Suicide Tourist - Filmplakat
© 2020 DCM Film Distribution GmbH

Der Titel lässt einen erst einmal total sprachlos zurück: Nach Suicide Tourist dauert es eine Weile, bis man seine Worte wiederfindet. Ein Anzeichen dafür, dass dieses Werk tatsächlich absolut gelungen ist und mit erzählerischer Poesie ein Feld durchpflügt, das in vielen Menschen Atemstockungen hervorruft und sehr kontroverse Diskussionen auslöst.

Das Feld ist nicht einfach. Die Art und Weise, mit der Regisseur Jonas Arnby hier seine Gedanken zur Ordnung gebracht und alles in einer fantastisch stimmigen und den Zuschauer tief ins Herz treffenden Story verpackt hat: Großartig! Man spürt, dass sich die vier Jahre intensive Recherche und Arbeit, die hinter diesem Drehbuch stecken, tatsächlich ausgezahlt haben.

Im Kino ist man ja grundsätzlich darauf aus, Stories zu erzählen, die den Zuschauer irgendwie befriedigen und zumindest dafür sorgen, dass keiner sein Geld zurück verlangt. Ich würde sagen: Suicide Tourist geht noch viel viel weiter. Es ist keine Geschichte, sondern irgendwie alles … und gleichzeitig nichts, auf das man die Thesen und Ideen, Gedanken und Emotionen haften könnte. Der Film ist nicht politisch, gleichzeitig aber sehr zielführend bei der Erörterung von Fragen, auf die bis heute keine allumfassenden Antworten gefunden wurden … und möglicherweise auch nie gefunden werden.

Ich persönlich finde das Thema auch schwierig, sich darüber auseinanderzusetzen, wenn man selbst nicht betroffen ist, niemanden kennt, der betroffen wäre bzw. in irgendeiner Weise damit in Berührung käme. In diesem Fall kommt nämlich meist nur blödes Geschwätz aus dem eigenen Mund und sollte dann durch üble Umstände tatsächlich der Fall eintreten, der einen in die Nähe solcher Entscheidungen treibt, ändern sich ganze Weltanschauungen auf einmal binnen Sekunden.

Ich finde, genau dieses Dilemma wurde durch diesen Film herausragend exkludiert, indem man sich fern jeder aggressiven Stimmungsmache aufhält und dem Zuschauer viel mehr einen berauschenden Trip liefert, der einen seelenwohl einlullt und ihn in eine gewisse „Wellness-Trance“ führt, aus der man sich nur sehr schwer wieder erholt.

Der zarte, aber bestimmte Druck wird mit zunehmender Zeit nicht unerträglicher, aber schwerer. Es kommen zu keiner Zeit Hassgefühle hoch, sondern man wird vielmehr in seinen Gedanken begleitet und zu anderen Zielen geführt, ohne dabei jemanden zu enttäuschen. Tod durch Erholung?

Es fällt mir schwer, dieses – durchaus positive – Gefühl irgendwie in Worte zu kleiden, dass dieser Film auslöst. Ich kann euch nur eins sagen: Geht ins Kino und schaut ihn euch dort an: Ihr werdet es auf gar keinen Fall bereuen.

Ein berauschender Trip, der die Seele in ihrem Innersten angreift und dessen bestimmtes Ziel dabei ist, dich nicht zu verletzen: Hochkarätig erzählt, intensiv recherchiert und durchdacht auf einem so soliden Fundament, dass selbst Kritikern wie mir die Spucke weg bleibt, um das zu beschreiben. Durch und durch gelungen – sollte man auf jeden Fall gesehen haben!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Hat keine weiteren Bilder oder Szenen, vielleicht braucht man aber die Zeit, um wieder runter zu kommen … also geht’s easy an.

Kinostart: 2. Juli 2020

Original Title: Selvmordsturisten
Length: 90 Min.
Rated: FSK 12