Tag: Gabriel Bateman

Unhinged – Außer Kontrolle

Unhinged - Filmplakat
© 2020 Leonine

„Löwenartig“ könnte man Leonine übersetzen, das Label, dass neuerdings öfters auf der Leinwand an Anfängen von Filmen prangt und irgendwie nach der Krise auf einmal geboren und bereits durch die Pubertät durch war. What?

Wer so steinalt ist, wie ich, erinnert sich vielleicht noch an die Tele München Gruppe, das „Regal-DVD“-Label Concorde oder hat schon einmal etwas von Wiedemann & Berg gehört: Gemeinsam mit dem eher bekannten Universum Film hat man nun alles zusammengeschmissen und quasi „aufgeräumt“ und zählt damit zu den größten Medienkonzernbibliotheken innerhalb der Filmwelt Europas, von der wir in Zukunft hoffentlich viele weitere, gute Titel erwarten können.

Einer davon ist soeben gestartet und wartet gleich mit bombastischen Elementen auf: Einem fulminant-starken Russell Crowe, seiner fantastischen Gegenspielerin Caren Pistorius und einem starken Plot, der eigentlich nur eines vermissen lässt: Filmfehler.

Das Ding ist unglaublich gut aufgezogen und startet bereits im Vorspann mit einem grandiosen Soundtrack und einem (endlich mal wieder) wunderschön designten Einstieg, der einen auch im Kopf auf alles vorbereitet und vor Beginn der Erzählung für Rahmenbedingungen sorgt, die hervorragend bis ins Detail ausgearbeitet wurden und viele Fragen von vornherein klären.

Die Einführung der Charaktere und Ausarbeitung ihrer persönlichen Wesenszüge ist genauso bis ins Kleinste durchdacht wie die Welt um alles drumherum: Ich habe tatsächlich konsequent darauf geschaut, da solche Action-Revenge-Filme meistens durch Logiklücken und fehlerhafte Elemente glänzen: Nichts davon ist hier zu finden.

Selbst bis hin zu technischen Details auf den Displays verschiedener Geräte: Auch hier werden IT-affine Nerds nicht durch „Oh, wir brauchen Hacker.. macht mal irgendwas in Grün“ oder solche stupiden „Du telefonierst mit 89% Akku und beim nächsten Herausnehmen des Handys 4 Minuten später im Plot geht auf einmal das Handy aus: Akku leer“-Szenen abgespeist, sondern auch hier wurde sich akkurat an die Wirklichkeit gehalten, was diesen Geschehnissen noch viel mehr Glaubwürdigkeit verleiht als ohnehin schon.

Und dafür, dass man sich auf die Gerard Butler-Ebene begibt und damit auch ein ganz spezielles Publikum ansprechen möchte: Die Szenen sind wahnsinnig gut, wenn Crowe mit seiner Mimik zu dramatischen Höchstleistungen auffährt, die einen rauschend ins Tohuwabohu dieses Filmtages schmettern und dabei immer spüren lassen: Nope, genau das wurde eingangs erklärt, warum dies und das jetzt nicht direkt geschehen kann und und und.

Warum ich eingangs von „Regal-Label“ gesprochen habe? Erwartet kein Marvel-Gegenstück im Blockbuster-Modus, sondern tatsächlich dieses altbewährte, klassische Revenge-Kino, dass man sich als Kind nur allzu gerne nachts im Bett reingezogen hat und von dem man damals restlos begeistert war: Unhinged schafft es, diese Atmosphäre völlig frisch zu beleben und begeistert dabei mit einer unglaublich liebevollen Ausgestaltung um den Hass drumrum.

Definitiv sehenswert!

Dass ihr dafür ins Kino rennen sollt, brauch ich euch an dieser Stelle ja hoffentlich nicht mehr sagen: Es kracht bereits zu Anfang schon richtig nice und der Film begeistert durch die absolute Abwesenheit von Filmfehlern und Logiklücken. Hervorragende Arbeit, toller Soundtrack und ein Russell Crowe mit einer Darstellung, für die er gemacht zu sein scheint.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Liefert weder Anfangs- noch Zwischen oder After-Credits-Szenen: Rausgehen erlaubt.

Kinostart: 16. Juli 2020

Original Title: Unhinged
Length: 90 Min.
Rated: FSK 16


Child’s Play

Childs Play - Filmplakat
© 2019 Wild Bunch

Es ist inzwischen so überdeutlich, wie gekauft und werbeabhängig manche „Kritiken“ sind: „So scary wie nie zuvor“ und man sitzt im Kino und langweilt sich.

Mein bester Kumpel ist ein absoluter Horror-Verweigerer und ich büße jede Vorstellung, in die ich ihn rein jage, mit bösen Schmerzen, wenn er sich im Stuhl neben mir an meinen Händen, Knien oder sonstwo festkrallt und Kräfte dabei entwickelt, die nicht von dieser Welt sind.

Jüngst war ich in ES Chapter Two mit eben besagtem Best Friend und bin anschließend als Knochengerippehäufchen wieder aus dem Saal getigert mit stundenlang keinem Gefühl mehr in der rechten Hand: Kellerszene und Co. taten ihr übriges.

Und in Child’s Play sitzt er neben mir – tiefenentspannt – und sagt hinterher: „Das war irgendwie lame. Ich hab mich gelangweilt.“

„So scary wie nie zuvor“ also. Verstehe. Genau so machen es doch viele: Filme wie Child’s Play bewerben sich selbst in vielen Magazinen und online und eben jene Redaktionen haben dann keine Lust mehr, kritisch an die Sache ranzugehen, oder – was noch viel schlimmer ist – erhalten von oben die Anweisung, positiv über den Film zu berichten.

Im Fall von Jurassic World – Fallen Kingdom war das ein mieser Trick, um negative Publicity von dem übelsten Werk abzuwenden und es haben mir am nächsten Morgen dutzende Redakteure und Pressevertreter gedankt, dass endlich mal jemand ausgesprochen hat, was alle eigentlich denken: Dass das Ding absolut scheiße ist.

Aber mit solchen Aussagen landet man eben nicht auf dem Cover eines Filmplakates, was wiederum Werbung für die eigene Redaktion wäre – was wiederum Geld bringt… was aufzeigt: Alles kapitalistisch-korrupt.

Das ist der Grund, warum ich immer wieder betone, dass ich mit dem ganzen Unternehmen hier keinen einzigen Cent verdienen möchte: Niemals möchte ich meine Seele und freie Meinung für ein paar Kröten vor die Säue werfen und mich in die Schlange derjenigen einreihen, die nichts anständiges mehr posten dürfen. Davon hätte niemand etwas.

Und dann geht die Maschinerie aber erst los: Der unwissende Zuschauer, der den Film zu diesem Zeitpunkt eben noch nicht gesehen hat, muss sich gewissermaßen auf solche „Meinungen“ verlassen, wenn es um „Wo geh ich diese Woche rein“ geht und liest dann, wie toll und scary das Werk ist und denkt sich: „Wow – das muss ich sehen.“

Geht rein … und ist gelangweilt.

Die Betreiber freuen sich über immense Zuschauerzahlen und denken sich: „Wahnsinn, was für ein Erfolg, produzieren wir doch gleich nochmal ein paar in dieser Filmreihe“ … und schon hast du den Markt geflutet mit Dreck wie diesem: bösartiger Horrorkost, die dafür sorgt, dass so viele keine Horrorfilme im Kino anschauen wollen, weil’s rausgeschmissenes Geld ist und absolut nicht schockiert.

Ganz ehrlich? Ich fand Chucky schon nicht scary, sondern eher belustigend, aber dafür noch ein wenig unterhaltsam und trashig, das hatte einen gewissen Kultfaktor und war als Genre noch okay. Die Fortsetzungen kränkelten dann schon an den üblichen Verdächtigen, während das hier jetzt ja nicht mal mehr eine Fortsetzung, sondern sozusagen ein „Spin-of“ ist, das also nur an die Story anlehnt und sich dabei vor Filmfehlern nur so überstürzt.

Und ja, auch Dummdoofe merken nach 3 Minuten Film, wie er enden wird … und ohne euch spoilern zu wollen: Er endet so. Es läuft genau so ab wie du vermutest. Wirklich.

Wenn du den Film also sehen willst und Spaß haben, hilft nur eins: Nimm dir einen Knüppel, organisiere dir einen Securityaufpasser, der hinter dir steht und dich auffängt und dann knüppel dir das Ding so dermaßen auf die Fresse, dass du ohnmächtig wirst und zu Beginn der Vorstellung mit einem Hirnschaden wieder aufwachst. Dann lass dir die geistige Unfähigkeit bescheinigen und erst dann: Hol das vorher gekaufte Ticket am Tresen ab und schau den Film. Ansonsten sorgt der übrig gebliebene Restverstand dafür, dass man sich permanent langweilt.

Dreimal dürft ihr raten, weshalb ich für diesen Titel bislang keinen Tag freigeboxt habe, um die Rezension abzusenden: Gesehen hatte ich ihn schon lange vor Kinostart – und es lohnt sich in meinen Augen auch nicht, den zu Hause zu schauen. Lasst dieses Unterfangen endlich in den Tod gehen. Danke.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, es folgt kein Schrecken mehr.

Kinostart: 18. Juli 2019

Original Title: Child’s Play
Length: 90 Min.
Rated: FSK 16