Tag: Finn Wolfhard

Short Critics: Der Distelfink – Shaun das Schaf 2: Ufo-Alarm – Gelobt sei Gott – Gut gegen Nordwind

Und was gibt’s sonst noch in dieser Woche?
© 2019 https://www.kinoticket-blog.de

Regelbruch

Zeiten ändern sich – und wer jetzt glaubt „Oh mein Gott, er will doch Geld damit verdienen…“ >> Falsch! Das wird niemals mit diesem Blog passieren. Promised.

Was aber tatsächlich Fakt ist: Früher wurde einfach weniger publiziert und veröffentlicht – und zwar von Seiten der Studios. Deshalb hatte ich damals meine eigene Regel aufgestellt: Maximal 1 Beitrag pro Tag, um niemandem auf die Eier zu gehen und die Leser/innen nicht mit zig E-Mails am Tag zuzuspammen.

Das Ganze hat auch wunderbar funktioniert: Gab es mal eine Woche mit mehr Filmstarts als Tage, konnte man dies galant in die nächste fließen lassen, wo dann vielleicht nur drei oder vier Neustarts waren – und hatte dort auch genug Material zum Schreiben.

Inzwischen sind es aber pro Woche 11-18 Filme, die neu starten – und ich habe nur 7 Tage für mein „Ein Beitrag pro Tag“-Ding, was schlussfolgernd bedeutet: Ich werde niemals auf den grünen Zweig kommen und pünktlich alle Filme bewerten können, sondern permanent nachhängen und dabei mindestens die Hälfte der Filme verlieren, weil die so weit in die Vergangenheit rutschen würden, dass es niemanden mehr interessiert.

Mein Bestreben ist stets, dem Kinozuschauer die Chance zu geben, sich ein individuelles Bild vom aktuellen Programm bilden zu können, ohne dabei gespoilert zu werden und ohne von der medialen Marktmacht abhängig zu sein, die eben nur auf Filme hinweist, die im Hintergrund gut und gerne zahlen (oder bestechen).

Wie korrupt die Medienlandschaft inzwischen ist, merke ich immer wieder, wenn es darum geht, dass man ohne Geldverdienen eben doch immense Vorteile genießt, die auf den ersten Blick nicht gleich ersichtlich sind.

Darum habe ich mir überlegt, euch diese neue Kategorie hier vorzustellen: Short Critics – die alles enthält, was nicht mehr in die Woche gepasst hat.

Erstes Kriterium, einen Film zu bewerten, ist also folglich: „Hab ich dem Film einen Tag dieser Woche spendiert? Dann ist er besser als der Rest.“ – oder ich hatte einfach immens Bock, über diesen Film zu schreiben. Immerhin richtet sich die Leserschaft ja schon seit jeher an meinem individuellen Filmgeschmack aus.

Und alles, was eben sonst noch so am Start ist und nicht mehr genügend Tage hatte, folgt in Zukunft in Kürze hier.

Natürlich freu ich mich über Rückmeldungen eurerseits – gern in den Kommentaren oder weiterhin – wie üblich – via Messenger, die Daten dazu habt ihr.

Der Distelfink

Der Distelfink - Filmplakat
© 2019 Warner Bros. Ent.

Der Film hat eine zu lange Einstiegszeit mit viel zu vielen Sekunden Wartezeit pro Schnitt, schafft es dann aber doch, dich richtig zu packen und in die Geschichte zu reißen.

Das goldfarbene Bild und die warme Atmosphäre zielen auf den originalen Buchtitel „The Goldfinch“ ab, an dessen Vorlage man sich teils zitatgenau gehalten hat, wenngleich die Erzählung im Buch chronologisch und im Film mit Rückblenden aufgearbeitet wurde, was es aber nicht weniger spannend macht. Großartig: Ansel Elgort mit exzellentem Charme und ruhiger Ausstrahlung!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss nicht abgewartet werden.

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: The Goldfinch
Length: 150 Min.
Rated: FSK 12

Shaun das Schaf 2: Ufo-Alarm

Shaun das Schaf 2: Ufo Alarm - Filmplakat
© 2019 StudioCanal

Altbekannt, wie man es von Aardman gewöhnt ist, unglaublich lustig, herzlich und liebevoll gestaltet. Shaun-Fans kommen definitiv auf ihre Kosten.

Der Film ist besser, als der Trailer verspricht und macht mit der gesamten Familie definitiv richtig Spaß. Mitnehmen!

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Bitte bis ganz zum Schluss sitzen bleiben, hier kommt noch einiges – und zwar auch ganz am Ende!

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: A Shaun the Sheep Movie: Farmageddon
Length: 90 Min.
Rated: FSK 0

Gelobt sei Gott

Gelobt sei Gott - Filmplakat
© 2019 Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG

Verstörend, schockierend, aufklärend: Auch wenn man vorher eigentlich gar keinen Bock auf das Thema hat, fesselt dich der Film sofort und bricht mit Schweigetabus rund um das Thema Kirche: Französisches Machwerk abseits des Humors, das extrem packt und kräftig in der Gefühlswelt rührt.

Genauso wichtig wie seinerzeit Spotlight gehört auch dieses Werk auf alle Leinwände, um das Thema nie zum Erliegen kommen zu lassen, bis jedes einzelne Opfer seine Gerechtigkeit bekommen hat.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: Grâce à Dieu
Length: 137 Min.
Rated: FSK 6

Gut gegen Nordwind

Gut gegen Nordwind - Filmplakat
© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Daniel Glattauer ist ein hervorragender Schreiber und Kolumnist, dessen Bücher auch ich schon mit Vorliebe verschlungen habe.

Seine Stärke liegt meiner Meinung nach in dem Ausbilden der Fantasie des Lesers, eine Eigenschaft, die einem der Film vollständig nimmt. Darum ist das Medium „Kinofilm“ an dieser Stelle wohl absolut ungeeignet, um diesen Stoff zu vermarkten. Daran hinkt auch der Streifen, der einfach nicht zünden will und jeglichen Charme aufgrund der Unzulänglichkeiten einbüßt. Aber ich wüsste selbst auch nicht, wie ich das filmisch besser hingekriegt hätte – also einfach: falsches Medium. Bleibt beim Buch!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden.

Kinostart: 12. September 2019

Original Title: Gut gegen Nordwind
Length: 122 Min.
Rated: FSK 0


ES Kapitel 2

ES - Kapitel 2 - Filmplakat
© 2019 Warner Bros. Ent.

Erinnern wir uns mal zurück ans Fantasy Filmfest, auf dem ES als Eröffnungsfilm gezeigt wurde. Jeder, der das damals aktiv mitbekommen hat und sich hinterher auch noch ein, zwei mal in die Kinos verirrte, sagt heute: „Es gab ES und es gab das Fantasy Film Fest.“

Ja, der Film schlug mit einer so dermaßen großen Wucht ein, dass er nicht nur im Horrorsektor Rekorde aufstellte und bis heute als erfolgreichster Horrorfilm ever gilt, sondern man hatte das Gefühl, ein überdimensionaler Knüppel würde auf eine auf dem Wasser schwimmende Holzmohle runterpreschen, die komplette Mohle versenken und diese vor Ende des Filmfests nicht mehr auftauchen lassen, so hart war der Schlag.

Und tatsächlich: ES hat es zu internationalem Ruhm geschafft und steht heute (hoffentlich) in vielen Wohnzimmern: Der Film ist grandios!

Nun kommt die heiß ersehnte Fortsetzung und alle Angsthäschen rennen schon seit Wochen schreiend und wild durcheinander und fürchten sich vor „Kommste mit ins Kino“-Einladungen.

Vorab: Ich stehe beim Schreiben dieser Rezension kurz vor meinem Double Feature-Besuch im Dolby Cinema™ – oder besser gesagt: genieße einen Kaffee für die bevorstehende 5-stündige Filmschlacht in dem guten Glauben daran: Ich kann danach zufrieden abdanken, denn ich habe alles im Leben erreicht, was es zu erreichen gibt!

Kinder? Das ist die absolute Wucht!

Ja, ich habe Teil 2 bereits vor ungefähr einer Woche in der Pressevorführung gesehen und als altgedienter Deadpool-Fan fiel es mir niemals schwerer, vorab meine Klappe zu halten, um nicht gegen die Embargo-Vorschriften zu verstoßen. Time has come – wir stehen vor der epischsten Schlacht, die Kino in unserer Generation jemals erlebt hat.

Wer damals den ersten Teil gesehen (oder wie ich: verschlungen!) hat, weiß eigentlich schon, worauf er sich ungefähr einlässt: Die Elemente von ES sind klar definiert. Alle Jumpscares wurden der Welt bereits vorgeführt und das „Horror“ in dieser kleinen Erzählung klar definiert.

Ja, und ich liebe es. Abgöttisch.

Man weiß allerdings auch, dass ich ne Meise für Horrormovies mit mir führe und das ängstigt die Leute im Vorfeld noch viel mehr. Dabei wartet ES Kapitel 2 eigentlich gar nicht so hart wie im ersten Teil mit Horrorfeatures auf – und genau das ärgert meine Feuilleton-Jugendblockbuster-Verächter wieder zunehmends: „Das ist ja gar kein Horror.“

Nein, irgendwie nicht.

Und genau das ist groß an dem Film – so groß, dass ich heute glaube, es wird zu unseren Lebzeiten in unserer Generation nie wieder (!!!) so etwas geben.

Das fängt schon beim Buch an. Allein der Kult um das Buch im Vorfeld ist schon so unglaublich entartet, dass selbst Stephen King-Hasser den Titel kennen und wissen, dass er von ihm ist. Es wäre unmöglich, nochmals so ein Meisterwerk zu verfassen. Selbst wenn King sich höchstpersönlich hinsetzen und Teil 3 produzieren würde, wirkte es als warmer Aufguss und das trotzige Unterfangen, nicht damit aufhören zu wollen bzw. hätte den tödlichen Beigeschmack von „Ich will damit unbedingt nochmal Geld machen“. Die Zeit des Kults ist längst gereift und lässt sich nie wieder so herstellen.

Dann kommen die ganzen „Ich kenne die alte Verfilmung“-Filmknower dazu. Leute? NEIN!

Das dürft ihr bei Friedhof der Kuscheltiere meintwegen machen, vergleichen, und selbst da war es schon insofern schwachsinnig, als dass heute eine völlig andere Zeit ist, in der man Filme einfach ganz neu definiert auf die Leinwand bringen und somit komplett frisch erschaffen kann.

Das dürft ihr auch bei allen anderen Werken machen – bei ES allerdings: NEIN! Der alte Film hat mit dem neuen absolut nichts zu tun. Wirklich nicht. Das ist völlig neues, anderes, komplett authentisches und echtes Originalkino, dass es so noch nicht gegeben hat. Das „Remake“ ist nicht besser oder schlechter oder unnötig oder „hierPhraseeinfügen“, sondern hat Kino auf ein völlig neues Level gehoben, mit dem diese Generation aufwächst und das Entertainment neu schöpft.

Und dabei haben Andy Muschietti und sein Team etwas gemacht, das sie vielleicht selbst gar nicht bemerkt haben: Alles richtig!

Der Cast: Großartig besetzt und nicht „dahingeschliffen“, sondern so altern gelassen, wie man sich das vorstellt. Ganz ehrlich? Besser hätte man es nicht casten können. Dass sich die Kids ihre erwachsenen Pendants selbst wünschen durften und diese Anfragen größtenteils bejaht wurden, war also nur einer von vielen richtigen Schritten bis zur finalen Produktion.

Die Explosion des Horrors, den viele befürchteten und die u.a. die Saw-Reihe komplett zerstört hat, blieb auch aus, stattdessen hat man auf einer höheren Dimension verstanden, das Bild dieser Zeit genussvoll einzufangen und dem Zuschauer offen vor Augen zu halten, was sich hinter den Kulissen der Welt gerade abspielt.

Hier kommt wieder der Kult ins Spiel: Das Übersinnliche, das Fantastische, dem sich ES Chapter Two vollends verschrieben hat: Es ist eine unglaublich ausgeschmückte, detailreiche Geschichte, die auf vielen Ebenen der Psyche spielt und die den Zuschauer in eine komplett andere Welt entführt, die einen vergessen lässt, dass es ein „hier und jetzt“ gibt. Alles andere sind nur Geschichten – das hier ist ein Meisterwerk, vor dem ich ewig knien und es anbeten werde.

Danke, dass ihr das in meiner Generation erschaffen habt und ich die Chance hatte, diesen freakigen Abend mit vielen begeisterten ES-Fans im Dolby Cinema™ zu feiern: Es hat mein Leben unglaublich bereichert!

Dolby Vision™
Wie erwartet zieht man auch hier wieder die Stärken aus dem Bildbereich heraus und vergisst dabei aber nicht, dass es in den 80er Jahren technisch noch nicht soweit war: Diese Szenen sind künstlich gekörnt und verlassen ihre treue Schiene von „mieser Schrift“ ebenfalls nicht, so dass ein authentisches Bild aus den Originalen der Zeit generiert wird.

Das Finale strotzt vor Farbenpracht und man weiß wieder, warum man genau dieses Kino gewählt hat.

Dolby Atmos™
Unschlagbar und alternativlos: So etwas funktioniert nur im richtigen Dolby: Auch wenn viele Szenen frontlastig sind und man dafür nicht zwingend hier rein müsste: Die Action kracht rund um einen herum und wenns am Ende wirklich donnerhaft-heiß hergeht, weiß man wieder: 60.000 Watt Leistung in den Boxen lassen sich eben nicht einfach so leugnen, sondern trumpfen über alle anderen Säle dieser Erdkugel auf.

Ich jammer nicht, sondern fühl mich zutiefst verstanden von der Art, wie diese Fortsetzung ins epische Finale mündet: Der übernatürliche Blick ins Fantastische und das Zelebrieren von illustrer Bosheit und grandioser Zerfetzerwut verstört hier so manchen, der sich im richtigen Kino auf dieses Spiel einlässt. Etwas wie dies werden wir nie wieder erleben!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Der härteste Abspann aller Zeiten, wenn einem bewusst wird: Hier kommt jetzt nichts mehr. Keine Folgeszene. Und kein so verdammt guter Film. Nie wieder!

Kinostart: 05. September 2019

Original Title: IT Chapter Two
Length: 165 Min.
Rated: FSK 16