Tag: Freundschaft

Das Beste kommt noch – Le Meilleur Reste à Venir

Das Beste kommt noch - Filmplakat
© 2020 Constantin Film Verleih GmbH

Das Beste kommt noch… hört sich fast an wie „Mit 66 Jahren…“ – und hat gleichsam doch so überhaupt nichts damit zu tun. Zumindest nicht in dem Maß, wie man das anfangs denken möge.

Allein, dass der Titel bereits französisch beinhaltet, verleitet viele ja gleich wieder dazu, den Inhalt zu einer Komödie zu verdammen, was in Teilen sogar stimmt, allerdings einen sehr viel tieferen, packenderen Hintergrund hat, weshalb ich daraus eher eine „Dramödie“ machen würde – und zwar eine, die dein Herz mal wieder so richtig weg basht.

Und wir reden hier nicht von schmalzvollen Sonnenuntergängen und verflossenen Lieben, sondern einer frischen, kecken Männerfreundschaft, die die tragischsten Momente eines Lebens auf so wunderbare Weise verarbeitet, dass dir selbst nach dem Film eher zum Lachen zumute ist und du die – eigentlich unerträgliche – Kost warm in gute Laune verpackt gereicht kriegst und ganz anders darüber nachdenken kannst.

Fabrice Luchini und Patrick Bruel arbeiten als ein Team miteinander, dessen Dialoge in einem großartigen Drehbuch so wunderbar miteinander harmonieren, dass das Zuschauen beherzt zur Freude gereicht. Man spürt aus allen Poren die innige Liebe zu ergreifendem Kino mit Sinn, Tiefgang und einer großzügigen Portion Humor, was in Kombination ein Stimmungspush ausmacht, den zu sehen definitiv niemand bereuen dürfte.

Auch, wenn im Film Momente erscheinen, in denen selbst mir die Tränen aus den Augen schossen, ermutige ich euch, dieses lebensbejahende Werk in euer Repertoire der gesichteten Movies zu integrieren, denn allein von der Art Bruels kann sich sicherlich so manch einer eine fette Scheibe abschneiden und eigene Probleme auf die gleiche Weise lösen.

Sehr intensives, warmherziges, humorgeladenes Stück, das tragische Kost in herzumschließende Positivität zu verpacken weiß und den Zuschauer eher vergnügt wieder aus dem Saal schickt, nachdem dieser gelernt hat, wie man mit miesen Situationen umgehen kann.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 9. Juli 2020

Original Title: Le Meilleur reste à venir
Length: 118 Min.
Rated: FSK 12


Sonic The Hedgehog

Sonic The Hedgehog - Filmplakat
© 2020 Universal Pictures International

Ich hab nun schon von einigen negative Kritik im Vorfeld über diese Verfilmung gehört … und ja, Spieleverfilmungen generell strugglen immer so ein bisschen vor sich hin und haben nie das Zeug, ganz große Kracher zu werden … bis heute.

Ich halte tatsächlich auch nicht so arg viel von Jim Carreys Humor und weiß, dass seine Art sehr speziell ist und man ihn entweder liebt oder hasst. Und auch über Julien Bam gibt es verschiedene Ansichten.

Dazu kommen noch jede Menge Kritikpunkte, die über das Design von Sonic – dem Maskottchen von SEGA – reingehagelt sind und weswegen man den Film nun tatsächlich immer wieder verschoben hat, bis er nun endlich das Licht der Welt erblicken durfte und inzwischen (wieder) auf den Leinwänden zu sehen ist.

Mein Eindruck? Wow!

Meine Stimmung war anfänglich tatsächlich leicht getrübt, weil ich dachte: Nun musst du dich wieder durch so eine quälende Verfilmung pressen, die irgendwas abfeiert, wovon die Realität nichts wissen will. Dazu noch die Kombination zwischen Animation & Realverfilmung, und oben genannte Punkte: Kann eigentlich nur schief gehen. Ist es nicht.

Die Story ist tatsächlich ganz witzig aufgezogen worden, das Design sieht hammerscharf aus und der Streifen verbreitet sofort wahnsinnig gute Laune im Kino. Der Takt (mein neues Lieblingswort :D) stimmt und man landet niemals in langer Weile oder Verdruss, sondern wird kontinuierlich durch den Plot gezogen und kann dabei wahnsinnig gute Szenen feiern, die in ihrer Aufarbeitung professioneller nicht hätten sein können.

Man vergisst, was man vorher über Bam dachte, Jim Carrey ist DIE Überraschung schlechthin – selten hat man ihm so angesehen, wie sehr er diese Rolle liebt und verkörpert: Ein wahnsinnig guter Spieler, dessen Schauspieltalent hier um Welten gestiegen ist: Zum ersten Mal hab ich an ihm tatsächlich absolut nichts auszusetzen gehabt.

Auch die Ideen und die hauchzarten Stränge seelischer Natur, die die Gefühlswelt anregen und dem Kinozuschauer etwas mit auf den Weg geben sollen, winden sich hier wunderbar in das Geflecht ein und vervollständigen den Film zu einem wunderbaren Ganzen.

Ganz ehrlich? Ich saß währenddessen oft im Saal und dachte mir: Wahnsinn, man kriegt hier viel zu viel für sein Geld. Die Action ist hart, der Sound bombastisch, die Optik schneidet in deine Augen und auch der Plot enttäuscht an keiner Stelle.

Ich muss dazu sagen, dass ich zwar damals auf dem Gameboy mit dem Vieh mal in Berührung gekommen bin, aus mir aber dennoch keine Zocker-Seele geworden ist und ich deshalb als Außenseiter spreche und eben keine Rückschlüsse auf die Gamer-Community ziehen kann. Aus dem Grund bin ich raus, was die angefochtenen Kritikpunkte diesseits angeht, sondern eben einfach nur ein dummer, unwissender Kinogänger, der von einer guten Story unterhalten werden will … und wurde.

Dieser Film hat richtig Spaß gemacht und steht seitdem für mich fast ganz oben auf der Liste der Filme, weswegen man sich wieder ins Kino aufmachen sollte.

Alle Kritik im Vorfeld hat scheinbar so dermaßen Früchte getragen: Sonic the Hedgehog ist für mich ein durchschlagendes Argument, tatsächlich wieder ins Kino zu rennen, denn der Film ist richtig klasse! Super Action, hochprofessionelle Umsetzung, wahnsinnig gutes Drehbuch und ein herausragend guter Jim Carrey sorgen hier für spitzenmäßige Unterhaltung und jede Menge Spaß. Reingehen!

Nachspann: ⚪️🔘⚪️ | Auf jeden Fall sitzen bleiben, es kommen noch einige Szenen.

Kinostart: 13. Februar 2020

Original Title: Sonic the Hedgehog
Length: 99 Min.
Rated: FSK 6


Short Critics: We Have Always Lived In The Castle – Ein ganz gewöhnlicher Held – Abikalypse – Die Drei !!! – Benjamin Blümchen

Und was gibt’s sonst noch in dieser Woche?
© 2020 https://www.kinoticket-blog.de

We Have Always Lived In The Castle

We have always lived in the Castle - Filmplakat
© 2019 Kinostar Filmverleih GmbH

Ein Genrefilm mit absolut seltsamen Charakteren und einer äußerst fragwürdigen Aussage innerhalb eines stimmigen Arrangements – Dieser Titel sollte bewusst ausgewählt und nicht “per Zufall” im Kino gesehen werden, weil der Verstörungsfaktor definitiv hoch ist. Humor ist gegeben, seltsame, tief in der Nische vergrabene Elemente genauso. Nichts für den Mainstream.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: We Have Always Lived In The Castle
Length: 90 Min.
Rated: FSK 12

Und weil’s so schön ist, noch ein paar Titel, die bereits angelaufen sind, zu denen ich allerdings noch nichts geschrieben hatte…

Ein ganz gewöhnlicher Held

The Public - Szenenbild
Ein ganz gewöhnlicher Held: Bibliothekar Stuart Goodson (Emilio Estevez) überzeugt durch sein herausragendes Engagement.
© 2018 Koch Films

Genauso, wie die Heldentaten dieses Mannes irgendwo in der Öffentlichkeit untergegangen sind, genauso behandelt man diese “Spezies” auch oft und gerne in der Öffentlichkeit: Ich hab es selbst am eigenen Leib erfahren, auf eigenen Wunsch hin, und weiß, wie demütigend so etwas sein kann. Dass dieser Film dann ironischerweise noch The Public heißt, zeugt fast schon von schlechtem Charakter einer Gesellschaft, denn dieses Werk ist wichtig und sollte keineswegs so in der Versenkung verschwinden, wie es das scheinbar ist.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts mehr.

Kinostart: 25. Juli 2019

Original Title: The Public
Length: 119 Min.
Rated: FSK 6

Abikalypse

Abikalypse - Filmplakat
© 2019 Warner Bros. Ent.

Ihr kriegt, was ihr erwartet: Einen Film, für deren Produktion Die Lochis mitverantwortlich waren und deren Zeitgeist ziemlich gut auf die Leinwand geworfen haben. YouTube ist der Star, die Musik ist ziemlich cool und die Story trägt einen durch altbekannte Klischees einer Abiparty, wie man sie kennt. Sollte man einen Teenager sein Eigen nennen, ist dies lehrreicher Stoff, für alle anderen eher vernachlässigbar.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht ausharren, hier wird’s auch nicht besser 😉

Kinostart: 25. Juli 2019

Original Title: Abikalypse
Length: 90 Min.
Rated: FSK 12

Die Drei !!!

Die Drei !!! - Filmplakat
© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Das weibliche Pendant zu Die Drei Fragezeichen erzählt eine ziemlich cool verpackte Detektivgeschichte für Kinder und wartet mit Spritzigkeit und unglaublich talentierten Jungtheaterdarstellern auf, deren Performance echt verblüfft. Really? Selten so gute Inszenierungen von Kids gesehen – ein Pflichtfilm für Familien.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Mitnehmen – hier kommen noch jede Menge lustige Outtakes zum Zuge.

Kinostart: 25. Juli 2019

Original Title: Die Drei !!!
Length: 103 Min.
Rated: FSK 0

Benjamin Blümchen

Benjamin Blümchen - Filmplakat
© 2019 StudioCanal

Für den technischen Stand heutiger Zeit ziemlich mies animiert, der Plot tangiert auch eher an die Sprachunfähigkeiten eines Neugeborenen und enttäuscht eher. Nach einer Weile gewöhnt man sich jedoch an die “billige Zeichnung”, was jedoch der Story auch keinen großartigen Aufschwung bringt: Sollte man nicht der absolute Fan sein respektive Kinder in dem Alter haben, darf man diesen Film getrost übergehen.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | War zur Pressevorführung noch nicht final, kann daher nicht bewertet werden.

Kinostart: 01. August 2019

Original Title: Benjamin Blümchen
Length: 91 Min.
Rated: FSK 0


Intrigo: In Liebe Agnes

Intrigo - In Liebe Agnes - Filmplakat
© 2019 Twentieth Century Fox

Beim Kauf eures Kinotickets für Intrigo müsst ihr demnächst etwas aufpassen: Es kommen nämlich direkt zwei Filme dieser „Reihe“ parallel ins Kino: Intrigo – Samaria und Intrigo – In Liebe Agnes.

Um Letzteren soll es in dieser Kritik gehen.

Inzwischen ist es aus den Medien ja schon wieder verschwunden, dass der Konzern Disney das Unternehmen Twentieth Century Fox aufkaufen möchte beziehungsweise aufgekauft hat und wir in Zukunft auf die klassische Fanfare des traditionellen FOX-Logos verzichten müssen.

Für mich immer noch ein herber Schlag in der Kinowelt. Umso bedeutsamer, dass wir nochmals in den Genuss eines ausschließlich von Twentieth Century Fox produzierten Werkes gelangen, das uns einen klassischen Krimi erzählt, der alle Elemente in Perfektion in sich vereint, die man für solch eine Erzählung braucht.

Man könnte sagen: FOX at it’s best!

Ich habe in den vergangenen Jahren immer wieder bewundert, wie sehr dazu in der Lage man in diesem Label ist, Geschichten wahrhaftig so zu erzählen, dass sie einen nicht nur oberflächlich berühren, sondern mit einer Tiefe überraschen und vereinnahmen, die einzigartig ist.

Dazu gehören nicht nur ausgefeilte Charaktere und tiefgründige Personenprofile, sondern eben auch intelligente Dialoge und ein ausgeschmückter Plot, der die Vernunft und Intelligenz des Zuschauers nicht durch Dummheit beleidigt.

All dies ist hier zu finden.

Was anfangs möglicherweise etwas trocken wirkt, entpuppt sich bald als eine durchtriebene Wucht, die mit trickreichen Twists und unglaublich guten Schauspielerinnen punktet, umschmeichelt von dem Atmosphäre schaffenden Soundtrack, der diesen Film wieder in ein Erlebnis katapultiert, das man so schnell nicht vergisst.

Da es sich bei der Intrigo-Reihe um eine Buchverfilmung handelt, ist sprachliches Versagen durch die Erzählung nahezu ausgeschlossen. Sonst hätte man sich wohl kaum die Mühe gemacht und diesen Stoff aufwendig verfilmt.

Mein Leitsatz „Filme können Sie!“ wird auch hier weiter verfolgt und einmal mehr bewiesen, dass Kommerz und Publikumsbefriedigung keine Gegensätze sein müssen und es sehr wohl geht, guten Content auf die Leinwand zu bringen und dabei wirklich alle Kleinigkeiten zu beachten, auf die es in so einem Werk ankommt.

Klare Schauempfehlung: Wenn jemand Geschichten wirklich fesselnd und gut erzählen kann, dann dieser Verleih. Genießt es, solange ihr noch könnt.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss nicht abgewartet werden, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: Intrigo: Dear Agnes
Length: 99 Min.
Rated: FSK 12


Der König der Löwen

Der König der Löwen - Filmplakat
© 2019 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Disney ist nicht gerade bekannt dafür, ständig tollen, innovativen Stoff zu liefern, sondern glänzt in den letzten Jahren mehr oder weniger dadurch, Altbekanntes durch den Aufwärm-Wolf zu drehen und es erneut für überteuerte Preise ans Volk zu verhökern.

Ich habe mich oft gefragt, was die eigentlich die ganze Zeit über machen, zumal auch noch Twentieth Century Fox in deren Besitz übergegangen ist und man nun eigentlich ja wieder mal damit anfangen könnte, wahre Filme zu machen, wo sie nun die Könige des Kinos in ihren Schubladen horten.

Sitzen die den ganzen Tag über nur noch rum und zählen ihre Golddukaten, wie einst Dagobert Duck?

König der Löwen liefert mir nun tatsächlich eine Vermutung: Ja, es ist auch aufgewärmt, wiedergekäut, jeder kennt die Story und sie wurde nahezu szenenidentisch nachgestellt, aber!

Und dieses aber ist riesig: Ich glaube nun, sie haben all die Jahre im Hintergrund an einer Technik gefeilt, die letztendlich nun in nahezuer Vollendung auf dem Screen präsentiert wird und die die Filmkunst in die nächste Ebene hievt: Die Viecher hier drin sind animiert – und es ist abgöttisch, wie abnormal grandios das nun aussieht!

Ehrlich: Die Mähnen der Wölfe, die Bewegungsabläufe von Tatzen, Mäusen, Gazellen und dem ganzen Gekröse auf dem Boden – die „Echtheit“ ist so unfassbar unglaublich, dass man wahrlich vor Staunen nicht mehr den Mund schließt! Wie geht sowas?

Entweder müssen sie jeden Zentimeter eines Tieres an Synapsen und Andi-Serkis-Motionmesser angeschlossen haben, oder sie hatten genug Zeit und haben unfassbar aufmerksam hingesehen und zugeschaut, wie die Natur funktioniert und was alles bei kleinsten Kleinigkeiten exakt für Dinge geschehen. Muskeln, Fleisch, Tatzenbewegungen, Haare, Umwelteinflüsse – es wurde einfach auf jedes Detail unfassbaren Wert gelegt und eine Optik auf den Screen geworfen, die ein neues Zeitalter der Animation einläutet.

Tatsächlich durfte man sich an den Archiven des alten Films bedienen und konnte deren damalig schon enorme Recherchen in der Tierwelt zu Rate ziehen, desweiteren hat man in verschiedenen Zoos ein aufwendiges Kamera-System installiert, um die Tierwelt dort zu beobachten, ihre Bewegungen zu studieren und die Tierlaute aufzuzeichnen, die letztendlich auch für den Film herhalten mussten.

Und die Teams sind tatsächlich nach Afrika gereist und haben sich „vor Ort“ von dem Leben überzeugt und eine ganze Menge Eindrücke mit nach Hause genommen, die den Animateuren dann als Referenz dienten – hier merkt man wieder einmal: Je echter und authentischer man ist, umso überzeugender kommt man rüber – das Publikum merkt sowas!

Hierfür ein bodenliegendes Chapeau von mir: Das ist wahrlich eine technische Meisterleistung, bei der ihnen vermutlich andere nicht so schnell das Wasser reichen werden! Respekt Respekt!

Grobschnitzige Fehler hat man sich in der deutschen Synchronisation auch geleistet (und keine Angst, jetzt kommt nicht das übliche Geheule): Man hat die Songs übersetzt.

Kinder? Elton John übersetzt man nicht – und synchronisiert ihn nicht! Niemals! Keines der originalen Lieder ist hierzulande so unbekannt oder unverständlich, dass man es übersetzen müsste – und wenn, dann bitte ausschließlich als optionale Untertitel – und niemals von Laien neu eingesungen! Das ist, als müsste Tante Helga eben mal die Beatles neu einsingen, weil sie sonst niemand versteht! Sowas geht – mit Verlaub – absolut nicht!

In der OV ist man spätestens bei Circle of Life am Ende und das Kino rockt den Saal, weil die Optik und Akustik stimmt und man einfach fertig ist mit Gott und der Welt! In deutsch wirkt es höchst befremdlich und eher wie ein kleiner Kindersong in einem zweitklassigen Family-Movie und niemals in der Größe und Respektabilität, die einem das Original liefert.

Also auch hier ein klares „Ja“ für die Original-Versionen in den Kinos.

Zur Geschichte muss ich nichts sagen, wer die animierte Fassung nicht kannte, hat jetzt die Chance, das Ganze nachzuholen – durch die fast 100%ige Deckungsgleichheit empfiehlt sich allerdings kein Double-Feature, sondern man sollte sich für eine der beiden Varianten entscheiden. Tipp: Eine der beiden läuft grade in den Kinos 😉

Stellt man nun noch Vergleiche zu anderen Werken an, darf man auch hier wieder ein wenig mit der FSK wedeln: 6 ist reichlich eng bemessen, wenn man sich diverse Szenen mit bösartigeren Kreaturen anschaut, andererseits hätte es sehr wohl auch noch viel boshafter sein dürfen, um der ganzen Kiste noch mehr energischen Biss zu verleihen, was dann jedoch wieder in zielgruppenabnormer FSK 12 oder 16 geendet hätte und kapitalistisch gesehen fatal für Disney wäre. Ihr kennt das.

Final lässt sich sagen: Jon Favreau (das ist Happy für die, die ihn nicht bei echtem Namen kennen ;-)) hat das Ruder hier gut in die Hand genommen und genau wie bei Marvel bewiesen, dass er ein Filmemacher ist, dem wir in ein paar Jahren lebenswerkhuldigend zujubeln werden, weil dieser Typ einfach verstanden hat, wie Entertainment funktioniert. Aber nutzt bitte auch die Chance und schaut es euch in seiner Intention an und nicht in dem Machwerk, das die deutsche Synchronisationsgesellschaft daraus produziert hat: Die packt nicht, sondern liefert „Konservenware“ – das ist im OV völlig anders!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht aussitzen, sofern man die Songs nicht hören möchte.

Kinostart: 17. Juli 2019

Original Title: The Lion King
Length: 117 Min.
Rated: FSK 6


Tolkien

Tolkien - Filmplakat
© 2019 Twentieth Century Fox

Über diesen Namen braucht man eigentlich kein weiteres Wort verschwenden: Entweder man kennt ihn und weiß sofort, womit man all das zu verbinden hat, oder man fragt erst einmal: „Hä? Wer ist das?“

Genau das haben die Schöpfer dieses Movies wohl auch bereits gewusst und sich darum gedacht: „Och, grenzen wir die Unwissenden einfach mal komplett aus und machen etwas nur für die absolut verrückten Fans.“

Möchte man den Film nun auf „Neutralitätsbasis“ bewerten, gelangt man schnell an seine Grenzen, weil hier eben wieder zu viel universitäres Gelaber ist, mit dem kein Mensch was anfangen kann, weil die Szenen dazwischen nicht richtig wissen, wohin sie wollen und weil keiner am Ende weiß, was das alles sollte.

Und dann sind die Fans am Start. Tolllkiiiiiieeeeeeennnnnnn … Herr der Ringe … Ahhhhh!

Interessanterweise haben mir sehr viele davon abgeraten (ja, ab!), die Bücher zu lesen, sind aber die absolut vernarrten Fans der Filme und können sie auswendig mitbeten. Tolkien selbst kümmert sich einmal mehr nicht um seine Werke, sondern um den Schöpfer persönlich und möchte irgendwas erzählen, das am Ende aber wiederum nicht so wirklich rauskommt.

Was dafür umso präsenter ist: Der Soundtrack! Guys and Girls? Gänsehaut! Aber so richtig!

Immer dann, wenn man sich dazu entscheidet, Gedanken-Touren zu unternehmen und die Fantasie ein wenig schweifen zu lassen, man wieder ins „Filmische“ reinkommt und eben nicht die kalte, harte, tote Uni-Materie am Leben (welches Leben?) erhalten will: Dann scheppert‘s wieder und man spürt sofort: Hier ist was ganz großes am Start, das man unbedingt im Kino sehen muss!

Leider hören eben jene Szenen jedesmal immer viel zu schnell auf … all das (und ihr dürftet inzwischen gemerkt haben, dass ich mich nicht dazu zähle) interessiert die Fanatiker aber reichlich wenig, denn die kommen hier voll auf ihre Kosten und bezeichnen das Ding schon jetzt als „Film des Jahres“.

Ob gut oder schlecht, wird hier nicht diskutiert: Vielmehr zählt „ob Fan oder nicht“ – erstere kommen nämlich tatsächlich hart auf ihre Kosten, letztere bekommen einen grandiosen Soundtrack geliefert, Kino spendiert die Boxen dazu oder man nennt eine gute Heimkinoanlage sein eigen – dann braucht man den Film dazu nicht zwingend, aber ein gut gefülltes Musik-Abo und jede Menge Zeit… Bei mir ist er seit Erscheinen noch nie aus der Top 10 der meistgehörten Scheiben rausgerutscht 😉

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, hier folgen keine weiteren Szenen oder Bilder mehr.

Kinostart: 20. Juni 2019

Original Title: Tolkien
Length: 111 Min.
Rated: FSK 12