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Nurejew – The White Crow

Nurejew - The White Crow - Filmplakat
© 2019 Alamodefilm

Schindler’s Liste, Der Englische Patient, Harry Potter und der Feuerkelch, Tödliches Kommando – The Hurt Locker, Der Vorleser, James Bond 007 – Skyfall, Hail, Caesar!, James Bond 007 – Spectre – seid ihr auf dem Niveau drauf?

Was haben all diese Filme gemeinsam?

Schauspieler Ralph Fiennes, der ebenfalls in Nurejew – The White Crow einen entscheidenden Part spielt: Als Darsteller und als Regisseur.

Wham!

Ich liebe diesen Typen für seine Ruhe, seine Aura, seine Captain Subtext-Schwere, die ihn einzigartig und erlesen macht – eine Koryphäe auf dem Gebiet des Schauspiels, sowohl im Theater als auch im Kino. Filme mit ihm zählen meist zu der hochwertigen Sorte – oder anders gesagt: Mir fällt auf Anhieb kein Streifen ein, den ich irgendwie als mittelmäßig abstempeln würde, auf dem vorne sein Name mit drauf steht.

Nun hat er selbst Hand angelegt und sein Regiekönnen erneut unter Beweis gestellt. Und was dabei rausgekommen ist, kann sich nicht nur sehen lassen, sondern bombt einen durch die Mauer nach hinten weg, dass dir erstmal nicht mehr ganz klar ist, wo du gerade bist.

Wanna prove that? Schaut euch den Trailer an – wenn ihr euch traut und euch nicht zu sehr spoilern lassen wollt. Der macht – mit richtiger Anlage und großem Bildschirm – nämlich schon einen kleinen Vorgeschmack fertig von dem, was im Kino auf euch zurennt.

Nurejew – The White Crow zählt für mich zu den größten Errungenschaften, die dieses Jahr hervorgebracht hat. Und dazu tragen enorme Tatsachen bei, die zu nennen man auf einen Schlag gar nicht in der Lage ist.

Das Thema zieht bei mir immer: Die letzte Bastion freien Willens und ungefilterter Aufklärbärmentalitäten in einer Welt voller Korruption, Verachtung, menschlichen Versagens als Stilmittel zu nutzen, um ein riesiges System anzuprangern und auf eine Weise Einblick zu schaffen in Tatsachen, die von eben jenen nicht mehr zu leugnen sind – großartig! Kein Verbrechen der Vergangenheit bleibt ungesühnt – und dieser Film schlägt gewaltig in die Presche politischer Ungerechtigkeiten hinein und steht damit stellvertretend für Millionen zahlreicher Opfer, die bis heute keinen Frieden darin gefunden haben. Er offenbart die erhabene Arschigkeit eines verlogenen Systems.

Der Cast – präzise gewählt, mit heroischer Eleganz und grazilem Anmut auf die Bühne geführt und sie einfach tun lassen: Die Art, wie man selbst Gegner hier an kunstfertige Handlungen heranträgt, ist so dermaßen charmant und unwiderstehlich, dass man eigentlich gar keine andere Wahl mehr hat, als danach vollkommen geflasht zu sein. Mehr davon!

Die Tragweite und -schwere reizt so ziemlich alles aus, was es auszureizen gibt: Man donnert mit grazilen Sprüngen so dermaßen wuchtig in die Plot-Autobahn, dass einem Hören und Sehen vergeht. Ja, es kracht gewaltig, was die “Handlung” angeht und man spürt – nicht zuletzt durch den Soundtrack – immens, welche weitläufigen Auswirkungen jedes einzelne Fingerschnippen in dieser Situation hat. Der Film versteht das Wesen der Kunst und ist so ausdrucksstark und bleibend mit seinem sensiblen Feingespür für die Seele der künstlerischen Ausdrucksstärke und Inspiration von Freiheit und dem Drang nach mehr, als das System um einen herum zulässt.

Ein Meisterwerk, das sich extrem von allem anderen absetzt und damit eine ganz eigene Ära kredenzt, die wieder einmal beweist: Kino kann eben doch gut und anspruchsvoll sein. Also fasst euch ein Herz und besät die Plätze der Säle dieses Landes, die diese Vorführung nicht abgewiesen haben. Es lohnt sich!

Großartig, einschlagend, politisch relevant und von grazilem Kunstverständnis durchzogen: Ein Film, der den Zuschauer auf allen Ebenen des Seins packt und kräftig durchschüttelt – muss man gesehen haben!

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Anfangs sieht man noch präzise Bewegungen in einem Tanz, den man sehr wohl mitnehmen sollte, am Schluss folgt dann nichts weiter.

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: The White Crow
Length: 122 Min.
Rated: FSK 6


Geheimnis eines Lebens

Geheimnis eines Lebens - Filmplakat
© 2019 Entertainment One Germany GmbH

Judi Dench ist eine Größe auf der Leinwand, egal, mit was man sie beauftragt – ihre Persönlichkeit und ihr Charme reißen das Ruder in jedem Fall auf Seiten der Sympathie und des Mitgefühls mit ihrem Charakter. Wenn man nun bedenkt, dass diese Frau fast blind ist und darum Schauspielern für sie quasi mittlerweile absoluter Nonsens, ist es erstaunlich, wie man sie in Geheimnis eines Lebens inszeniert. Klar wurde ihre Rolle entsprechend so angepasst, dass sie keine Verfolgungsjagden auf in 6 Meter hoch installierten Reckbarren mehr durchführen muss, sondern quasi mehr oder weniger „nichts schief“ laufen kann, wenn man allerdings nichts davon weiß, dass diese Frau tatsächlich kaum etwas sieht – Wahnsinn, mit welcher Performance sie da einfach mal um die Ecke schneit.

Der Plot des Films haut einen jetzt nicht sonderlich vom Hocker, sondern wäre in anderen Streifen wohl eher nur eine beiläufige Selbstverständlichkeit. Daraus ergibt sich jetzt keine zwingende Pflicht, seinen Filmschatz tatsächlich um diese Geschichte zu erweitern, was wiederum nicht bedeutet, dass diese Wahl die schlechteste wäre.

Wer gerne in diesen Metiers verweilt und sich mit derlei Geschichten gerne umgibt, findet hier einen toll gespielten Streifen, der diese Gelüste zu 100% befriedigt, jedoch im allgemeinen Verständnis der heutigen Abgeklärtheit keine neuerlichen Fakten mehr auf den Tisch zu werfen vermag, zumal hier eh schon viel zu viel Undurchsichtigkeit und Mythos-Glaube am Start ist, als dass man den geneigten Cineasten dadurch mit irgendetwas verblüffen könnte.

Das Erzählenswerte liegt hier viel mehr in den Hintergründen, die weder vom Film direkt angesprochen werden, noch jemand auf Anhieb als wichtig erachten könnte, nämlich: Diese Geschichte ist wahr und sie hat sie ein Leben lang tatsächlich mit sich rumgetragen.

Der fade Beigeschmack, warum gerade jetzt so etwas „offenbart“ werden muss, bleibt am Ende aber dennoch mit fliegenden Fragezeichen im Raum.

Grandiose Performance, mittelmäßige Story, fragwürdige Absicht: Als Zuschauer fühlt man sich ob der vielen Mythen rund um diese Themen etwas alleingelassen, wenn es um den Grund für diesen Film geht – der besinnt sich ganz seines Genres und liefert tolle Bilder und eine solide Geschichte, die aber nicht mit nennenswerten neuen Fakten aufzuwarten weiß, sondern eher subtil vermittelt, dass an den leichtgläubigen Mysterien doch manchmal mehr dran ist, als man vorher glaubte.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 04. Juli 2019

Original Title: Red Joan
Length: 102 Min.
Rated: FSK 6