Tag: Barbara Sukowa

Enkel für Anfänger

Enkel für Anfänger - Filmplakat
© 2020 StudioCanal

Die Deutschlandpremiere ist lange her, der Kinostart liegt nun auch schon ein paar Monate zurück und dank Corona ist es dennoch möglich geworden, den Streifen trotzdem im Kino zu sichten. Überhaupt ist im Moment etwas passiert, von dem ich lange Zeit geträumt habe: Man kann einfach in die Lichtspielhäuser gehen und wird nicht etwa von Langeweile oder Kreativitätslosigkeit umspült, sondern erlebt ein Revival klassischer und moderner Filmvielfalt, dass sich die Balken nur so biegen. Ich möchte fast sagen, es ist eher schöner als vor Krisenzeiten.

Aus diesem Grund hab ich mich natürlich auch der Streifen angenommen, die jetzt wieder ins Kino kommen und die ich durch meine krankheitsbedingte Pause noch nicht rezensieren konnte. Dazu gehört u.a. Enkel für Anfänger, dem ich zuallererst mal das Prädikat „sehenswert“ attestieren möchte – und zwar aus einem Grund: Heiner Lauterbach.

Jap, dieser Kerl ist ein wahnsinnig angenehmer, sympathischer Zeitgenosse, den ich durch einige Faktoren sehr zu schätzen gelernt habe. In Der Fall Collini stiehlt er sogar Hauptdarsteller Elyas M‘Barek die Show und spielt alles und jeden an die Wand.

Vor einiger Zeit stieß ich beim Zappen dann mal in der ARD (yes 🤷🏼) auf den Film Ihr letzter Wille kann mich mal, den ich sowas von angenehm und überragend gut umgesetzt fand, dass ich auf die Suche nach weiteren Titeln mit Lauterbach gegangen bin und meine Meinung ändert sich auch bei Enkel für Anfänger kein bisschen.

Irgendwie schafft er es immer wieder, dem Film einen Charme zu verpassen, der einen im Kinosaal jede Argwohn gegenüber schlecht gemachtem, deutschen Kino vergessen lässt. Natürlich strapaziert man auch hier wieder die Gunst des Zuschauers und packt so ziemlich jedes üble Klischee deutscher Filmkunst in die Kiste, aber: Dieser Film hat definitiv seine Momente, und in allen davon ist Lauterbach ein Thema.

Auch einige Jokes und ulkige Szenen hat man im Drehbuch verankert, die ich ebenfalls gelungen fand und ihr dürft mir nun gern den Alterssenil-Stempel verpassen, wenn ich sage: Ja, man kann ihn sich wirklich ansehen, ohne dabei zu verzweifeln. Vielleicht werd ich aber auch doch bloß älter und krieg‘s nicht mit 😉

Großartige Schauspielkunst von Heiner Lauterbach: Der Mann kann definitiv spielen und ist ein Talent, der in diesem Streifen alles klischeehafte durch seine Anwesenheit und Art wieder raus reißt und dem Zuschauer ein wohliges Umfeld vergnüglicher Unterhaltung bietet. Auch wenn die Zielgruppe definitiv ARD ist: Auch im Kino funktioniert das Ding, wenngleich eine Matinée dafür wohl das beste Umfeld wäre – aber: er funktioniert.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 6. Februar 2020

Original Title: Enkel für Anfänger
Length: 104 Min.
Rated: FSK 6


Gloria – Das Leben wartet nicht

Gloria - Filmplakat
© 2019 SquareOne Entertainment GmbH

Time has come … time has gone bye … Gloria ist in erster Linie eine Vergötterung der 80er Jahre, was man gleich zu Beginn merkt. Hierbei habe ich in den vergangenen Wochen ein interessantes Phänomen beobachtet: Ich fand den Film ehrlich gesagt ziemlich doof (erklär ich gleich, warum), aber: Sämtliches Publikum älterer Generation feiert ihn ab, als gäbe es kein Morgen.

Dann schleppt man die nächsten in die Spotlight-Vorstellungen und führt den Film vor in Erwartung an gleichmeinigender Negativ-Kritik und hört: „Nö, fand ihn ehrlich gesagt ziemlich gut.“

What?

Ich weiß selbst, dass es im Kino eigentlich viel zu wenig solcher Filme gibt, die nicht mit einer dermaßen immensen Filmgeschwindigkeit auftrumpfen, sondern alternde Gemütlichkeit an den Tag legen. Der bestrebend erschwerte Vorwärtsdrang und immerwährende Lärm der letzten Jahre zehrt ungemerkt an vielen Nerven und es sollte eigentlich unfassbar gut tun, mal einen Film zu erleben, der sich wirklich in allem tragend Zeit lässt und niemanden großartig erschreckt.

Darin ist Gloria groß: Es passiert quasi kaum etwas und der ganze Plot wäre in einem kurzen Satz erzählt. Dennoch hat mich die Machart des Films gleich zu Beginn extrem gestört.

Ich selbst bin ein Kind der 80er – ich bin aufgewachsen in genau den Klängen, die man dort auflegt – und zwar dankenderweise mal nicht nur die üblichen Verdächtigen, sondern eben auch ein paar Klamotten aus den Nischenkisten dieses Jahrzehnts. Und das tat selbst mir richtig gut – zumindest so lange, bis alles von den üblen Cuts zerschnitten wurde. Ganz im Ernst: Hat da jemand einfach keinen Bock mehr gehabt und einfach gesagt: Schluss aus, weiter, nächste Szene? Die Schitte im ganzen Film sind derart wüst – kein einziger Fade oder mal sanfter Ausklang oder auch mal ein Songtitel noch in die nächste Szene reinklingen lassen … nein, immer abruptes Abbrechen und Sofortstopp ohne Gnade. Was bringt das? Gegenteilig zur sanften Ruhe und Ausgeglichenheit, die man offensichtlich ja eigentlich ausstrahlen wollte oder? Ich checks nicht.

Dazu gepaart die seelige Es-passiert-absolut-nichts-Stimmung, in denen Julianne Moore singt und singt und singt … ja, auch ich habe begriffen, dass sie die nächsten Plot-Teile immer durch ihre Songtexte vorher selbst spoilert, aber was zur Hölle soll das? ARD für Arme, damit auch ja keiner Herzinfarkt kriegt, weil mal irgendwas passiert?

Nichts gegen Moore oder auch Turturro: Letzteren kennt unsereiner eher aus Blockbuster-Krachern wie Transformers oder gar noch aus The Big Lebowski, aber auch er nervt in seiner Persönlichkeit hier eher, als dass man ihn „witzig“ und unterhaltsam findet. Zumindest ging’s mir so: Die ganz Show war einfach armselig banal und langweilig und hat meiner Meinung nach eher im TV als im Kino etwas verloren, weil selbst der Zeitgeist dieses Jahrzehnts dadurch nur bedingt rüberkommt und man den rettenden Absprung ins „Ach scheiß drauf, lass einfach leben“ eben im Film nicht wirklich zelebriert, sondern alles nur dröge dahin siecht.

Was also finden alle an dem Teil so geil, dass mir keiner mit negativer Kritik ankommt und sagt: „Naja, geht so?“ Dass der Film realistisch ist? Dass das genau so passieren kann? Dass man im Alter träger wird und sich eine statische Langsamkeit einstellt, in der eben einfach nicht mehr wild getanzt werden muss, sondern man froh ist, wenn man morgens aufwacht und noch in normalen Zyklen atmet?

Sorry, wenn das grad alles etwas altersfeindlich klingt – auch ich bin nicht mehr der Jüngste und den „Boyz freaking Out“-Zeiten hat mein Körper ebenfalls bereits den Kampf angesagt, jedoch kann’s doch echt nicht sein, dass es so dermaßen gravierende Generationenunterschiede gibt, die einen so krass unterschiedlichen Geschmack an diesem Film kenntlich machen, wie ich es in den letzten Wochen so erlebt habe?

Tell me – was findet ihr an dem Teil so heiß? Kinopublikum übrigens vorwiegend ältere Frauen: Genau denen hätte ich das Werk jetzt auch zugeschrieben. Ändert nichts an meiner Meinung, Geschmäcker sind jedoch zum Glück immer verschieden. Transformers-Bubis sitzen hier aber definitiv im falschen Film.

Der Film hält, was der Trailer nicht verspricht: Hier werden wohl viele enttäuscht rausgehen, dafür punktet er mit mir unbegreiflichen Komponenten, die allernorts Gefallen auslösen, mich aber ehrlich enttäuscht haben: 80er Jahre Style kurz vorm seelischen Tod in einer höchst merkwürdigen Story, die kaum Bewegung liefert, aber das Volk begeistert. Dann bitte >> Genießt die Show.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 22. August 2019

Original Title: Gloria Bell
Length: 102 Min.
Rated: FSK 0