Mai 22, 2022

.kinoticket-blog.de

| highest standard in cinema addiction |

Petite Maman – Als wir Kinder waren

Petite Maman - Filmplakat
© 2022 Alamodefilm

Wie oft hab ich jetzt schon den Text zu diesem Titel geschrieben, wieder verworfen, neu geschrieben, gelöscht, überdacht, mir noch ein paar Kritiken angesehen und durchgelesen, um nicht ganz so boshaft rüberzukommen? Was sollen wir jetzt machen? Alle unsere notgeilen Möchtegern-Eliten-Schwingkeulen aus dem Keller holen und mit Phrasen um uns werfen, beginnend mit dem 2019er Erfolg der Regisseurin Céline Sciamma, die mit Portrait einer jungen Frau in Flammen einen wirklich gelungenen Titel hingelegt und damit das Stilmittel ausgeschöpft und verbraucht hat?

Nun – dominiert durch das Stillhaltepotenzial eines Lockdowns – forciert sie ihre alten Erfolge in einen neuen Film und missbraucht dabei wieder mal das „Kleine Kinder machen alles noch etwas wichtiger“-Dogma, ohne dabei aber auf Schauspiel-Jünglinge zurückzugreifen, die auch wirklich Aussagekraft oder auch nur annähernd etwas Magisches an sich hätten, das eine verbal- oder darstellerisch magnetische Wirkung auf den Zuschauer haben könnte.

Kurzum: Sie hat’s in meinen Augen gehörig verkackt und wird dafür von der Feuilleton-Wichser-Elite gefeiert, als gäbe es kein Morgen mehr. Schluss damit!

Erstmal der Plot: Selten hab ich ein dämlicheres Gefüge von Zeit und Raum in einem Film so dermaßen lieblos dahingeklatscht gesehen und mir parallel dazu Kritiken durchgelesen, die von „goldgelb“ und „rostrot“ sprechen und dabei die „magische Brillanz“ dieser Regisseurin abfeiern. Echt, was is‘ los mit euch?

Es gibt im Kino inzwischen genügend Timetravel-Thematik, die Spannung erzeugt, tatsächlich zu Gedankenreisen anregt oder die Fantasie beflügelt, aber das hier? Ist langweiliger und seelenloser als verdorrtes Laub im Winter, wenn sich alle nur noch nach dem Schnee umsehen. Wer hier tatsächlich von „Plot“ oder „Twist“ oder „Überraschung“ spricht, gehört mit Stahlstiefeln aus dem Kino gekickt, denn der hat noch nie einen Film gesehen und ist weit weg von dem, was selbst Kinogegner wissen, die im Jahr nur 2x von Freunden unfreiwillig ins Innere gezerrt werden und der Handlung halbwegs folgen können.

Die Thematik ist so dermaßen leer, langweilig, verödet und eingegangen, das man eigentlich gar nicht weiß, was man hiermit anstellen soll. Tja, wir haben nix, können keine Menschen versammeln, haben keine Studios, können keine Animationen einsetzen, haben keinen Kontakt zu fähigen Drehbuchschreibern, sondern nur ein einziges Haus, einen Wald und äh ne Kamera – auf zum nächsten Blockbuster.

Seriously?

Bei Worten wie „unprätentiös“ kommt mir dann die Galle hoch, das heißt einfach nur einfallslos und lame, aber nicht unprätentiös und gewollt so. Man hatte keine Ideen und meint wirklich, um dieses „Drama“ ein Drama herumschreiben zu können, was den Zuschauer dann in seinen Bann fesseln soll.

Selbst Befürworter des Films halten ihn stellenweise für zu lang (was mit 73 Minuten eine tatsächlich gewagte These in Zeiten ist, in denen Filme auch gerne mal 3 Stunden dauern und man halt nichts von der davon schwindenden Zeit merkt!) und erklären das dann wieder mit „Der Zuschauer braucht eben Zeit, um mit sich selbst ins Reine zu kommen und über seinen eigenen Fall nachdenken zu können“ – ähm, nein? Die hat er hinterher ausreichend, wenn die Message so dermaßen das Hirn wegknallen würde, dass er noch Tage dazu braucht, um den Stoff zu verarbeiten?

Aber da sind wir wieder beim Kernproblem: Welcher Stoff? Mädchen geht ihn den Wald und spielt, während man sich direkt in den Anfangsminuten selbst spoilert und zu dem schlimmsten Stilmittel aller Zeiten greift?

Oh, hab ich jetzt etwa den ganzen Film in einem Halbsatz gespoilert? Tut mir leid, war hier nicht mal irgendwas mit spoilern und so?

Ganz ehrlich: Die gequirlte Scheiße, die sich dazu die Mehrzahl derer aus den Fingern saugen, die das Teil bereits gesehen haben, stinkt schlimmer als 3 Jahre eingelagerte Kuhfladen in einem heißen Ofen. Man möchte „metaphysisch“ sein, die „Beziehungen zur Mutter herstellen“ … oh mann! „Ich sehe tote Menschen“-Kidboy hatte ne bessere Beziehung zu seinen Monstergeistern als dieses Kind zu seiner eigenen Mutter herstellt.

Und dazu dann noch dieser geskriptete Bullshit, den Kinder niemals eigenständig von sich geben würden. Man möchte ja die Gebildeten ansprechen. Ein höheres Selbst. Zeigen, wie wichtig man ist und welche durchtriebene geistreiche Ebene man inzwischen angesteuert hat. Wundert mich fast ein bisschen, dass man nicht auch noch zu dem inzwischen allseits beliebten Stilmittel schwarz-weiß zurückgegriffen hat, um diesem Metier noch etwas näher zu rücken und noch etwas „prätentiöser“ zu beweisen, wie geil man eigentlich ist. Aber dann hätte ja keiner mehr „Kinomärchen“ geschrieben. Buhu.

Ganz ehrlich? Ich hab lange nicht mehr so einen Bullshit gesehen, der so dümmlich, einfallslos, lieblos und nichtssagend war und zwanghaft versucht, diese Leere 73 unerträglich lange Minuten in die Länge zu ziehen, um daraus dann etwas zu machen, das nicht mehr als „Short Movie“ bezeichnet werden kann, sondern als feature film durchgehen muss.

Und mir zu erklären, dass Effekte oder Bildsprache oder einfachste Dinge, die etwas mehr Spannung oder Leben in die ganze Sache hauchen, davon ablenken würden, die „Aussage“ (moment kurz, bin kurz kotzen!) des Films zu begreifen, der äh …. was red ich hier überhaupt. So viel Hirn existiert in den Köpfen derer doch gar nicht, die dieses Werk abfeiern und sich selbst dabei nicht zuhören können (Multitasking erfordert eben auch so manche Kompetenz), was sie da eigentlich für einen gequirlten Müll von sich geben!

Also geht rein – oder lasst es. Aber behauptet hinterher nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

.kinoticket-Empfehlung: Bart Simpson würde von hinten laut „Laaaaaaaaaaangweillig“ rufen und ich bring es auch kurz auf den Punkt: Einfallslos, langweilig, öde. Vom Inhalt, von der Umsetzung, von den Darstellern, von Mimik, Gestik, Ausdruck, einfach alles an dem Ding ist langweilig. Kuck dir ne Sepia-Postkarte von einer alten, verlaubten Scheune an, dabei hättest du wenigstens mehr Spaß und Abwechslung. Mit Menschen, die das gut fanden, solltest du besser kein Bier mehr trinken gehen. Metaphysisch gesprochen!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | FLIEHT, IHR NARREN!

Kinostart: 17. März 2022

Original Title: Petite maman
Length: 73 Min.
Rated: FSK 0