| wenn aus filmen leidenschaft wird

After Truth

After Truth - Filmplakat
© 2020 Constantin Film Verleih GmbH

Nachdem bei After Passion die Jugend jubilierte, die Fangemeinde weinte und die Presse sich in Grund und Boden schämte, hatte ich versprochen, mir das Buch zu organisieren und es zu lesen, weil tatsächlich sehr viele Stimmen laut wurden, die gesagt haben: Schade, der erste Teil wurde verkackt, das Buch ist sooooo gut.

Und tatsächlich: Ich kann’s bestätigen. Nach 70 Seiten hab ich das erste Mal aufgehört zu lesen, als ich es mir gekauft hatte … und es war mir eine helle Freude, durch die Story zu wandeln, weil Anna Todd tatsächlich das Talent hat, die Dinge zu erfassen, zu benennen und auf einen Punkt zu bringen.

Man könnte sagen: Entweder schaust du dir ein paar dutzend Liebesfilme an und beschäftigst dich eine Weile damit, was die Jugend in diesem Alter umtreibt, oder du liest das Buch und hast alles in Summe vorhanden. Sehnsüchte, Entdeckungen, Er- und Selbstfindung, die heißblütige, völlig nicht-von-dieser-Welt-hafte Vergötterung seines Schwarms, das Leben inside und outside von Konservativismus und so viele andere Themen, die einem im Leben begegnen können, wurden hier aufgegriffen und solide bearbeitet. Dass dabei der Blickwinkel der Teenager niemals verlassen wird, mag manch einen, der es im Leben inzwischen schon „weiter gebracht“ hat, möglicherweise stören, genau das liefert aber Authentizität und sorgt für eine allseits gegenwärtige Glaubhaftigkeit, die die Stärke und „Wucht“ dieser Liebe auszeichnet und unterstreicht.

Nun haben wir nicht nur das allseits bekannte Buch-Film-Problem, sondern tatsächlich eine Barriere, bei der ich sogar soweit gehen und sagen würde: Das ist einfach nicht verfilmbar.

Aufgefallen ist mir das u.a. daran, dass ich anfangs den Film sogar mehrfach im Kino angeschaut habe, um zu probieren, ob es anschließend eine andere Auswirkung auf einen hat und man den Film (wenn man Plot und Twists bereits kennt) doch anders betrachten kann und kam nicht darüber weg, dass der eben einfach „schlecht“ ist.

Eben so viel Angst hatte ich, das Buch aufzuschlagen und mein Versprechen einzuhalten, denn das ist nicht nur nicht meine Literatur, sondern interessiert mich auch persönlich nicht im Geringsten, genau deshalb hab ich es damals auch öffentlich versprochen, um es wirklich durchzuziehen.

Und das Buch hatte mich irgendwie direkt und ich hab grundsätzlich keinerlei Schwierigkeiten damit gehabt, die Story in meinem Kopf völlig neu entstehen zu lassen und seltsamerweise musste ich mich dafür auch nicht an die Bilder der Personen im Film klammern oder irgendwelche Szenen dazu reproduzieren, sondern das Ding lebte völlig losgelöst durch sich selbst und war bis zum Ende hin einfach stimmig.

Genau das zeigt, dass der Film quasi nicht als „Buchverfilmung“ taugt, sondern ein träger Abklatsch eines Versuchs davon ist, der meiner Meinung nach nicht von Erfolg gekrönt sein kann, weil man die seelischen Gefühlswelten niemals in der Form in einen Film kriegt, dass es den Ansprüchen gerecht wird, die Todd in ihren Büchern befriedigt.

Ich würde hier sogar auch einen Unterschied machen und die Bücher vom Genre leicht distanzieren, weil das, was dort aufgeschrieben wurde, tatsächlich weit weg von Kitsch und Romantik, Liebe und Sissi-Blumen-Tralala ist und eben genau jene Probleme aufgreift, die Jugendliche in dem Alter beschäftigen und die für sie wahrhaftig und existent sind.

Nachdem ich nun das erste Buch durch habe, waren meine Erwartungen beim kommenden Film After Truth natürlich unterirdisch: Nun kommt zu dem systemischen Versagen noch das „der zweite Teil“-Phänomen dazu, was es zusätzlich nach hinten kippt und eigentlich nur als Totalschrott enden kann.

Und als der Trailer das Licht der Welt erblickte und über die Leinwände huschte, dachte ich wieder: „Oh Gott… naja, man kann’s nicht verhindern“… meine Erfahrung in dem Film war aber eine völlig andere.

After Truth überrascht nun damit, dass man augenscheinlich weiß, dass die Verfilmung nicht so funktioniert, wie das Buch in alle Ecken und Winkel hinein leuchtet und ist quasi nur eine Ansammlung von „Triggern“, die die Leser der Werke angedeutet sehen lassen, welchen Part man jetzt im Kopf dazu einfügen muss.

Zum ersten Mal überhaupt würde ich empfehlen: Lest After Passion und schaut danach After Truth und verknüpft beide Welten miteinander, denn diesmal funktioniert das. Der zweite Teil hat eine immense Lust in mir wiedererweckt, den zweiten Teil ebenfalls als Buch zu ordern und an einem gemütlichen Schmöker-Abend zu verinnerlichen. Als Kenner der geschriebenen Werke merkt man nämlich, wie die Filmemacher versuchen, immer wieder in die Tiefe der Story abzutauchen und ihnen die Kunstform „Film“ dabei im Weg steht.

Nun kann man die Schuld auf den Cast schieben, auf ein schlechtes Drehbuch oder einfach auf die labilen Zustände, oder darauf, dass der Film zeitlich gesehen eigentlich viel zu kurz ist, um auf alle Einzelheiten und Details aus dem Buch eingehen zu können, also werden extrem viele tragreiche Momente und Elemente manchmal z.B. nur mit einem Blick oder einer einzigen kurzen Kamera-Sekunde abgefrühstückt. Aber man spürt deutlich, dass die Macher eben versucht haben, so viel wie möglich mit zu nehmen und zumindest den Lesern ein Triggerfeuerwerk schenken, die dann tatsächlich wieder übelst Bock kriegen, die Bücher dazu in die Hand zu nehmen und (nochmal) zu lesen.

Insofern ist der Film eine gelungene Unterhaltung, für die man an dieser Stelle tatsächlich kurioserweise einmal Hintergrundwissen braucht: Und zwar in Form des geschriebenen Wortes, denn auch der erste Teil macht euch im Vorfeld dazu nicht zwingend glücklicher.

An Vergleiche a la Fifty Shades of Grey für Pubis möchte ich mich an dieser Stelle auch nicht wagen, auch wenn gewiss einige Parallelen erkennbar sind, die man aus Jugendfilmreihen dieser Art öfters kennt (Twilight-Reihe z.B.). Diese Form des Konkurrenzkampfs hat der Film nicht nötig und es wäre auch keine Bereicherung, im Vergleich zu ermüden.

Tatsächlich entwickelt der Streifen durchaus seine Momente, taucht in das (geschriebene) Epos sachte ein und bringt es in genau der gleichen (miesen) Manier wie bei Fifty Shades auf die Leinwand, nur dass das hier irgendwie ein bisschen mehr Spaß macht.

Vorstellungen wie Ladies Night, BRAVO Preview oder ein gemeinsamer Filmabend mit der Clique (und Abstand im Saal) sind hier definitiv die absolut richtigen Varianten, um den Film zu genießen und das beste da raus zu holen.

Dieser Film struggelt an seiner Unverfilmbarkeit und macht durch das Gewitterfeuer an Triggern für die Leserschaft der Bücher unglaubliche Lust auf die geschriebenen Werke: Die ragen nämlich mit einer großartigen Welt aus dem Geschwulst der Liebesromane heraus und greifen die alltäglichen Situationen von Teenies hervorragend auf und verarbeiten sie zu einer wunderbaren Lösung. Die Filme können dies „technisch“ niemals bewältigen, liefern aber eine gute Variante, um das Buch irgendwie „zum Leben zu erwecken“. In der Clique definitiv sehenswert.

Nachspann: ⚪️🔘⚪️ | Nicht gleich wegrennen, es kommt im Mittelteil nochmal eine kleine Szene.

Kinostart: 03. September 2020

Original Title: After We Collided
Length: 106 Min.
Rated: FSK 12

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Bluray: https://amzn.to/2ZjvXZw
DVD: https://amzn.to/35f34S8


Die Boonies – Eine bärenstarke Zeitreise

© 2020 Little Dream Pictures

So, jetzt haben wir alle das Plakat gesehen und können uns wieder beruhigen und gemächlich an den Kinokassen ein Ticket für den Film lösen. Und schön Abstand halten dabei.

Was?

Äh…

Ja, genau! Einer der lustigsten, wuscheligsten und coolsten Kidsmovies, die ich seit langem gesehen habe. Und wenn die Kinder förmlich zum Störfaktur mutieren, weil die Erwachsenen im Saal den Film mehr feiern als die Kleinen, dann wisst ihr, was gespielt wird.

Tatsächlich geht man mit einer forschen, absolut fitten und aufgeweckten Schnuffigkeit zur Sache, die nicht nur den Plot voran treibt, sondern ein großartiges Schauspiel auf die Bildfläche zaubert, bei dem alle Faktoren, die mir dabei so einfallen, bestens gelöst werden.

Es ist dramatisch, es ist seelig, man trifft den Nerv der Emotionen. Es ist herzlich, verliebt, kindlich, verspielt, durchtrieben, rasant, wild, abenteuerlustig, magisch, zum Teil episch und es steckt Kohle da drin irgendwie … keine Ahnung.

In China ist dies wohl eine Serie, die man dort schon in vielerlei Hinsicht abfeiert und mit Comics und Episoden gesegnet hat, Die Boonies – Eine bärenstarke Zeitreise ist nun der Kinofilm dazu, der allerdings internationale Erfolge einheimst – und das in meinen Augen völlig zu Recht.

Natürlich gibt es immer noch die Menschen, die der Meinung sind, dass ich Kinderfilme grundsätzlich verreiße (Mach ich wirklich diesen Eindruck? 🤷) und ich kann euch sagen: Ganz im Gegenteil. Ich hab ihn gefeiert und mich köstlich darüber amüsiert, dagegen kann sogar der neue Minions-Trailer einpacken!

Um es also nochmal im Presse-Slang zu sagen: Eine der erfolgreichsten chinesischen Cartoon-Shows mit über 600 produzierten Folgen seit 2012 in über 80 Ländern war die Ausgangs-Idee dieses Kinofilms, der selbst inzwischen mehr als 100 Mio. US-Dollar Einnahmen verzeichnen kann und somit zu Chinas zweiterfolgreichstem Animationsfilm gehört und für den Golden Rooster Award nominiert wurde, einem von Chinas wichtigstem Filmpreisen.

Also schnappt alles, was laufen kann, zwei Augen hat und während der Vorstellung die Klappe hält und dann rasch rasch ins Kino: Diesen Film solltet ihr unter gar keinen Umständen nicht gesehen haben 😉

Nachspann: 🔘⚪️🔘 | Sitzen bleiben, hier kommt noch einiges … und auch den Zwischen-Black-Roll abwarten, am Schluss erwartet euch noch eine kleine Szene.

Kinostart: 27. August 2020

Original Title: Xiong chu mo: Yuan shi shi dai
Length: 93 Min.
Rated: FSK 6

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DVD: (folgt in Kürze)


Porträt einer jungen Frau in Flammen

© 2020 Alamodefilm

Hinweis in eigener Sache:

Corona hat uns in Teilen in unsere Wohnzimmer verbannt und dazu verdammt, den Leinwänden für die Dauer des Lockdowns den Rücken zuzukehren. Das hat dazu geführt, dass einige Titel nicht mehr im Kino angesehen werden konnten bzw. sorgt aktuell immer noch dafür, dass vieles das Licht der Leinwand gar nicht erst erblickt.

Außerdem ist es seit jeher Gang und Gebe, die Filme nach einem gewissen Zeitraum auch online auf VoD-Portalen sowie auf Blu-ray und DVD anzubieten. Da habt ihr ab sofort die Möglichkeit, .kinoticket-blog.de aktiv zu unterstützen, indem ihr eure Käufe über die jeweiligen Links am Ende jedes Beitrags tätigt. Dadurch helft ihr dabei, dieses Blog am Leben zu erhalten, da ich als Amazon-Partner an qualifizierten Verkäufen verdiene.

Es wäre toll, wenn ihr diese Chance in Zukunft häufig nutzt, denn damit ist im Endeffekt allen geholfen. Vielen Dank schon mal an dieser Stelle.

Und nun zum Film: Der ging bereits vor dem wirtschaftlichen Kollaps auf die Leinwände und wurde von mir nicht mehr rechtzeitig rezensiert, da ich mich zu diesem Zeitpunkt bereits in meiner Krankenphase befunden und keine Kritiken veröffentlicht habe. Da er momentan aber z.B. über Amazon Prime Video abrufbar ist, dachte ich, arbeiten wir nun die Warteliste ein wenig ab.

Wer sich nicht zu viel Spannung aus dem relativ unaufgeregten Plot herausnehmen möchte, sollte einen Bogen um den Trailer machen, der andererseits aber wiederum sehr gut das Wesen dieses Films zum Besten gibt. Nicht umsonst ist Porträt einer jungen Frau in Flammen ein gefeierter Insider bei Arthouse-Fans und bekommt zu Recht genügend Aufmerksamkeit zugespielt.

Noémie Merlant und Adèle Haenel vertiefen sich hier in die verflochtenen Entdeckungen des gegenspielerischen Charakters, wobei sich die beiden immer mehr aneinander annähern und dabei die tiefen Tiefen menschlicher Empfindungen entdecken und auf eine sehr stilvolle und ambient-lastige Weise zelebrieren.

Man spürt sehr deutlich, welche schöpferische Kraft hier der Kunst zugesprochen wird und feiert diese Form der Weltwahrnehmung durch sensationell ausgestaltete Kameraeinstellungen und sehr gesichtsbezogene Darstellung. Dabei steht kaum im Weg, dass die Abhandlungen bereits einige Jahrhunderte in der Vergangenheit liegen, denn das schafft Platz, um sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können und ermöglicht dem Zuschauer, die Szenerie frei von politischen und modernen Einflüssen zu genießen.

Die prekäre Schärfe und kantige Art, die von beiden hierbei auf die Leinwand gebracht wird, ist zu Recht preisverdächtig und wurde in Cannes bereits in Form des besten Drehbuchs ausgezeichnet.

Hier zeigt sich einmal mehr, dass es doch möglich ist, ein sensationelles Drehbuch zu verfassen, eine Gabe, die ich in unserem Land noch schmerzlich vermisse.

Definitiv mitnehmen, wahrlich prachtvolle Inszenierung einer unglaublichen Annäherung in einem Metier, das wohl keiner aus seinem Alltag kennen dürfte.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 31. Oktober 2019

Original Title: Portrait de la jeune fille en feu
Length: 122 Min.
Rated: FSK 12

Diesen Film kaufen auf:
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Bluray: https://amzn.to/2Zje2Cj
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Lassie – Eine abenteuerliche Reise

© 2020 Warner Bros. Ent.

Nicht nur, weil sowieso jeder mit Tenet beschäftigt ist, sondern auch, weil mich einige schon vor einigen Wochen danach gefragt haben: Hier kommt sie endlich – die Kritik zu Lassie, dem allseits bekannten Hunde-Kinder-Film.

Ich bin an die Sache ziemlich voreingenommen rangegangen – und zwar aus zweierlei Perspektiven: Einerseits habe ich durch Bailey einen ziemlich mieses Kindheitstrauma 😉 und auch andere Hundefilme haben mich nicht zwingend überzeugen können und immer so ihre Hürden zu überbrücken gehabt, was mal gut, mal weniger gut funktioniert hat … andererseits bin ich absoluter Fan von Sebastian Bezzel, der hier ja eine starke Rolle verkörpert, mit der man mich eigentlich immer sofort kriegt.

Aber: Der Film will ja eigentlich den Fokus auf Lassie legen, also bewerte ich das (als Katzenmensch) jetzt mal aus der Perspektive des Hundes.

Und da hat man in effectu richtig gute Arbeit geleistet. Der Streifen nimmt sich Zeit, um die Natur, das wallende Haar, die Schönheit einer ganz eigenen Welt gebührend darzustellen und gibt dem Kinozuschauer ausreichend Freiraum, um das auch gebührlich zu zelebrieren.

Daneben ist das Zielpublikum tatsächlich jüngerer Generation, für die die Welt auch noch nicht nach realen Maßstäben funktioniert und bei „kleinen Ereignissen“ eine ganze Galaxie zusammenbricht – und im Rahmen dessen hat man die Problematiken auch sehr gut rausgearbeitet und mit Lösungsmöglichkeiten präpariert, die für mich in diesem Zusammenhang auch nicht aus dem Rahmen schlagen, sondern insgesamt tatsächlich ein sehr rundes, stimmiges und genießbares Bild abgeben.

Summa summarum war ich wahrlich recht angetan von dem Streifen und kann ihn euch auch besten Gewissens empfehlen, sofern ihr danach jagen solltet: Geht in die VoD-Portale oder zieht ihn euch auf DVD oder Blu-ray rein, sofern ihr mit Nachwuchs gesegnet und auf der Suche nach einer brauchbaren Nachmittagsunterhaltung seid.

Trotz großer Vorurteile, mit der ich an die Sache rangegangen bin, sehr überzeugend, berührend und gut gemacht: Man nimmt sich Zeit für Natur und stellt das Hunde-Kinder-Leben fantastisch dar. Daumen hoch!

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | wartet noch mit ein paar “Schaustellerbildern” auf, danach darf man den Saal aber gerne verlassen.

Kinostart: 20. Februar 2020

Original Title: Lassie – Eine abenteuerliche Reise
Length: 106 Min.
Rated: FSK 0


Tenet

Tenet - Filmplakat
© 2020 Warner Bros. Ent.

Am Mittwoch war es endlich soweit und Großmeister Christopher Nolan brachte seinen lang erwarteten Film Tenet endlich ins Kino.

Vieles hat sich seitdem geändert. Man spürte in der Vorstellung, dass Kino die ganze Zeit eigentlich auf Pause stand und kein Material auf der Leinwand gezeigt wurde, welches auch nur annähernd den Anspruch von ihm erreicht und die Stärken und Größen von Kino ausspielen kann.

Bereits in der Einführungssequenz wurde man als Zuschauer schon wieder mit Eindrücken und geballter visueller Kraft erschlagen, so dass unmissverständlich klar gemacht wurde: ab jetzt läuft es wieder anders.

Der ganze Film strotzt vor einem Übermaß an Eindrücken, Verflechtungen, Verschachtelung und erfordert solch ein immenses Ausmaß an geistiger Wachsamkeit, die nahezu ausgeschlossen bei einem Menschen in dieser Form vorhanden sein kann.

Damit gelingt Nolan der Schachzug, den Kinos tatsächlich Material in die Hände gespielt zu haben, welches das Publikum wieder anlockt, denn: man muss den Film nicht nur drei oder vier mal gesehen haben, um überhaupt begreifen zu können, was da gerade passiert ist.

Und an dieser Stelle spreche ich rein von dem Geschehen der Erzählung und noch nicht davon, weitere Verbindungen oder Querverweise erkennen zu können. Die stecken nämlich ebenfalls hinter jedem ach nur erdenklichen Winkel, was es selbst erfahrenen Kino-Freaks unmöglich macht, alles bereits nach wenigen Malen Film zu erfassen und zu verstehen. Die zahlreichen Twists im Plot, die sich mit der Zeit neben immer neuen Verwirrungen hier und da auflösen, überraschen mit geistigem Einfallsreichtum und einem wahnsinnig ausgeklügelten System, was abermals zeigt, welch hingebungsvolle kreative Kraft in diesem Regisseur steckt.

Tenet ist nicht dafür gemacht, einmal gesehen und dann abgehakt zu werden, selbst wenn das ebenfalls befriedigend sein kann, da der Film weder an Action noch an großartiger Unterhaltung spart. Ich wette, Leute wie wir, die kinobesessen sind, werden bis ins hohe Alter diesen Film immer wieder sehen können und dabei jedes Mal neue Querverweise und versteckte Easter Eggs entdecken können.

Eine Sache sollte ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: das Schauspiel von Robert Pattinson. Dieser Mann liefert in diesem Film eine derartig brillante Schauspielleistung, die ihn endgültig aus seiner Rolle, mit der er groß geworden ist, enthebt und zu einem der wertvollsten Schauspieler unserer Generation macht.

Nun wissen wir, weshalb dieser Film so lange gebraucht hat, um endlich releast zu werden: dafür braucht es die Möglichkeit, in kurzer Zeit relativ häufig ins Kino zu gehen und ihn sich immer wieder ansehen zu können. Und nachdem man oft genug auf großer Leinwand mit viel Platz zum Suchen die Chance hatte, diese brachiale Wucht auf sich wirken zu lassen, kann man dann in tiefere Recherchen vorgehen und ihn sich wieder und wieder zu Hause anschauen.

Deshalb ist es auch gut, dass keine anderen Filme im Kino starten, denn wir Zuschauer haben jetzt erst einmal richtig viel zu tun, um dieses Werk auch nur annähernd zu begreifen und zu verstehen.

Keine Angst, wenn man bereits nach 10 Minuten aussteigt, zu verstehen, wer was wie warum und wo: Schaut es durch. Löst noch ein Ticket und geht wieder rein … und dann wiederholt das ein paar Mal. Wir haben Zeit, bis der nächste große Film im Kino startet … und genau die werden wir auch brauchen. Großartig!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht ausharren, hier folgt dann nichts weiter.

Kinostart: 26. August 2020

Original Title: Tenet
Length: 150 Min.
Rated: FSK 12


Fragen Sie Dr. Ruth

Fragen Sie Dr. Ruth - Filmplakat
© 2020 Filmwelt

Wie geht‘s euch, wenn ihr das Plakat seht: Bock auf den Film? Kribbelt‘s schon in den Fingern, endlich das Kinoticket zu holen?

Ganz ehrlich? Mir ging’s genauso: Ich kannte weder die Frau, noch die Hintergründe, noch irgendwas anderes. Dazu rosa (absolut meine Farbe O_O) und äh … einfach nein.

Bis ich den Stream geordert habe und zugesagt, dass ich einen Beitrag darüber machen werde… eigentlich nur aus Mangel an Alternativen, da momentan zwar viel über die Leinwände flimmert, aber eben nix „aktuelles“.

Und was soll ich sagen: Äh … JA? 😀

Leute, ganz im Ernst: Ihr werdet euch in diese Frau verlieben! (Und ja, ich bin immer noch gay, und sage das!)

Allein ihre quirlige, lebensfreudige und absolut gesunde Seele ist ein Quell der Erquickung und geistigen Auftankens. Sie versprüht so viel Eifer, Freude, Liebe, Hingebung und Vitalität, dass man es kaum zu glauben vermag.

Lasst euch von diversen Adjektiven und Attributen nicht abschrecken, die euch im Zuge dieser Berichterstattung möglicherweise begegnen werden: Alles halb so wild, denn auch diese Themen werden mit so viel Feingefühl und Ehrfurcht aufgearbeitet, dass keine Gründe bestehen, diesen Film nicht definitiv sehen zu wollen.

Sex sells? – Ich würde eher sagen, es ist ihr Charme, ihr Lachen, diese – mit 92 Jahren – immer noch vorhandene, ungebrochene Kindlichkeit im Körper eine vitalen Dame, die eines wirklich kann: Ihren Mund aufmachen und die Dinge ansprechen.

Der Film sprüht förmlich davon, was passiert, wenn man einfach ehrlich zueinander ist und die Dinge auf den Punkt bringt – und ja, ich war schon immer Fan davon, dass Leute dies grundsätzlich tun.

Sie hat nicht nur diversen Widerlichkeiten getrotzt (Und das ist wirklich keine „Buhu“-Doku), sondern die Welt maßgeblich verändert… und tut dies bis heute.

Lasst euch diese Perle auf gar keinen Fall entgehen – niemand wird es anschließend bereuen! Promise!

Der Weg in den Kinosaal mag durch diverse unsinnige Gedanken gepflastert und damit ein holpriger sein, aber spätestens 10 Minuten nachdem der Film läuft, seid ihr Fan von ihr: Dr. Ruth hat die Welt definitiv zu einer besseren gemacht – und ist bis heute das pure Leben selbst. Anschauen!

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Sitzen bleiben, es kommen noch ein paar Ausschnitte

Kinostart: 27. August 2020

Original Title: Ask Dr. Ruth
Length: 100 Min.
Rated: FSK 6


Elvis: That‘s the Way it is

Corona füllt Lücken… und holt dafür immer neue Schätze aus alten Truhen hervor, um die Zuschauer zurück ins Kino zu bringen. Einer davon: Dieser Film, der einmal überraschend anders das weltbekannte Musik-Phänomen Elvis zeigt: Und zwar nicht als Dokumentation á la „Wir kannten ihn und standen hier am Balkon und haben ihm zugewunken, hach, was waren‘s für geile Zeiten“, sondern ganz unspektakulär, authentisch und hautnah ohne den üblichen Klatsch-Charakter.

Zu Beginn beschäftigt man sich mit der Person selbst, indem der Zuschauer ihn bei seinen Proben erleben und sich so selbst ein Charakterbild erstellen kann ohne dabei vom Autor geführt zu werden. Anschließend wandelt sich der Film quasi in einen Konzertmitschnitt um, bei dem altes Original-Material digital remastered auf die Leinwand kam … und zwar bereits im Jahr 2001.

Anlässlich seines 50. Jubiläums wurde der Streifen nun erneut zurück ins Kino geholt und begeistert einmal mehr neue Generationen von diesem Phänomen und macht es auch für heutige Zeiten greifbar.

Das Interessante dabei ist, dass aus einem einfachen „Musikvideo“ nun auf einmal ein zeitgeschichtliches Dokument wird, das eben nicht nur das musikalische Erbe weiterträgt, sondern ebenfalls aufzeigt, wie die Welt in Teilen damals funktionierte. Angefangen mit Bekleidung über Saaldekoration oder einfach nur die Art und Weise, welche Bedeutung Sänger damals auf der Bühne hatten … man spürt den Geist der 70er und erlebt, in welch kurzer Zeit (was sind schon 50 Jahre) sich die Welt kolossal gewandelt hat.

Definitiv einen Einblick wert, der nicht nur grandiose Musik offenbart, sondern ein wunderbar unaufgeregtes Portrait eines der größten musikalischen Legenden erstellt, die es je gegeben hat.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Bei so etwas bleibt man immer sitzen. Das habt ihr doch jetzt schon gelernt, oder? 😉

Kinostart: 2. August 2001

Original Title: Elvis: That‘s the Way it is
Length: 92 Min.
Rated: FSK 0


Mossad

Mossad - Filmplakat
© 2020 Kinostar Filmverleih GmbH

Mossad, Israel – was kommt euch da als erstes in den Sinn und woran denkt ihr, wenn man euch diese Worte sagt?

Bei „Freunde der Nackten Kanone“ wird dann schon eher klar, in welche Richtung es hier geht und wenn ich dazu gezwungen wäre, den Film mit einem Term zu umschreiben, würde ich sagen: Das ultimative „Sich-Nicht-Selbst-Ernstnehmen“.

Hier kommt so viel Scheiß zum Vorschein, der so Austin-Powers-mäßig deppert ist, dass man gar nicht anders kann, als darüber zu lachen. Und es verwunderte mich mehrfach, wie tief man in die Kiste der Kalauer greifen und scharfzüngige Parodien da rauszaubern konnte, die nicht nur konsequent und unaufhörlich sich selbst auf die Schippe nehmen, sondern das ganze Filmbusiness gleich mit.

Man kennt im Lauf des Lebens so viele Streifen, man lernt unmissverständlich diverse Regeln kennen, denen sich die Machwerke immer wieder unausgesprochen selbst unterwerfen, man hält sich an das, was man irgendwann mal irgendwo auf der Filmhochschule oder durch‘s Sichten von 100.000 Movies beigebracht gekriegt hat und am Ende kommt immer der gleiche Einheitsbrei raus, mit dem sich Hollywood schon seit Jahren relativ treffend umschreiben lässt.

Das hier ist etwas völlig anderes. Und dabei greift eine Art von Humor, die ich schwer zuordnen kann: Türkisches Kino trifft es nicht ganz (die sind zwar auch ziemlich over-the-top, aber auf eine andere Art) und mit dem üblichen westlichen Klischees a la „Französische Komödie“ oder ähnlichem kann man das auch nicht vergleichen: Israel hat da seit jeher einen sehr spitzen, kantigen und absolut genüsslichen Spaßcharakter, der hier auch weit über die Stränge schlägt, dabei aber niemals die Wohlfühlzone des Zuschauers mit Füßen tritt oder herausfordert.

Und die Gaudi zieht sich hin vom Titel über Charaktere, durch den Plot, Twists und Wendungen bis tief hinein in den Abspann: Also bleibt definitiv mit offenen Augen sitzen und schaut, ob ihr es schafft, wirklich alle Anspielungen und Gags zu erfassen und zu verstehen… ich wette dagegen 😉

Hochkarätiger Klamauk: Die Mutter der Selbstironie, die nicht nur sich persönlich, sondern das ganze Filmbusiness auf die Schippe nimmt und dabei erstklassig unterhält.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Definitiv sitzen bleiben und auch mitlesen: Es folgen nicht nur immer wieder Szenen, sondern sind auch unzählige Gimmicks im Text versteckt!

Kinostart: 13. August 2020

Original Title: Mossad
Length: 95 Min.
Rated: FSK 12


Master Cheng in Pohjanjoki

Master Cheng in Pohjanjoki - Filmplakat
© 2020 MFA+ FilmDistribution

Was ist das Problem mit unaussprechlichen Filmtiteln? Die Mundpropaganda versagt.

Sagt einfach Master Cheng – dann sollten alle Bescheid wissen. Aber: Geht rein… dann wisst ihr nämlich selbst, warum dieser Streifen empfehlenswert ist.

Man nimmt sich nicht mal einfach nur Zeit, um die ganze Krankheit unserer Ära und der Welt für ein Weilchen zu vergessen, sondern serviert mit viel Liebe, Drama und natürlicher Schönheit ein Leben jenseits von Tod und Verderben. Master Cheng in Pohjanjoki zählt zu den Werken, bei denen man sich gemütlich zurück ins klimatisierte Kino verziehen, die Füße hochlegen, ein eiskaltes Getränk genießen und die Show verlustieren kann: Man findet definitiv zurück zu seiner inneren Gemütsruhe und seelischen Ausgeglichenheit und hat das Gefühl, dass alles wieder gut wird.

Dass dabei in so vielen unterschiedlichen Gefühlslagen geschwärmt, gelobt, geliebt und zelebriert wird, eröffnet für den Zuschauer ein Bad voller positiver Gefühle. Man merkt so oft, wie zielgerichtet die Macher hier auf die pure Romantik und emotionale Verliebtheit zurückgegriffen haben, denn manchmal braucht es gar keinen Plot, sondern allein die Bildeinstellungen und Natureindrücke reichen, damit es einem in diesen Momenten einfach nur gut geht.

Untermalt ist diese ausgelassene Gemütlichkeit von dem filigranen finnischen Charme, den man schon aus so manch anderem Streifen kennt, der hier aber so unterschwellig und fundiert auftritt, dass nicht das Gefühl von verkrampftem Humorzwang aufkommt, sondern man hat echte Glücksgefühle bei der Sache und kann sich voll in die Story abgleiten lassen.

Und wenn ihr danach Hunger habt: Wie wär‘s mit asiatisch? 😉

Mit sehr viel Liebe, Romantik und natürlicher Schönheit umhüllt man die Seele des Zuschauers und sorgt für ein ausgeglichenes, seelisches Gleichgewicht – ein Film, den man sich definitiv nicht entgehen lassen sollte.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 30. Juli 2020

Original Title: Mestari Cheng
Length: 114 Min.
Rated: FSK 6


Downhill

Downhill - Filmplakat
© 2020 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Will Ferrell ist für mich ein zweischneidiges Schwert: Entweder sind die Filme mit ihm hammergeil oder eher unlustig und irgendwie seltsam … und meist eher letzteres.

Downhill verbinde ich nun erstmal mit sportlichen Aktivitäten und dachte mir: Entweder wird‘s irgendwas in Richtung Rennen, Wettbewerb oder Sportfilm, oder: Es geht in Richtung Horror, was ich mir bei Ferrell dann aber eher wieder weniger vorstellen kann.

Wer genau hinsieht, der liest den Untertitel: “Ein etwas anderer Katastrophenfilm“, was es im Nachhinein dann exakt auf den Punkt bringt: Hier ist nämlich alles komplett anders… bis hin zum Katastrophen-Typus, der in eine Richtung geht, die nun wirklich absolut überhaupt keiner an dieser Stelle erwarten würde.

Nach Ferrellscher Manier wird auch hier wieder an Comedy-Einlagen nicht gespart und man hat definitiv seine witzigen Momente, schlittert allerdings – wie das in den Bergen so oft der Fall ist – in Gänze doch ein wenig am Ziel vorbei respektive weiß einfach nicht, wohin das alles führen soll.

Mir fehlt da ein wenig der rote Faden. Das Streben nach irgendwas, worauf man hinaus möchte, eine Tendenz oder etwas, worauf man hinarbeitet und es dann am Schluss auflösen möchte: Das ist zwar irgendwie da, aber irgendwie auch nicht. Was mich wieder zurück zum Anfang führt: Irgendwie ist der Film witzig, irgendwie aber auch nicht.

Und diese Halblebigkeit stört. Man ist zwar nicht enttäuscht, dass man den Titel gesehen hat, aber definitiv verstört, warum das jetzt nun alles gedreht wurde.

Hier kommen dann wieder meine kapitalismuskritischen Augenblicke ins Spiel: Es ist natürlich eine Huldigung an das „schöne Österreich“ und wie geil hier alles aussieht und wie toll man – auch als Ami – hier doch Filme drehen kann und Kohle in die Regionen bringen.

Unter diesem Gesichtspunkt könnte man durchaus ein wenig Aggressionen aufbauen, denn das offensive Bewerben dieser Region ist allzeit gegenwärtig und war mir stellenweise fast schon ein wenig zu viel – aber ich kann das als jemand, der in solch einer Gegend lebt und wohnt, kaum objektiv einschätzen, vielleicht geht es anderen an dieser Stelle ja anders.

Wenn man das Gros der Filme von Will Ferrell kennt, kann man relativ gut abschätzen, was hier geliefert wird: Es ist nicht dumm-lustig, sondern hat ein gewisses Niveau, plätschert aber mit einer gewissen Orientierungslosigkeit dahin und darum betören eher die landschaftlichen Augenblicke und Naturphänomene. Als ein Film, der offensichtlich eine ganz andere Intention hegt, ist dies natürlich suboptimal und sorgt für gewisse Verwirrung beim Verlassen des Saals.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Es folgen noch einige Outtakes, danach ist Schluss.

Kinostart: 20. August 2020

Original Title: Downhill
Length: 87 Min.
Rated: FSK 6