Tag: Entführung

Mossad

Mossad - Filmplakat
© 2020 Kinostar Filmverleih GmbH

Mossad, Israel – was kommt euch da als erstes in den Sinn und woran denkt ihr, wenn man euch diese Worte sagt?

Bei „Freunde der Nackten Kanone“ wird dann schon eher klar, in welche Richtung es hier geht und wenn ich dazu gezwungen wäre, den Film mit einem Term zu umschreiben, würde ich sagen: Das ultimative „Sich-Nicht-Selbst-Ernstnehmen“.

Hier kommt so viel Scheiß zum Vorschein, der so Austin-Powers-mäßig deppert ist, dass man gar nicht anders kann, als darüber zu lachen. Und es verwunderte mich mehrfach, wie tief man in die Kiste der Kalauer greifen und scharfzüngige Parodien da rauszaubern konnte, die nicht nur konsequent und unaufhörlich sich selbst auf die Schippe nehmen, sondern das ganze Filmbusiness gleich mit.

Man kennt im Lauf des Lebens so viele Streifen, man lernt unmissverständlich diverse Regeln kennen, denen sich die Machwerke immer wieder unausgesprochen selbst unterwerfen, man hält sich an das, was man irgendwann mal irgendwo auf der Filmhochschule oder durch‘s Sichten von 100.000 Movies beigebracht gekriegt hat und am Ende kommt immer der gleiche Einheitsbrei raus, mit dem sich Hollywood schon seit Jahren relativ treffend umschreiben lässt.

Das hier ist etwas völlig anderes. Und dabei greift eine Art von Humor, die ich schwer zuordnen kann: Türkisches Kino trifft es nicht ganz (die sind zwar auch ziemlich over-the-top, aber auf eine andere Art) und mit dem üblichen westlichen Klischees a la „Französische Komödie“ oder ähnlichem kann man das auch nicht vergleichen: Israel hat da seit jeher einen sehr spitzen, kantigen und absolut genüsslichen Spaßcharakter, der hier auch weit über die Stränge schlägt, dabei aber niemals die Wohlfühlzone des Zuschauers mit Füßen tritt oder herausfordert.

Und die Gaudi zieht sich hin vom Titel über Charaktere, durch den Plot, Twists und Wendungen bis tief hinein in den Abspann: Also bleibt definitiv mit offenen Augen sitzen und schaut, ob ihr es schafft, wirklich alle Anspielungen und Gags zu erfassen und zu verstehen… ich wette dagegen 😉

Hochkarätiger Klamauk: Die Mutter der Selbstironie, die nicht nur sich persönlich, sondern das ganze Filmbusiness auf die Schippe nimmt und dabei erstklassig unterhält.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Definitiv sitzen bleiben und auch mitlesen: Es folgen nicht nur immer wieder Szenen, sondern sind auch unzählige Gimmicks im Text versteckt!

Kinostart: 13. August 2020

Original Title: Mossad
Length: 95 Min.
Rated: FSK 12


The Witch Next Door

The Witch Next Door - Filmplakat
© 2020 Koch Films

Der Film ist noch nicht mal richtig angelaufen, und man liest schon überall so verstörend schlechte Kritiken, die dieser Titel in meinen Augen gar nicht wirklich verdient hat. Warum?

The Witch Next Door schreit vom Namen her schon unglaublich nach standardisiertem Genrehorror und liefert auch nicht mehr, jedoch auch nicht weniger. Man startet sogar relativ gelungen und baut Atmosphäre und gruselige Stimmung auf.

Ja, eingefleischte Horror-Liebhaber kennen inzwischen jeden erdenklichen Trick, auf den man im Laufe der Jahre hunderte Male reingefallen ist, die einfach nicht mehr zünden und man strengt sich jetzt auch nicht sonderlich an, neuartige Jumpscares zu erschaffen oder den Zuschauer durch irgendeine vertrackte Plot-Situation zu begeistern. Stattdessen erschafft man ein Konstrukt, das – nicht zwingend auf eine Hexe ausgerichtet – tatsächlich unglaubliches Potenzial aufbaut und dem Film das Werkzeug mit in die Wiege legt, aus dem etwas richtig Scharfes hätte werden können.

Koch Films ist jetzt auch nicht unbedingt als Blockbuster-Kassenschlager-Label bekannt, sondern kümmerte sich seit jeher um genreorientiertes Nischenkino, und genau da würde ich The Witch Next Door auch verorten.

Die Charaktereinführung gestaltet sich an einigen Stellen zwar etwas holprig, aber man findet dennoch genügend Zeit, die längst in Vergessenheit geratenen Szenen zum Schmunzeln neu zu entdecken und versucht offensichtlich nicht, eine Glaubwürdigkeit oder nahen Bezug zur Realität herzustellen, also verlange ich als Kinozuschauer das dem Film dann auch nicht ab, sondern füge mich den Gegebenheiten, die der Film mitbringt.

Was mich daran viel mehr gestört hat, war das Ende. Ich meine jetzt nicht den Schlusstakt, sondern, was man aus dem anfänglich eigentlich super gelungenen Aufbau dann gemacht hat: Es ist hart zu spüren, dass das Potenzial hier völlig verschenkt wurde und man von einem professionellen Aufbau und Anfang eher in Richtung „ambitioniertes Fanprojekt“ abdriftet, bei dem nicht mehr ganz so klar wird, wo die Reise nun eigentlich hin gehen soll.

Und genau dieses Phänomen kennt man zur Genüge aus vergangenen Klassikern, die ebenfalls nicht viel Augenmerk auf ordentliche Erzählstränge oder korrekte Continuity gesetzt haben, sondern bei denen es vielmehr um „berauschende Effekte“ ging, die man mit extrem wenig Budget irgendwie realisieren musste.

Und da steckt hier schon etwas mehr Geld drin – und selbst bei einigen Kleinigkeiten wurde sehr detailliert nachgedacht (Stichwort: Zieh die Schuhe aus, bevor du die Treppe hochschleichst z.B.), was mich ehrlich gesagt eher positiv überrascht denn enttäuscht hat.

Deshalb kann ich den Verdruss vieler Sneaker nicht nachvollziehen: Gerade für das unbetuchte Sneak Preview-Volk ist das doch die perfekte Abendunterhaltung, bei der dumme Sprüche auch gern mal im Saal verbal oder durch Grunzen oder Stöhnen kommentiert werden können, was dann aus diversen Plot-Unzulänglichkeiten doch wieder einen gelungenen Kinobesuch für alle macht.

Und man sollte niemals vergessen, dass der Anspruch, den wir inzwischen aufgebaut haben, nicht allgegenwärtig und konstant vorhanden ist, sondern vielleicht so manch einer eben genau diese Sparte von Zuschauern erreichen wollte, die sich mit Freuden auf diese Form von Movies stürzen und sie endlich mal wieder auf der Leinwand und nicht nur im VHS-Rekorder zu sehen bekommen.

Und noch etwas: Wenn wir solchen Projekten keinen Aufwind mehr schenken, wird es Filmemachern immer schwerer fallen, neue Streifen zu realisieren, denn aus genau solchen Titeln, die eben nicht mit Marvels The Avengers konkurrieren können, erwachsen die neuen Talente, die uns in 10-20 Jahren dann die Megablockbuster liefern können. Jeder fängt mal klein an … und dafür war diese Show hier doch schon ganz ordentlich, oder etwa nicht?

Starker Aufbau mit Stimmung, brauchbaren Effekten und einem tollen Set, jedoch verschenkt man zum Ende hin das Potenzial und lässt den eigentlich guten Auftakt in fan-ambitioniertem Wirrwarr enden, das am Schluss nicht mehr richtig überzeugt.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, hier folgt dann bloß der ausgeschriebene Titel nochmal.

Kinostart: 13. August 2020

Original Title: The Wretched
Length: 95 Min.
Rated: FSK 16


Paw Patrol: Mighty Pups

Paw Patrol - Mighty Pups - Filmplakat
© 2020 Paramount Pictures Germany GmbH

Die Befürchtungen waren riesig bei allen Menschen, die dem Kindeskindalter entwachsen sind, und ich sag‘s mal so: Machen wir ein Trinkspiel des Todes daraus 😀

Bei jedem „Super“ im Film einen Shot und ihr seid spätestens nach 3 Minuten tot.

Dass sich Transformers und der ganze Kruscht daran orientiert, die Merchandise-Marketing-Maschine anzuwerfen und daraus oft keinen großen Hehl macht: Geschenkt. Sollen sie, immerhin mag ich die transformanten Viecher selbst ohne Ende und hab auch nix dagegen, wenn solche übergroßen Figuren dein Wohnzimmer übernehmen. Same with Lego, same with Barbie, same with Wendy & Co. und und und.

Da stand aber der Filmspaß im Vordergrund und man konnte – auch ohne Merch – trotzdem einigermaßen Freude im Kino empfinden, zumindest, wenn die Leinwände groß und die Boxen laut genug waren.

Nickelodeon, toggolino und Co. sind aber von Beginn an darauf ausgerichtet, Spielzeuge zu verkaufen und hier ist in meinen Augen ein viel zu lang unkritisiertes Phänomen am Start: Es werden keine Filme mehr gemacht, zu denen es dann Figuren gibt, sondern es gibt Figuren, zu denen irgendwas produziert wird, um die Figuren auch zu verkaufen.

Diese Tatsache schlägt bei Paw Patrol: Mighty Pups so hart an, dass es auch mit viel Product-Placement-Toleranz schwer fällt, dem Film wirklich den Willen abzugewinnen, als eigenständiges Werk existieren zu wollen, denn das Ganze gleicht eher einer Marketing-Verkaufs-Show für die Hundies und weniger einer gut erzählten Geschichte.

Und dabei reiht sich ein „Ich bin Super-Hundi mit Superkräften, der super gelaunt diesen Super Auftrag super ausführen wird“ ans nächste, dass mehr oder weniger das gesamte Kino hinterher sich ausschließlich mit „Super“-Sätzen unterhalten hat, weil‘s jeder (auch die Kids) irgendwie affig fand. Böse Zungen mögen behaupten, man wollte so die Produkte mit einem gewissen Verkaufsadjektiv bestücken … aber in dieser Übertreibung geht der Schuss „super“ nach hinten los.

Ich hätte durchaus meinen Spaß daran haben können, denn wie ihr wisst, schau ich mir auch jeden Kinderscheiß an und bewerte ihn hier und bin deshalb auch für solche Geschichten „kritisch empfänglich“, aber das war mir tatsächlich extrem zu viel.

Gut animiert, ja, und wenn man sich mit viel Gewalt von der Merch-Schiene abwendet, dann mag auch die „Story“ ihre liebenswürdigen Momente haben, denen man sogar einen pädagogischen Touch abgewinnen könnte (Zielgruppe: Eben-noch-Baby-gewesen), aber als Erwachsener sollte man definitiv 3 Gallonen Schnaps mit in den Saal nehmen, um die Show einigermaßen zu überleben.

Die Merchandising-Absichten zerstören alles andere über die Maßen, dass einem Hören und Sehen im wahrsten Sinne des Wortes vergeht. Lieber unterschwelligeres Product-Placement als diese „Verkaufs-Show“ für die Spielzeuge, dann hätte man am Film Spaß – und wer will, hinterher an den Figuren beim Spielen auch noch. So wirkt alles extrem übertrieben und seltsam im Kino und man hat das Gefühl, einer kompletten Verkaufssendung beizuwohnen.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Teleshopping lässt grüßen.

Kinostart: 5. Juli 2020

Original Title: Paw Patrol – Mighty Pups
Length: 90 Min.
Rated: FSK 0