Tag: Auszug

Wir Eltern

Wir Eltern - Filmplakat
© 2019 Wfilm

„Jetzt reißt er wieder seine Fresse auf und dabei hat er überhaupt keine Ahnung…“

Stimmt – ich hab keine Ahnung, was Kinder, Kindererziehung, Familie und das ganze drumrum angeht, außer, dass ich selbst sechs Geschwisterchen habe und somit im „Pool der Unrühmlichkeiten“ auch ordentlich mitgemischt habe.

Eric Bergkraut hat einfach mal seine Family geschnappt, einen Wettbewerb vor Augen gehabt und einen Film kredenzt, in dem es um genau diese Dinge geht: Die Kinder tanzen den Eltern gerne auf der Nase herum und machen einfach ihr eigenes Ding, statt sich ordentlich zu benehmen und für den Rest der Welt ein Vorzeigesöhnchen und -töchterchen zu sein.

Gerade das dürften viele aus eigener Erfahrung kennen: Entweder als stummer Zuschauer an der Supermarktkasse – oder eben im eigenen Heim, was dann dauerhafter und nerviger sein dürfte 😉

Und genau da greift der Film auf humorvolle Weise ein Thema auf, dem sich viele erlegen fühlen und nimmt sowohl Kinder als auch Eltern unter die Fittiche und macht mit ihnen einen Ausflug ins „Was wäre wenn“-Land. Und das macht definitiv viel Spaß, weil man sich dabei so ganz flauschig in seine Nischenecke verkrümeln und mit einem Grinsen im Gesicht der Sache annehmen kann, ohne dabei selbst zu verzweifeln.

Das Zusammenspiel harmoniert zwischen den Darstellern im Allgemeinen sehr gut … und ich denke, das liegt nicht nur daran, dass sie auch im echten Leben (teilweise) eine Familie sind, sondern auch an ihren Fähigkeiten, eine Rolle wirklich überzeugend rüberzubringen.

Auch die lässige Art, hier verschiedene Erziehungsmethoden aufzugreifen und diese spielerisch auseinanderzunehmen, taugt mir sehr, denn der Film zeigt, wie das Leben die Momente oft mit eigenem Zynismus in die Hand nimmt und so ganz anders regelt, als man sich das vorstellt.

Dass all dies zugunsten eines Schmunzlers beim Publikum aufgelöst und verarbeitet wird, ist dann das Sahnehäubchen, dass jedem/jeder Einzelnen zusätzlich das Gefühl gibt, richtig in sein/ihr Kinoticket investiert zu haben.

Großartig, voller Humor, elterlichem Frust, pubertärem Entdecken und emotionaler Herzlichkeit: Diese Komödie baut ihren ganz eigenen Charme auf und übergibt ihn direkt ans Publikum.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten.

Kinostart: 16. Juli 2020

Original Title: Wir Eltern
Length: 98 Min.
Rated: FSK 6


Brahms: The Boy 2

Brahms: The Boy 2 - Packshot UHD
© 2020 Capelight Pictures

The Boy überraschte uns alle ja mit einer bisher nie gekannten Seltenheit: Der Film wurde mit FSK 12 in die Kinos gebracht und hat Inhalte, die selbst so manchen FSK-18-Horror übertreffen: Grusel, Atmosphäre, bombastische Einlagen und absolutes Frightening.

Die erste Überraschung des Nachfolgers: Diesmal ist der Film dann endlich ab 16 Jahren freigegeben und schließt somit per se die kindliche Fraktion aus, ohne dass diesmal in den Kinofoyers von verantwortlichen Kinobesitzern mit jeder Menge Aushänge dafür gekämpft wird.

Die zweite Überraschung: Für einen zweiten Teil ist auch dieser Film wahnsinnig gut gelungen. Wie schon in Countdown erwähnt, ist Horror niemals so vom Hocker hauend, dass man die Pforten für Filmfestspiele öffnet und hier 98% der Weltbevölkerung auf seine Seite ziehen kann. Die Stärken des ersten Teils hat man aber auch im zweiten Teil wieder ausgespielt und sich wahnsinnig viel Mühe bei der Umsetzung des um die Ecke denkenden Angstgenerators gemacht. Licht, Setausstattung, das „Rumspielen“ mit Eindrücken und Einbildungen beim Zuschauer ist auch hier wieder erstklassig und funktioniert.

Auch die Story bandelt wunderbar an den ersten Teil an und ist somit keine stumpfe Wiederholung, sondern erweckt die Welt wieder zum Leben und führt sie in neuer Weise fort.

Es ist kein Geheimnis, dass ich absoluter Fan des ersten Teils geworden bin und auch diesmal möchte ich sagen: Die Enttäuschung blieb aus und ich würde mich sehr darüber freuen, wenn weitere Filme folgen würden, die daraus gerne eine Filmreihe spinnen dürfen, insofern man dann nicht ins ewige Wiederholen abdriftet.

Wunderbare Fortsetzung einer tollen Idee, technisch nahezu perfekt umgesetzt mit angenehmen Charakteren und funktionierender Gruselstimmung: Diesmal im richtigen Alterssegment für einen gelungenen Kinoabend mit wenig hohen Erwartungen.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 20. Februar 2020

Original Title: Brahms: The Boy II
Length: 87 Min.
Rated: FSK 16


Short Critics: Dem Horizont so nah – 47 Meters Down: Uncaged – Bruder Schwester Herz – Ronny & Klaid – Everest – Ein Yeti will hoch hinaus

Und was gibt’s sonst noch in dieser Woche?
© 2020 https://www.kinoticket-blog.de

Dem Horizont so nah

Dem Horizont so nah - Filmplakat
© 2019 StudioCanal

Die Befürchtungen des Publikums sind groß: Der Film braucht seine 10 Minuten, um in die deutsche Sprache reinzukommen, verblüfft dann aber mit extrem direkter Ehrlichkeit und spricht alles offen an, was man als denkender Zuschauer eigentlich braucht, um nicht in der Durchschnittsfilmdummheit gefangen zu werden.

Damit catcht der Film viel mehr, als mit der Angst vor „Oh weia, Deutsch!“. 14jährige kriegt man mit dem Thema immer, Aufklärung über gewisse Krankheiten gibt’s obendrauf und am Ende ist es grandios, weil man vom Inhalt gefangen genommen wird und eben richtig durchgeschleudert. Blaue Augen-Schümann inklusive – Top!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: Dem Horizont so nah
Length: 117 Min.
Rated: FSK 12

47 Meters Down: Uncaged

47 Meters Down - Uncaged - Filmplakat
© 2019 Concorde Filmverleih GmbH

Augen-Gourmet! Die Macher an den Kameras haben einfach begriffen, was es braucht, um im Kino von der Leinwand herab so richtig verwöhnt zu werden: Bombe!

Dass das schon ein zweiter Teil ist, man sich solche Filme besser als 23 Uhr zu Hause-Horror-Kino anschaut – drauf geschissen! Die Aufnahmen sind viel zu geil, um sie nicht auf der großen Leinwand bestaunen zu können.

Dass die Ladies allesamt ein wenig „schreihaft“ sind, mag manch einer nicht so ganz verkraften, der Twist kommt aber prompt und macht dann auch wieder richtig Laune.

Wenn man damit klar kommt, dass das eben gewollte B-Movie-Production ist: Spitzenmäßig. Und noch ein Lob: Die Charaktereinführung! In so einem Metier bisher ungesehen!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht’s nicht abzuwarten, es folgt nichts mehr.

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: 47 Meters Down: Uncaged
Length: 91 Min.
Rated: FSK 12

Bruder Schwester Herz

Bruder Schwester Herz - Filmplakat
© 2019 Kinostar Filmverleih GmbH

Ein seltsamer Film, ein seltsamer Einstieg, eine seltsame Gefangennahme: Ganz ehrlich? Ich würde ihn mir gerne nochmal ansehen und werde ihn mir vielleicht sogar fürs Heimkino zulegen.

So etwas Verrücktes sieht man echt selten. Dabei dann aber eine Authentizität vom Stapel zu lassen, die dermaßen in das Metier eintaucht und hier von sich Reden macht – erlebt man genauso selten. Und am Ende schließt man diejenigen schon irgendwo in sein Herz … auch wenn das Filmende genauso verwirrend ist, wie sein Anfang.

Gehört wohl einfach so. Trotz allem sehenswert.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: Bruder Schwester Herz
Length: 105 Min.
Rated: FSK 6

Ronny & Klaid

Ronny & Klaid - Filmplakat
© 2019 Studio Hamburg Enterprise GmbH

Erkan & Stefan kennt man? Dann auch das Niveau dieses Films. Wenn auch nicht so „blöde“ wie damals. Aber trotzdem bescheuert. Und irgendwie auch genial, wenn man auf lokal-konzentrischen Humor steht und dabei ganz viel Liebe für die Berliner Weltoffenheit übrig hat.

Ist bei mir der Fall – darum mochte ich den Film auch, trotz seiner Idiotie, die aus allen Ecken schreit. Man darf’s eben alles nicht so ernst nehmen 😉

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Kommt nix – rausgehen erlaubt. Spätis haben noch geöffnet 😉

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: Ronny & Klaid
Length: 114 Min.
Rated: FSK 6

Everest – Ein Yeti will hoch hinaus

Everest - Ein Yeti will hoch hinaus - Filmplakat
© 2019 Universal Pictures International

Das Volk weint – ich irgendwie nicht. Der Film ist anrührend, in meinen Augen nicht wirklich spitze animiert, hebt aber fremde Kulturen hervor und entführt damit in fremde Welten.

Ist okay, hat mich persönlich aber nicht wirklich abgeholt. Auf Twitter liest man aber hier und da, dass die Erwachsenen (!) Tränen in den Augen hatten. I don’t know why.

Business as usual – nichts besonderes, aber eben auch kein Schund. Irgendwas zwischendrin. Darf man mitnehmen – muss man aber nicht.

Nachspann: ⚪️⚪️🔘 | Sitzenbleiben. Bis ganz zum Schluss. Wenn schon, denn schon.

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: Abominable
Length: 97 Min.
Rated: FSK 6