Tag: Freundin

Niemals Selten Manchmal Immer

Niemals Selten Manchmal Immer - Filmplakat
© 2020 Universal Pictures International

Unsere Welt ist laut geworden. Überall schreien die Menschen, üben wüste, aufgebrachte Bürger irgendwelchen Bullshit aus, meckern, mosern, schimpfen, und „argumentieren“ (ich möchte dieses Wort an der Stelle kaum benutzen) mit perfiden Ängsten und irrsinnigen Monologen, denen ein Sinn längst abzuerkennen wäre.

Daraus sind Mobs, wütenden Mengen und lauthalses Geschrei in den öffentlichen und sozialen Medien geworden, die solch eine übertrieben irrsinnige Unübersichtlichkeit gebracht hat, dass die meisten Menschen schon längst vergessen haben, worüber sie überhaupt reden.

Es reicht heute fast schon, ein einziges Wort zu denken und schon rast der aufgebrachte Mob los und wütet, dass sich die Balken biegen.

Probieren?

Frauenrecht.

Das Recht auf eigene Körperbestimmung.

Gleichberechtigung (im klassischen Sinne des eigentlich urtümlich guten Gedankens).

Naaa? Tobt der Magen schon und rauschen die Sinne in Wallung, um loszulegen?

Genau. Tatsächlich ist es heute immer noch so, dass viele Menschen sich überhaupt nichts darunter vorstellen können, wie es im 21. Jahrhundert ist, als Frau im Alltag zu leben. Ich bin ein Mann. Ich kann es genauso wenig.

Ich versuche, mich in die Lage hineinzuversetzen, ich stelle viele Fragen, ich höre zu. Und ich weiß, dass das allein nicht reicht. Ich habe mir jedoch viele Geschichten erzählen lassen und Vorkommnisse, die mich tatsächlich sehr nachdenklich gemacht haben.

Und es sind Fragen dabei aufgetaucht, die ich einfach mal rausplätschern lasse, okay?

Wie kann sich eine Gesellschaft anmaßen, über den Körper eines Menschen zu urteilen und Entscheidungen zu fällen, obwohl sie das rein überhaupt nichts angeht?

Wie können fremde Personen über lebenswichtige und lebensverändernde Situationen urteilen, ohne die Hintergründe und Lebensumstände derjenigen zu kennen?

Wieso ist es Thema, dass wir uns – im 21. Jahrhundert – immer noch darüber unterhalten müssen, dass Menschen nicht eigenständig entscheiden dürfen?

Wieso gestehen wir nicht jedem einzelnen, lebenden Individuum die gleichen Rechte zu?

Warum machen wir einen Unterschied bezüglich des Geschlechts, wenn es um Fragen der Selbstbestimmung und des eigenen Lebens geht?

Ihr merkt: Man könnte Diskussionen entfachen, die Dinge philosophisch, ethisch und in vielerlei anderer Hinsicht betrachten und erörtern und würde damit auch in Monaten und Jahren längst nicht fertig.

Und da kommt Niemals Selten Manchmal Immer ins Spiel. Eliza Hittmann (glücklicherweise eine Frau!) hat als Regisseurin eine Geschichte ins Leben gerufen und verfilmt, die sich mit eben jener Thematik auseinandersetzt – und dabei filmisch voll ins Schwarze getroffen.

Warum?

Der ganze Film wertet nicht.

Und ja, das geht. Sie zeigt. Sie offenbart, sie lässt uns an den Gefühlen und Empfindungen ihrer Protagonisten teilhaben und erzählt das vollständige Spektrum aus jedweder Hinsicht aller Betroffenen – und wertet dabei nicht.

Diese Wertungsfreiheit, die keineswegs gleichbedeutend mit Egalität ist, gibt dem Film selbst einen unbezahlbaren Wert: Dadurch wird diese Story zu einer der wichtigsten in der großen Frage um dieses wichtige Thema.

Und das bedeutet: Ihr solltet eure Sachen schnappen, euch mit viel Abstand ins Kino hocken und euch den Film zu Gemüte führen. Wenngleich daraus auch nicht zwingend echte Gespräche entstehen sollten, so fördert man hier definitiv etwas unfassbar wichtiges: Das große Verständnis für die Probleme, weswegen denen überhaupt Worte wie „Gleichberechtigung“ im Alltag entstanden sind – und sorgt für viel Aufklärung, damit Menschen wie ich, die von dieser Thematik absolut nicht betroffen sind, endlich verstehen können, warum so viele Menschen zur Zeit so laut schreien.

Wer weiß: Wenn sich genügend Leute diesen Film ansehen und anfangen, ihn zu verstehen, vielleicht wird es eines Tages ja wieder etwas ruhiger… zumindest, was diese Sache angeht. Die Chance besteht auf jeden Fall.

Ein absolut sehenswertes Stück Aufklärung zu einem heiß diskutierten Thema innerhalb eines Films, der mit einem unbezahlbaren Attribut daherkommt: Wertungsfreiheit. Man lässt die Menschen einfach entscheiden und existieren – und diese Kombination ist wunderbar und schürt die Hoffnung auf eine bessere Welt.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 1. Oktober 2020

Original Title: Never Rarely Sometimes Always
Length: 102 Min.
Rated: FSK 6

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Photograph

Photograph - Filmplakat
© 2019 NFP marketing & distribution

Es ist die Woche des Verrisses – wie mir scheint … denn heute haben wir erneut ein Werk, dessen Kinopublikation schon eine Weile vorrüber ist, und von dessen Leben und Ableben keiner so richtig etwas mitbekommen hat.

Ich kenne einige, die versucht haben, über diesen Film etwas zu bringen und die selbst von den verantwortlichen Pressestellen abgewiesen wurden. Zu Recht?

Photograph zählt für mich als Fotograf in erster Linie erstmal zu den interessanteren Titeln, weil selbst in der Vergangenheit Filme über „Bildermacher“ meist interessante Lektüre waren, die man sich als Branchenkenner gerne angesehen hat.

Doch diesmal strotzt aus meinem Mund keine Begeisterung, sondern eher ein flaues „Naja“.

Ich kenne ein paar der asiatischen Schinken, ich weiß, was Bollywood zu bieten hat und ich bin auch anders kulturell ausgerichteten Movies wenig abgeneigt. Was man hier allerdings produziert hat, ist in meinen Augen nichts weiter als ein warmer Aufguss eines nicht erfolgreichen Films vergangener Tage.

Die Story schippert so gemütlich vor sich hin, ohne großartig zu fesseln oder mit Pointen zu überraschen. Alles plätschert in einer langwierigen Gemütlichkeit und desolaten Unerträglichkeit vor sich hin, ohne den Zuschauer zu packen oder durch spannende Wendepunkte zu fesseln.

Stattdessen begreift man als Vielseher relativ früh, was gleich passieren wird und muss sich dann minutenlang damit abfinden, dass der Regisseur sich immer noch nicht dazu entschieden hat, den Plotpunkt endlich zu erreichen und abzuarbeiten.

Dadurch werden selbst in heutigen Tagen relativ kurze 109 Minuten zu unerträglicher Unendlichkeit, worüber dann auch die typisch-indische Bildgewalt nicht mehr hinweg hilft.

Am enttäuschendsten fand ich aber den Schluss: Irgendwie gibt es kein Ende, keine Offenbarung, kein Twist oder etwas, dass das beruhigende Gefühl eines Sinns in diesen Film integrieren würde, sondern man geht aus dem Saal und hat eigentlich nur eine Sinnkrise danach.

War das Ziel des Unternehmens? Ich glaube weniger.

Punktet nicht durch Stetigkeit oder fesselnde Twists, sondern plätschert sinnlos umher und rettet sich auch nicht mehr durch großartige Bilder – eher ein Touristen-Nepp als eine großartige Attraktion. Schade.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Enthält keine weiteren Szenen. Rausgehen erlaubt.

Kinostart: 11. Juli 2019

Original Title: Photograph
Length: 109 Min.
Rated: FSK 0