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After Truth

After Truth - Filmplakat
© 2020 Constantin Film Verleih GmbH

Nachdem bei After Passion die Jugend jubilierte, die Fangemeinde weinte und die Presse sich in Grund und Boden schämte, hatte ich versprochen, mir das Buch zu organisieren und es zu lesen, weil tatsächlich sehr viele Stimmen laut wurden, die gesagt haben: Schade, der erste Teil wurde verkackt, das Buch ist sooooo gut.

Und tatsächlich: Ich kann’s bestätigen. Nach 70 Seiten hab ich das erste Mal aufgehört zu lesen, als ich es mir gekauft hatte … und es war mir eine helle Freude, durch die Story zu wandeln, weil Anna Todd tatsächlich das Talent hat, die Dinge zu erfassen, zu benennen und auf einen Punkt zu bringen.

Man könnte sagen: Entweder schaust du dir ein paar dutzend Liebesfilme an und beschäftigst dich eine Weile damit, was die Jugend in diesem Alter umtreibt, oder du liest das Buch und hast alles in Summe vorhanden. Sehnsüchte, Entdeckungen, Er- und Selbstfindung, die heißblütige, völlig nicht-von-dieser-Welt-hafte Vergötterung seines Schwarms, das Leben inside und outside von Konservativismus und so viele andere Themen, die einem im Leben begegnen können, wurden hier aufgegriffen und solide bearbeitet. Dass dabei der Blickwinkel der Teenager niemals verlassen wird, mag manch einen, der es im Leben inzwischen schon „weiter gebracht“ hat, möglicherweise stören, genau das liefert aber Authentizität und sorgt für eine allseits gegenwärtige Glaubhaftigkeit, die die Stärke und „Wucht“ dieser Liebe auszeichnet und unterstreicht.

Nun haben wir nicht nur das allseits bekannte Buch-Film-Problem, sondern tatsächlich eine Barriere, bei der ich sogar soweit gehen und sagen würde: Das ist einfach nicht verfilmbar.

Aufgefallen ist mir das u.a. daran, dass ich anfangs den Film sogar mehrfach im Kino angeschaut habe, um zu probieren, ob es anschließend eine andere Auswirkung auf einen hat und man den Film (wenn man Plot und Twists bereits kennt) doch anders betrachten kann und kam nicht darüber weg, dass der eben einfach „schlecht“ ist.

Eben so viel Angst hatte ich, das Buch aufzuschlagen und mein Versprechen einzuhalten, denn das ist nicht nur nicht meine Literatur, sondern interessiert mich auch persönlich nicht im Geringsten, genau deshalb hab ich es damals auch öffentlich versprochen, um es wirklich durchzuziehen.

Und das Buch hatte mich irgendwie direkt und ich hab grundsätzlich keinerlei Schwierigkeiten damit gehabt, die Story in meinem Kopf völlig neu entstehen zu lassen und seltsamerweise musste ich mich dafür auch nicht an die Bilder der Personen im Film klammern oder irgendwelche Szenen dazu reproduzieren, sondern das Ding lebte völlig losgelöst durch sich selbst und war bis zum Ende hin einfach stimmig.

Genau das zeigt, dass der Film quasi nicht als „Buchverfilmung“ taugt, sondern ein träger Abklatsch eines Versuchs davon ist, der meiner Meinung nach nicht von Erfolg gekrönt sein kann, weil man die seelischen Gefühlswelten niemals in der Form in einen Film kriegt, dass es den Ansprüchen gerecht wird, die Todd in ihren Büchern befriedigt.

Ich würde hier sogar auch einen Unterschied machen und die Bücher vom Genre leicht distanzieren, weil das, was dort aufgeschrieben wurde, tatsächlich weit weg von Kitsch und Romantik, Liebe und Sissi-Blumen-Tralala ist und eben genau jene Probleme aufgreift, die Jugendliche in dem Alter beschäftigen und die für sie wahrhaftig und existent sind.

Nachdem ich nun das erste Buch durch habe, waren meine Erwartungen beim kommenden Film After Truth natürlich unterirdisch: Nun kommt zu dem systemischen Versagen noch das „der zweite Teil“-Phänomen dazu, was es zusätzlich nach hinten kippt und eigentlich nur als Totalschrott enden kann.

Und als der Trailer das Licht der Welt erblickte und über die Leinwände huschte, dachte ich wieder: „Oh Gott… naja, man kann’s nicht verhindern“… meine Erfahrung in dem Film war aber eine völlig andere.

After Truth überrascht nun damit, dass man augenscheinlich weiß, dass die Verfilmung nicht so funktioniert, wie das Buch in alle Ecken und Winkel hinein leuchtet und ist quasi nur eine Ansammlung von „Triggern“, die die Leser der Werke angedeutet sehen lassen, welchen Part man jetzt im Kopf dazu einfügen muss.

Zum ersten Mal überhaupt würde ich empfehlen: Lest After Passion und schaut danach After Truth und verknüpft beide Welten miteinander, denn diesmal funktioniert das. Der zweite Teil hat eine immense Lust in mir wiedererweckt, den zweiten Teil ebenfalls als Buch zu ordern und an einem gemütlichen Schmöker-Abend zu verinnerlichen. Als Kenner der geschriebenen Werke merkt man nämlich, wie die Filmemacher versuchen, immer wieder in die Tiefe der Story abzutauchen und ihnen die Kunstform „Film“ dabei im Weg steht.

Nun kann man die Schuld auf den Cast schieben, auf ein schlechtes Drehbuch oder einfach auf die labilen Zustände, oder darauf, dass der Film zeitlich gesehen eigentlich viel zu kurz ist, um auf alle Einzelheiten und Details aus dem Buch eingehen zu können, also werden extrem viele tragreiche Momente und Elemente manchmal z.B. nur mit einem Blick oder einer einzigen kurzen Kamera-Sekunde abgefrühstückt. Aber man spürt deutlich, dass die Macher eben versucht haben, so viel wie möglich mit zu nehmen und zumindest den Lesern ein Triggerfeuerwerk schenken, die dann tatsächlich wieder übelst Bock kriegen, die Bücher dazu in die Hand zu nehmen und (nochmal) zu lesen.

Insofern ist der Film eine gelungene Unterhaltung, für die man an dieser Stelle tatsächlich kurioserweise einmal Hintergrundwissen braucht: Und zwar in Form des geschriebenen Wortes, denn auch der erste Teil macht euch im Vorfeld dazu nicht zwingend glücklicher.

An Vergleiche a la Fifty Shades of Grey für Pubis möchte ich mich an dieser Stelle auch nicht wagen, auch wenn gewiss einige Parallelen erkennbar sind, die man aus Jugendfilmreihen dieser Art öfters kennt (Twilight-Reihe z.B.). Diese Form des Konkurrenzkampfs hat der Film nicht nötig und es wäre auch keine Bereicherung, im Vergleich zu ermüden.

Tatsächlich entwickelt der Streifen durchaus seine Momente, taucht in das (geschriebene) Epos sachte ein und bringt es in genau der gleichen (miesen) Manier wie bei Fifty Shades auf die Leinwand, nur dass das hier irgendwie ein bisschen mehr Spaß macht.

Vorstellungen wie Ladies Night, BRAVO Preview oder ein gemeinsamer Filmabend mit der Clique (und Abstand im Saal) sind hier definitiv die absolut richtigen Varianten, um den Film zu genießen und das beste da raus zu holen.

Dieser Film struggelt an seiner Unverfilmbarkeit und macht durch das Gewitterfeuer an Triggern für die Leserschaft der Bücher unglaubliche Lust auf die geschriebenen Werke: Die ragen nämlich mit einer großartigen Welt aus dem Geschwulst der Liebesromane heraus und greifen die alltäglichen Situationen von Teenies hervorragend auf und verarbeiten sie zu einer wunderbaren Lösung. Die Filme können dies „technisch“ niemals bewältigen, liefern aber eine gute Variante, um das Buch irgendwie „zum Leben zu erwecken“. In der Clique definitiv sehenswert.

Nachspann: ⚪️🔘⚪️ | Nicht gleich wegrennen, es kommt im Mittelteil nochmal eine kleine Szene.

Kinostart: 03. September 2020

Original Title: After We Collided
Length: 106 Min.
Rated: FSK 12

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Es gilt das gesprochene Wort

Es gilt das gesprochene Wort - Filmplakat
© 2019 X Verleih

Es ist immer wieder herrlich, mitzuerleben, worüber sich Menschen alles so wunderbar echauffieren können, ohne wirklich Ahnung davon zu haben, worüber sie sprechen. Wer was wann wie und warum tut, und wen man alles für seine Handlungen aus dem Nichts heraus zu kritisieren hat, nur weil die allgemeine gesellschaftliche Stimmungslage in Deutschland das gerade so vorschreibt.

Dann sind die schuld, dann ist die Politik schuld, dann sind wieder die schuld, dann wieder die anderen … und irgendwie macht’s alles überhaupt keinen Sinn. Wäre ich Gott und würde über allem stehen und auf die Menschheit als solches hinunterschauen, hätte ich womöglich einen riesigen Spaß dabei oder permanente Kopfschmerzen vom andauernden Facepalmen.

Tatsächlich sind viele der „unlösbaren Probleme und Ängste“, mit denen manch besorgter Bürger umherschweift und sein Leben gerade so vor dem Abgrund zu retten sucht, an der Nase herbeigezaubert und von findigen Journalisten kapitalspendend in Szene gesetzt worden – und würde man sich anhand von ein paar Zahlen und globalen Fakten Überblick über die Lage verschaffen, würde man sehr schnell begreifen, dass es außerhalb vom Bildschirm auch noch fünf andere Seiten gibt: hinten, oben, rechts, links und unten – und begreifen, dass das, was man in Zeitungen oder Online-Magazinen zu lesen bekommt, nur eine von vielen Sichtweisen ist, die niemals alles vollständig offenbaren.

Welche Zeitung schreibt in den Artikel: „Kind tödlich verunglückt auf dem Frankfurter Hauptbahnhof und ich hoffe zu sehr, dass dieser Artikel durch meine reißerische Headline unzählige Klicks generiert und meiner Zeitung möglichst viel Kohle durch Werbeverkäufe einbringt“?

Das wäre schon ein kleines bisschen mehr Wahrheit. Wahrscheinlich geht den „besorgten und absolut geschockten und zutiefst Trauernden“ das Leid anderer dermaßen am Arsch vorbei, weil sie nur denken: „Gott sei Dank, ist nicht mein Kind gewesen, also was solls“ – auch das wäre in vielen Fällen wohl wieder ehrlich.

Nüchtern betrachtet: Ein Jemand (achtet mal drauf, wie die Zeitungen denjenigen bezeichnen und mit welch hypervorsichtigen Mutmaßung man hier auf einmal galant „Terror“, „Anschlag“, „Moschee“ und anderen Müll ins Spiel bringt) hat zwei Menschen vor den Zug gestoßen und wollte dann abhauen, wurde aber geschnappt.

Bewertung? Krank. Und gefasst. Also kümmern sich die Gerichte um ihn. Punkt.

Und jetzt geht der mediale Verbalkrieg los, mit dem wieder „Urängste“ der Bürger geschürt werden, die „Heimat“ (was ist das?) auf einmal gefährdet sehen und die große Rassismus-Einwanderungs-Diversitäts-Gender-Politik-Debatte erbricht sich von neuem über das „dumme Volk“ – ein Jammer!

Ich sehe in mehreren Wochen schon politische Diskussionen im Ersten vor mir, in der über die Zentimeterhöhe von absurden Zäunen an Bahnsteigen diskutiert wird (Es wäre das öffentliche Chaos und würde viel mehr Zerstörung und Wut verursachen, als ohnehin schon im öffentlichen Verkehr besteht) und keiner würde merken, dass wir uns alle damit beschäftigen, dass wir zu „blöd“ sind, um irgendwo nicht eine Kante runterzufallen oder geschubst zu werden, nur weil ein Kranker geistig oder seelisch oder was weiß ich ausgetickt ist und etwas verursacht hat, das in der Tat absolut verurteilungswürdig ist und in höchstem Maße bestraft gehört.

Man kann aber genausogut hingehen und anfangen, metaphysische Analysen zu betreiben und pseudotiefsinnige Fragen stellen wie: „Was hat eine Gesellschaft für einen Wandel hinter sich bringen müssen, damit einzelne Individuen zu solch harten Entscheidungen fähig werden und dann Opfer ihrer selbst werden, um eine so schreckliche Tat auszuführen?“

Oder provokanter: „Gibt es derzeit zu wenig aggressive Videospiele, in der solche Menschen ihren Hass ausleben können?“

Ihr merkt: Es gibt unfassbar viele Seiten und niemand (auch ich nicht) sollte sich anmaßen, in irgendeiner Weise über etwas Bescheid zu wissen.

Nachdem ihr vor lauter Text wahrscheinlich schon alle eingeschlafen seid, kommen wir doch mal zum Film: Es gilt das gesprochene Wort greift nämlich eben jene „Vorbestimmtheit“ von Charakteren auf und verwandelt sie in das komplette Gegenteil. Der Film zeigt. Das, was niemand sehen möchte.

Ausländer müssen kriminell sein. Schmarotzer. Bösewichte, die am Unheil dieser Welt schuld sind. DIE ANDEREN!!! Wahhhh!

Und aus diesem Grund empfehle ich euch: Bleibt dem Film fern. Ihr seht es nämlich nur als moralische Bekehrungsversuche an. Politische Einflussnahme. Meinungsmache. Und genau das stimmt nicht.

Weder in der Realität – noch im Film. Tatsächlich hat mich diese Weichzeichnerei an dem Werk nämlich beides: Einerseits wahrlich begeistert, weil’s endlich mal nicht das Klischee ist, das ich nicht mehr hören möchte, was sich jeder in seinem alltäglichen Medienwahn gleich zurechtspinnt, andererseits extrem gestört, weil es mit der Zeit zu einer schillernden Traumblase wird, die ein dermaßen unrealistisches Licht auf diese Lebensformen und -weisen wirft, das in vielen Fällen eben doch der Realität entbehrt.

Ich würde sagen: Der Film ist der Gegenpart zur verzerrten Wahrnehmung in dieser Dimension – ein utopisches Wunschdenken – und die Realität liegt irgendwo dazwischen. Tatsächlich ist es auch extrem schwer, hier Bewertungen vorzunehmen, denn – wie eingangs erwähnt – der Mensch echauffiert sich so gerne über so vieles. Und hat am Ende doch überhaupt keine Ahnung.

Und dafür bietet Es gilt das gesprochene Wort unfassbar viel Unterredungsmaterial.

Also geht rein.

Und diskutiert danach.

Die Chance darauf habt ihr z.B. bei der Kino-Premiere in Hamburg am heutigen 30. Juli um 19:30 Uhr in den Zeise-Kinos, wo u.a. Regisseur Ilker Çatak, Anne Ratte-Polle, Godehard Giese und Ingo Fliess anwesend sein werden.

Weiter geht’s dann mit der Kinotour durch folgende Städte:

Berlin: 31. Juli 2019 – 20:30 Uhr – Filmtheater am Friedrichshain
Frankfurt / Main: 1. August 2019 – 20:30 Uhr – Cinema
Stuttgart: 2. August 2019 – 20:00 Uhr – Atelier am Bollwerk
Leipzig: 3. August 2019 – 20:00 Uhr – Passage
Potsdam: 4. August 2019 – 12:00 Uhr – Thalia Programmkinos

Bei allen Veranstaltungen sind jeweils Regisseur und diverse der oben genannten Personen vor Ort und stehen euch Rede und Antwort.

Wem das alles nicht passt, der kann sich schon mal das 15. Festival des deutschen Films in Ludwigshafen auf die Fahnen schreiben, dort wird der Film ebenfalls nochmals gezeigt.

Kontrovers anders und in meinen Augen gleichzeitig gut und schlecht: Er behandelt von der Öffentlichkeit geschundene Menschen gänzlich anders, vergeht sich aber an sich selbst und betreibt eine Weichzeichnerei, die meiner Meinung nach wieder destruktiv auf die Situation wirkt und Schönmalerei betreibt, statt die wahre Natur herauszuarbeiten. Das Gefühl der utopischen Wunschträumerei lässt einen irgendwann einfach nicht mehr los.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 01. August 2019

Original Title: Es gilt das gesprochene Wort
Length: 120 Min.
Rated: FSK 12