Februar 3, 2023

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Shotgun Wedding – Ein knallhartes Team

Shotgun Wedding - Filmplakat
© 2023 LEONINE Distribution GmbH

Wenn Sängerinnen und Musiker auf einmal auch im Filmbusiness Fuß fassen wollen, ist das meist so ein „Oh mein Gott, naja, hm… aber sie ist ein Superstar, da kann ich doch jetzt nicht wirklich sagen, dass es nicht gut ist?“-Ding, was irgendwo ein wenig halbherzig und seltsam wirkt. Auch im Kino traut sich dann kaum jemand, seinen Mund aufzumachen, weil man entweder sowieso abgebrühter Fan ist, oder eben einfach nicht rein geht.

Insofern ist das meist ein Griff ins Klo und ein Versuch, den Erfolg und das Geld aus der Musikbranche nun auch noch im Filmbusiness zu etablieren, dank MTV ist das inzwischen ja nicht mehr voneinander zu trennen.

Jennifer Lopez ist nun kein unbeschriebenes Blatt mehr und hat inzwischen nicht nur ein paar Versuche auf dem Konto, sondern durchaus brauchbare Filme gedreht. An The Cell z.B. erinnere ich mich noch gerne zurück. Neben vielen Voice Acting-Rollen für Animationsfilme hat sie aber auch in einigen Streifen mitgespielt und wenn ich da so durch die Liste scrolle, finde ich kaum Titel, die mir tatsächlich zugesagt haben… Und wer möchte, darf sich auch gern nochmal die geistigen Kotz-Ergüsse von Marry Me – Verheiratet auf den ersten Blick von mir zum Besten geben… meine Einstellung ist also sehr gespalten.

Josh Duhamel ist auch kein unbeschriebenes Blatt, mir bekannt und aufgefallen seit Transformers, hat aber auch in Love, Simon oder Buddy Games mitgespielt und ist daher in seinen Rollen auch breiter aufgestellt, allerdings sind auch hier keine wirklich festgelegten Akzente zu erkennen, sondern er ist halt einfach da, macht sein Ding, wäre jetzt aber auch nicht so wild, wenn jemand anderes das übernehmen würde.

Nun treffen diese beiden „blassen“ (ja, ich weiß, böse – aber damit ihr versteht) Persönlichkeiten in einem Film als Zugpferde aufeinander – und damit es in der Latino-Gemeinde zusätzlich noch richtig kracht, holt man Plakat-Zugpferd Lenny Kravitz noch mit auf den Spielplatz (auch ein Musiker … wow!), der zudem so übertrieben herausleuchtet, dass er alle anderen in dem Film fast gnadenlos an die Wand spielt.

Okay, wir resümieren: Ein Nebendarsteller, der eigentlich nur mit seinem Namen und etwaigen Auftritten zusätzliches Publikum in die Säle locken soll, stielt zwei (!) Hauptdarsteller:innen die Show … ganz ….äh …. blöd.

Aber machen wir mal weiter und begraben die aufkommenden Vorurteile im Sand und wenden uns dem Titel zu: Shotgun irgendwas. Shotgun. Ihr wisst, was das ist? Wenn ich Shotgun im Titel lese, dann erwarte ich so etwas in Richtung Shoot Em Up, motherfucking in your face Planet Terror oder zumindest etwas in der Art von The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt – und genau das waren auch meine Erwartungen, als ich mir die Pressevorführung gegeben habe und dafür auch in nem halbwegs ordentlichen Kino Gast war.

Was hier folgt, ist dann eher Alte-Frauen-Nachmittags-Kaffee-Klatsch-Fernsehen, bei dem es nicht wirklich zur Sache geht, sondern kein Blut fließt, Gedärme spritzen, extremer Humor und schwarzer Sarkasmus zu finden ist, sondern man schööööön gemüüüüüüüütlich und laaaaaaaangsam den Leuten Zeit gibt, zu überlegen, was nun Sache ist und dabei die Kamera immer weiter läuft.

Wenn ich ins Kino gehe und einen Actionkracher mit „knallhart“ im Namen sehen will, dann soll es zur Sache gehen und dann will ich keinen Tatort, bei dem die Leute gemütlich und langsam darnieder gestreckt werden, sondern ich will, dass man auf die Zwölf haut.

Der Film hier ist sowas von konstruiert, langweilig, extrem vorhersehbar und lame, dass selbst die Galle sich Zeit lässt, hoch zu kommen, man hat ja während des Films genügend Zeit dafür.

Die Dialoge sind verzichtbar, die Action ist quasi keine, weil man den ganzen Film über drauf wartet und irgendwie nicht wirklich was kommt, Waffen gibt’s auch kaum (da hat manche Komödie weit mehr Wumms im Repertoire) und damit ist das für mich die größte Verarsche des diesjährigen Filmaufgebots, das bisher kam.

Das nächste: Hochzeiten. Hochzeiten sind für mich etwas extrem schwieriges, weil die in Filmen meist nicht funktionieren. Der „Wooooooow tränengerührt – schau mal die schönen Blüten und die Kleider und fuck you wie geil ist das bitte“-Effekt ist verpufft, es ist einfach nur noch naja …. und jedesmal, wenn man irgendwo ne Zeremonie zeigt, denkt man sich als Vielseher: „Yoah, halt noch ne Hochzeit… irgendwie billig, hab ich auch schon besseres gesehen.“

Das dann als „Zugkraft“ zu nehmen und thematisch zu priorisieren, ist quasi schon flop-vorprogrammiert, weil das in den allermeisten Fällen immer in die Hose geht, wenn Hochzeit ne gravierendere Rolle spielt und nicht nur ein Nebenprodukt von etwas anderem ist.

Soll ich noch von Filmfehlern und Logiklücken anfangen? Oder einigen wir uns einfach direkt und ohne Umwege drauf, dass das ein Film für Fans von Darstellerin XY ist, die einfach froh sind, wenn sie ihr Idol auf der Leinwand begutachten können oder „die ach so starken Arme von Lenny Kravitz bewundern und sich den ganzen Film über vorstellen, wie er seine dicke Keule in ihren Unterleib… naja, lassen wir das.

Ich fand’s mies, die älteren Damen mit mir in der Vorstellung fanden’s „ganz witzig, ist doch nett, wenn dieser Alte sich so ne Junge angelt und die dann gemeinsam ..“

Äh … next please!

.kinoticket-Empfehlung: Drama, Klischee, Vorhersehbarkeit, Langeweile und uuuuuuuuunglaublich träge und ereignislos: Dieser Film trottet vor sich hin und weiß oft nicht, was er will, wo er hin will oder wie es weiter gehen soll, während man die Kamera ständig laufen lässt und damit dem Zuschauer unglaublich auf die Nerven geht. Da hilft dann auch kein OV oder anderes mehr … wenn ihr Fan’s seid, geht rein – ansonsten sucht euch besser was anderes.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Darf anfangs noch mitgenommen werden, nach der Abblende darf man den Saal dann wieder verlassen.

Kinostart: 19. Januar 2023

Original Title: Shotgun Wedding
Length: 100 Min.
Rated: FSK 12

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