Tag: Horror

The New Mutants

The New Mutants - Filmplakat
© 2020 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

The New Mutants waren meine große Hoffnung, die X-Men irgendwann mal in düster zu erleben und sie im Verlaufe ihres Erwachens irgendwie mit Deadpool zu verheiraten, denn bei dieser Kombination kriege nicht nur ich Gänsehaut. Tatsächlich hat uns der Teaser – und in Folge auch der Trailer – so richtig auf Horror-Franchise gebürstet und die Erwartungen dabei nicht zwingend im unteren Bereich angesiedelt.

Nun startet der Film ganz unverhohlen und man spürte schon im Vorfeld irgendwie, dass manche Dinge im Busch zu sein scheinen. Die Presse schweigt sich aus (okay, das liegt am Embargo – was aber nicht zwingend ein gutes Zeichen sein muss), aus Amerika, wo der Film unlängst gestartet ist, hört man auch nicht überschwelende Reden und auch hier verpufft die Wirkung des „ganz großen Blockbusters“ irgendwo in den kleinen Sälen – zwar vorhanden, aber nicht wirklich präsent.

Alles in Allem sehr schlechte Vorzeichen. Insofern war ich froh, die Pressevorführung zu diesem Streifen in einem größeren Kino präsentiert zu bekommen in Erwartung, dass all die schlechten Anzeichen sich nicht bewahrheiten würden und ich anschließend zu meinen Kinojungs gehen und sie darum anflehen kann, den Film prominenter im Programm zu platzieren.

Tja (und jetzt lest bitte weiter): Das ist tatsächlich nur in Teilen Wirklichkeit geworden. Zugegeben, die X-Men-Reihe war schon immer eher an jüngeres Publikum adressiert und tummelt sich daher eher mit Filmen wie The Darkest Minds oder Die 5. Welle im Konkurrenzkampf um die Heranwachsenden, lediglich Logan war dann doch mal ein etwas erwachsenerer Ausreißer erfreulicher Natur… wenn man sich jedoch mal die ersten Filme von X-Men anschaut (und auch deren Effekte), stellt man sehr schnell fest, dass hier kein Allround-Publikum gebraucht wird.

Dementsprechend hätte es mich gefreut, wenn man sich jetzt nun vollständig in die Nische des Horrors zurückzieht und daraus endlich etwas vernünftiges bastelt … und der Beginn des Films schreit auch förmlich nach großen Leinwänden und guten Boxen… aber dann mündet es eher in eine Love-Story und weniger in einen Action-Horror-Bombast, der einen so richtig wegtrommelt.

Co-Autor Knate Lee zufolge sind die Vorgeschichten der Kids in The New Mutants wesentlich verkorkster und schräger, weswegen eine Tendenz ins Horrorgenre quasi vorgeschrieben war… in meinen Augen hat man im Film dafür dann aber viel zu wenig geliefert und sich relativ unscheinbar von den X-Men-Filmen unterschieden.

Zwar machen die Autoren immer wieder deutlich, dass deren Geschichte zwar bekannt und Verbindungen dazu auch gewollt sein dürfen, jedoch möchte man sich ebenfalls von den X-Men absetzen und eben etwas anderes, düstereres, boshafteres sein … und dazu gibt man dem Entfalten des comic-liken Horrors im Film viel zu wenig Raum.

Dass die Charaktere solcher Filme schon immer unrealistisch viel emotionalen Schwachsinn mit sich ausbrüten und stundenlang nicht darüber hinweg kommen, endlich mal auf die Kacke zu hauen und es einfach nach allen Formen der Kunst brezeln zu lassen, ist ja hinlänglich bekannt. Im Zuge der „Horror-PR“ im Vorfeld bin ich davon aber eher enttäuscht, denn man unterscheidet sich quasi so überhaupt nicht von bisher bereits häufig schon dagewesenem.

ABER:

Dann kommt das Finale. Der Schluss. Während es im Verlauf des Films immer gemütlicher und „richtiger“ in dem angedachten kleinen Kino zu werden scheint, bereut man am Schluss diese Entscheidung wieder, wenn man zum finalen Showdown anschlägt und dann zeigt, dass hier eben doch Geld verbraten und fähige Künstler ans Werk gelassen werden: Hierfür muss die Leinwand wieder groß und die Boxen laut genug stellt sein, um diese Elemente in dem Umfang erleben zu können, wie man sie sich gedacht hat.

Wenn ich jetzt also zurück blicke und tatsächlich die Blu-ray von X Men 1 wieder ins Laufwerk einlegen würde, dann hätten wir hier ein würdiges Pendant, dass danach tatsächlich doch noch alles anders werden lassen kann… wenn man an dieser Sache nun dran bleibt und das Zielpublikum mitzieht, statt immer wieder zurück auf die 14jährigen zu fallen.

Und vielleicht erleben wir es ja eines Tages doch noch, dass die New Mutants und Deadpool auf der Leinwand heiraten, kleine Kinder kriegen und in eine gemeinsame, große Schlacht ziehen. Wir wollen’s hoffen.

Der Anfang ist cool, der Mittelteil eher mit leisen Tönen und verliebt, am Schluss trägt man dann tatsächlich auf, was aber nicht zwingend den Film rettet, jedoch sehr viel Hoffnung auf kommende Teile macht. Ein solider Start.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Die Schauspieler werden nochmal schön gezeigt, danach dürft ihr dann raus gehen.

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: The New Mutants
Length: 93 Min.
Rated: FSK 16

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Follow Me

Follow Me - Filmplakat
© 2020 Capelight Pictures

Am gestrigen Tag startete Follow Me in den deutschen Kinos und ich empfehle allen Freunden von unterhaltsamen Filmen, die einen einigermaßen gehärteten Magen vorweisen können, ein Kinoticket dafür zu ergattern: Es lohnt sich – aus mehreren Gründen.

Der geneigte Fan von ambitioniertem Slasher-Blood-Gore-Horror-Grusel-Schocking-Kino ist inzwischen ja schon pornös abgestumpft und kriegt immer mehr Futter, das einen Trieb im menschlichen Geist füttert, der ihn sich für nichts mehr begeistern lässt, außer noch mehr Blut, noch verstümmeltere Leichen, noch mehr Brutalität … und das artet dann so aus wie es z.B. Mit der SAW-Reihe passiert ist: Teil 1 mit gefühlvollen Einlagen, nachvollziehbaren Gründen und einem wahnsinnig einträglichen Twist und ab Teil 2 dann mit Vollrausch in immer sinnlosere Brutalität und „Action“, der auch ich als Fan des ersten Teils keine Genugtuung mehr abgewinnen konnte.

Nicht so bei Follow Me. Inzwischen kennen wir ja einige durchtriebene Hirnficks, die auch in der Filmgeschichte ihre Spuren hinterlassen haben und als „Merkmal“ gelten, das jeder kennt, Hostel zum Beispiel. Hier waren mir aber immer die Story und die erwarteten Gewalt-Elemente zu hart voneinander getrennt. Genau diesen Punkt haben die Macher von Follow Me in meinen Augen sehr viel besser gelöst, indem sie die Grenzen zwischen Fiktion und Realität derart verschwimmen und die Erzählung von gemächlicher Normalität langsam in andere Dimensionen gleiten, es sich dabei aber dennoch nicht nehmen lassen, den Film in einem gewaltigen Twist enden zu lassen.

Diese fast schon absolut alltägliche Realität, die so viele Menschen inzwischen durch ihre Sucht nach Social Media kennen, ist hier so unglaublich präsent und wahrheitsgetreu nachgebildet, dass der Sprung hin zu „Ist doch nur ein Film“ tatsächlich sehr schnell verschwimmt.

Und auch in punkto „Na, das ist jetzt vielleicht etwas übertrieben“ zieht man hier völlig neue Saiten auf: Inzwischen sind wir ja viele Aktionen und „Forderungen“ aus solchen Gewaltexzessen gewöhnt. Auch hier erlebt man als Zuschauer eine erfreulich neue Interpretation des Genres, die sich in Richtungen entwickelt, die ich ehrlich gesagt nicht gedacht hätte.

Und wer jetzt ganz genau hin schaut, der entdeckt sogar noch liebevolle Kleinigkeiten (wie z.B. Die 30-Minuten-Regel), was wiederum aufzeigt, mit welchem Kopf das Kreativteam hier rangegangen ist.

Es wirkt fast so, als hätten sich die Jungs und Mädels hingesetzt und geschaut, was bisher alles so auf den Markt kam und daraus dann endlich ein funktionierendes Gestell gebastelt, welches den Zuschauern ungeniert serviert werden kann und auf voller Länge überzeugend rüberkommt.

Insofern: Alles richtig gemacht, Escape Room war schon der Bringer, Follow Me ist es genauso und ich hoffe, dass wir aus dieser Ecke in Zukunft noch einiges mehr sehen dürfen.

Überzeugt auf allen Ebenen: Tolle Story, teils bekannte Elemente völlig neu interpretiert und in sich schlüssig und völlig im Reinen: Großartig umgesetzt und bis zum Schluss spannend – mit einem wunderbaren Finale. Reingehen!

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Hier wird gewissermaßen ein gewichtiger Punkt der Auflösung präsentiert, also unbedingt sitzen bleiben.

Kinostart: 20. August 2020

Original Title: No Escape
Length: 92 Min.
Rated: FSK 16


Fantasy Island

Fantasy Island - Filmplakat
© 2020 Sony Pictures Entertainment

Die Nachwehen von Corona sind immer noch nicht ausgestanden, darum gibt es bis heute die Chance, Filme auf der Leinwand zu erleben, die unsereiner noch niemals „in groß“ gesehen hat. Dabei tummeln sich alte Klassiker neben kürzlich releasten Titeln und ich finde, man sollte die Chancen nutzen und sich die Filme tatsächlich im Kino ansehen.

Die Abstände zwischen den einzelnen Gästen sind ausreichend groß, man wird immer wieder vehement aufs richtige Tragen der Masken hingewiesen und die Kinos kommen euch – ganz im Sinne der neuen wirtschaftlichen Handhabe – auch preislich entgegen und fordern quasi nichts und bieten dafür viel.

Und im Falle von Fantasy Island sollte man einen Kinobesuch gleich mehrfach einplanen, denn dieser Film überfordert einen mit Impressionen und Denkstoff, dass ein einziger Besuch unmöglich ausreicht, um die ganze Fülle an Eindrücken und Elementen richtig verarbeiten und einordnen zu können.

Einmal braucht man allein, um überhaupt rauszufinden, wohin das führt. Um was geht es? Wer spielt mit und wohin läuft es hinaus?

Ein weiteres Mal kann man dafür verwenden, um festzustellen, dass hier tatsächlich keine logischen Fehler oder Continuity-Patzer gemacht wurden. Und weitere Male sind nötig, um die ganzen Details und Wunder zu entdecken, die man sich beim Erschaffen dieses Films zu Herzen genommen und umgesetzt hat: Und das ist wirklich ein Titel von Blumhouse – also ja, ich bin weiterhin zwiegespalten zwischen „total schlecht“ und „wow – grandios“. Die Zeiten des unteren Niveaus scheinen wirklich stellenweise vorbei zu sein.

Ich hatte vor Jahren mal ein Erlebnis in Augsburg im Kino, wo ich um 23:00 Uhr in einer Nachtvorstellung eines Horrorfilms gesessen habe, der so richtig hart in diese Tageszeit gepasst hat. Dort ist für mich das „23 Uhr-Horror“-Genre entstanden, dem ich Fantasy Island genauso zuordnen möchte: Es darf gerne draußen dunkel sein und die Welt in Teilen bereits schlafen, so dass man ruhig das Gefühl hat, draußen gleich alleine zu sein, wenn man durch den dunklen Park zurück nach Hause spazieren muss. Mit diesem Hintergedanken wütet der Film noch ein bisschen besser in deiner Fantasie und erzeugt einen fulminant guten Grusel, der bei mir noch lange nachgehallt hat.

Und sollte jemand die Serie dazu noch nicht kennen: Schaut erst den Film und knüpft euch dann die Serie vor.

Überraschend vielseitig, tiefschichtig und komplex: Man wird förmlich von Impressionen überschüttet und sollte sich den Film eher mehrfach anschauen, um wirklich alle Winkel entdecken und verarbeiten zu können: Großartiges Kino!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 20. Februar 2020
Heimkino-Start: 1. Oktober 2020

Original Title: Fantasy Island
Length: 110 Min.
Rated: FSK 16


Yummy

© 2020 Busch Media Group

„Facelifts, Boob Jobs und… Zombies“. Trash. Denkst du. Und genau das nährt anfangs auch deine Gedankengänge, wenn du dabei aufpasst, wie jemand unfassbar schlechte Synchro vom Stapel lässt, Persönlichkeiten introduced, die so dämlich sind, dass man sich eine Heerschar an Facepalm-Helfern wünscht, weil die beiden eigenen Hände längst nicht ausreichen, um sich damit vor Scham den Schädel anzuschlagen.

Und der Plot dazu wird auch nicht besser … und du denkst dir nur die ganze Zeit: Wo zur Hölle bin ich hier rein geraten?

Ganz einfach: In den besten Horrorfilm, den es seit Jahren gegeben hat 😀

Ja, ernsthaft! Irgendwann benötigst du keine eigene Brustprellung mehr, um am ganzen Oberkörper Schmerzen zu verspüren, weil die deine ungewollten Lacher von alleine produzieren: Die Story artet so dermaßen aus und man lässt sich völlig frei von jedweden Grenzen endlich in das Blutbad klassischen Zombie-Gemetzels fallen, das damals noch die super geile Angewohnheit hatte, mit dem Genre „Comedy“ zu konkurrieren und dabei garantiert immer zu gewinnen … Yes, Man!

Es strömt Blut, es schreit, es brüllt, es fliegen die Fetzen und man jubiliert, denn endlich … ENDLICH ist mal wieder etwas garantiert gerechtfertigt und ungeschönt mit FSK 18 auf der Leinwand zu sehen und sprudelt nur so vor all den geliebten, triefenden Dümmlichkeitsklischees, die es braucht, um bei so einer Show verboten viel Spaß zu haben.

Auf einmal wachsen dir die Charaktere ans Herz, auf einmal triumphierst du bei jedem neuen Ausbruch verbaler Blödheit, die meine heiß geliebte Feuilleton-Fraktion binnen Sekunden ins geistige Grab katapultieren würde – und du feierst es: Die guten alten Zeiten sind zurück – denn Yummy ist zu Recht das gefeierte Werk der Stunde.

An alle Fans, die sich weg vom Mainstream bewegen und mal etwas sehen wollen, das kapitalistisch überhaupt keinen Sinn hat, dafür aber unglaublich viel Seele und Herzblut offenbart: Zieht euch Yummy rein und nutzt die wenigen Vorstellungen, die der Film bislang überhaupt abkriegt.

Die guten alten Zeiten sind zurück und Horror triumphiert als Genre endlich wieder über die Humor-Domäne und zeigt, was es drauf hat, wenn man sich einfach traut. Das haben die Macher dieser Schlachtorgie getan und ein Werk geliefert, das den geneigten Fan zur vollen Güte befriedigt und mit allen Stilmitteln um sich schlägt, die hierbei Erfolg verzeichnen können. Ein absolut gelungenes Stück voller Herzblut und Liebe an ein viel zu selten gewürdigtes Areal der Kinolandschaft – vielen Dank hierfür!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Das abzuwarten hätte mich eine Nacht auf der Straße gekostet: Also .. äh … keine Ahnung 🤷 ?

Kinostart: 23. Juli 2020

Original Title: Yummy
Length: 89 Min.
Rated: FSK 18


Countdown

Countdown - Filmplakat
© 2020 Universum Film GmbH

Da durch die aktuellen Vorkommnisse nun extrem viele Kinostarts verschoben wurden und die ersten Kinos ihre Pforten bereits wieder geöffnet haben, existiert nun eine kleine „Lücke“, die man mit älteren Filmen wieder füllt, um die Zuschauer zurück ins Kino zu bringen und die Zeit bis zum tatsächlichen „Weiter gehen“ der neuen Blockbuster zu überbrücken.

Glücksfall für mich, denn: Durch meinen krankheitsbedingten Ausfall fehlen sowieso ein paar nennenswerte Streifchen, die ihr in meinem Blog bisher nicht zu Gesicht bekommen habt und auf die ich euch in diesem Zuge gerne noch hinweisen möchte.

Ein Start ist Countdown, den man im klassischen Horror-Genre ansiedeln kann. Horror ist niemals (!) Blockbuster oder derart verblüffend, dass es die Massen ins Kino zieht, sondern dieses Genre atmet quasi durch die Nischenöffnungen und setzt voraus, dass ein ganz bestimmtes Publikum im Saal sitzt, das es befriedigen kann.

Deshalb braucht man bei Horror grundsätzlich niemals hohe Ansprüche geltend machen oder irgendwelche exorbitanten Erwartungen in den Raum werfen und sich danach in Rezensionen maßlos darüber auslassen, wie schlecht und unausgegoren und übel der Plot geworden ist oder oder. Horror ist quasi zum B-/C-Movie verdammt.

Unter diesen Voraussetzungen findet man hier einen Film, der in ganz anderen Dingen nämlich aus seiner „Masse“ heraussticht und mit Elementen überzeugt, die man so aus anderen Horror-Streifen nicht kennt: Mangelnder „Filmdummheit“.

Ihr alle kennt das: Ein Mädchen wird stundenlang gejagt, reißt vor dem Mörder aus, ist endlich im Freien und am Anfang des Films wurde großartig ausgebaut, dass hier ein vollgetanktes, schlüsselsteckendes Boot in der Pier liegt – und das Mädchen rennt…. ins Haus in den Dachboden, aus dem es kein Entkommen mehr gibt. Dumm.

Genau vor solchen Dummheiten bleibt man in Countdown verschont: Die Akteure handeln allesamt im Rahmen ihrer Rollen so, wie man es in der Regel auch tun würde. Selbst die vielgepriesene „App“ ist nicht nach Filmstrukturen aufgebaut („Wir brauchen einen Hacker, schnell, grüne Zeichen, dunkle Räume, irgendwie auf der Tastatur rum klappern… perfekt“), sondern auch hier wurde nachgedacht und IT-technischer Background eingewebt, der eben nicht so blöd ist, wie in vielen anderen Filmen.

Gespickt mit ein paar wirklich coolen Charakteren und einer – ja, halbausgereiften – So-La-Story ist das aber ein Film, der definitiv eines ist: keine Enttäuschung.

Wer hier ohne großartige Erwartungen rein geht, kann durchaus einen amüsanten Abend verbringen, ohne dabei enttäuscht zu werden.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Folgt keiner, man darf gerne wieder nach draußen gehen. Bitte Abstand einhalten 🙂

Kinostart: 30. Januar 2020

Original Title: Countdown
Length: 91 Min.
Rated: FSK 16


Short Critics: We Have Always Lived In The Castle – Ein ganz gewöhnlicher Held – Abikalypse – Die Drei !!! – Benjamin Blümchen

Und was gibt’s sonst noch in dieser Woche?
© 2020 https://www.kinoticket-blog.de

We Have Always Lived In The Castle

We have always lived in the Castle - Filmplakat
© 2019 Kinostar Filmverleih GmbH

Ein Genrefilm mit absolut seltsamen Charakteren und einer äußerst fragwürdigen Aussage innerhalb eines stimmigen Arrangements – Dieser Titel sollte bewusst ausgewählt und nicht “per Zufall” im Kino gesehen werden, weil der Verstörungsfaktor definitiv hoch ist. Humor ist gegeben, seltsame, tief in der Nische vergrabene Elemente genauso. Nichts für den Mainstream.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: We Have Always Lived In The Castle
Length: 90 Min.
Rated: FSK 12

Und weil’s so schön ist, noch ein paar Titel, die bereits angelaufen sind, zu denen ich allerdings noch nichts geschrieben hatte…

Ein ganz gewöhnlicher Held

The Public - Szenenbild
Ein ganz gewöhnlicher Held: Bibliothekar Stuart Goodson (Emilio Estevez) überzeugt durch sein herausragendes Engagement.
© 2018 Koch Films

Genauso, wie die Heldentaten dieses Mannes irgendwo in der Öffentlichkeit untergegangen sind, genauso behandelt man diese “Spezies” auch oft und gerne in der Öffentlichkeit: Ich hab es selbst am eigenen Leib erfahren, auf eigenen Wunsch hin, und weiß, wie demütigend so etwas sein kann. Dass dieser Film dann ironischerweise noch The Public heißt, zeugt fast schon von schlechtem Charakter einer Gesellschaft, denn dieses Werk ist wichtig und sollte keineswegs so in der Versenkung verschwinden, wie es das scheinbar ist.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts mehr.

Kinostart: 25. Juli 2019

Original Title: The Public
Length: 119 Min.
Rated: FSK 6

Abikalypse

Abikalypse - Filmplakat
© 2019 Warner Bros. Ent.

Ihr kriegt, was ihr erwartet: Einen Film, für deren Produktion Die Lochis mitverantwortlich waren und deren Zeitgeist ziemlich gut auf die Leinwand geworfen haben. YouTube ist der Star, die Musik ist ziemlich cool und die Story trägt einen durch altbekannte Klischees einer Abiparty, wie man sie kennt. Sollte man einen Teenager sein Eigen nennen, ist dies lehrreicher Stoff, für alle anderen eher vernachlässigbar.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht ausharren, hier wird’s auch nicht besser 😉

Kinostart: 25. Juli 2019

Original Title: Abikalypse
Length: 90 Min.
Rated: FSK 12

Die Drei !!!

Die Drei !!! - Filmplakat
© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Das weibliche Pendant zu Die Drei Fragezeichen erzählt eine ziemlich cool verpackte Detektivgeschichte für Kinder und wartet mit Spritzigkeit und unglaublich talentierten Jungtheaterdarstellern auf, deren Performance echt verblüfft. Really? Selten so gute Inszenierungen von Kids gesehen – ein Pflichtfilm für Familien.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Mitnehmen – hier kommen noch jede Menge lustige Outtakes zum Zuge.

Kinostart: 25. Juli 2019

Original Title: Die Drei !!!
Length: 103 Min.
Rated: FSK 0

Benjamin Blümchen

Benjamin Blümchen - Filmplakat
© 2019 StudioCanal

Für den technischen Stand heutiger Zeit ziemlich mies animiert, der Plot tangiert auch eher an die Sprachunfähigkeiten eines Neugeborenen und enttäuscht eher. Nach einer Weile gewöhnt man sich jedoch an die “billige Zeichnung”, was jedoch der Story auch keinen großartigen Aufschwung bringt: Sollte man nicht der absolute Fan sein respektive Kinder in dem Alter haben, darf man diesen Film getrost übergehen.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | War zur Pressevorführung noch nicht final, kann daher nicht bewertet werden.

Kinostart: 01. August 2019

Original Title: Benjamin Blümchen
Length: 91 Min.
Rated: FSK 0


ES Kapitel 2

ES - Kapitel 2 - Filmplakat
© 2019 Warner Bros. Ent.

Erinnern wir uns mal zurück ans Fantasy Filmfest, auf dem ES als Eröffnungsfilm gezeigt wurde. Jeder, der das damals aktiv mitbekommen hat und sich hinterher auch noch ein, zwei mal in die Kinos verirrte, sagt heute: „Es gab ES und es gab das Fantasy Film Fest.“

Ja, der Film schlug mit einer so dermaßen großen Wucht ein, dass er nicht nur im Horrorsektor Rekorde aufstellte und bis heute als erfolgreichster Horrorfilm ever gilt, sondern man hatte das Gefühl, ein überdimensionaler Knüppel würde auf eine auf dem Wasser schwimmende Holzmohle runterpreschen, die komplette Mohle versenken und diese vor Ende des Filmfests nicht mehr auftauchen lassen, so hart war der Schlag.

Und tatsächlich: ES hat es zu internationalem Ruhm geschafft und steht heute (hoffentlich) in vielen Wohnzimmern: Der Film ist grandios!

Nun kommt die heiß ersehnte Fortsetzung und alle Angsthäschen rennen schon seit Wochen schreiend und wild durcheinander und fürchten sich vor „Kommste mit ins Kino“-Einladungen.

Vorab: Ich stehe beim Schreiben dieser Rezension kurz vor meinem Double Feature-Besuch im Dolby Cinema™ – oder besser gesagt: genieße einen Kaffee für die bevorstehende 5-stündige Filmschlacht in dem guten Glauben daran: Ich kann danach zufrieden abdanken, denn ich habe alles im Leben erreicht, was es zu erreichen gibt!

Kinder? Das ist die absolute Wucht!

Ja, ich habe Teil 2 bereits vor ungefähr einer Woche in der Pressevorführung gesehen und als altgedienter Deadpool-Fan fiel es mir niemals schwerer, vorab meine Klappe zu halten, um nicht gegen die Embargo-Vorschriften zu verstoßen. Time has come – wir stehen vor der epischsten Schlacht, die Kino in unserer Generation jemals erlebt hat.

Wer damals den ersten Teil gesehen (oder wie ich: verschlungen!) hat, weiß eigentlich schon, worauf er sich ungefähr einlässt: Die Elemente von ES sind klar definiert. Alle Jumpscares wurden der Welt bereits vorgeführt und das „Horror“ in dieser kleinen Erzählung klar definiert.

Ja, und ich liebe es. Abgöttisch.

Man weiß allerdings auch, dass ich ne Meise für Horrormovies mit mir führe und das ängstigt die Leute im Vorfeld noch viel mehr. Dabei wartet ES Kapitel 2 eigentlich gar nicht so hart wie im ersten Teil mit Horrorfeatures auf – und genau das ärgert meine Feuilleton-Jugendblockbuster-Verächter wieder zunehmends: „Das ist ja gar kein Horror.“

Nein, irgendwie nicht.

Und genau das ist groß an dem Film – so groß, dass ich heute glaube, es wird zu unseren Lebzeiten in unserer Generation nie wieder (!!!) so etwas geben.

Das fängt schon beim Buch an. Allein der Kult um das Buch im Vorfeld ist schon so unglaublich entartet, dass selbst Stephen King-Hasser den Titel kennen und wissen, dass er von ihm ist. Es wäre unmöglich, nochmals so ein Meisterwerk zu verfassen. Selbst wenn King sich höchstpersönlich hinsetzen und Teil 3 produzieren würde, wirkte es als warmer Aufguss und das trotzige Unterfangen, nicht damit aufhören zu wollen bzw. hätte den tödlichen Beigeschmack von „Ich will damit unbedingt nochmal Geld machen“. Die Zeit des Kults ist längst gereift und lässt sich nie wieder so herstellen.

Dann kommen die ganzen „Ich kenne die alte Verfilmung“-Filmknower dazu. Leute? NEIN!

Das dürft ihr bei Friedhof der Kuscheltiere meintwegen machen, vergleichen, und selbst da war es schon insofern schwachsinnig, als dass heute eine völlig andere Zeit ist, in der man Filme einfach ganz neu definiert auf die Leinwand bringen und somit komplett frisch erschaffen kann.

Das dürft ihr auch bei allen anderen Werken machen – bei ES allerdings: NEIN! Der alte Film hat mit dem neuen absolut nichts zu tun. Wirklich nicht. Das ist völlig neues, anderes, komplett authentisches und echtes Originalkino, dass es so noch nicht gegeben hat. Das „Remake“ ist nicht besser oder schlechter oder unnötig oder „hierPhraseeinfügen“, sondern hat Kino auf ein völlig neues Level gehoben, mit dem diese Generation aufwächst und das Entertainment neu schöpft.

Und dabei haben Andy Muschietti und sein Team etwas gemacht, das sie vielleicht selbst gar nicht bemerkt haben: Alles richtig!

Der Cast: Großartig besetzt und nicht „dahingeschliffen“, sondern so altern gelassen, wie man sich das vorstellt. Ganz ehrlich? Besser hätte man es nicht casten können. Dass sich die Kids ihre erwachsenen Pendants selbst wünschen durften und diese Anfragen größtenteils bejaht wurden, war also nur einer von vielen richtigen Schritten bis zur finalen Produktion.

Die Explosion des Horrors, den viele befürchteten und die u.a. die Saw-Reihe komplett zerstört hat, blieb auch aus, stattdessen hat man auf einer höheren Dimension verstanden, das Bild dieser Zeit genussvoll einzufangen und dem Zuschauer offen vor Augen zu halten, was sich hinter den Kulissen der Welt gerade abspielt.

Hier kommt wieder der Kult ins Spiel: Das Übersinnliche, das Fantastische, dem sich ES Chapter Two vollends verschrieben hat: Es ist eine unglaublich ausgeschmückte, detailreiche Geschichte, die auf vielen Ebenen der Psyche spielt und die den Zuschauer in eine komplett andere Welt entführt, die einen vergessen lässt, dass es ein „hier und jetzt“ gibt. Alles andere sind nur Geschichten – das hier ist ein Meisterwerk, vor dem ich ewig knien und es anbeten werde.

Danke, dass ihr das in meiner Generation erschaffen habt und ich die Chance hatte, diesen freakigen Abend mit vielen begeisterten ES-Fans im Dolby Cinema™ zu feiern: Es hat mein Leben unglaublich bereichert!

Dolby Vision™
Wie erwartet zieht man auch hier wieder die Stärken aus dem Bildbereich heraus und vergisst dabei aber nicht, dass es in den 80er Jahren technisch noch nicht soweit war: Diese Szenen sind künstlich gekörnt und verlassen ihre treue Schiene von „mieser Schrift“ ebenfalls nicht, so dass ein authentisches Bild aus den Originalen der Zeit generiert wird.

Das Finale strotzt vor Farbenpracht und man weiß wieder, warum man genau dieses Kino gewählt hat.

Dolby Atmos™
Unschlagbar und alternativlos: So etwas funktioniert nur im richtigen Dolby: Auch wenn viele Szenen frontlastig sind und man dafür nicht zwingend hier rein müsste: Die Action kracht rund um einen herum und wenns am Ende wirklich donnerhaft-heiß hergeht, weiß man wieder: 60.000 Watt Leistung in den Boxen lassen sich eben nicht einfach so leugnen, sondern trumpfen über alle anderen Säle dieser Erdkugel auf.

Ich jammer nicht, sondern fühl mich zutiefst verstanden von der Art, wie diese Fortsetzung ins epische Finale mündet: Der übernatürliche Blick ins Fantastische und das Zelebrieren von illustrer Bosheit und grandioser Zerfetzerwut verstört hier so manchen, der sich im richtigen Kino auf dieses Spiel einlässt. Etwas wie dies werden wir nie wieder erleben!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Der härteste Abspann aller Zeiten, wenn einem bewusst wird: Hier kommt jetzt nichts mehr. Keine Folgeszene. Und kein so verdammt guter Film. Nie wieder!

Kinostart: 05. September 2019

Original Title: IT Chapter Two
Length: 165 Min.
Rated: FSK 16


Brightburn: Son of Darkness

Brightburn - Filmplakat
© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Lasst euch mal nicht vom Plakat abschrecken, oder von irgendwelchen dummdoofen Bezeichnungen wie „Horror“ oder dergleichen – und habt auch keine Angst, dass es wieder einer der alten, einfallslosen, idiotischen Streifen ist, der so häufig im Kino als „Massenware“ vermarktet wird und allseits als Ausrede für „Aber es gibt doch Horror im Kino“ herhalten muss.

Brightburn ist auf jeden Fall anders. Und zwar richtig geil anders!

Lange habe ich keinen so grenzgenialen Coup mehr in diesem Genre erlebt … und eigentlich gab es bislang ja auch noch überhaupt keinen Film dieser Art, denn Altvisionär James Gunn produziert hier mit einigen anderen Gunns ein visionäres Werk und eröffnet damit ein völlig neues Genre: Superhelden-Horror.

Ihr merkt schon: Es geht zur Sache. Und zwar nicht im Einheitsbrei, sondern völlig neu, völlig kreativ und in einer filmischen Art und Weise, die mir immens zugesagt hat und von der ich definitiv mehr sehen möchte.

Nun ist es wie immer, wenn irgendwas neues am Start ist: Viele Konservative rennen weg und heulen rum, weils nicht ihrem langweiligen Tatort-Schema entspricht und jammern, dass es ja sooooo schlecht sei usw. – und es gibt sogar einige, die vorzeitig rausrennen und es nicht ertragen… das mag aber auch daran liegen, dass „FSK 16“ hier wieder mal sehr gewagt ist und unsereiner in Kindesalterzeiten so etwas wohl viel eher auf dem Index wiedergefunden hätte bzw. wenigstens ein FSK 18 auf dem Label gedruckt gesehen hätte.

Werden wir langsam zu Amerika, was die Freigaben angeht?

Brightburn stellt sich diesen Herausforderungen und liefert dabei noch ein Umfeld voller Charme und einem unvergleichen Humor, der diesem Film das gewisse Etwas verleiht und damit der eigentlich depressiven Horror-Note eine kickige Frische spendiert und hier niemals Langeweile aufkommen lässt.

Im Ernst? Wenn’s so weiter geht, dann bitte viel mehr davon!

Achja: Noch niemals hab ich ein Filmende so gefeiert, wie dieses. Schade um all die Sneak-Vollspacken, die vorzeitig den Saal verlassen mussten … 😉

Großartige Erfindung eines völlig neuen Genres: So viel Filmblut-Frische gab es zuletzt vor meiner Geburt … Der Trailer wird diesem Film kaum gerecht, denn selten gab es so genialen Horror mit Charme, Humor und Einfallsreichtum, wie diesen hier. Unbedingt reingehen!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht zwingend aussitzen, es folgen keine weiteren Überraschungen.

Kinostart: 20. Juni 2019

Original Title: Brightburn
Length: 91 Min.
Rated: FSK 16