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Artemis Fowl

Artemis Fowl - Filmplakat
© 2020 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Mit Kreativität sind nicht alle Menschen gesegnet. Auch in der Filmwelt lässt der Einfallsreichtum oftmals zu wünschen übrig, daher ist es Gang und Gäbe, sich an anderen Kreativen zu bedienen und beispielsweise eine Buchreihe als Vorlage für kommende Kinofilme herzunehmen.

So auch hier passiert: Der Autor nennt sich Eoin Colfer und ist mit weltweit 25 Mio. verkauften Exemplaren dieser Reihe nun kein unbeschriebenes Blatt mehr.

Seinen Büchern sagt man bereits vom 1. Band ab Parallelen zu Harry Potter nach, was er jedoch vehement abstreitet, da er (angeblich) zum Zeitpunkt, als die Bücher entstanden, Harry Potter nicht gelesen hatte. Lassen wir das mal so stehen.

Tatsächlich wusste ich beim Schauen des Films absolut gar nichts darüber, dass dies eine Buchreihe ist und dachte mir des öfteren: Naaaaa, braucht Disney nun sein eigenes Harry Potter-Universum, um damit auch Kohle zu machen?

Es macht nämlich auch im Film unglaublich den Eindruck: Man wird geflutet von fabelhaften Normalitäten, die weder ausgearbeitet, noch irgendwie anständig zelebriert werden, viele merkwürdige Dinge werden – genau wie in Rowlings Universum – einfach als gegeben hingenommen und das Drehbuch mit seinen Dialogen und Ausarbeitungen zeugt nicht sonderlich von einem Welterfolg, sondern eher von stümperhaften Versuchen, irgendetwas „Großartiges“ zu vollbringen und damit vollkommen zu versagen.

Ich dachte zwischendurch manchmal an ein Mix zwischen Green Lantern, Anflügen aus Riddicks Welt – gepaart mit der miesen Kindervariante von Harry Potter, dazu haben u.a. auch die deutschen Synchronisationsstimmen ihren Anteil getragen: Man kann‘s schwerlich ernst nehmen.

Durch das „Wir machen alles einfach, und zwar zackig“ wirkt es auch nicht so, als wolle man die Zuschauer hier verzaubern und in eine völlig magische Welt entführen, sondern man hastet das wie einen ungeliebten Vokabeltest alles schnell runter, um möglichst schnell fertig zu werden. Hier hätte man von dem üppigen Budget in Höhe von 125 Mio. $ ruhig den ein oder anderen davon in vernünftige Inszenierung und bessere Dialogschreiber investieren können.

Nun kennen wir ja einige Science Fiction-Flops dieser Größenordnung, die grafisch und mit CGI durchaus etwas hermachen, dann aber mit so dermaßen dämlichen Handlungen und teils unfähigen Schauspielern „begeistern“, dass es ein Millionengrab geworden ist – Jupiter Ascending zum Beispiel, den ich von der Komplexität der Welt eigentlich gar nicht so schlecht fand, der beim Gesamtpublikum aber unfassbar gefloppt ist.

In diese Reihe münden auch Werke wie Percy Jackson, wobei ich Artemis Fowl noch niedriger ansetzen würde, da das Zielpublikum hier scheinbar noch jünger sein darf.

Und dann kommen wir zur sensationellen Veröffentlichungspolitik, mit der sich Disney bei Mulan ja gerade eine Lorbeere nach der anderen einheimst: Ja, wir haben COVID-19 und irgendwie gab‘s kurz Pausen, in denen Kinos geschlossen und Geldverdienen nicht so einfach war. Alles gut und schön.

Dass solch eine Megaproduktion wie Artemis Fowl in dieser Budget-Klasse dann aber klammheimlich den Kinostart entzogen kriegt und auch wieder süß und leise auf Disney+ veräußert wird, spricht eigentlich schon wieder Bände. Da hatte man noch keine großartigen PR-Aktionen gefahren, sondern ein, zwei Trailer präsentiert und war direkt wieder weg vom Fenster.

Der eigentliche Grund, weswegen man sich erneut „elegant aus der Affäre zieht“, wird vermutlich eher die harsche Kritik an dem Film sein, der so eben nicht zu einem Kinoflop mutiert, der dann für ewig in den Geschichtsbüchern der Moviekreation stehen wird, immerhin kennt niemand genaue Zahlen über den Erfolg eines einzelnen Films innerhalb dieses Portals.

So kann man den eigentlich völlig in den Sand gesetzten Monsterfilm ästhetisch als … äh …. „und das haben wir auch noch für euch“ seinen zahlenden Streamern verkaufen und versuchen, zu verhindern, dass es ein Vollfiasko wird, von dem sich Disney dann nicht mehr so schnell erholen wird.

Hätte man sich hier etwas mehr Zeit genommen, mehr Liebe in die Produktion eines Films investiert und nicht mit Dollar-Augen auf die Scheinchen gegeiert, wie man das mittlerweile leider von Disney kennt, dann wäre den Menschen dieser Streifen wohl auch nicht so mies aufgestoßen, wie er das momentan tut: 9% auf Rotten Tomatoes spricht ja eigentlich an dieser Stelle auch eine mehr als deutliche Sprache.

Schade eigentlich, denn das Potenzial, mit diesen Welten etwas zu machen, scheint ja definitiv gegeben zu sein, denn ohne selbiges wären die Bücher wohl kaum so ein Welterfolg geworden, wie sie heute sind.

Disney, wie wäre es, wenn eure Absichten, Filme zu machen, in Zukunft wieder an die Idee (nur ne Idee…) geknüpft sind, sie tatsächlich irgendwie auf so großen weißen Dingern zu zeigen? So Leinwand? Kino? Dings? Saal? Dunkel und so… mit äh Vorspann und Popcorn und das alles? Irgendwer? 🤷🏼

Ein wahnsinnig gutes Beispiel dafür, wie man 125 Mio. $ grandios versenken kann: Erinnert an schlechte John Travolta-Filme und kaum an einen Megablockbuster aus der Wizard World, der dieser Film irgendwie gerne sein würde. Spart‘s euch.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht auszusitzen, hier kommt nichts weiter.

Kinostart: 14. August 2020 (exklusiv auf Disney+)

Original Title: Artemis Fowl
Length: 95 Min.
Rated: FSK 6

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: (folgt in Kürze)
Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze)


The Gentlemen

The Gentlemen - Filmplakat
© 2020 Leonine

Keine Frage: The Gentlemen ist momentan der Publikumsmagnet schlechthin … und ich wage mich mal weit aus dem Fenster und behaupte: Das zeigt wieder einmal, dass sich das Publikum per se für den durchschnittlichsten Film überhaupt entscheidet.

Die Messlatte ist hoch. Und genau diese Voraussetzung sehe ich als den Fallstrick überhaupt für den Film. Guy Ritchie hat sich einen Namen gemacht – und damit auch Anforderungen geschürt, die man an seine Filme richtet. Und ich habe das Gefühl, diesen Ansprüchen wird er nicht mehr gerecht.

Wir alle kennen solche Truppen, die sich in diesem Milieu einen Namen schaffen und Geschichten erzählen wollen … allen voran Tarantino … und irgendwie funktioniert’s ja auch manchmal. Und selbst da merkte man zum Ende hin, dass die Storys eben immer die selben, das aufgesetzte Macho-Image nicht mehr die durchschlagende Wirkung hatte wie damals, als es all das noch nicht auf der Leinwand gegeben hat und verbales Gepose noch als Rebellion gegen das System verstanden wurde.

Irgendwie ist diese Form der Äußerung aber mittlerweile zum Standard etabliert, und wenn man rebellieren möchte, muss man das heute auf ganz andere Weise erledigen.

Und da reicht dann eben ein guter (alter) Name nicht mehr, auch wenn die Eintrittskarten momentan eine andere Sprache sprechen. Ich rede hier von geistiger Befriedigung. Für mich wirkte die Erzählung sehr abgestrampelt, aufgesetzt, unstrukturiert. Man hat irgendwie keinen Takt gefunden und kaum war man dabei, das Metronom erklingen zu lassen, zerstörte man den Vibe wieder mit neuer Strukturierungsorientierungslosigkeit.

Auf mich wirkt es, als würde Ritchie krampfhaft versuchen, die Anforderungen an seinen Namen zu erfüllen und dabei gnadenlos scheitern in Form von, dass es eben einfach nicht zündet. Er wird sich selbst nicht mehr gerecht.

Da hilft dann auch kein hervorragendes Spiel von Matthew McConaughey, dem die Rolle auf den Leib geschneidert erscheint, und auch keine „Rückkehr zu seinen Wurzeln“ (wie inzwischen viele Stimmen behaupten), sondern irgendwie erscheint alles müde und einfallslos.

Charlie Hunnam (den ich in King Arthur – Legend of the Sword richtig mochte) wirkt müde und die Rolle von ihm irgendwie auf der Ersatzbank platziert und nicht mitten im Geschehen.

Der Style, den man plakativ beworben hatte, fehlte mir, auch wenn hier ein gutes Maß an Niveau bereitgestellt wurde: Im Endeffekt wird in meinen Augen alles durch den mangelnden Takt der Erzählung zu einem wirren Schnittgut zusammengestückelt, aus dem sich der Zuschauer dann selbst seine Story basteln soll. Und das ist nunmal eher Aufgabe der Regisseure, oder?

Zu wirr, zu unstrukturiert, mit sich selbst uneins. Die wirren Schnitte machen das große Ganze kaputt und widmen sich weniger einer groß ummantelnden Story, als vielmehr einem Wirrwarr an einzelnen Sequenzen, aus denen sich der Zuschauer am Ende seinen eigenen Film zusammenstellen muss. Der Rhythmus des Films fehlt – und damit ist er für mich nicht wirklich gelungen.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 27. Februar 2020

Original Title: The Gentlemen
Length: 113 Min.
Rated: FSK 16