Dezember 6, 2021

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Saw: Spiral

Saw: Spiral - Filmplakat
© 2021 StudioCanal

Wo sind die neuen Ideen?

2003 erschuf James Wan mit Leigh Whannell einen 10minütigen Kurzfilm, heuerte damit bei den Studios an und gewann Lionsgate als Geldgeber, um diese für Horrorfilmfans durchaus grandiose Idee als abendfüllenden Spielfilm auf die Leinwände zu bringen.

Hab ich es gefeiert? Oh ja! Selten so viel Brutalität mit einer immens hohen Moral zusammengepeitscht in einem Streifen miteinander verheiratet gehabt, was zusätzlich einen selbst noch extrem zum Nachdenken anregt.

Inzwischen blicken wir auch hier (wieder einmal) auf eine endlos lange Schlange an immer schlechter werdenden Produktionen zurück:

Saw (2004)
Saw II (2005)
Saw III (2006)
Saw IV (2007)
Saw V (2008)
Saw VI (2009)
Saw 3D – Vollendung (2010)
Jigsaw (2017)

Und nun eben Saw: Spiral (2021), dem bereits ein Nachfolger (Saw X) zugesagt wurde.

Manch Konservativer mag sich nun einen Trailer einer dieser Filme anschauen, sich geschockt bekreuzigen und fragen, was einen Menschen so kaputt machen kann, dass man so etwas feiert.

Genau das prangere ich seit Saw II an der Reihe an: Der Original-Mörder war immer „fair“. Bot den Probanden seines diabolischen Spiels immer eine faire Möglichkeit, ihr Leben zu retten, wenn dadurch gewisse Verhaltensweisen dauerhaft geändert wurden.

Dass das keine „normale“ Art und Weise ist, Menschen zu besserem Handeln zu bewegen, brauch ich nicht erklären? Immerhin bewegen wir uns hier im Horrorfilmgenre, wo es alles andere als realistisch zugeht und die man niemals als Vorbild für unsere Welt nehmen sollte. Und genau das stach im ersten Teil so aus der Masse der sonst eigentlich permanent miesen C-Movies raus: Endlich mal Hirn, endlich mal Verstand, endlich mal jemand, der mit seinen kruden Aktionen auch etwas bezwecken wollte, das man ethisch einsortiert nicht wirklich verurteilen konnte.

Ab Teil 2 ging’s dann los: Die Handlung wurde platt, ungestüm, zusammenhanglos und irgendwo überflüssig … mehr und mehr bekam man als Zuschauer das Gefühl, hier bloß ein Alibi für möglichst grausame Morde hinzuwichsen und wieder eher den Voyeurismus des Tötens zu befeuern (den Jigsaw selbst vielmehr verurteilt hätte).

Warum ist es trotzdem gut, dass solche Filme produziert wurden?

Hand in Hand mit diesem „blutspritzenden Event“, welches in den ersten Jahren auch immer zu Halloween releast wurde, gab es nämlich den sogenannten Halloween Blood Drive, bei dem die Darsteller des Films zum Blutspenden in ganz USA und Kanada aufriefen und die Spender:innen dafür jeweils ein gratis Eintrittsticket für den aktuellen Film erhielten.

Damit wurde thematisch eben nicht nur auf der Leinwand Blut gelassen, sondern auch im echten Leben … und damit hunderttausenden Menschen das Leben gerettet.

Und hiervor ziehe ich meinen Hut und sage: Produziert weiter.

2021 macht nun erstmalig einige Dinge anders. Aufgrund der pandemischen Gegebenheiten ist Saw: Spiral der erste Film, der nicht im Oktober und damit nicht im Umfeld von Halloween releast wurde und damit eben auch erstmalig kein Teil dieser Blutspende-Aktion ist.

Zeitgleich orientiert man sich auch etwas um und bringt z.B. mit Chris Rock eine Figur ins Spiel, die dem inzwischen extrem angestaubten Genre wieder mächtig humoresken Wind einhaucht und am Anfang des Films für schlagkräftige Frische sorgt, was Plot, Darsteller und das ganze Saw-Universum angeht. Man bekommt richtig Bock drauf, schlingert aber recht schnell in den miesesten Teil über, den ich in dieser Reihe je gesehen habe.

Die Szenen des Films, die den „Plot“ voranbringen sollen, paaren sich überhaupt nicht mehr mit den Tötungsmechanismen und auch die sind inzwischen lieb- und einfallslos geworden. Es plätschert irgendwie alles seicht vor sich hin, der Vielseher gähnt recht schnell und errät alles im Voraus und auch die „Moral“ ist im Endeffekt keine: Man verrät das Erbe von Jigsaw und macht sich damit selbst zu einem Kandidaten seiner Spiele.

Und die Getöteten haben keine Chancen mehr. Es ist ein reines, unfaires, unethisches Abschlachten zugunsten voyeuristischer Befriedigung geworden, was den ursprünglich angedachten Twist dieser Reihe mal eben ins Gegenteil verkehrt und sich somit selbst verrät.

Und da nun dieses Jahr noch nicht mal „Gutes“ im Hintergrund damit getan wird, kann man das erste Mal keine Sichtungsempfehlung für diesen Film aussprechen.

.kinoticket-Empfehlung: The good old days sind wohl vorrüber: Das Erbe wird mit Füßen getreten, der anfangs geniale Einstieg zurück in die Welt des Abschlachtens verkehrt recht schnell in eine ziemlich langweilige, vorhersehbare und dröge Sinnlosigkeit und verrät das, was Saw einst so groß gemacht hat: Daumen runter.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 16. September 2021

Original Title: Spiral: From the Book of Saw
Length: 93 Min.
Rated: FSK 18