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wenn aus filmen leidenschaft wird

Tag: 103 Minuten

10 Cloverfield Lane

Diesen Film hab ich schon im Vorfeld geliebt … für seine Verschwiegenheit im Trailer! Kennt ihr das, wenn ihr im Kino sitzt und auf einmal ein neuer Trailer abgespielt wird, der so gut wie kaum etwas preisgibt?
Ich liebe es …bis dann der zweite Trailer kommt, der von nun an zu Tode gespielt wird und das komplette “Ende” der Geschichte in allen Facetten beleuchtet und kaum noch Spielraum für irgendwelche Überraschungen lässt. Nicht bei 10 Cloverfield Lane.
Die Jungs in der PR haben echt die Eier gehabt und ihre Verschwiegenheit bis zum Filmstart durchgezogen und genau so etwas liebe ich abgöttisch! Wozu die Dinge schon von Anfang an auflösen, wenn man genauso gut die Chance hat, den Zuschauer selbst entscheiden zu lassen, was er denkt?
Und diese extravagante Erzählweise zieht man auch im Film gnadenlos durch. Man überlässt dem Zuschauer das Feld des Denkens und gibt immer nur genügend Anstoß, um den Plot voranzutreiben und nicht in Langeweile zu verfallen, belässt dabei aber genügend Interpretationsspielraum und kotzt den Kinobesuchern keine magengerechte Meinungen vor die Füße. Und dafür meinen größten Respekt.
So manch einer dürfte wohl auch seine Schwierigkeiten damit haben, dass eben nicht auf der Packung deklariert ist, was schlussendlich im Paket enthalten ist – und damit ziehen die Macher auch nicht wirklich blank. Und so etwas …rrrrawwwwrrr 🙂
Allein die Idee ist schon hammergeil, die Umsetzung, die Kurzweil und der Unterhaltungsfaktor dazu runden dann aber das Paket vergnüglicher Kinoleidenschaft gänzlich ab – vor allem, wenn der Sound stimmt (laut, Baby!).
Viele fragen sich manchmal auch beim Betrachten des Titels “Da gab es doch schon mal was …” – yep, tut es – und zwar Cloverfield. Auch diesem Film konnte ich schon relativ viel abgewinnen, auch wenn mit der Auflösung einige ihre Schwierigkeiten hatten.
Ich formulier’s mal so: Wenn es soweit ist und es tatsächlich “aufgelöst” wird, dann ist die Show längst vorbei und der positive Atem des Films bereits in den Lungen der Sesselbesetzer verschlungen.
Und da es sich hierbei um ein Sequel handelt, sind eh einige Dinge bereits vorgegeben, jedoch kann man auch als unbedarfter Nicht-Kenner des ersten Teils diesen Streifen besuchen und erfährt hier jede Menge erstklassige Unterhaltung und einen Plot, der sich in punkto Spannungsspitzen gewaschen hat. Und wenn der Film das dann bei Kennern der Vorgeschichte auch packt, dann funktioniert das Gesamtpaket in meinen Augen und trifft den Nagel direkt auf den Punkt.
Somit hat man die elegante Jagd nach Antworten selten so spannend gestaltet und spricht damit extrem genial die Phobien der menschlichen Spezies an und treibt diese auf ihren Höhepunkt.
Wenn ich’s schaffe, geh ich nochmal rein – einen Platz auf der Hitliste gelungener Filme hat sich dieser Streifen aber schon jetzt verdient.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wenn man beim Trailer schon Angst gekriegt hat, dann sind die Venen nach der Vorstellung definitiv frei.
Mir wurde angetragen, dass ich das Ende einem verraten soll, dem die Vorstellung zu hart war und der den Saal daher frühzeitig verlassen hat. Meine Meinung? Das Teil ist viel zu geil, um es zu spoilern und ausnahmslos jeder sollte sich der Verschwiegenheit der Macher anschließen und niemandem den Spaß am Film verderben.
Also vermeidet Wikipedia, vermeidet jegliche Filmkritiken und Inhaltsangaben, löst ein .kinoticket und genießt die Show. Es lohnt sich!

 
Nachspann
Direkte Szenen zur Weiterführung der Geschichte gibt es keine, die Auflösung des Plots schreit aber förmlich geradezu danach, diese Ideenwelt auszubauen und noch einige Filmnachfolger ins Rennen zu schicken. Ich hoffe, diese Schreie werden beantwortet…

Gänsehaut (3D)

Ein kleines Kind quietschte vergnüglich: Da will ich rein!, was die Mutter desselben vehement verneinte, als der Trailer zu Gänsehaut in einer anderen Vorstellung lief.
Doch genau dies sollte man erwägen: Rein zu gehen.
Hier prallt fantastisch aufbereitete Unterhaltungskost mit einem fast schon sensationellen Start, was dieses Genre angeht, auf den Zuschauer hinunter. Der Humor, dem man sich hier bedient, trifft in diesem Fall fast schon perfekt meinen Geschmack. Schön zynisch, bitter, kokett und provokativ, ohne dabei über die Stränge zu schlagen oder anderweitig beschämend zu enttäuschen.
Ich weiß, Komik ist ein zweischneidiges Schwert, aber interessanterweise hatte der gesamte (und im übrigen proppenvolle) Saal bis zur großen Wende einen Heidenspaß.
So mancher mag nun innerlich zusammenzucken und die Kaufgelüste eines .kinotickets nochmals überdenken, wenn er von dem Umschwung liest, den man in vorherigem Satz vermuten könnte. Falsch. Hier wird einfach nur ein Thema aufgegriffen, das meines Erachtens schwierig darzustellen ist, ohne dabei lächerlich oder übertrieben zu wirken. Damit hat der Streifen zwar zeitweise etwas zu kämpfen, das Endergebnis wurde jedoch so perfekt und dramatisch gelöst, dass man voller Elan und Lebenslust aus einer Vorstellung entlassen wird, nach der die gewonnenen Glücksgefühle noch lange nachhallen.
Einziger Kritikpunkt meinerseits: Sollte es möglich sein, sich diesen Film ohne 3D anzuschauen, dann hat man hierbei diesmal nichts verpasst. Zwar gibt es die ein oder andere Einstellung, in der die Räumlichkeit durchaus gut ausgenutzt wurde, jedoch gewinnt man im Gesamten kein positives 3D-Erlebnis. Dafür gibt es andere Filme, die diese Technik weitaus besser zu nutzen wissen.
 

kinoticket-Empfehlung: Wer mal wieder so richtig gute Laune verpasst kriegen, einfach mal unkompliziert lachen und sich von einer etwas skurrilen Geschichte verzaubern lassen möchte, der macht mit Gänsehaut auf keinen Fall etwas falsch.
Selbst für jüngeres Publikum, dem man den Film laut Trailer eher zumuten würde, eignet sich der Streifen durchaus. Allerdings sollte einem schon klar sein, dass der Trailer hier nur anteasert und nicht alles verrät. Der Klamauk ist es aber allemal wert, gesehen zu werden. Also hopp hopp und auf ins Kino!

 
Nachspann
hat in den ersten Momenten noch ganz nette 3D-Szenen zu bieten, sobald die enden, kommt aber nichts weiter.

Im Rausch der Sterne

Sternekoch, Paris, London, Menüs, Küche … zu behaupten, die exzessive Kochkultur sei nun aus dem TV ins Kino übergeschwappt, wäre gemein.
Gemein deshalb, weil es hier nicht um das bloße Zurschaustellen irgendwelcher zweitklassiger Köche geht, sondern eine Geschichte mit derart viel Esprit und Charme erzählt wird, die den Bogen schafft, dabei die Schiene der Realität nicht unbedingt zu verlassen.
Hier geht’s eben nicht um die Kochtipps für Oma in einem billigen Mittagsmagazin, sondern tatsächlich um wahre Größe im Showbusiness der Köche. Im Gespräch mit einem Koch, der eben solche Gefilde aus persönlichen Erfahrungen heraus kennt, habe ich mir sagen lassen, dass die gezeigten Situationen durchaus realitätsnah angelegt sind und hier nicht zwingend übertrieben oder dramatisiert wird.
“Entweder es läuft so wie dort oder so wie es jetzt gezeigt wird. Dazwischen gibt es eigentlich kaum etwas.”
Ob diese Art von Film jetzt dafür sorgt, dass weniger Menschen in den Beruf eines Kochs einsteigen wollen oder der gerade den Zuwachs fördert, weil nicht nur die Problematiken einer Sterneküche aufgezeigt, sondern auch diverse Wunschvorstellungen und Träume ent-wunschdenkt werden, sei dahingestellt.
Fakt ist: Kochen ist eine Kunst, die oberflächlich oder tiefgründig ausgelebt werden kann. Der Film spielt dabei im allerhöchsten Niveau mit und bringt eben jene Größe auch bedeutsam zur Geltung. Allein das Zeigen der verschiedenen Gerichte auf den Tellern dürfte so ziemlich jeden Gourmetliebhaber vom Hocker hauen. Foodporn mit Stil und Eleganz, gepaart mit cholerischer Hypertonie der Emotionen ergibt hier ein Zusammenspiel vieler Schauspielgrößen, die im Team als solches nicht überzeugen, sondern verblüffen.
Bradley Cooper, Emma Thompson, Daniel Brühl, Omar Sy, Sienna Miller – der Film wird von vielen Säulen getragen und mit gefühlsintensivem Bravour über die Ziellinie gebracht.
 

.kinoticket-Empfehlung: Wer immer es ins Kino schafft und nicht weiß, was er schauen soll, der sollte sich dieses Werk vornehmen.
Humor, Eleganz, Stil, Krach, Niederlagen und Siege – der Streifen vereint alles, was für einen guten Kinoabend nötig ist und liefert nicht nur sensationelle Bilder herausragender Kost, sondern auch Emotionen, nackte Haut und den Alltag einer Küche im Milieu der Reichen.
Für Anwärter dieser Branche ist der Film fast schon Pflichtlektüre, für alle anderen einfach nur wunderbare Unterhaltung für einen Abend mit berauschenden Bildern für die Sinne.

 
Nachspann
gibt’s keinen, der Saal darf also frühzeitig wieder verlassen werden.

Der Chor – Stimmen des Herzens

Wer Dustin Hoffman mag, für den ist Der Chor sowieso Pflichtlektüre. Freunde des alltäglichen Lebens werden wohl anfangs so ihre lieben Schwierigkeiten mit diesem Film haben, was nicht zuletzt die “Oh nein!”-Schreie der Zuschauer im Saal beim Titel verlauten ließen.
Zugegeben, auch ich hatte – obwohl ich mich beim Trailer durchaus auf den Film gefreut habe – anfangs meine Schwierigkeiten, mit dieser bornierten, christlich-musikalischen Art zurechtzukommen, die sich im Schauspiel der Boys zu Anfang des Films überdeutlich bemerkbar macht.
Man möchte den Protagonisten teilweise ins Gesicht schlagen für ihre überhebliche Arroganz und weltfremden Ansichten, die sie zu Tage tragen und meinen, dass sich einzig und allein alles nur um sie dreht und alle anderen jämmerlich versagt haben. Ein Vorurteil, das ich vielen studierten Musikern vorwerfe, die sich dem Tralala der Künste verschrieben haben und dabei weder aus ihre Seele hervorkriechen, noch irgendwas mit den echten Gegebenheiten dieser Welt zu tun haben.
Getragen wird das ganze von einem Jungen, dessen rebellische Ausbrüche zuerst an Billy Elliot erinnern, der sich ebenfalls über darstellende Künste aus dem dunklen Loch seiner Vergangenheit rausgearbeitet hat, jedoch fährt man hier eine ganz eigene Schiene und bringt eine Form von Musik zum Tragen, die dem durchschnittlichen Musikliebhaber wohl eher unbekannt sein dürfte.
Und dann passiert das, was man anfangs noch kaum glauben mochte: Man geht irgendwie mit und erlebt die Geschichte, die doch in ihren Bann reißt, Musik, die auf ihre Art die Untiefen der Seele erreicht und einer klassischen Form zu Größe verhilft, die ihre Schiene nicht in der Hauptleitung, sondern einer völlig anderen Welt durchläuft.
Der Soundtrack dieses Films dürfte also definitiv einen Kauf wert sein, auch wenn man die Darstellung oder Story dann doch nicht so mochte.
Herausragend und erwähnenswert fand ich auch die Rolle von Kathy Bates, der man die Leidenschaft und Professionalität deutlich anmerkt. Sie ist für mich fast wie eine zweite Meryl Streep, unverkennbar, unvergleichbar und nicht austauschbar. Solche Koryphäen gibt es nur noch wenige und umso erfrischender und elektrisierend war es, sie in diesem Film zu erleben.
 

.kinoticket-Empfehlung: Man muss für Kirchenmusik schon etwas übrig haben, um sich von Anfang an in den Film zu verlieben.
Der schafft es allerdings, die restliche Meute im Laufe der Spielzeit auch einzufangen und bringt Klänge zutage, die auch antipathiespürende Phobiker bei den seelischen Wurzeln packt und am Ende das Herz doch erreicht.
Herausragend: Kathy Bates, die hier unglaublich viel charmante Stärke raushängen lässt und den Film durch ihre Kurzauftritte immer nach vorne tritt.

 
Nachspann
darf man sitzen bleiben, die Augen schließen und zuhören – der Song ist weltklasse. Bildmaterial oder weiterführende Szenen gibt es aber keine.

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