Tag: blinder Passagier

Meine Freundin Conni – Geheimnis um Kater Mau

Meine Freundin Conni - Filmplakat
© 2020 Wild Bunch Germany

Was ist das deutlichste Anzeichen, dass die Welt vollkommen verrückt geworden ist?

Wenn der Rebell sich nach Normalität sehnt und sich wünscht, alles wäre wieder beim Alten.

Genau so fühlt es sich an, wenn man gedankenversunken im Kino sitzt und sich Meine Freundin Conni ansieht. Irgendwie ist dann genau das eingetroffen: Alles auf Anfang.

Die Welt ist wieder normal. Alles ist wieder gut. Kinder erleben wieder eine normale, gesunde Welt (und das mein ich nicht im Hinblick auf Konservativismus), in der man lachen, spielen und den alltäglichen Abenteuern nachgehen darf, ohne dabei von irgendjemand verurteilt zu werden.

Kein Massensterben. Keine Tragödien. Kein Hass oder menschenverachtende Missstände.

Einfach nur das ganz normale, heilsame und behutsame Leben eines völlig unmisshandelten Kindesgeists.

Und glaubt mir: Jaaaa, das tut gerade so dermaßen gut, das glaubt ihr gar nicht.

Und dafür wurde auch von den Machern auf alles geachtet. Selbst der Zeichenstil schmiegt sich mit zärtlichen, warmen Farben um deinen Geist und gibt keine verstörenden Signale oder andere aufbrausende Unmöglichkeiten von sich, sondern bewahrt diesen Frieden, ohne dabei das Abenteuer durch altbackene Einstellungen niederzuknüppeln.

Ton- und Geräuschemacher desgleichen: Auch hier haucht man sanfte Klänge, niedliches Miauen und wohlwollende Stimmlagen durch die Soundkanäle, die auf die schönen Merkmale des Lebens hinweisen und unterschwelliges Glück und Zufriedenheit proklamieren, statt Tod und Verderben.

Conni dürfte selbst uns Erwachsenen als Marke im Kindersegment bekannt sein – und es gibt ja inzwischen auch genügend Satiren diesbezüglich und so manch einem mag deshalb vielleicht davor grauen, genau das jetzt auch noch im Kino sichten zu müssen, weil die lieben Kleinen da rein wollen: Ich kann euch beruhigen. Es ist wie eine Zeitreise zurück in eine Ära, in der noch nichts kaputt war.

Lehnt euch zurück, atmet einmal tief aus, schließt eure Augen und sagt ganz leise einmal kurz „Danke“ und dann genießt diese wunderbare Story und den sanften Hauch von vitalem Leben ohne irgend einen Kratzer. Zumindest auf der Leinwand darf ja wenigstens einmal alles einfach nur in Ordnung sein.

Wunderschöne Ambitionen, warmer Zeichenstil, angenehme Tonlagen und herzumschmeichelnde Elemente lassen den Geist zurück in eine Zeit streifen, in der die Welt noch völlig in Ordnung war: Genießen wir dieses Juwel, indem wir ein einziges Mal für etwas mehr als eine Stunde einfach alles da draußen abstellen und uns an der ganz normalen Normalität erfreuen. Daumen hoch!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | (ich schätze, man braucht ihn nicht abwarten, der war bei der Pressevorführung noch nicht ganz final ;-))

Kinostart: 2. Juli 2020

Original Title: Meine Freundin Conni – Geheimnis um Kater Mau
Length: 76 Min.
Rated: FSK 0


Ich war noch niemals in New York

Ich war noch niemals in New York - Filmplakat
© 2019 Universal Pictures International

Ging‘s euch auch so? Trailer gesehen und gedacht: „Oh Gott, bitte nicht?“

Mir schon. Meine Mutter ist der größte Udo Jürgens-Fan aller Zeiten und ich kann die Songs inzwischen mitbeten. Und als der große Hype um den Tod dieses Mannes entstand, hab sogar ich mir einen Song von ihm auf iTunes zugelegt, der in meiner Longtime-Toplist inzwischen ziemlich weit oben ist.

Und: Ich war das erste Mal in meinem Leben im Deutschen Theater in München in einer Vorstellung von Ich war noch niemals in New York (hat mir extrem gut gefallen) und hab darum nochmal eine affinere Verbindung zu diesem Titel. Irgendwie war für mich damit dieses Thema abgehakt und ich habe vergessen, dass es für die Leinwand ja eigentlich noch gar nix gibt.

Und nun kommt …. Deutschland …. mit diesem Cast daher und nimmt das ehrenwerte Haus auseinander?

Presse – ja, ich jammer immer zu viel – Vorurteile wieder in die linke Jackentasche gepackt, Licht geht aus und meine Augen fallen auf einmal raus:

Kinder, das Ding ist abnormal besser als ihr gedacht hättet. Ja, wirklich.

Punkt 1: Katharina Thalbach. Was immer ihr über diese Frau bisher dachtet: Dies hier ist die Rolle ihres Lebens. Sie wurde ihr quasi maßgeschneidert zu Füßen gelegt und sie geht darin auf, dass sich die Balken biegen. Das übertrifft sogar noch den Heiner LauterbachDer Fall Collini-Effekt bei weitem! Diese Frau stiehlt allen die Show und übertrifft sich in ihren schauspielerischen Fähigkeiten, wo selbst ich ihr niemals zugetraut hätte, so exzellente Kost abzuliefern.

Punkt 2: Humor. Der Trailer liefert davon interessanterweise überhaupt nix und ist ein wahres Beispiel für „Großer Gott, bitte nicht!“ – im Film ist das dann völlig anders. Irgendwie kommt fast das gleiche Gefühl wie im Deutschen Theater auf (ich weiß, einige werden mich für diese Aussage jetzt steinigen), ich stehe aber dazu: Es hat echt extrem Spaß gemacht und man war hinterher zufrieden, glücklich und voller Freude und guter Laune.

Punkt 3: (Schnallt euch an) >> Das ist der wohl bislang beste deutsche Film, den Deutschland jemals releast hat bis jetzt!

Schnallt euch an, vergesst den Trailer und seid Zeuge davon, dass wahre Wunder tatsächlich passieren: Katharina Thalbach in der Rolle ihres Lebens in einem der besten deutschen Filme überhaupt bisher.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Verpasst nicht diesen traumhaften Song – es lohnt sich!

Kinostart: 24. Oktober 2019

Original Title: Ich war noch niemals in New York
Length: 128 Min.
Rated: FSK 0