Tag: Aneurin Barnard

Marie Curie

Marie Curie - Filmplakat
© 2020 StudioCanal

Mit dem Namen Marie Curie verbindet man eigentlich nur die Entdeckung der Radioaktivität, ansonsten weiß man relativ wenig über diese Frau, zumindest ging’s mir so. Aus diesem Grund schätze ich Movies, die sich näher mit dem Leben bekannter Persönlichkeiten auseinander setzen, so entfällt trockene Recherchearbeit oder mühsames Biografien-Lesen und man kann sich in spielerischer Art und Weise mit Wissenslückensschließung beschäftigen und hat dabei im Optimalfall sogar noch richtig Spaß dabei.

Hier muss ich euch leider enttäuschen: Die „weibliche Variante“ der beiden derzeitigen Entdecker-Biografie-Verfilmungen ging leider deutlich nach hinten los.

Irgendwie hatten die Macher zwar Fakten auf dem Tisch liegen, dabei aber weniger Ahnung vom Filmemachen, denn das Ergebnis fühlt sich extrem trocken, rau und unglaublich nach quälender Schulstunde an. Es ist too much. Man versucht, zwei sich völlig abstoßende Elemente miteinander zu vermischen und möchte vehement nicht einsehen, dass hier kein Mischungsverhältnis stattfinden wird, sondern es dafür noch andere filmische Zutaten bräuchte, um daraus etwas Rundes entstehen zu lassen. Stattdessen hackt man immer zwischen ihrem wissenschaftlichen Durchbruch und dem „restlichen Leben“ Szenen an Szenen, die so keinerlei Verbindung finden und man sich als Zuschauer dabei fühlt, als wäre man in zwei Filmen gleichzeitig, die partout miteinander um die Vorherrschaft der Leinwand kämpfen, statt gemeinsam eine Geschichte zu erzählen.

Und durch die Machart und wenig vergnüglichen Elemente schafft man hier eben hartes Uni-Feeling: Stoff, Stoff, Stoff… und nochmal Stoff, Stoff, Stoff. Dieser Film hat keine übliche Spannungskurve, die den Zuschauer in irgendeiner Weise dazu motivieren würde, mitzugehen oder bei Laune zu halten, sondern das Niveau ist da und bleibt einfach so. Es gibt keine Aufregung, es wird nicht emotional, es sind harte Fakten und gnade dir Gott, du steigst aus und verlässt den Saal. Genau so ungemütlich wird sich das vermutlich für die Masse im Kinosaal anfühlen und deshalb läuft der Titel auch gar nicht überall, was wiederum ein schlechter Schachzug ist.

Normalerweise sollte man genau solche Filme ja eigentlich für Menschen produzieren, die sich üblicherweise nicht für Physik, Geschichte oder Themen in diesen Bereichen interessieren, um hier Aufklärung zu betreiben, Allgemeinwissen zu schaffen und sie möglicherweise so damit anstecken, dass sich ihr Bildungsweg dahingehend ändert und sie später beruflich in diese Richtungen gehen wollen. Inspiration, Anstachelung zu eigenen Höchstleistungen… eben all das, was man von Kino erwartet, findet hier nicht statt.

Marie Curie ist vielmehr ein professorisches, elitäres Stück, das damit auch genau die Fraktion anspricht, die auf solche Filme nicht mehr angewiesen sind, weil die ihnen dann nichts neues mehr zu bieten haben – und damit endet für mich der Streifen förmlich als „Rohrkrepierer“, da die Zielgruppe völlig verfehlt wurde.

Fühlt sich an wie eine nicht enden wollende Schulstunde, in der man mit Stoff bombardiert wird, der keinerlei Spannungskurven aufweist, sondern einfach nur anstrengt: Die elitären Gruppen, die das interessieren könnte, dürften die vermittelnden Inhalte schon längst kennen. Damit hat der Film seinen Bildungsauftrag verfehlt und als „Kino-Unterhaltung“ versagt er völlig.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 16. Juli 2020

Original Title: Radioactive
Length: 110 Min.
Rated: FSK 12


Short Critics: Der Distelfink – Shaun das Schaf 2: Ufo-Alarm – Gelobt sei Gott – Gut gegen Nordwind

Und was gibt’s sonst noch in dieser Woche?
© 2019 https://www.kinoticket-blog.de

Regelbruch

Zeiten ändern sich – und wer jetzt glaubt „Oh mein Gott, er will doch Geld damit verdienen…“ >> Falsch! Das wird niemals mit diesem Blog passieren. Promised.

Was aber tatsächlich Fakt ist: Früher wurde einfach weniger publiziert und veröffentlicht – und zwar von Seiten der Studios. Deshalb hatte ich damals meine eigene Regel aufgestellt: Maximal 1 Beitrag pro Tag, um niemandem auf die Eier zu gehen und die Leser/innen nicht mit zig E-Mails am Tag zuzuspammen.

Das Ganze hat auch wunderbar funktioniert: Gab es mal eine Woche mit mehr Filmstarts als Tage, konnte man dies galant in die nächste fließen lassen, wo dann vielleicht nur drei oder vier Neustarts waren – und hatte dort auch genug Material zum Schreiben.

Inzwischen sind es aber pro Woche 11-18 Filme, die neu starten – und ich habe nur 7 Tage für mein „Ein Beitrag pro Tag“-Ding, was schlussfolgernd bedeutet: Ich werde niemals auf den grünen Zweig kommen und pünktlich alle Filme bewerten können, sondern permanent nachhängen und dabei mindestens die Hälfte der Filme verlieren, weil die so weit in die Vergangenheit rutschen würden, dass es niemanden mehr interessiert.

Mein Bestreben ist stets, dem Kinozuschauer die Chance zu geben, sich ein individuelles Bild vom aktuellen Programm bilden zu können, ohne dabei gespoilert zu werden und ohne von der medialen Marktmacht abhängig zu sein, die eben nur auf Filme hinweist, die im Hintergrund gut und gerne zahlen (oder bestechen).

Wie korrupt die Medienlandschaft inzwischen ist, merke ich immer wieder, wenn es darum geht, dass man ohne Geldverdienen eben doch immense Vorteile genießt, die auf den ersten Blick nicht gleich ersichtlich sind.

Darum habe ich mir überlegt, euch diese neue Kategorie hier vorzustellen: Short Critics – die alles enthält, was nicht mehr in die Woche gepasst hat.

Erstes Kriterium, einen Film zu bewerten, ist also folglich: „Hab ich dem Film einen Tag dieser Woche spendiert? Dann ist er besser als der Rest.“ – oder ich hatte einfach immens Bock, über diesen Film zu schreiben. Immerhin richtet sich die Leserschaft ja schon seit jeher an meinem individuellen Filmgeschmack aus.

Und alles, was eben sonst noch so am Start ist und nicht mehr genügend Tage hatte, folgt in Zukunft in Kürze hier.

Natürlich freu ich mich über Rückmeldungen eurerseits – gern in den Kommentaren oder weiterhin – wie üblich – via Messenger, die Daten dazu habt ihr.

Der Distelfink

Der Distelfink - Filmplakat
© 2019 Warner Bros. Ent.

Der Film hat eine zu lange Einstiegszeit mit viel zu vielen Sekunden Wartezeit pro Schnitt, schafft es dann aber doch, dich richtig zu packen und in die Geschichte zu reißen.

Das goldfarbene Bild und die warme Atmosphäre zielen auf den originalen Buchtitel „The Goldfinch“ ab, an dessen Vorlage man sich teils zitatgenau gehalten hat, wenngleich die Erzählung im Buch chronologisch und im Film mit Rückblenden aufgearbeitet wurde, was es aber nicht weniger spannend macht. Großartig: Ansel Elgort mit exzellentem Charme und ruhiger Ausstrahlung!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss nicht abgewartet werden.

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: The Goldfinch
Length: 150 Min.
Rated: FSK 12

Shaun das Schaf 2: Ufo-Alarm

Shaun das Schaf 2: Ufo Alarm - Filmplakat
© 2019 StudioCanal

Altbekannt, wie man es von Aardman gewöhnt ist, unglaublich lustig, herzlich und liebevoll gestaltet. Shaun-Fans kommen definitiv auf ihre Kosten.

Der Film ist besser, als der Trailer verspricht und macht mit der gesamten Familie definitiv richtig Spaß. Mitnehmen!

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Bitte bis ganz zum Schluss sitzen bleiben, hier kommt noch einiges – und zwar auch ganz am Ende!

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: A Shaun the Sheep Movie: Farmageddon
Length: 90 Min.
Rated: FSK 0

Gelobt sei Gott

Gelobt sei Gott - Filmplakat
© 2019 Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG

Verstörend, schockierend, aufklärend: Auch wenn man vorher eigentlich gar keinen Bock auf das Thema hat, fesselt dich der Film sofort und bricht mit Schweigetabus rund um das Thema Kirche: Französisches Machwerk abseits des Humors, das extrem packt und kräftig in der Gefühlswelt rührt.

Genauso wichtig wie seinerzeit Spotlight gehört auch dieses Werk auf alle Leinwände, um das Thema nie zum Erliegen kommen zu lassen, bis jedes einzelne Opfer seine Gerechtigkeit bekommen hat.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: Grâce à Dieu
Length: 137 Min.
Rated: FSK 6

Gut gegen Nordwind

Gut gegen Nordwind - Filmplakat
© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Daniel Glattauer ist ein hervorragender Schreiber und Kolumnist, dessen Bücher auch ich schon mit Vorliebe verschlungen habe.

Seine Stärke liegt meiner Meinung nach in dem Ausbilden der Fantasie des Lesers, eine Eigenschaft, die einem der Film vollständig nimmt. Darum ist das Medium „Kinofilm“ an dieser Stelle wohl absolut ungeeignet, um diesen Stoff zu vermarkten. Daran hinkt auch der Streifen, der einfach nicht zünden will und jeglichen Charme aufgrund der Unzulänglichkeiten einbüßt. Aber ich wüsste selbst auch nicht, wie ich das filmisch besser hingekriegt hätte – also einfach: falsches Medium. Bleibt beim Buch!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden.

Kinostart: 12. September 2019

Original Title: Gut gegen Nordwind
Length: 122 Min.
Rated: FSK 0