Februar 3, 2023

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Press Play and Love Again

Press Play and Love Again - Filmplakat^
© 2022 Splendid Film GmbH

Es ist 2023. Noch nie hat man sich vor neuen Jahreszahlen so gegrämt, war verbittert oder hoffnungslos, irgendwie … brennt die Luft, oder?

Die letzten drei Jahre waren für die neuen Generationen irgendwie anders, herausfordernd, nicht „zeitgemäß“. Das wohlbehütete Kindsein ist einer verantwortungsvollen Stille gewichen, die man aushalten muss, das „ganz normal groß werden“ einem „Was machen wir, damit die depperten Alten endlich auf uns hören und unseren Planeten ganz lassen?“. Die Jugend kämpft und wird von konservativem Nichtstun in Rage gebracht.

Und beobachtet, wie sich alle Welt aufregt, wenn sie etwas am Alltag ins Stolpern bringen wollen, um sich Gehör zu verschaffen und ihre Agenda ins aktuelle Licht zu rücken – und uns? Wunderts. Ärgerts. Bringt es selbst in Rage, statt die Dinge einfach zu erledigen, die schon seit Jahrhunderten auf der Liste stehen, die bislang nur keiner wahr haben wollte.

Dann das ganze Kriegs-Ding, dieses neue Gefühl in der Luft, wenn man raus an den Horizont schaut und feststellt: Irgendwie haben sich wirklich grundlegende Dinge im Leben radikal verändert und man wünscht sich ein „zurück“, das es nie geben wird. Der Verstand weiß das – aber das Herz will es nicht wahr haben.

Warum ich das erzähle?

Press Play and Love Again ist der passende Film dazu. Nicht, weil er gut ist, sondern weil er genau dieses Gefühl filmischerseits in sich trägt und versucht, an alten Dingen festzuhalten, die heute längst keinen Bestand mehr haben.

Wenn selbst dein Tee-Lieferant zum Jahreswechsel mit ner aktuellen Spotify-Playlist ums Eck kommt, brauchst du kein Vinyl mehr feiern, sondern kannst dich entspannt zurücklehnen und endlich mal drüber nachdenken, ob du nicht vielleicht doch mal was mit Apple Music machst und dich damit mal auseinandersetzt.

Irgendwie hab ich das als Kind extrem gefeiert, wenn im Film irgendwas absolut Unrealistisches auf einmal „Wahrheit“ wurde und man dann in neuen Gepflogenheiten fest hing und die im Laufe des Films irgendwie lösen musste, um eine gewissermaßen wieder „normale“ Realität herzustellen.

Aber: Dieser Fundus an Erfahrung zieht im heutigen Zeitalter irgendwie nicht mehr – und genau so überholt wirkt auch der Film. Man versucht sich erneut an seltsamen Dingen (die ehrlich gesagt noch nie so richtig geklappt haben und immer auf „bittersüße Beigeschmäcke“ getroffen sind) und sagt sich: Okay, gehen wir mal in das Plot-Labyrinth, wird schon irgendwie gut gehen, notfalls zoomen wir halt mit der Kamera wieder raus, dann passt’s schon.

Als Zuschauer hat man aber eher das Gefühl, man verirrt sich da ein ganz klein wenig und verliert nicht nur die Logik, sondern irgendwann auch den Verstand, den Grund und Sinn hinter all dem.

Und wie wird sowas im Kopf vom Zuschauer beantwortet?

Richtig – mit Egalität. Mit banalem „Ist mir egal“.

Natürlich wird es diejenigen geben, die anno dazumal festhängen und keinen anderen Ausweg sehen, als ständig auf „Repeat 1“ zu drücken und dann so zu tun, als wäre die Zeit stehen geblieben. Dass dieserlei Forderungen nicht funktionieren, erleben wir bei gewissen Individuen ja häufiger in unserem Alltag, denn die Welt hat sich verändert und es gibt wirklich kein zurück mehr. Nur vorwärts.

Ob man sich den Film nun als „nostalgische Erinnerung“ liebevoll ins Regal stellen und heimlich alleine zu Hause schauen möchte, bleibt euch überlassen. Zuträglich zum „Wir gehen endlich in die Zukunft“-Gefühl, das ich im Kino gerne sehen möchte und diese Kulturform ehrlich gesagt auch dringend notwendig braucht, ist dieser Film keineswegs.

.kinoticket-Empfehlung: Hält an Altem fest, versucht, nostalgische Ideen neu zu beleben und trifft damit kein Publikum. Irgendwie verliert sich der Plot in sich selbst und am Ende weiß man irgendwie gar nix mehr und hat auch kein besseres Gefühl bei der Sache. Wäre 1990 als „ganz okay“ durchgegangen, wirkt 2023 aber eher „einfach nur überholt“.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 16. Juni 2022

Original Title: Press Play
Length: 85 Min.
Rated: FSK 6

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