Tag: Filmemacher

Enfant Terrible

Enfant Terrible - Filmplakat
© 2020 Weltkino Filmverleih GmbH

Es gibt eine Zeit, die der heutigen Generation langsam entfleucht, denn sie hatte nie Grund, sich damit auseinanderzusetzen. Mit Büchern oder gar alten Originalwerken braucht man dies heut auch kaum mehr probieren: Wenn jemand etwas über einen Sachverhalt kennenlernen soll, dann mach einfach einen Film darüber.

So geschehen durch Oskar Roehler, der seinen Enfant Terrible dem Leben von Rainer Werner Fassbinder – grandios gespielt von Oliver Masucci – gewidmet hat.

Dieses ereignisreiche und zugleich tragische Leben ist durchzogen von damals verständnisloser Kunst, die sich zu einem Meilenstein deutscher Bühnen- und Leinwandgeschichte entwickelt hat, nach der sich so manch alter Hase heute suchend sehnt.

Fassbinders Art, alles auf den Kopf zu stellen, ist in meinen Augen schwierig einzufangen. Ich habe Respekt vor solchen Versuchen und stelle mich gern den Offenbarungen, die man nach so einem Film durchaus erleben kann. Ich zähle mich auch nicht zu den Kennern der Filmhistorie oder gar als Insider von Theater und Kunst, sondern bin ein absoluter Nobody, was das angeht. Es wäre interessant zu wissen, was Freunde seiner Filme dazu zu sagen haben, denn mich hat es durchaus beeindruckt, mit welch visueller Kraft und bestialischer Energie man hier zu Werke rauscht und den Kinozuschauer mitreißt.

Dass dabei keine Scheuklappen aufgesetzt oder Promi-Bonus vergeben wurde, zeugt nur mehr von guter Recherche, denn nichts ist schlimmer, als ein unkritisches Heiligsprechen von Persönlichkeiten. So wurden sowohl seine positiven Veränderungen, als auch seine harsche Art und gleichermaßen sein sensibles Inneres im Film ausreichend gewürdigt.

Auch der Cast weist reichlich deutsche Berühmtheiten auf und weiß sich gebührlich in Szene zu setzen, jeder Part passt gut in die vorgesehene Rolle und gibt sich dabei überzeugend.

Ein Film, der deutsche Filmgeschichte erzählt und aufarbeitet: Ein Stück, dass man gesehen haben muss, um den Werdegang auf der Leinwand besser verstehen zu können. Und Masucci ist herausragend in seiner Rolle!

Nachspann: Braucht nicht abgewartet zu werden, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 01. Oktober 2020

Original Title: Enfant Terrible
Length: 134 Min.
Rated: FSK 16

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Leid und Herrlichkeit

Leid und Herrlichkeit - Filmplakat
© 2019 StudioCanal

Pedro Almodóvar kennen viele als einen herausragenden Regisseur, der tiefgründige Erzählungen startet und dessen Filme in der oberen Liga des cineastischen Intellekts angesiedelt sind: Spanien braucht also nicht nur als Meisterland des verdorbenen Horrors herhalten, sondern kann eben viel mehr.

Mit Leid und Herrlichkeit offeriert er uns nun seine inoffizielle Biografie und spiegelt damit autobiografische Teile seines Lebens auf die Leinwand, die man mit seinen vorherigen Filmen kaum vergleichen kann.

Eine große Aufgabe war dies sicher auch für Hauptdarsteller Antonio Banderas, der einmal mehr beweist, dass nicht nur der große Krieger in ihm steckt, sondern er zu sehr viel mehr fähig ist.

Der Film wartet so mit wunderbaren Elementen, einem durchtriebenen Twist und sehr viel spanischem Flair auf, den zu genießen garantiert kein Fehler ist: Ich habe ihn mehrfach im Kino gesehen und jedes einzelne Mal davon in mich aufgesogen.

Eine Kunstform, die nicht mit anderen vergleichbar ist und erneut zeigt, zu was Kino alles fähig ist.

Erzählt autobiografische Elemente aus dem Leben des Regisseurs, verpackt in eine wunderbare Story, die mit einem grandiosen Twist überrascht und durchweg hervorragende Schauspielerinnen liefert.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht zwingend abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 25. Juli 2019

Original Title: Dolor Y Gloria
Length: 112 Min.
Rated: FSK 6