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Fritzi – Eine Wendewundergeschichte

Fritzi - Eine Wendewundergeschichte - Filmplakat
© 2019 Weltkino Filmverleih GmbH

Als ich jüngst davon sprach, dass demnächst noch einige tolle Movies ins Kino kommen werden, die sich mit den Ereignissen von vor 30 Jahren auseinandersetzen, und dabei immer wieder einen Film hervorhob, der diese historische Aufarbeitung mit Bravour erledigt, meinte ich diesen hier: Fritzi – Eine Wendewundergeschichte.

Im Gespräch mit Matthias Bruhn, einem der beiden Regisseure, erwähnte dieser nochmal, dass sich das Zielpublikum im Verlauf der Dreharbeiten eigentlich von „für Kinder“ zu „für alle“ entwickelte, denn genau diesen Eindruck hatte ich bereits zu den Pressevorführungen vorab schon gewinnen können: Was hier geliefert wird, ist ein einmaliger Blick hinter die Kulissen der DDR und des damals vorherrschenden Systems – aus Sicht von Kindern.

In einer Welt, in der das Wort immer weniger an Bedeutung behält, man überflutet wird von Informationen, teilweisen Falschmeldungen und irregeführten Eindrücken, die sich als Tatsachen behaupten möchten, verliert manchmal die Wahrheit ein Stück weit sich selbst. Es entsteht ein Bild, das die Dinge nicht mehr richtig beleuchtet und ein völlig verdrehtes Gedankengut erschafft, woraus wiederum viele politische und gesellschaftliche Irrlichter entstehen (können), die dann zu absurden Auseinandersetzungen führen, von denen es heute mehr als genug gibt.

In heutiger Zeit haben viele die wahre Identität ihrer Vergangenheit vergessen, ausgeblendet oder stückweise so an ihr Wunschdenken angepasst, dass dieses mit der Wirklichkeit nichts mehr gemein hat. An genau diesem Punkt greift Fritzi – Eine Wendewundergeschichte ein und erzählt – basierend auf wahren Erlebnissen – die Dinge, die damals zum Teil wirklich so passiert sind – und das auf eine erstaunlich einfache und bildungsreiche Art und Weise.

Vielen ist nicht mehr klar, was dieses Gesäusel über diese Epoche im TV wirklich bedeutet. Man verliert das Augenmerk, weil immer wieder etwas darüber gebracht wird, die Stimmen darüber nie verstummen und man manchmal das Gefühl hat, das nur noch trotzig darüber berichtet wird, damit es einfach niemals aufhört.

Welcher Jugendliche möchte sich heute freiwillig mit so etwas auseinandersetzen?

Dazu kommt eine Generation, die von den Ereignissen einfach keinen blassen Schimmer mehr hat, weil die einen Systemwandel niemals erlebt haben, geschweigedenn einen einfachen Führungswechsel in der Politik. Wie können Fehler der Vergangenheit dann vermieden werden, wenn niemand mehr darüber Bescheid weiß?

Des Weiteren hatte ich oft das Gefühl, man verlangt eine gewisse Grundkenntnis über manche Dinge und wird als „dumm“ bezeichnet, wenn man über selbige nicht verfügt. Wer nicht fragen darf, kann es nicht wissen – und da kommt Fritzi ins Spiel und fragt. Diese simple Idee schafft hier einen Fundus über die geschichtliche Vergangenheit, die dem Bildungsauftrag extrem nachkommt und über historische Gegebenheiten aufklärt, die frei von politischem Kauderwelsch oder den lahmen Erzählungen von „Opa vom Krieg“ sind. Dadurch, dass hier tatsächlich der Rahmen auf den Fokus von Kids gelegt wurde, bleibt es absolut verständlich und erschafft dennoch den Blick auf die komplexen Verwirrungen dieses Systems.

Durch diese Herausarbeitung ist meiner Meinung nach den Schöpfern des Films ein Meisterwerk gelungen, das sich auf eine Ebene mit Werk ohne Autor und Das Leben der Anderen stellen darf, denn großartig andere Erzählungen über diese Zeit, die dieses Potenzial an geschichtlicher Aufarbeitung in sich tragen, gibt es auf den Leinwänden kaum mehr nennenswerte.

Ein weiterer fantastischer Punkt war die örtliche Gegebenheit, in der dieser Film seine Deutschlandpremiere feierte und der tatsächlich auch in der Story eine große Rolle spielt: Die Nikolaikirche in Leipzig.

Ich durfte zur Premiere vor Ort sein und habe viele wunderbare Menschen getroffen, tolle Gespräche geführt und eine fantastische Premiere erleben dürfen, von der ihr im Anschluss noch ein paar Aufnahmen bewundern könnt.

Mit dabei waren u.a. Regisseure Ralf Kukula und Matthias Bruhn, Autorin der Buchvorlage Hanna Schott sowie Drehbuchautorin Beate Völcker, Winfried Glatzeder – Sprecher des Stasi-Offiziers im Film sowie Ben Blümel vom KiKa, Michael Kölmel und Dietmar Güntsche – die Geschäftsführer von Weltkino und einiges an Prominenz wie z.B. Oliver Schenk – Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei, Kamilla Senjo, Dr. Med. Carsten Lekutat, Peter Escher, Thomas Schoppe, Bülent Sharif und Rosalind Baffoe.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Darf man gerne noch mitnehmen, hier gibt’s noch ein paar tolle Animationen.

Kinostart: 9. Oktober 2019

Original Title: Fritzi – Eine Wendewundergeschichte
Length: 86 Min.
Rated: FSK 6


Zwischen uns die Mauer

Zwischen uns die Mauer - Filmplakat
© 2019 Alpenrepublik GmbH

Erinnert ihr euch, dass ich kürzlich erwähnte, dass der Mauerfall sein 30jähriges feiert? Im Zuge dessen macht man viel in den Kunstschmieden der Welt und ich finde es toll, wie qualitativ hochwertig die diesjährigen Filme über die Zeit der Grenze und -öffnung tatsächlich sind.

Ich höre schon landesweites Stöhnen darüber, weil keiner mehr mit dem Thema mitziehen möchte, es niemanden interessiert und quasi kaum eine Minute im Leben vergeht, in der nicht irgendwo irgendwas über diese Epoche ausgestrahlt wird – vergesst all das.

Trinkt ein Glas Wasser, zieht euch was warmes an, sucht das nächstbeste Kino auf und löst ein Kinoticket für Zwischen uns die Mauer. Ja, vielleicht blöder Titel, der einige Vermutungen anstellen lässt, aber ihr wisst ja: Vorurteile = böse. Also lasst es.

Tatsächlich hat mich in den vergangenen Jahren oft die nostalgisch-schwelgende Art von Menschen gestört, die vermutlich keine Minute in der DDR gelebt haben und sich nun nach einem System sehnen, in dem angeblich alles so viel besser war: Das Bild, das von der DDR gezeichnet wurde, war in meinen Augen romantisch verklärt und keinesfalls korrekt und wahrheitsgemäß.

Dies holen Filme wie dieser nun mit Bravour nach und eröffnen, unter welch schwierigen Bedingungen Freigeister und Menschen mit ganz normalen Sehnsüchten leben mussten und wie abnormal der Alltag „drüben“ gewesen ist.

Genau diese Entwicklung sehe ich in vielen der Titel, die zum diesjährigen Jubiläum gestartet werden und es freut mich ungemein, dass der Wahrheit nun endlich Genüge getan wird. Vorbei mit falschen Behauptungen, vorbei mit selektiver Wahrnehmung, rein in die Wirklichkeit – basierend auf dem autobiografischen Roman von Katja Hildebrand, den zu lesen ich seitdem auf meiner To-Do-Liste habe.

Endlich spricht man breitflächig die Wahrheit über das System „DDR“ und zeigt anhand einer wunderbaren wahren Begebenheit, was damals wirklich Sache war. Kein „Just another … movie“, sondern absolut positiv überraschend – geht unbedingt rein!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht sitzen bleiben, rausgehen erlaubt!

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: Zwischen uns die Mauer
Length: 110 Min.
Rated: FSK 6