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Downhill

Downhill - Filmplakat
© 2020 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Will Ferrell ist für mich ein zweischneidiges Schwert: Entweder sind die Filme mit ihm hammergeil oder eher unlustig und irgendwie seltsam … und meist eher letzteres.

Downhill verbinde ich nun erstmal mit sportlichen Aktivitäten und dachte mir: Entweder wird‘s irgendwas in Richtung Rennen, Wettbewerb oder Sportfilm, oder: Es geht in Richtung Horror, was ich mir bei Ferrell dann aber eher wieder weniger vorstellen kann.

Wer genau hinsieht, der liest den Untertitel: “Ein etwas anderer Katastrophenfilm“, was es im Nachhinein dann exakt auf den Punkt bringt: Hier ist nämlich alles komplett anders… bis hin zum Katastrophen-Typus, der in eine Richtung geht, die nun wirklich absolut überhaupt keiner an dieser Stelle erwarten würde.

Nach Ferrellscher Manier wird auch hier wieder an Comedy-Einlagen nicht gespart und man hat definitiv seine witzigen Momente, schlittert allerdings – wie das in den Bergen so oft der Fall ist – in Gänze doch ein wenig am Ziel vorbei respektive weiß einfach nicht, wohin das alles führen soll.

Mir fehlt da ein wenig der rote Faden. Das Streben nach irgendwas, worauf man hinaus möchte, eine Tendenz oder etwas, worauf man hinarbeitet und es dann am Schluss auflösen möchte: Das ist zwar irgendwie da, aber irgendwie auch nicht. Was mich wieder zurück zum Anfang führt: Irgendwie ist der Film witzig, irgendwie aber auch nicht.

Und diese Halblebigkeit stört. Man ist zwar nicht enttäuscht, dass man den Titel gesehen hat, aber definitiv verstört, warum das jetzt nun alles gedreht wurde.

Hier kommen dann wieder meine kapitalismuskritischen Augenblicke ins Spiel: Es ist natürlich eine Huldigung an das „schöne Österreich“ und wie geil hier alles aussieht und wie toll man – auch als Ami – hier doch Filme drehen kann und Kohle in die Regionen bringen.

Unter diesem Gesichtspunkt könnte man durchaus ein wenig Aggressionen aufbauen, denn das offensive Bewerben dieser Region ist allzeit gegenwärtig und war mir stellenweise fast schon ein wenig zu viel – aber ich kann das als jemand, der in solch einer Gegend lebt und wohnt, kaum objektiv einschätzen, vielleicht geht es anderen an dieser Stelle ja anders.

Wenn man das Gros der Filme von Will Ferrell kennt, kann man relativ gut abschätzen, was hier geliefert wird: Es ist nicht dumm-lustig, sondern hat ein gewisses Niveau, plätschert aber mit einer gewissen Orientierungslosigkeit dahin und darum betören eher die landschaftlichen Augenblicke und Naturphänomene. Als ein Film, der offensichtlich eine ganz andere Intention hegt, ist dies natürlich suboptimal und sorgt für gewisse Verwirrung beim Verlassen des Saals.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Es folgen noch einige Outtakes, danach ist Schluss.

Kinostart: 20. August 2020

Original Title: Downhill
Length: 87 Min.
Rated: FSK 6


Suicide Tourist – Es gibt kein Entkommen

Suicide Tourist - Filmplakat
© 2020 DCM Film Distribution GmbH

Der Titel lässt einen erst einmal total sprachlos zurück: Nach Suicide Tourist dauert es eine Weile, bis man seine Worte wiederfindet. Ein Anzeichen dafür, dass dieses Werk tatsächlich absolut gelungen ist und mit erzählerischer Poesie ein Feld durchpflügt, das in vielen Menschen Atemstockungen hervorruft und sehr kontroverse Diskussionen auslöst.

Das Feld ist nicht einfach. Die Art und Weise, mit der Regisseur Jonas Arnby hier seine Gedanken zur Ordnung gebracht und alles in einer fantastisch stimmigen und den Zuschauer tief ins Herz treffenden Story verpackt hat: Großartig! Man spürt, dass sich die vier Jahre intensive Recherche und Arbeit, die hinter diesem Drehbuch stecken, tatsächlich ausgezahlt haben.

Im Kino ist man ja grundsätzlich darauf aus, Stories zu erzählen, die den Zuschauer irgendwie befriedigen und zumindest dafür sorgen, dass keiner sein Geld zurück verlangt. Ich würde sagen: Suicide Tourist geht noch viel viel weiter. Es ist keine Geschichte, sondern irgendwie alles … und gleichzeitig nichts, auf das man die Thesen und Ideen, Gedanken und Emotionen haften könnte. Der Film ist nicht politisch, gleichzeitig aber sehr zielführend bei der Erörterung von Fragen, auf die bis heute keine allumfassenden Antworten gefunden wurden … und möglicherweise auch nie gefunden werden.

Ich persönlich finde das Thema auch schwierig, sich darüber auseinanderzusetzen, wenn man selbst nicht betroffen ist, niemanden kennt, der betroffen wäre bzw. in irgendeiner Weise damit in Berührung käme. In diesem Fall kommt nämlich meist nur blödes Geschwätz aus dem eigenen Mund und sollte dann durch üble Umstände tatsächlich der Fall eintreten, der einen in die Nähe solcher Entscheidungen treibt, ändern sich ganze Weltanschauungen auf einmal binnen Sekunden.

Ich finde, genau dieses Dilemma wurde durch diesen Film herausragend exkludiert, indem man sich fern jeder aggressiven Stimmungsmache aufhält und dem Zuschauer viel mehr einen berauschenden Trip liefert, der einen seelenwohl einlullt und ihn in eine gewisse „Wellness-Trance“ führt, aus der man sich nur sehr schwer wieder erholt.

Der zarte, aber bestimmte Druck wird mit zunehmender Zeit nicht unerträglicher, aber schwerer. Es kommen zu keiner Zeit Hassgefühle hoch, sondern man wird vielmehr in seinen Gedanken begleitet und zu anderen Zielen geführt, ohne dabei jemanden zu enttäuschen. Tod durch Erholung?

Es fällt mir schwer, dieses – durchaus positive – Gefühl irgendwie in Worte zu kleiden, dass dieser Film auslöst. Ich kann euch nur eins sagen: Geht ins Kino und schaut ihn euch dort an: Ihr werdet es auf gar keinen Fall bereuen.

Ein berauschender Trip, der die Seele in ihrem Innersten angreift und dessen bestimmtes Ziel dabei ist, dich nicht zu verletzen: Hochkarätig erzählt, intensiv recherchiert und durchdacht auf einem so soliden Fundament, dass selbst Kritikern wie mir die Spucke weg bleibt, um das zu beschreiben. Durch und durch gelungen – sollte man auf jeden Fall gesehen haben!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Hat keine weiteren Bilder oder Szenen, vielleicht braucht man aber die Zeit, um wieder runter zu kommen … also geht’s easy an.

Kinostart: 2. Juli 2020

Original Title: Selvmordsturisten
Length: 90 Min.
Rated: FSK 12


Vox Lux

VOX Lux - Filmplakat
© 2019 Kinostar

Das Plakat wirbt mit einer „gewaltigen Provokation“ und ich bin mir an dieser Stelle nicht sicher, ob der Zuschauer damit gemeint ist oder man – wie anzunehmen wäre – den Stoff anspricht. Provokativ ist es auf jeden Fall – und zwar für den Zuschauer, der sich seines Geldes beraubt sieht und nicht weiß, wie hoch die Verarsche noch sein kann, die einem da von der Leinwand aus entgegen schlägt.

In den USA hat dieser Titel sein Release bereits verjähren lassen und scheinbar hatte hierzulande keiner Lust, auf den aktuellen Zug mit aufzuspringen und den Streifen ins Programm aufzunehmen, weil er dort zu schlecht ankam?

Warum produziert man so etwas nicht als Direct-to-DVD-Option und lässt die Kinoauswertung aussen vor? Dann besinnt man sich automatisch bloß auf die Fan-Anhängerschaft und belässt es als Nischenprodukt ohne „gewaltige Wirkung“. Das hätte wohl so manche Peinlichkeit erspart.

Nichts gegen Natalie Portman oder Jude Law – beides herausragende Darsteller, die in der Vergangenheit wunderbare Werke abgeliefert und sich ihre Titel und Anerkennungen damit redlich verdient haben – doch in diesem Plot?

All das ist absolut übertrieben, driftet mit Vollkaracho in die „In den USA ist jeder behindert“-Klischeewand und reißt dann mit unübersichtlichen Besetzungsproblemen und irgendwelchen lapidaren Annahmen absolut nichts mehr aus dem Häuschen.

Singen? Irgendwo wirbt man mit Sia, die tatsächlich ein zwei Songs rausgebracht hat und tatsächlich singen kann – aber auf der Leinwand geht’s darum irgendwie überhaupt nicht, sondern man macht einfach was, dann wieder nicht, dann wieder doch, dann zusammenhanglos irgendwas, vielleicht ist’s ein Rückblick – vielleicht aber auch einfach nur – ach nee, das ist .. hä? Warum ist die jetzt in der Vergangenheit die andere und die andere auf einmal wieder ne andere? Was war das nochmal? Nee … ach egal.

Genau das ist das breitflächige Gefühl gewesen, nach dem sich die Presse samt mir einig darüber war, dass Vox Lux (der Titel hat übrigens auch überhaupt nix mit dem Film zu tun komischerweise) der schlechteste Film des Jahres überhaupt ist.

Und diesen Titel muss man sich auch bei mir toleranter Sau erst einmal redlich verdienen.

Schade drum. Potenzial hat das Ding nämlich.

Ein absoluter Schuss, für den noch nicht mal ein Ofen herhalten will: Grausam zusammengestellt, absolut null kuratiert und für den Zuschauer eine reine Langeweile.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Hat noch zwei Hintergrundbilder … muss man aber nicht zwingend abwarten.

Kinostart: 25. Juli 2019

Original Title: Vox Lux
Length: 110 Min.
Rated: FSK 12


Es gilt das gesprochene Wort

Es gilt das gesprochene Wort - Filmplakat
© 2019 X Verleih

Es ist immer wieder herrlich, mitzuerleben, worüber sich Menschen alles so wunderbar echauffieren können, ohne wirklich Ahnung davon zu haben, worüber sie sprechen. Wer was wann wie und warum tut, und wen man alles für seine Handlungen aus dem Nichts heraus zu kritisieren hat, nur weil die allgemeine gesellschaftliche Stimmungslage in Deutschland das gerade so vorschreibt.

Dann sind die schuld, dann ist die Politik schuld, dann sind wieder die schuld, dann wieder die anderen … und irgendwie macht’s alles überhaupt keinen Sinn. Wäre ich Gott und würde über allem stehen und auf die Menschheit als solches hinunterschauen, hätte ich womöglich einen riesigen Spaß dabei oder permanente Kopfschmerzen vom andauernden Facepalmen.

Tatsächlich sind viele der „unlösbaren Probleme und Ängste“, mit denen manch besorgter Bürger umherschweift und sein Leben gerade so vor dem Abgrund zu retten sucht, an der Nase herbeigezaubert und von findigen Journalisten kapitalspendend in Szene gesetzt worden – und würde man sich anhand von ein paar Zahlen und globalen Fakten Überblick über die Lage verschaffen, würde man sehr schnell begreifen, dass es außerhalb vom Bildschirm auch noch fünf andere Seiten gibt: hinten, oben, rechts, links und unten – und begreifen, dass das, was man in Zeitungen oder Online-Magazinen zu lesen bekommt, nur eine von vielen Sichtweisen ist, die niemals alles vollständig offenbaren.

Welche Zeitung schreibt in den Artikel: „Kind tödlich verunglückt auf dem Frankfurter Hauptbahnhof und ich hoffe zu sehr, dass dieser Artikel durch meine reißerische Headline unzählige Klicks generiert und meiner Zeitung möglichst viel Kohle durch Werbeverkäufe einbringt“?

Das wäre schon ein kleines bisschen mehr Wahrheit. Wahrscheinlich geht den „besorgten und absolut geschockten und zutiefst Trauernden“ das Leid anderer dermaßen am Arsch vorbei, weil sie nur denken: „Gott sei Dank, ist nicht mein Kind gewesen, also was solls“ – auch das wäre in vielen Fällen wohl wieder ehrlich.

Nüchtern betrachtet: Ein Jemand (achtet mal drauf, wie die Zeitungen denjenigen bezeichnen und mit welch hypervorsichtigen Mutmaßung man hier auf einmal galant „Terror“, „Anschlag“, „Moschee“ und anderen Müll ins Spiel bringt) hat zwei Menschen vor den Zug gestoßen und wollte dann abhauen, wurde aber geschnappt.

Bewertung? Krank. Und gefasst. Also kümmern sich die Gerichte um ihn. Punkt.

Und jetzt geht der mediale Verbalkrieg los, mit dem wieder „Urängste“ der Bürger geschürt werden, die „Heimat“ (was ist das?) auf einmal gefährdet sehen und die große Rassismus-Einwanderungs-Diversitäts-Gender-Politik-Debatte erbricht sich von neuem über das „dumme Volk“ – ein Jammer!

Ich sehe in mehreren Wochen schon politische Diskussionen im Ersten vor mir, in der über die Zentimeterhöhe von absurden Zäunen an Bahnsteigen diskutiert wird (Es wäre das öffentliche Chaos und würde viel mehr Zerstörung und Wut verursachen, als ohnehin schon im öffentlichen Verkehr besteht) und keiner würde merken, dass wir uns alle damit beschäftigen, dass wir zu „blöd“ sind, um irgendwo nicht eine Kante runterzufallen oder geschubst zu werden, nur weil ein Kranker geistig oder seelisch oder was weiß ich ausgetickt ist und etwas verursacht hat, das in der Tat absolut verurteilungswürdig ist und in höchstem Maße bestraft gehört.

Man kann aber genausogut hingehen und anfangen, metaphysische Analysen zu betreiben und pseudotiefsinnige Fragen stellen wie: „Was hat eine Gesellschaft für einen Wandel hinter sich bringen müssen, damit einzelne Individuen zu solch harten Entscheidungen fähig werden und dann Opfer ihrer selbst werden, um eine so schreckliche Tat auszuführen?“

Oder provokanter: „Gibt es derzeit zu wenig aggressive Videospiele, in der solche Menschen ihren Hass ausleben können?“

Ihr merkt: Es gibt unfassbar viele Seiten und niemand (auch ich nicht) sollte sich anmaßen, in irgendeiner Weise über etwas Bescheid zu wissen.

Nachdem ihr vor lauter Text wahrscheinlich schon alle eingeschlafen seid, kommen wir doch mal zum Film: Es gilt das gesprochene Wort greift nämlich eben jene „Vorbestimmtheit“ von Charakteren auf und verwandelt sie in das komplette Gegenteil. Der Film zeigt. Das, was niemand sehen möchte.

Ausländer müssen kriminell sein. Schmarotzer. Bösewichte, die am Unheil dieser Welt schuld sind. DIE ANDEREN!!! Wahhhh!

Und aus diesem Grund empfehle ich euch: Bleibt dem Film fern. Ihr seht es nämlich nur als moralische Bekehrungsversuche an. Politische Einflussnahme. Meinungsmache. Und genau das stimmt nicht.

Weder in der Realität – noch im Film. Tatsächlich hat mich diese Weichzeichnerei an dem Werk nämlich beides: Einerseits wahrlich begeistert, weil’s endlich mal nicht das Klischee ist, das ich nicht mehr hören möchte, was sich jeder in seinem alltäglichen Medienwahn gleich zurechtspinnt, andererseits extrem gestört, weil es mit der Zeit zu einer schillernden Traumblase wird, die ein dermaßen unrealistisches Licht auf diese Lebensformen und -weisen wirft, das in vielen Fällen eben doch der Realität entbehrt.

Ich würde sagen: Der Film ist der Gegenpart zur verzerrten Wahrnehmung in dieser Dimension – ein utopisches Wunschdenken – und die Realität liegt irgendwo dazwischen. Tatsächlich ist es auch extrem schwer, hier Bewertungen vorzunehmen, denn – wie eingangs erwähnt – der Mensch echauffiert sich so gerne über so vieles. Und hat am Ende doch überhaupt keine Ahnung.

Und dafür bietet Es gilt das gesprochene Wort unfassbar viel Unterredungsmaterial.

Also geht rein.

Und diskutiert danach.

Die Chance darauf habt ihr z.B. bei der Kino-Premiere in Hamburg am heutigen 30. Juli um 19:30 Uhr in den Zeise-Kinos, wo u.a. Regisseur Ilker Çatak, Anne Ratte-Polle, Godehard Giese und Ingo Fliess anwesend sein werden.

Weiter geht’s dann mit der Kinotour durch folgende Städte:

Berlin: 31. Juli 2019 – 20:30 Uhr – Filmtheater am Friedrichshain
Frankfurt / Main: 1. August 2019 – 20:30 Uhr – Cinema
Stuttgart: 2. August 2019 – 20:00 Uhr – Atelier am Bollwerk
Leipzig: 3. August 2019 – 20:00 Uhr – Passage
Potsdam: 4. August 2019 – 12:00 Uhr – Thalia Programmkinos

Bei allen Veranstaltungen sind jeweils Regisseur und diverse der oben genannten Personen vor Ort und stehen euch Rede und Antwort.

Wem das alles nicht passt, der kann sich schon mal das 15. Festival des deutschen Films in Ludwigshafen auf die Fahnen schreiben, dort wird der Film ebenfalls nochmals gezeigt.

Kontrovers anders und in meinen Augen gleichzeitig gut und schlecht: Er behandelt von der Öffentlichkeit geschundene Menschen gänzlich anders, vergeht sich aber an sich selbst und betreibt eine Weichzeichnerei, die meiner Meinung nach wieder destruktiv auf die Situation wirkt und Schönmalerei betreibt, statt die wahre Natur herauszuarbeiten. Das Gefühl der utopischen Wunschträumerei lässt einen irgendwann einfach nicht mehr los.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 01. August 2019

Original Title: Es gilt das gesprochene Wort
Length: 120 Min.
Rated: FSK 12


Spider-Man: Far From Home (3D)

Spider-Man: Far From Home - Filmplakat
© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Ich bin spät dran, ich weiß. Dennoch läuft Spider-Man: Far From Home immer noch in allen Kinos und ihr tätet gut daran, ihn euch dort zu besehen – in 3D. Es ist nämlich nicht weniger als der beste Spider-Man aller Zeiten, und ich glaube selbst immer noch nicht so richtig daran, dass ich das noch erleben darf.

Spidey war immer der Charakter, der zwar von Marvel geboren wurde und überall seine Finger im Spiel hatte, jedoch fremd umgesetzt und damit mehr oder weniger verkackt auf der Leinwand landete und nirgends so richtig zündete.

Man mag von den vorherigen halten, was man will: Tobey Maguire war zu alt, Andrew Garfield meiner Meinung nach absolut fehlbesetzt und eher Riege Erwachsener und mit Tom Holland hat man nun endlich den Milchbubi, der Spidey auch in den Comics ist: Schüler, Kleinkind, Heranreifender und kein 35jähriger, den man mit Mühe auf jung gestylt hat.

Dazu kam das absolut erlösende, sich an den Schultern der Avengers emporschwingende Einbetten in eine funktionierende Leinwand-Familie, allen voran Tony Stark alias Robert Downey Jr., dem bis jetzt in dieser Rolle niemand das Wasser reichen kann und der plotbedingt eine genauso große Lücke auf dem Big Screen wie Stefan Raab im deutschen TV hinterlässt.

Durch diese Konstellation und die comicbasiert-animierte Miles Morales-Adaption hat man den Bann von Spider-Man scheinbar endlich gebrochen und fängt nun zum ersten Mal im Zyklus der Menschheitsgeschichte an, ihm wirklich einen funktionierenden und überraschend geilen Film zu spendieren: Far From Home – quasi der erste Spider-Man-Movie überhaupt.

Vergesst alles, was ihr bisher über ihn kanntet, erinnert euch daran, dass man euch dazu verpflichtet hat, die Story und Universen neu kennenzulernen und bedenkt, was ich euch schon damals gesagt habe: Marvel muss erstmal den Dreck beiseite räumen, den alle anderen vorher verzapft haben und kann dann beginnen, den Charakter zu retten, um letztendlich mit ihm zu spielen.

Und genau das haben sie getan: Aufgeräumt, Bühne geschaffen und mit Far From Home geht‘s nun endlich richtig los. Und damit treffen sie voll ins Schwarze: Die Kulissen sind absolut liebenswert und dürften hierzulande sowieso offene Türen einrennen, die Story-Elemente sind bravourös gewählt und überzeugen auf ganze Linie, der typische Marvel-Humor ist wieder vorhanden und zieht sich durch bis zur allerletzten Minute, der Cast ist hervorragend gewählt und selbst in Nebenrollen prima besetzt und verloren geglaubte Puzzlesteine erwärmen auf einmal in frischer Glückseligkeit des Cineasten Herz.

Eine neue Ära ist angebrochen, obwohl dies eigentlich das Ende der dritten Phase ist, und ich kann es kaum erwarten, dass es in diesem Tempo auf diesem filmischen Niveau so weitergeht.

Und wer vorzeitig den Saal verlässt, ist schlichtweg doof, weil ihr zwei gigantische und alles umwälzende Szenen verpasst, die selten von so großer Bedeutung waren.

Dolby Vision™
Über die Technik des Dolby Cinema™ brauch ich ja nicht mehr viel sagen: meiner Meinung nach kommt nichts an die Bildqualität dieses Kinos heran. Hier merkt man nun auch deutlich, dass CGI im Spiel ist und das durch schlechte Technik verstecktere Rumkruscheln ist dank der beängstigend hohen Auflösung nun nicht mehr möglich.

Dafür sieht man den Film in 3D enorm hell und absolut räumlich und erlebt beeindruckende Szenen, die ein noch tieferes Eintauchen in den Film ermöglichen und der Kulisse noch das gewisse Extra verleihen. So kommen wichtige Szenen des Films erst richtig zum Tragen, weil diese die Stärken des Dolby für sich ausnutzen und hier an oberster Front mitspielen.

Dolby Atmos™
Auch hier geht meiner Meinung nach nichts an der neuen Technik vorbei: Gerade in den Kampfszenen vermittelt man ein absolut mehrdimensionales Klang-Gebäude, was im Kino unbändig viel Spaß macht und dem sowieso schon enorm guten 3D zusätzlich eine klare Räumlichkeit verleiht.

Endlich ist er da: ein funktionierender, ehrlicher und nicht versemmelter Spider-Man, dem nichts mehr von den misslungenen Filmen der Vergangenheit anhaftet, sondern der sich auf Marvel-Niveau emporschwingt und dabei zum vielleicht besten MCU-Movie aller Zeiten wird. Der riesige Erfolg, den dieser Streifen bislang eingefahren hat, sei ihm aus allen Herzen gegönnt.

Nachspann: ⚪️🔘🔘 | Da es scheinbar immer noch nicht genügend Leute verstanden haben: Sitzen bleiben! Das bei Endgame war ein finales Plot-Ding, weswegen hinterher nichts mehr kam … ab sofort ist es wieder Marvel und darum: Es kommen noch zwei (ja, zwei !!) sehr lange Szenen – einmal mittig und einmal ganz am Schluss – also bitte bleibt im Saal, bis wirklich alles vorbei ist! Die Dinger sind sogar storytechnisch sehr relevant!

Kinostart: 04. Juli 2019

Original Title: Spider-Man: Far From Home
Length: 130 Min.
Rated: FSK 12


All My Loving

All My Loving - Filmplakat
© 2019 Port au Prince Pictures GmbH

Lars Eidinger ist gerade gefühlt in jedem deutschen Kinofilm zu sehen. Ich finde das Phänomen immer wieder spannend, dass man von Schauspielern erstmal kleine Ewigkeiten lang absolut nichts hört und sie dann binnen kürzester Zeit ständig und überall auftauchen, als ob es niemand anderen sonst mehr geben würde.

Sei‘s drum. All My Loving zielt klar auf das Independent-Publikum ab, versucht sich dabei aber an deutscher Filmschule und richtet sich somit stellenweise selbst hin.

Das altbekannte Problem: Hierzulande gibt es einfach keine guten Drehbuchschreiber, die annähernd dazu in der Lage wären, ihren Job so auszuführen, dass am Ende wahrhaft gut erzähltes Kino übrig bleibt, das nur noch mit fähigen Schauspielern bestückt werden muss.

Stattdessen greift man immer wieder auf den selben unfähigen Einheitsbrei zurück und produziert damit TV-Ware am Fließband, die einem zwar scheinbar das Gefühl vermitteln kann, man säße tatsächlich in einem niveauträchtigen Independent-Movie, der jedoch sehr bald offenbart, dass man eigentlich doch bloß der uncoole Loser vom Schulhof ist, der die Standardaufgaben vom Lehrer cool findet und dabei nicht merkt, dass er bei allen anderen längst unten durch ist.

Die teilweise schrägen Charaktere, mit denen hier aufgefahren wird, machen diesen Fremdscham-Faktor zwar etwas wett, retten in meinen Augen aber nicht den Gesamtabsturz, denn am Ende ist es eben doch „bloß ein weiterer deutscher Film, der nicht über seine Grenzen hinauswächst“.

Man möchte im Spiel der großen Arthouse-Events mitmischen, vergisst dabei aber, auf deutsche Filmkonventionen zu verzichten und stolpert deshalb wieder über alte Fallen. Das ist insofern tragisch, da hier tatsächlich einige spannende Charaktere aufgefahren werden, die sich im Rahmen des Filmhochschul-Flairs aber nicht so entfalten können, wie man sich das als Zuschauer gern wünscht. Damit ist zwar „was da“, das Prädikat „unvergessen“ bleibt diesem Film aber – wie anderen Inlandsfilmen ebenfalls – weiterhin vorenthalten.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss auch diesmal wieder nicht abgewartet werden, es folgen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 23. Mai 2019

Original Title: All My Loving
Length: 118 Min.
Rated: FSK 12