Tag: Berlin

#RettetDasColosseum

Nein, es geht nicht um Corona. Nein, dies ist keine „weitere Schließung von noch einem Kino, dass es nicht geschafft hat“. Die Umstände sind tatsächlich etwas verzwickter.

Aber der Reihe nach:

Anfang der 1920er Jahre (also wieder rund 100jähriges Bestehen) entschloss sich ein gewisser Fritz Wilms, das damalige Gebäude in Berlin Prenzlauer Berg zu einem Kino umzurüsten.

Dann folgte eine lange, kulturelle Geschichte, man überlebte den zweiten Weltkrieg, wurde privatisiert, saniert, steht unter Denkmalschutz, wurde als gemeinsame Betreibergesellschaft mit der CinemaxX AG fortgeführt und anschließend durch die Firma UCI übernommen und betrieben.

Nun kommt Corona und plötzlich verkündet man das Aus des Kinos und meldete am 22. Mai 2020 (laut Wikipedia.de) Insolvenz an.

Doch da ist nicht alles koscher, zumindest macht es auf mich absolut nicht den Eindruck.

Mir liegt eine Pressemitteilung vor, in der es heißt, dass der Antrag auf Insolvenz bereits am 20. Mai 2020 gestellt wurde und dass die Mitarbeiter*innen eine Woche später über die bevorstehende Schließung informiert wurden.

Außerdem wurden hier einige Punkte aufgeführt, die „Corona“ als angegebene Begründung zumindest fragwürdig erscheinen lassen, denn finanzielle Unternehmenshilfen im Bezug auf Corona wurden nicht beantragt, was ja schon mal sehr merkwürdig erscheint.

Außerdem wurde verlautbart, dass das Haus nicht weiter als Kino fortgeführt werden soll, sondern bereits im September 2019 ein Bauvorbescheid für das Grundstück beantragt wurde mit dem Wunsch nach „Neubau und Überbauung des Grundstücks „Colosseum“ mit Büronutzung im Umfang von 15960 qm Gewerbefläche“. Diesem Antrag wurde scheinbar stattgegeben.

Tatsache ist auch, dass das Kino – wie die meisten anderen Kinos in Deutschland ebenso – am 02. Juli 2020 seinen Spielbetrieb wieder hätte aufnehmen wollen und können, selbst die Hygiene- und Abstandskonzepte waren bereits vollständig ausgearbeitet.

Stattdessen werden die (ehemaligen) Mitarbeiter*innen an diesem Tag ihre Trauer öffentlich vor dem Gebäude veranstalten und laden hierzu Sammy Brauner, Pressevertreter*innen und lokale Politiker*innen ein, mit ihnen in den Dialog zu treten.

Im Klartext heißt das: Es sieht stark danach aus, dass Corona hier als „Vertuschungsgrund“ genutzt werden soll, um längst abgesegnete Bauvorhaben öffentlichkeitswirksam umsetzen zu können und hierbei den Menschen vorgegaukelt wird, dass das Kino einfach durch die Corona-Krise betroffen sei.

Dem gegenüber steht, dass im Geschäftsjahr 2019 das Colosseum dank 350.000 Besuchern einen positiven Geschäftsabschluss verzeichnete und die gerade einmal 10 Wochen dauernde Schließung des Hauses dadurch wohl kaum den Ruin bedeuten könne. Die Mitarbeiter*innen zweifeln dies auf jeden Fall stark an.

Dazu kommt, dass das Kino als Publikumsmagnet in dieser Region auch weitreichende wirtschaftliche Konsequenzen nach sich zieht, da umliegende gastronomische Einrichtungen und Kiezläden von den Kinobesuchern profitierten und dies ein attraktiver Standort ist, um Touristen und Einheimische anzulocken.

Alles in allem eine sehr heikle und – auch für mich als absoluten Cineasten und Kino-Fan – bedauerliche Entwicklung, da gerade Häuser, die auf solch eine Zeitspanne zurückblicken, immer viel über die Geschichte der Stadt und auch des stark mit Berlin verwobenen Films erzählen können und definitiv erhalten bleiben sollten.

Wer gerne auf diese seltsamen Missstände aufmerksam machen möchte, kann seinem Unmut darüber gerne in den sozialen Netzwerken oder anderweitig im Internet Gehör verschaffen – nutzt hierfür bitte den Hashtag #RettetDasColosseum

Selbstverständlich sind auch alle dazu eingeladen, sich am 2. Juli 2020 mit den Mitarbeiter*innen zu solidarisieren und bei Politik und Geschäftsinhabern um Gehör zu bitten, so dass eine andere Lösung gefunden werden kann als die endgültige Schließung des Komplexes.

Sämtliche Angestellte haben nämlich längst in ihrer letzten Betriebsversammlung am 19. Juni 2020 einstimmig beschlossen, den Spielbetrieb fortführen zu wollen.

Vielleicht schaffen wir es ja gemeinsam, dass dies wieder möglich wird.

#SaveTheColosseum
#RettetDasColosseum


Short Critics: Dem Horizont so nah – 47 Meters Down: Uncaged – Bruder Schwester Herz – Ronny & Klaid – Everest – Ein Yeti will hoch hinaus

Und was gibt’s sonst noch in dieser Woche?
© 2020 https://www.kinoticket-blog.de

Dem Horizont so nah

Dem Horizont so nah - Filmplakat
© 2019 StudioCanal

Die Befürchtungen des Publikums sind groß: Der Film braucht seine 10 Minuten, um in die deutsche Sprache reinzukommen, verblüfft dann aber mit extrem direkter Ehrlichkeit und spricht alles offen an, was man als denkender Zuschauer eigentlich braucht, um nicht in der Durchschnittsfilmdummheit gefangen zu werden.

Damit catcht der Film viel mehr, als mit der Angst vor „Oh weia, Deutsch!“. 14jährige kriegt man mit dem Thema immer, Aufklärung über gewisse Krankheiten gibt’s obendrauf und am Ende ist es grandios, weil man vom Inhalt gefangen genommen wird und eben richtig durchgeschleudert. Blaue Augen-Schümann inklusive – Top!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: Dem Horizont so nah
Length: 117 Min.
Rated: FSK 12

47 Meters Down: Uncaged

47 Meters Down - Uncaged - Filmplakat
© 2019 Concorde Filmverleih GmbH

Augen-Gourmet! Die Macher an den Kameras haben einfach begriffen, was es braucht, um im Kino von der Leinwand herab so richtig verwöhnt zu werden: Bombe!

Dass das schon ein zweiter Teil ist, man sich solche Filme besser als 23 Uhr zu Hause-Horror-Kino anschaut – drauf geschissen! Die Aufnahmen sind viel zu geil, um sie nicht auf der großen Leinwand bestaunen zu können.

Dass die Ladies allesamt ein wenig „schreihaft“ sind, mag manch einer nicht so ganz verkraften, der Twist kommt aber prompt und macht dann auch wieder richtig Laune.

Wenn man damit klar kommt, dass das eben gewollte B-Movie-Production ist: Spitzenmäßig. Und noch ein Lob: Die Charaktereinführung! In so einem Metier bisher ungesehen!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht’s nicht abzuwarten, es folgt nichts mehr.

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: 47 Meters Down: Uncaged
Length: 91 Min.
Rated: FSK 12

Bruder Schwester Herz

Bruder Schwester Herz - Filmplakat
© 2019 Kinostar Filmverleih GmbH

Ein seltsamer Film, ein seltsamer Einstieg, eine seltsame Gefangennahme: Ganz ehrlich? Ich würde ihn mir gerne nochmal ansehen und werde ihn mir vielleicht sogar fürs Heimkino zulegen.

So etwas Verrücktes sieht man echt selten. Dabei dann aber eine Authentizität vom Stapel zu lassen, die dermaßen in das Metier eintaucht und hier von sich Reden macht – erlebt man genauso selten. Und am Ende schließt man diejenigen schon irgendwo in sein Herz … auch wenn das Filmende genauso verwirrend ist, wie sein Anfang.

Gehört wohl einfach so. Trotz allem sehenswert.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: Bruder Schwester Herz
Length: 105 Min.
Rated: FSK 6

Ronny & Klaid

Ronny & Klaid - Filmplakat
© 2019 Studio Hamburg Enterprise GmbH

Erkan & Stefan kennt man? Dann auch das Niveau dieses Films. Wenn auch nicht so „blöde“ wie damals. Aber trotzdem bescheuert. Und irgendwie auch genial, wenn man auf lokal-konzentrischen Humor steht und dabei ganz viel Liebe für die Berliner Weltoffenheit übrig hat.

Ist bei mir der Fall – darum mochte ich den Film auch, trotz seiner Idiotie, die aus allen Ecken schreit. Man darf’s eben alles nicht so ernst nehmen 😉

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Kommt nix – rausgehen erlaubt. Spätis haben noch geöffnet 😉

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: Ronny & Klaid
Length: 114 Min.
Rated: FSK 6

Everest – Ein Yeti will hoch hinaus

Everest - Ein Yeti will hoch hinaus - Filmplakat
© 2019 Universal Pictures International

Das Volk weint – ich irgendwie nicht. Der Film ist anrührend, in meinen Augen nicht wirklich spitze animiert, hebt aber fremde Kulturen hervor und entführt damit in fremde Welten.

Ist okay, hat mich persönlich aber nicht wirklich abgeholt. Auf Twitter liest man aber hier und da, dass die Erwachsenen (!) Tränen in den Augen hatten. I don’t know why.

Business as usual – nichts besonderes, aber eben auch kein Schund. Irgendwas zwischendrin. Darf man mitnehmen – muss man aber nicht.

Nachspann: ⚪️⚪️🔘 | Sitzenbleiben. Bis ganz zum Schluss. Wenn schon, denn schon.

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: Abominable
Length: 97 Min.
Rated: FSK 6


Spider-Man: Far From Home (3D)

Spider-Man: Far From Home - Filmplakat
© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Ich bin spät dran, ich weiß. Dennoch läuft Spider-Man: Far From Home immer noch in allen Kinos und ihr tätet gut daran, ihn euch dort zu besehen – in 3D. Es ist nämlich nicht weniger als der beste Spider-Man aller Zeiten, und ich glaube selbst immer noch nicht so richtig daran, dass ich das noch erleben darf.

Spidey war immer der Charakter, der zwar von Marvel geboren wurde und überall seine Finger im Spiel hatte, jedoch fremd umgesetzt und damit mehr oder weniger verkackt auf der Leinwand landete und nirgends so richtig zündete.

Man mag von den vorherigen halten, was man will: Tobey Maguire war zu alt, Andrew Garfield meiner Meinung nach absolut fehlbesetzt und eher Riege Erwachsener und mit Tom Holland hat man nun endlich den Milchbubi, der Spidey auch in den Comics ist: Schüler, Kleinkind, Heranreifender und kein 35jähriger, den man mit Mühe auf jung gestylt hat.

Dazu kam das absolut erlösende, sich an den Schultern der Avengers emporschwingende Einbetten in eine funktionierende Leinwand-Familie, allen voran Tony Stark alias Robert Downey Jr., dem bis jetzt in dieser Rolle niemand das Wasser reichen kann und der plotbedingt eine genauso große Lücke auf dem Big Screen wie Stefan Raab im deutschen TV hinterlässt.

Durch diese Konstellation und die comicbasiert-animierte Miles Morales-Adaption hat man den Bann von Spider-Man scheinbar endlich gebrochen und fängt nun zum ersten Mal im Zyklus der Menschheitsgeschichte an, ihm wirklich einen funktionierenden und überraschend geilen Film zu spendieren: Far From Home – quasi der erste Spider-Man-Movie überhaupt.

Vergesst alles, was ihr bisher über ihn kanntet, erinnert euch daran, dass man euch dazu verpflichtet hat, die Story und Universen neu kennenzulernen und bedenkt, was ich euch schon damals gesagt habe: Marvel muss erstmal den Dreck beiseite räumen, den alle anderen vorher verzapft haben und kann dann beginnen, den Charakter zu retten, um letztendlich mit ihm zu spielen.

Und genau das haben sie getan: Aufgeräumt, Bühne geschaffen und mit Far From Home geht‘s nun endlich richtig los. Und damit treffen sie voll ins Schwarze: Die Kulissen sind absolut liebenswert und dürften hierzulande sowieso offene Türen einrennen, die Story-Elemente sind bravourös gewählt und überzeugen auf ganze Linie, der typische Marvel-Humor ist wieder vorhanden und zieht sich durch bis zur allerletzten Minute, der Cast ist hervorragend gewählt und selbst in Nebenrollen prima besetzt und verloren geglaubte Puzzlesteine erwärmen auf einmal in frischer Glückseligkeit des Cineasten Herz.

Eine neue Ära ist angebrochen, obwohl dies eigentlich das Ende der dritten Phase ist, und ich kann es kaum erwarten, dass es in diesem Tempo auf diesem filmischen Niveau so weitergeht.

Und wer vorzeitig den Saal verlässt, ist schlichtweg doof, weil ihr zwei gigantische und alles umwälzende Szenen verpasst, die selten von so großer Bedeutung waren.

Dolby Vision™
Über die Technik des Dolby Cinema™ brauch ich ja nicht mehr viel sagen: meiner Meinung nach kommt nichts an die Bildqualität dieses Kinos heran. Hier merkt man nun auch deutlich, dass CGI im Spiel ist und das durch schlechte Technik verstecktere Rumkruscheln ist dank der beängstigend hohen Auflösung nun nicht mehr möglich.

Dafür sieht man den Film in 3D enorm hell und absolut räumlich und erlebt beeindruckende Szenen, die ein noch tieferes Eintauchen in den Film ermöglichen und der Kulisse noch das gewisse Extra verleihen. So kommen wichtige Szenen des Films erst richtig zum Tragen, weil diese die Stärken des Dolby für sich ausnutzen und hier an oberster Front mitspielen.

Dolby Atmos™
Auch hier geht meiner Meinung nach nichts an der neuen Technik vorbei: Gerade in den Kampfszenen vermittelt man ein absolut mehrdimensionales Klang-Gebäude, was im Kino unbändig viel Spaß macht und dem sowieso schon enorm guten 3D zusätzlich eine klare Räumlichkeit verleiht.

Endlich ist er da: ein funktionierender, ehrlicher und nicht versemmelter Spider-Man, dem nichts mehr von den misslungenen Filmen der Vergangenheit anhaftet, sondern der sich auf Marvel-Niveau emporschwingt und dabei zum vielleicht besten MCU-Movie aller Zeiten wird. Der riesige Erfolg, den dieser Streifen bislang eingefahren hat, sei ihm aus allen Herzen gegönnt.

Nachspann: ⚪️🔘🔘 | Da es scheinbar immer noch nicht genügend Leute verstanden haben: Sitzen bleiben! Das bei Endgame war ein finales Plot-Ding, weswegen hinterher nichts mehr kam … ab sofort ist es wieder Marvel und darum: Es kommen noch zwei (ja, zwei !!) sehr lange Szenen – einmal mittig und einmal ganz am Schluss – also bitte bleibt im Saal, bis wirklich alles vorbei ist! Die Dinger sind sogar storytechnisch sehr relevant!

Kinostart: 04. Juli 2019

Original Title: Spider-Man: Far From Home
Length: 130 Min.
Rated: FSK 12