Tag: Anschlag

Der Fall Richard Jewell

Der Fall Richard Jewell - Filmplakat
© 2020 Warner Bros. Ent.

Was macht ihr, wenn ihr eines Morgens die Zeitung aufschlagt und darin lest: “Clint Eastwood ist gestern verstorben”? Hinterlassen wir nach unserem Ableben auch so ein mächtiges Erbe für die Welt wie er?

Was hat dieser Kerl bereits alles für’s Kino getan?

Manch einer erinnert sich noch an Million Dollar Baby, Gran Torino und weitere Werke, die wir seinem Schaffen zu verdanken haben … und was ist bei all den Filmen immer aufgefallen?

Richtig: Der Mann kann Geschichten erzählen. Er berührt das Herz!

Menschen, die in Der Fall Richard Jewell sitzen, können dies vielleicht in den ersten 30-40 Minuten nicht ganz nachvollziehen. Für mich war’s anstrengend. Die Erzählweise ist absolut nicht mein Fall. Das dröge Dahinplätschern, das zwielichtige, versuchte Aufbauen von komödiantischer Unbeholfenheit – irgendwie stört mich vieles an der Art von Jewells Charakter. Oder vielleicht war’s auch einfach nur die Stimmlage des Synchronsprechers … ich weiß es nicht.

Gleichzeitig spürt man aber auch diese filmische Ruhe, die einen in so mancher Szene verwundert zurücklässt, weil man – ganz im Stile dieser Art von Film – eigentlich erwartet, dass einem gleich 100.000 Journalisten die Bude stürmen oder man viel mehr Wirbel um die einzelnen Erzähl-Elemente reißt.

Und was wird geliefert?

Genau: die Ruhe Eastwoods, die wir aus seinen Filmen kennen.

Ganz ehrlich? Ich hab’s vorher total vercheckt, dass dieser Streifen ja von ihm ist und bin daher völlig unwissend in den Saal gegangen. Und genau das kommt dann zum Tragen: Eastwoods heilende Einflüsse, die aus dem Film doch etwas schaffen, das die Hände wieder tief in deine Brust bohrt und zärtlich um dein Herz schmiegt, um es wärmend in den Händen zu wiegen. Du gehst mit einem Kloß im Hals wieder nach draußen und denkst dir: Eigentlich hätte der Titel auch “Eine Ballade über einen guten Menschen” heißen können, was schlussendlich auch nicht mehr Leute ins Kino gelockt hätte, inhaltlich aber absolut zutreffend wäre.

ATLANTA, GEORGIA – DECEMBER 10: Clint Eastwood and Barbara „Bobi“ Jewell attend „Richard Jewell“ Atlanta screening at Rialto Center for the Arts on December 10, 2019 in Atlanta, Georgia. (Photo by Paras Griffin/Getty Images for Warner Bros.)

Es packt dich – vollends – und am Schluss denkst du dir: Wow! Muss ich irgendwie nochmal sehen! Tatsächlich ist es nämlich ein Meisterwerk, auch wenn du die volle Blüte des Films nicht sofort auf den ersten Blick erkennst: Es wurde tiefgründig gearbeitet und dabei alles richtig gemacht. Selbst bis hin zum Cast, den ich an dieser Stelle ebenfalls nochmal lobend erwähnen möchte: Die Zusammenstellung ist bis ins Detail gelungen und jeder (!) hat seine Sache hier wirklich grandios gemacht.

Ich ködere euch nun mal mit Clint Eastwood und gebe euch dazu mit auf den Weg: Gebt dem Ding einfach ein wenig Zeit, um sich zu entwickeln … danach packt’s euch richtig und ihr bereut den Abend auf keinen Fall.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Wartet die Text-Tafeln noch ab, danach dürft ihr gehen.

Kinostart: 25. Juni 2020

Original Title: Richard Jewell
Length: 129 Min.
Rated: FSK 12


Angel Has Fallen

Angel Has Fallen - Filmplakat
© 2019 Universum Film GmbH

Angel Has Fallen rangiert derzeit auf Platz 1 der US-Kinocharts und hat dort bereits über 21,3 Mio. US$ eingespielt. Nun könnte man hingehen und unterschiedliche Gründe nennen, warum dies so sei.

Amerika lebt oft mit dem leider patriotischen Vorurteil, dass die Amis ihr Land lieben, ihre Flagge lieben, ihre Army lieben und eben jene Filme dazu beitragen, das Showlaufen der US-Army zu unterstützen und deshalb aus patriotischen Gründen nach vorne gepusht werden.

Was einige von euch sicher wissen: Dies ist Teil drei einer bis dato Trilogy, die sich in der Vergangenheit keinen guten Namen gemacht hat – zumindest nicht hier in Deutschland.

Ich war enttäuscht von dem großkotzig angelegten Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr, dessen Name schon großspurig aufträgt, der aber einen immer die gleiche Rolle spielenden Gerard Butler auffährt, der sich in diesem Film nicht mit Ruhm oder herausragenden, nennenswerten Elementen bekleckert, sondern eben einfach da ist.

Solides B-Blockbusterkino, zu gut, ums in die Ecke zu werfen, weil nunmal echt Kohle drin steckt (70 Mio. Budget), zu schlecht, als dass man es abfeiern müsste. Außer? Man ist Ami.

Danach folgte London Has Fallen, der Teil, der mich persönlich dazu brachte, mit der Reihe zu brechen und ihr vollends den Rücken zu kehren. Ganz ehrlich? Verkackt! Aber die Rechnung ging auf: 60 Mio. Budget, 196 Mio. Einnahmen. Es lebe der Kapitalismus.

Und dann krieg ich ne E-Mail, in der ich dazu eingeladen werde, mir Angel Has Fallen anzuschauen … und in mir rühren sich kleine Lichtlein, ich denke mir: „… has fallen, …has fallen … da war doch schon mal was …. och nöööö!“ Und habe schon keine Lust mehr darauf.

Vor allem schon die Namensgebung: Olympus WHUAH! => London yeeeiyyy => Angel düdüdü…. Was kommt als nächstes? Eisprinzesschen has fallen?

Aber – wie das bei Cineasten und Leuten so ist, die ne Kinomeise haben: Man organisiert sich Tickets (Yes, Pressevorführung verpasst!) und schaut sich die Show an.

BAM!

Kinder? Tut dem gleich! Angel Has Fallen hat’s endlich verstanden und liefert genau das, was ich von so einem Film erwarte: Krachende Action, einen dämlichen Plot drumrum, aber Stimmung im Saal, dass sich die Balken biegen!

Und voila: Man spürt deutlich, dass nun endlich Geld am Start ist … was? Wie bitte? 40 Mio. Budget? Äh …?

Man spürt, dass unfassbar viel Geld und Kreativfreiheit im Raum ist, leider knapp nur ⅔ des ersten Teils, also so wenig wie bisher noch nie … ehrlich jetzt?

40 Mio. Budget und auf einmal läufts?

Dann dreht bitte Teil 4 mit 30 Mio., Teil 5 mit 20 usw. – denn ehrlich? Das Ding ist mega geworden!

Schon zu Beginn läufts – und man ist sofort drin, hat sofort geile Stimmung und feiert es á là Sicario einfach ab. Jap, es knallt, dass sich die Balken biegen und der technische und hintergründige Part des Films ist vom Niveau her unglaublich gestiegen!

Dieser Beat … der dazu passende Bildschnitt … die Szenen, das „Gewühle“ des Sounds und vor allem: Der Surroundeffekt haut dich wirklich vom Hocker.

America’s Army Fashion Week ist angebrochen und sie brechen zum narzisstischen Showrun auf, der sich gewaschen hat, diesmal aber nix von wegen „Patriotismus – Yeah“, sondern schön unterschwellig, weil die Inszenierung seinesgleichen sucht.

GENAU. SO. GEHT. ACTIONKINO!

Bumm. Rumms. Wham. Swush! Mit dröhnenden Boxen, hämmernden Beats und einem immerwährenden, hochfrequenten Herzschlag, der den ganzen Film über niemals nachlässt.

Über den Plot reden wir nicht, sonst wird’s wieder ein Verriss – aber über die Action und demnach über eure Kinoauswahl, wenn ihr euch das Ding reinzieht.

Dorfkino? Nein.

Kleine Leinwand? Nein.

Große Leinwand? Nein. Gibt bestimmt noch ne größere. Google es!

Harter Sound und laute Einstellung? Geht auch noch ne Nummer größer.

Hier fallen mir für München wiederum drei Kinos ein, in denen ihr das wunderbar zelebrieren könntet:

mK6

Dolby Cinema™ (derzeit noch nicht im Programm)

und CinemaxX, die sich kürzlich die Mühe gemacht und alle Säle soundmäßig neu eingemessen haben, was dazu führt, dass dort drin seit neuestem echt wieder die Post abgeht! Und 5.99 € ist derzeit auch irgendwie unschlagbar – wäre also in dem Fall das Kino der Wahl schlechthin!

Ich bin zutiefst beeindruckt und geflasht und freue mich (ja, ich schreibs nochmal: Freue mich !!!) auf die nächsten Teile, die hoffentlich folgen werden, denn so, wie’s jetzt ist, darf es gerne bleiben.

Das atmosphärische Knistern der immerwährenden Explosion, das rauchige Gefühl von „gleich geht alles in die Luft“, der im Takt passende Soundtrack und akurat geschnittene Cut des Films dazu – man wippt automatisch mit und feiert es einfach. Vorausgesetzt, das Kino ist gut genug. In kleinen Sälen oder mit piepsigen Boxen (oder auch im Heimkino) wirkt’s dann eben nicht mehr.

Also rafft euch auf, schafft eure Ärsche in die Säle, setzt euch mittig (Surroundeffekt am besten) und genießt die Show, solange sie in den Kinos ist – alles andere ist dann wieder für’n Arsch 😉

Wahnsinn – nun hat man’s endlich verstanden und liefert Actionkino, dass sich aus der Reihe löst und par excellence funktioniert: Saftige Bässe, wuchtiges Brummen und rauschende Explosionen mit einem grandiosen Soundtrack und atmosphärischer Stimmung im Saal liefern einen der besten Actionfilme des Jahres: Reingehen ist Pflicht!

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Der Soundtrack ist absolut cool und 3 Worte weiter gibt’s noch eine spannende Szene, die ziemlich lang ist – danach dürft ihr dann raus.

Kinostart: 29. August 2019

Original Title: Angel Has Fallen
Length: 114 Min.
Rated: FSK 16