und da macht nun auch Undine keinen Unterschied.

Genau das erhebt sich bei dem aktuellen Werk Petzolds zu seinem möglicherweise größten Problem auf: Die Vergleichbarkeit mit seinen früheren Werken, insbesondere Transit. Schreibt man ein paar Namen, Momente, Orte und andere Kleinigkeiten um, erhält man das dramaturgische Pendant zu seinem einstmals gefeierten Werk.

Der Märchen-Charakter, den Petzold mit seiner Erzählung der Geschichte entlocken will, möchte nicht so recht aufkeimen, auch wenn die an Berlin angelehnte Darstellung einer Großstadt durchaus verlockend neu erscheint.

Als Zuschauer läuft man aber vielmehr mit der Sinnfrage dem Ausgang entgegen, die der Film an sich nicht so richtig beantworten möchte. Das dramaturgische Trara, das Wiener Opernball-Feeling von anderen Märchen dieser Art bleibt hier völlig aus und macht dem kalten, betonhaften, stumpfen Klang einer fast schon dystopischen Welt Platz, die wiederum überhaupt nicht romantisch und damit von Märchen so weit entfernt ist wie kaum etwas.

Trotz allem punkten beide Hauptdarsteller – sowohl Rogowski als auch Paula Beer – wieder durch ihr überzeugendes Schauspiel, wenngleich sich eine dritte Koryphäe unbemerkt ins Bild schleicht: Die Geschichte der Stadt Berlin, die man hier ganz nebenbei ziemlich gut in Szene gesetzt hat und die Hauptstadt damit in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt.

Damit gehört der Film für mich zu den absoluten Nischenfilmen, für die man sich bewusst entscheiden muss, um sie zu mögen. Die breite Masse dürfte damit ganz sicher ihre Schwierigkeiten haben.

Erinnert zu stark an Transit und verfitzt sich ein bisschen bei dem Versuch, das Märchenhafte zu erschaffen. Dennoch überzeugen die Hauptdarsteller durch ihr Können und auch die Stadt Berlin erlebt hier würdige Huldigungen. Nischenkino.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Hat keine weiterführenden Szenen, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 02. Juli 2020

Original Title: Undine
Length: 89 Min.
Rated: FSK 12


Batman Begins

Batman Begins - Filmplakat
© 2005 Warner Bros. Ent.

Ist es geil, oder was?

Kinder: Dieser Titel ist einfach mal fucking 15 Jahre alt … und läuft derzeit in den Kinos auf der Leinwand! Ich kann euch kaum beschreiben, was das für ein Gefühl ist, zurück in die Zeit geschleudert zu werden und dieses großartige Meisterwerk wieder durch die Säle brettern zu hören.

Christopher Nolans Batman-Trilogy ist etwas, das an Vollkommenheit kaum zu überbieten ist. Machen wir so weiter und verrecken eines Tages allesamt an unserer eigenen Dummheit und Uneinsichtigkeit und Äonen später kommen Außerirdische auf diesen Planeten und finden irgendwelche Relikte, dann braucht man ihnen eigentlich nur diese Filme vorlegen. Die enthalten die Essenz all dessen, was menschlich ist – im Guten wie im Schlechten.

Ich vergöttere Nolan für diese Werke – und kenne die Filme daher in und auswendig. Wer tut das nicht? Gefühlt jeder hat die drei Streifen in irgendeiner (oder mehreren) Form(en) zu Hause rumstehen und mit Sicherheit mehr als einmal gesehen.

Und doch ist es wahr: Wir hocken im Saal – im großen Kino – vor der großen Leinwand … und es läuft Batman Begins … ich fühl mich wie ein kleines Kind, dem man gerade offenbart hat, dass zukünftig 4x im Jahr Weihnachten gefeiert wird: Leute: GÄNSEHAUT!!!

Comicverfilmungen hin oder her – es gibt viel Scheiß, grade auch aus dem Hause DC in Kooperation mit Warner Bros. haut man in der Neuzeit oft keine so sensationellen Granaten raus … davon merkt man hier halt einfach mal rein überhaupt nichts.

Und jetz‘ sag einer, die Zwangspause war zu nichts gut: Es geht nämlich weiter, denn ab nächster Woche wird The Dark Knight und eine Woche drauf The Dark Knight Rises gezeigt und ich zitter jetzt schon vor Aufregung und Vorfreude.

Es gibt KEINE Ausreden, diese Woche irgendwas als Vorwand zu nutzen, um nicht eine der Event-Vorstellungen zu besuchen, um sich diesen Film wieder im Kino reinzuziehen: Spätestens dann merkt ihr, dass VoD und der ganze Home-Cinema-Bullshit einpacken können und die große Leinwand IMMER gewinnt.

DAS ist wahrhaftiges Kino ohne all die jammerläppigen Eigenschaften, die moderne Filme inzwischen so an sich tragen: die alte, unberührte Kunst, die ein Epos feiert, wie es das bisher kein zweites Mal gibt.

Allein die Tiefe der Batman-Saga, ihre Verwurzeltheit mit den tiefsten Urängsten und -instinkten der Menschheit ist einmalig und in meinen Augen hat Nolan genau das auf den Punkt gebracht. Seine Düsternis, diese von anderen hin und wieder kritisierte „Dunkelheit“, die eben nicht auf Humor und Tralala aufbaut, sondern sich gediegen wie ein kristallscharfes Schwert ungehindert durch deine Adern schiebt, ist genau mein Ding.

Ich feiere es, dass man nun (gezwungenermaßen) zu alten Mitteln greift, um die Menschen zurück ins Kino zu holen … und nicht die Kinos gewinnen, sondern ihr, wenn ihr die Chancen nutzt, denn dieses Ereignis ist mit Geld nicht aufzuwiegen.

Achja: CinemaxX z.B. bietet die Filme derzeit übrigens für 4,99 € an … wer da noch rumjammern möchte, dem ist tatsächlich auch nicht mehr zu helfen. Eben genau wie vor 15 Jahren – auch beim Preis.

ZIEHT EUCH DIESES EPOS REIN! So eine Chance kriegt ihr nicht wieder!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Die Musik, Leute! Diese unfassbare, eindringliche und beispiellose Musik … wer darauf verzichten möchte … bitteschön.

Kinostart: 16. Juni 2005

Original Title: Batman Begins
Length: 140 Min.
Rated: FSK 12


Knives Out – Mord ist Familiensache

Knives Out - Filmplakat
© 2020 Leonine

Es muss nicht immer Agatha Christie sein, auch andere können gute Krimis erzählen und mit einem wunderbar professionellen, verwobenen Plot im Kino begeistern. Knives Out – Mord ist Familiensache ist nun schon eine Weile lang auf den Leinwänden zu sehen und hat bis heute noch nichts von seiner Attraktivität eingebüßt.

Herrlich verschroben mit immer neuen Türchen eröffnet sich hier puzzlehaft ein Rätsel, bei dem man mitraten und mitfiebern kann. In diese Richtung hätte ich mir übrigens The Gentlemen gewünscht!

Eine der treibenden PR-Kräfte ist selbstverständlich Daniel Craig, den ich als miesmuschelnden Bond-Charakter kennengelernt habe, der mehr mit „Mimimi“ beschäftigt war, als einfach seinen Job zu erledigen. Im Laufe der Zeit wanderten dann aber doch irgendwie alle CraigBond-Teile in meine Sammlung, weil die Sympathie so nach und nach durchgedrungen ist und ich ihn letztendlich als großartigen Schauspieler doch irgendwie mag.

Gleichsam betrachte ich ihn als PR-Coup in dieser Story etwas fehlbesetzt als Aushängeschild, da seinen Charakter irgendwie jeder hätte spielen können (was nicht heißt, dass er das schlecht gemacht hätte), aber es braucht nicht zwingend einen Daniel Craig, um diese Persönlichkeit im Plot darzustellen. Das ändert auch nichts an dem ansonsten hochkarätigen Cast, der durch die Bank weg hervorragende Schauspielarbeit abliefert und den Zuschauer hier mit Durchtriebenheit und Eleganz zu verblüffen weiß.

Wer also noch nicht das Vergnügen hatte, darf sich gerne in eines der Lichtspielhäuser verzupfen und diese Gelegenheit nachholen: Es ist definitiv kein Fehler, diesen Streifen auf der Leinwand gesehen zu haben.

Es muss nicht immer Agatha Christie sein, dieser Krimi ist mindestens genauso spannend und absolut hochkarätig besetzt – ein Spaß auf der Leinwand, den man sich gerne zu Gemüte führen darf.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht zwingend ausharren, hier folgen keine weiteren Szenen.

Kinostart: 2. Januar 2020

Original Title: Knives Out
Length: 131 Min.
Rated: FSK 12