Februar 3, 2023

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Seaside Special

Seaside Special - Filmplakat
© 2023 farbfilm verleih GmbH

Heut‘ hab ich etwas unglaublich exklusives für euch: Eine wahre Rarität, wie sie in Tagen wie diesen kaum zu finden ist: Seaside Special.

Der erstmal überhaupt nichts über den Inhalt aussagende Titel ist eine kleine Filmperle, die sich zu betrachten wirklich lohnt – und ich werde euch sagen, warum.

Blickt man ein wenig länger auf das Titelfoto, findet man „Ein Liebesbrief an Großbritannien“ im Schriftzug – und könnte sich denken: Okay, irgendwas mit Brexit, blabla, haben wir doch letztens alle zum Überdruss überall in den Medien gelesen.

Nope. Seaside Special ist nämlich tatsächlich „special“, denn der Film behandelt zwar das Land in der Zeit des Brexits, aber eben nicht von politischen Bühnen, allgegenwärtigen Medien oder reduziert auf „London“ aus gesehen.

Genauso, wie wir Deutschen die USA oft nur auf „New York, Los Angeles, Florida und Washington“ reduzieren und dabei vergessen, wie viele kleine Winkel, nette Fleckchen, verschlafene Örtchen und sehenswerte Non-Touri-POIs es dort gibt.

Jens Meurer ist Deutscher, dessen Familie eng verwoben mit dem britischen way of life ist und der daher quasi als „Großbritanninen-Insider“ wahrgenommen werden darf. Er hat eine wahre Perle ausgegraben, die etwas weiteres unschätzbar wertvolles innehat: Analogismus.

Sein Film handelt von einer Show, die weder CGI, noch Effekte, Berühmtheiten, VIPs oder andere digitale Neumodernitäten enthält, sondern in einem verschlafenen Städtchen am Ende des Kontinents alljährlich von Einheimischen aufgeführt wird, die einen völlig anderen Blick auf das Land freigeben, den man so eben noch nicht gesehen hat.

Diese zutiefst authentische Darstellung, das Erleben eines großen Dings fernab der politischen Epizentren macht aus dem Film schon etwas Wunderbares. Meurer geht sogar so weit und hat sich zur Freude des Cineasten dazu entschieden, sein Werk auf 35mm zu drehen: Etwas langsames, altes, beständiges, analoges. Es ist Liebe zu etwas Aussterbendem, eine Unterwerfung an die Langsamkeit, die heutzutage kaum noch irgendwo zu finden ist.

Es dauert wirklich nur wenige Minuten, bis man selbst dem Charme erliegt, zur Ruhe kommt, ganz im Frieden eintauchen kann in eine Welt, die man so nicht im Fernsehen sieht – und dabei umgeben ist von Kunst, Kultur und dramaturgischem Hochgenuss, der einem immer wieder Lächeln ins Gesicht zaubert und Menschlichkeit einfängt, die man in Tagen wie diesen schmerzlich vermisst.

Ich hab keine Ahnung, inwieweit dieser Film in die Kinos gelangen wird, da es kaum noch Lichtspielhäuser gibt, die mit 35mm Technik umgehen können und viele schon zur reinen Digital-Ausstrahlung umgestiegen sind. Sollte euch der Titel also irgendwo unterkommen, fahrt mal ganz wo anders hin und schaut ihn euch an.

.kinoticket-Empfehlung: Dieser Film ist tatsächlich ein Liebesbrief. Nicht nur an Großbritannien, sondern auch an die Kunst, die Gemütlichkeit, die Langsamkeit und das analoge Leben: Eine wahre Filmperle, die man gesehen haben sollte.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Anfangs wird noch ein wenig getextet, danach folgt nichts weiter und man darf den Saal wieder verlassen.

Kinostart: 19. Januar 2023

Original Title: Seaside Special
Length: 93 Min.
Rated: FSK 0

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