Tag: Christopher Nolan

Interstellar

Christopher Nolan ist in aller Munde … und hat mit Tenet auch den Sprung in die Liga der Allgemeinheit erfolgreich gemeistert: Zwar jammern alle, dass sie den Film nicht kapieren, aber anschauen tut ihn dennoch jeder.

In Momenten wie diesen zuckt es dann regelmäßig in des Journalisten Finger und man recherchiert wie blöd in den Archiven, um alles über das Leben und Wirken des gewünschten Objekts der Begierde zu erfahren, was für viele im Falle von Nolan natürlich Quatsch ist: Man kennt ihn einfach. The Dark Knight-Trilogie, Inception und eben Interstellar, der beweist, dass ihn die Thematik seines aktuellen Streifens schon länger beschäftigt und er bereits seit Jahren an diesen Ideen arbeitet und feilt.

Tatsächlich zählt Interstellar zu den Filmen, die in der Gesellschaft oft als „bester Film von ihm“ genannt werden … und im Zuge des ganzen Fiebers hin zu Tenet wurden seine preisgekrönten Werke ja auch zurück auf die Leinwände gebracht, was mich wiederum dazu veranlasst hat, jetzt doch etwas darüber zu schreiben.

Ich habe die Gunst der Stunde genutzt und mir den Streifen in OV angesehen, was ich all denjenigen, die nicht perfektes Englisch können, an dieser Stelle tatsächlich nicht raten kann: Der Anspruch ist riesig, die Stimmen vernuschelt, der Text gewaltig und man kapiert förmlich gar nix, wenn man die Sprache nicht medi-professionell beherrscht.

Das ändert nichts daran, dass das Werk als solches einfach großartig ist: Man spürte, dass Kino wieder seine altbekannten Kräfte entfaltet und hat den Unterschied zum heutigen Gros aller „Blockbuster“ deutlich wahrnehmen können.

Die visuelle Kraft, der erzählerische Umfang und das Streben nach etwas viel viel höherem und größerem ist Interstellar in die Wiege gelegt und dazu kommen viele Ausflüchte und ein Plotstrang, der eben nicht lapidar auf dem Boden liegt und mit einem kurzen Augenblick erfasst werden kann, sondern in den man sich reinarbeiten und durch rätseln muss, was da nun Sache ist.

Im Zuge seines aktuellen Stücks wisst ihr nun, was in den letzten Jahren eigentlich unsere Aufgabe gewesen ist: Diese Form des Filmemachens zu verstehen und sich auf die Achterbahnfahrt des Plots soweit einzustellen, damit man Werke wie Tenet dann auch wieder schneller verstehen und begreifen kann.

Nolan ist niemand, der ne Schnulzenschmonzette auf den Weg wirft, die man in der ARD im Nachmittagsprogramm abnudelt, sondern er fordert sein Publikum heraus und mobilisiert geistige Ansprüche, mit denen man sich auseinandersetzt – oder eben nicht.

Daher gilt er – trotz solcher Welterfolge wie The Dark Knight – doch eher als Nischenspezialist, der ein ganz bestimmtes Publikum hat, das ihn liebt und feiert und will gar nicht die große Masse befriedigen.

Ich selbst bin gespannt, wohin uns diese Reise noch trägt… aber es tut in allen Fällen wahnsinnig gut, seine alten Werke wieder einmal auf der Leinwand bestaunen können zu dürfen.

Nutzt die Chance für den Zeitsprung in die Vergangenheit und zieht euch das Werk auf der Leinwand rein, sofern ihr die Chancen bekommt: Ein großartiger Film, der nichts von seinem Charme und Aussagekraft verloren hat und auch heute im Kino immer noch wirkt.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 6. November 2014

Original Title: Interstellar
Length: 169 Min.
Rated: FSK 12

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Tenet

Tenet - Filmplakat
© 2020 Warner Bros. Ent.

Am Mittwoch war es endlich soweit und Großmeister Christopher Nolan brachte seinen lang erwarteten Film Tenet endlich ins Kino.

Vieles hat sich seitdem geändert. Man spürte in der Vorstellung, dass Kino die ganze Zeit eigentlich auf Pause stand und kein Material auf der Leinwand gezeigt wurde, welches auch nur annähernd den Anspruch von ihm erreicht und die Stärken und Größen von Kino ausspielen kann.

Bereits in der Einführungssequenz wurde man als Zuschauer schon wieder mit Eindrücken und geballter visueller Kraft erschlagen, so dass unmissverständlich klar gemacht wurde: ab jetzt läuft es wieder anders.

Der ganze Film strotzt vor einem Übermaß an Eindrücken, Verflechtungen, Verschachtelung und erfordert solch ein immenses Ausmaß an geistiger Wachsamkeit, die nahezu ausgeschlossen bei einem Menschen in dieser Form vorhanden sein kann.

Damit gelingt Nolan der Schachzug, den Kinos tatsächlich Material in die Hände gespielt zu haben, welches das Publikum wieder anlockt, denn: man muss den Film nicht nur drei oder vier mal gesehen haben, um überhaupt begreifen zu können, was da gerade passiert ist.

Und an dieser Stelle spreche ich rein von dem Geschehen der Erzählung und noch nicht davon, weitere Verbindungen oder Querverweise erkennen zu können. Die stecken nämlich ebenfalls hinter jedem ach nur erdenklichen Winkel, was es selbst erfahrenen Kino-Freaks unmöglich macht, alles bereits nach wenigen Malen Film zu erfassen und zu verstehen. Die zahlreichen Twists im Plot, die sich mit der Zeit neben immer neuen Verwirrungen hier und da auflösen, überraschen mit geistigem Einfallsreichtum und einem wahnsinnig ausgeklügelten System, was abermals zeigt, welch hingebungsvolle kreative Kraft in diesem Regisseur steckt.

Tenet ist nicht dafür gemacht, einmal gesehen und dann abgehakt zu werden, selbst wenn das ebenfalls befriedigend sein kann, da der Film weder an Action noch an großartiger Unterhaltung spart. Ich wette, Leute wie wir, die kinobesessen sind, werden bis ins hohe Alter diesen Film immer wieder sehen können und dabei jedes Mal neue Querverweise und versteckte Easter Eggs entdecken können.

Eine Sache sollte ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: das Schauspiel von Robert Pattinson. Dieser Mann liefert in diesem Film eine derartig brillante Schauspielleistung, die ihn endgültig aus seiner Rolle, mit der er groß geworden ist, enthebt und zu einem der wertvollsten Schauspieler unserer Generation macht.

Nun wissen wir, weshalb dieser Film so lange gebraucht hat, um endlich releast zu werden: dafür braucht es die Möglichkeit, in kurzer Zeit relativ häufig ins Kino zu gehen und ihn sich immer wieder ansehen zu können. Und nachdem man oft genug auf großer Leinwand mit viel Platz zum Suchen die Chance hatte, diese brachiale Wucht auf sich wirken zu lassen, kann man dann in tiefere Recherchen vorgehen und ihn sich wieder und wieder zu Hause anschauen.

Deshalb ist es auch gut, dass keine anderen Filme im Kino starten, denn wir Zuschauer haben jetzt erst einmal richtig viel zu tun, um dieses Werk auch nur annähernd zu begreifen und zu verstehen.

Keine Angst, wenn man bereits nach 10 Minuten aussteigt, zu verstehen, wer was wie warum und wo: Schaut es durch. Löst noch ein Ticket und geht wieder rein … und dann wiederholt das ein paar Mal. Wir haben Zeit, bis der nächste große Film im Kino startet … und genau die werden wir auch brauchen. Großartig!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht ausharren, hier folgt dann nichts weiter.

Kinostart: 26. August 2020

Original Title: Tenet
Length: 150 Min.
Rated: FSK 12


Batman Begins

Batman Begins - Filmplakat
© 2005 Warner Bros. Ent.

Ist es geil, oder was?

Kinder: Dieser Titel ist einfach mal fucking 15 Jahre alt … und läuft derzeit in den Kinos auf der Leinwand! Ich kann euch kaum beschreiben, was das für ein Gefühl ist, zurück in die Zeit geschleudert zu werden und dieses großartige Meisterwerk wieder durch die Säle brettern zu hören.

Christopher Nolans Batman-Trilogy ist etwas, das an Vollkommenheit kaum zu überbieten ist. Machen wir so weiter und verrecken eines Tages allesamt an unserer eigenen Dummheit und Uneinsichtigkeit und Äonen später kommen Außerirdische auf diesen Planeten und finden irgendwelche Relikte, dann braucht man ihnen eigentlich nur diese Filme vorlegen. Die enthalten die Essenz all dessen, was menschlich ist – im Guten wie im Schlechten.

Ich vergöttere Nolan für diese Werke – und kenne die Filme daher in und auswendig. Wer tut das nicht? Gefühlt jeder hat die drei Streifen in irgendeiner (oder mehreren) Form(en) zu Hause rumstehen und mit Sicherheit mehr als einmal gesehen.

Und doch ist es wahr: Wir hocken im Saal – im großen Kino – vor der großen Leinwand … und es läuft Batman Begins … ich fühl mich wie ein kleines Kind, dem man gerade offenbart hat, dass zukünftig 4x im Jahr Weihnachten gefeiert wird: Leute: GÄNSEHAUT!!!

Comicverfilmungen hin oder her – es gibt viel Scheiß, grade auch aus dem Hause DC in Kooperation mit Warner Bros. haut man in der Neuzeit oft keine so sensationellen Granaten raus … davon merkt man hier halt einfach mal rein überhaupt nichts.

Und jetz‘ sag einer, die Zwangspause war zu nichts gut: Es geht nämlich weiter, denn ab nächster Woche wird The Dark Knight und eine Woche drauf The Dark Knight Rises gezeigt und ich zitter jetzt schon vor Aufregung und Vorfreude.

Es gibt KEINE Ausreden, diese Woche irgendwas als Vorwand zu nutzen, um nicht eine der Event-Vorstellungen zu besuchen, um sich diesen Film wieder im Kino reinzuziehen: Spätestens dann merkt ihr, dass VoD und der ganze Home-Cinema-Bullshit einpacken können und die große Leinwand IMMER gewinnt.

DAS ist wahrhaftiges Kino ohne all die jammerläppigen Eigenschaften, die moderne Filme inzwischen so an sich tragen: die alte, unberührte Kunst, die ein Epos feiert, wie es das bisher kein zweites Mal gibt.

Allein die Tiefe der Batman-Saga, ihre Verwurzeltheit mit den tiefsten Urängsten und -instinkten der Menschheit ist einmalig und in meinen Augen hat Nolan genau das auf den Punkt gebracht. Seine Düsternis, diese von anderen hin und wieder kritisierte „Dunkelheit“, die eben nicht auf Humor und Tralala aufbaut, sondern sich gediegen wie ein kristallscharfes Schwert ungehindert durch deine Adern schiebt, ist genau mein Ding.

Ich feiere es, dass man nun (gezwungenermaßen) zu alten Mitteln greift, um die Menschen zurück ins Kino zu holen … und nicht die Kinos gewinnen, sondern ihr, wenn ihr die Chancen nutzt, denn dieses Ereignis ist mit Geld nicht aufzuwiegen.

Achja: CinemaxX z.B. bietet die Filme derzeit übrigens für 4,99 € an … wer da noch rumjammern möchte, dem ist tatsächlich auch nicht mehr zu helfen. Eben genau wie vor 15 Jahren – auch beim Preis.

ZIEHT EUCH DIESES EPOS REIN! So eine Chance kriegt ihr nicht wieder!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Die Musik, Leute! Diese unfassbare, eindringliche und beispiellose Musik … wer darauf verzichten möchte … bitteschön.

Kinostart: 16. Juni 2005

Original Title: Batman Begins
Length: 140 Min.
Rated: FSK 12