Februar 5, 2023

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She Said

She Said - Filmplakat
© 2022 Universal Pictures International

Ich bete es nochmal runter: Nutzt die Chance und geht in Avatar: The Way of Water (3D) – und ich sag auch nochmal, warum:

James Cameron wollte keinen Film machen, um sich selbst zu bereichern oder die Dinge so laufen zu lassen, wie sie immer laufen, sondern er arbeitet schon seit jeher daran, das Konstrukt „Kino“ voranzubringen und den Menschen etwas zu geben, das über den Horizont hinaus geht.

Fakt ist: Es gibt noch viel zu wenige Kinos, die die richtige Technik vorweisen können, um dem Zuschauer auch die nötige Experience zu liefern, die ihn dazu bewegt, weiterhin ins Kino zu gehen und das etwas Außerordentliches sein zu lassen, was weit weg von dem ist, was man selbst zu Hause reproduzieren kann.

Avatar 2 liefert den Stoff und es gibt Hausaufgaben für alle. Wer den Film in einem richtigen Kino angeschaut hat (z.B. dem ASTOR in der Filmlounge im ARRI München), wird merken, dass viele andere ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, weil die Kinos aufgrund fehlendem Equipment der Erfahrung etwas stehlen und den Zuschauer somit quasi betrügen.

Es ist also enorm wichtig, dass Avatar 2 der nächste erfolgreichste Film aller Zeiten wird, weil dadurch dann alle anderen nachziehen müssen und auch die Filmemacher orientieren sich jetzt schon an der neuen Technik, die wirklich atemberaubend ist – und das führt am Ende dazu, dass wir alle wieder mehr Spaß am Film haben können, also macht mit und führt diesen Film zum nächsten erfolgreichsten Film aller Zeiten … indem ihr rein geht!

Danke 😀

Und nun mal zu der Kritik hier:

Ich habe in Call Jane ja schon die Kreuzverweise gemacht: Der eine Film hat den besseren Trailer (der hier), der andere haut inhaltlich wesentlich besser rein.

Nun habe ich She Said auch gesichtet und muss enttäuscht feststellen: Hier zieht man jetzt nicht noch bessere Register, sondern so gut der Trailer war, so mies ist die Erfahrung, die der Streifen dann selbst liefert. Sämtliche Geschwindigkeit ist weg, jegliche Spannung oder Wertschätzung für die Arbeit der Frauen … dahin.

Im Trailer hatte man noch so ein wenig das Gefühl, das Spotlight damals ausgelöst und ihm zu Recht den Oscar eingebracht hat. Diese Geschwindigkeit macht nun einer Art „Egalität“ Platz, alles zwitschert so bisschen vor sich hin und man hat fast schon das Gefühl, man ringt sich Szene für Szene ab und quält sich so mühsam durch einen Prozess, den wir alle längst über die Medien verfolgt haben und dadurch bereits jedes noch so kleine Detail längst kennen.

Damit ist dieser Zusammenschnitt quasi viel zu spät, weil er nichts mehr aufdeckt oder selbst mit daran arbeitet, den Fall schneller zu einer gerechten Verurteilung zu bringen, sondern quasi nur noch mal lieblos zusammenfasst, was eh längst jeder weiß.

Das andere: Das Tun der Zeitungen (in dem Fall der New York Times) wird in solchen Filmen auch immer als absolut gerecht, ordentlich, ethisch und unanfechtbar dargestellt. Wir alle wissen aber z.B., dass die Washington Post einem einzigen Mann gehört – Jeff Bezos, ehemaliger Besitzer von Amazon. Sieht hier wirklich niemand, dass das Potenzial von Betrug, Ausnutzung, Vertuschung und unenthischem Verhalten genauso im Raum steht und man damit auch immer das eigene Haus einer Feuerprobe unterstellen muss und sich selbst in Frage stellen?

Genau das wird in She Said auch nicht gemacht. Damit ist es wieder ein Anschuldigen von anderen, ohne selbst beweisen zu können, dass man tatsächlich besser ist. Immerhin wissen wir längst, dass auch Zeitungen Dreck am Stecken haben können (Stichwort: Spiegel) und da auch nicht alles so ist, wie man es sich gerne wünschen würde.

Was mir auch noch fehlt: Biss. Was die Damen im echten Leben voran gebracht haben, ist bislang einzigartig – für ein komplettes Geschlecht erkämpft, dass sie ihre Stimmen erheben und sich gegen diesen Missbrauch ungeahnten Ausmaßes erheben können … und das kommt im Film so überhaupt nicht raus. Alles ist so lapidar, so egal, so „naja, is halt passiert, also müssen wir’s halt spielen. Wie? Dialoge? Hä? Ehrlich? Ach manno…“ und das verleidet einem wirklich den Spaß am Film.

Ich für meinen Teil habe die Wucht, mit der Spotlight auf die Menschheit niedergekracht ist, geliebt. Ich liebe das Gefühl von donnernder Gerechtigkeit, die wie ein erzürnter Gott mit Wahrheiten vom Himmel regnet, denen sich anschließend niemand mehr entziehen kann.

Aber das hier? Ist nichts weiter, als „Sorry, hab bissl Tee verschüttet.“ „Okay, dann wischs halt auf.“ 🤷🏼

Schade – denn das Thema wäre viel zu wichtig gewesen… so versemmelt man auch hier wieder eine Glanzleistung, bei der Frauen alles richtig gut gemacht haben und gibt ihnen einen Film, der sie eigentlich wieder nur unterdrückt und klein macht. Ist das etwa schon der nächste Skandal?

.kinoticket-Empfehlung: Man hätte das, womit man uns im Trailer angeteast hat, noch viel größer explodieren lassen müssen, um richtig zu zeigen, welche Leistung hier zwei Journalistinnen eigentlich gebracht haben. Der Film ist eher ein lauwarmer Abklatsch von Allgemeinwissen, das eh schon jeder hat – und er kommt definitiv viel zu spät – denn inzwischen ist längst alles vorbei.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Nach den Texttafeln kann man verschwinden, hier folgt dann nichts weiter.

Kinostart: 08. Dezember 2022

Original Title: She Said
Length: 129 Min.
Rated: FSK 12

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