Tag: Jella Haase

Berlin Alexanderplatz

Berlin Alexanderplatz - Filmplakat
© 2020 Entertainment One Germany GmbH

Berlin Alexanderplatz ist ab sofort nicht mehr nur ein unfassbar bekannter, touristischer Hotspot in Deutschland, sondern auch ein artistisches Kunstwerk, das in 183 Minuten ein offenbarendes Porträt der Gesellschaft einfängt und wiedergibt, das so manchem die Augen öffnen könnte.

Man lässt sich auf eine Talfahrt in die Hölle menschlichen Agierens ein, die hinab in die Abgründe der Seele führt und einen dort alleine lässt. So schleichend der Prozess beginnt, so brachial bricht am Ende alles über einen hernieder und schickt den Zuschauer mit einem Donnerknall voller Erkenntnis wieder raus in die Welt, deren Offenbarung man gerade ungeschönt auf der Leinwand präsentiert bekommen hat.

Besonders stark: Jella Haase, die die meisten in ihrer eher unbeholfen-naiven Art aus Fack Ju Göhte kennen, die sich hier eine Rolle zugesteht, die ernsthafter und seriöser nicht sein könnte.

Der Film lässt viele Gedanken über das Bild unserer heutigen Gesellschaft entstehen und wirft wichtige Fragen auf, über die man anschließend noch lange nachdenkt.

Den Trailer sollte man sich aus zwei Gründen nicht anschauen: Er verrät wieder viel zu viel Inhalte und Wendungen und außerdem führt er in ein völlig falsches Genre, das dem Film selbst nicht gerecht wird, sondern bei vielen die Klischeekeule triggert, die sich daraufhin entscheiden, den Streifen lieber nicht sehen zu wollen.

Lasst euch von dem Titel nicht in die Irre führen: Dieses Porträt gesellschaftlicher Analyse ist ein wichtiges Werk, das viele Ansätze zum Überdenken des eigenen Weltbilds liefert und von den Darsteller*innen extrem überzeugend gespielt wird. Definitiv sehenswert.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 16. Juli 2020

Original Title: Berlin Alexanderplatz
Length: 183 Min.
Rated: FSK 12


Die Heinzels – Rückkehr der Heinzelmännchen

Die Heinzels - Rückkehr der Heinzelmännchen - Filmplakat
© 2020 TOBIS Film GmbH

Der Trailer schreckt einen tatsächlich total ab und man denkt sich bloß: Um Himmels Willen … bloß nicht! Aber ich kann euch sagen: Der Film ist gar nicht so doof, wie es auf den ersten Eindruck den Anschein macht.

Zielgruppe? Klar: Kids und Baby-Fraktion. Mit dem ZDF als eine der treibenden Kräfte im Hintergrund natürlich auch an gewissen Werten und Weltanschauungen interessiert, erzählt Die Heinzels – Rückkehr der Heinzelmännchen eine durchaus brauchbare Geschichte, die die Nervigkeit vollkommen im Trailer belässt und im Film sehr viel sympathischer rüberkommt.

Auch wenn mich das Intro überhaupt nicht gepackt hat und ich mich dabei schon innerlich geohrfeigt, worauf ich mich hier eingelassen habe: Der erwartet quälende, quietschig-schrille Kinderklamauk blieb aus.

Tatsächlich stellt sich auch für Erwachsene dieses bislang unerklärte, süchtigmachende Gefühl ein, das man bei so manchen Handy-Games entwickelt, von denen jeder weiß, dass sie bescheuert sind, man aber dennoch nicht mit Spielen aufhören kann, weil einen irgendetwas daran fesselt.

Dieses quietschbunte, schrille Universum, in das man sich gefangen nehmen und im Verlauf der Spielzeit auch gut unterhalten lassen kann, wenn auch Plot-Twists und dergleichen an der üblichen German-Movie-Vorhersagbarkeit sterben: Zum „Kinder parken“ taugt der Film allemal und auch als Begleitperson kotzt man hinterher keine Einhornpisse im Strahl, sondern überlebt die Show.

Dennoch sprech ich hier mal keine „Yes, definitiv anschauen“-Empfehlung aus, sondern muss lernen, mich wieder konkreter zu artikulieren, weil ich mich in den vergangenen Monaten immer wieder mal ein wenig umgehört habe und dabei festgestellt, dass mir so manch einer einen etwas tatsächlich kruden Filmgeschmack andichtet, der so wirklich nicht ist. Aber dazu hört ihr dann in den kommenden Rezensionen wieder mehr 😉

Der Film ist wesentlich sympathischer als der Trailer rüber bringt, dennoch fährt man auf konservativer ZDF-Schiene und bleibt den „alten Werten“ treu. Die werden aber sehr kindgerecht und boshafts-befreit rüber gebracht und ermöglichen so, dass man auch als Erwachsener im Saal nicht sein Leben lassen muss 😉

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 30. Januar 2020

Original Title: Die Heinzels – Rückkehr der Heinzelmännchen
Length: 78 Min.
Rated: FSK 0


Get Lucky

Get Lucky - Filmplakat
© 2019 DCM Film Distribution GmbH

Als die Pressevorführung lief und ”das kleine ZDF Fernsehspiel” eingeblendet wurde, dachte ich mir: Geil, endlich hab ich euch im Sack! Unglaublich, dass so ein seriöser Sender sich dazu “herablässt” und dieses Kunstwerk königlichen Youth-Fucks inszeniert bzw. mit seinem Logo dafür geradestehen will.

ZDF? Meinen Respekt an euch dafür!

Mein zweiter Gedanke war: Zielgruppe: BRAVO. Und voila – diese Woche landet der Streifen auf den Screens und wird gezeigt in der BRAVO-Preview. Bam – schon wieder ein durchschlagender Erfolg.

Und getreu dem Motto dieser Klientel geht’s um Sperma, Vögeln, Frauen, Männer, Sex und jede Menge Klischees, die nach und nach abgebaut und durch instruierte Bildung ersetzt werden.

What? ZDF erfüllt auf einmal doch den Bildungsauftrag und bringt Oswalt Kolle in modern für die heutige Heranwachsendengeneration? Chapeau … again!

Und genau dafür feier ich dieses Werk. Der Sommer ist vorbei, die Sommer-Sonne-Strandgefühle neigen sich langsam dem Ende zu, man packt wärmere Klamotten aus und verabschiedet sich von dem freizügigen Gefühl tosender Liebe und sprudelnder, sexueller Energie … und darf im Kino mit Get Lucky genau dieser nochmal in aller Ausführlichkeit frönen.

Und lasst euch nicht davon abschrecken, dass hier Palina Rojinski mit von der Partie ist … der Cast in sich ist ein grandioser Meisterschlag – und ja, das Team versucht, diese Harmonie zwischen den Kids auch in weiteren Projekten zu erhalten und dafür zu sorgen, dass diese Truppe noch die ein oder andere Leinwandstory durchexerzieren darf. Das Feeling zwischen den Kids ist nämlich allererste Sahne. Und da ist “Boysahne” durchaus auch mit gemeint 😉

Lasst euch darauf ein – ein wunderbarer Spaß, der nicht mit Humor geizt, gewissermaßen den Bildungsauftrag erfüllt und trotzdem partout unter der Gürtellinie stattfindet: Ein Experiment, das man gerne mitgemacht haben darf. Und immer dran denken: Schön mit Kondom 😉

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: Get Lucky
Length: 98 Min.
Rated: FSK 12


Pets 2 (3D)

Pets 2 - Filmplakat
© 2019 Universal Pictures International

Auch schon längst wieder aus den Kinos verschwunden, aber dennoch nicht weniger sehenswert, ist der Nachfolger von Pets, der diesmal noch eine Schippe oben drauf legt und einmal mehr beweist, dass auch Illumination zu den Studios gehört, das man ungesehen den Kids vorsetzen kann, ohne irgendwelche boshaften oder langweiligen Überraschungen zu erleben.

Der Welterfolg mit den Minions hat sie berühmt gemacht und nicht etwa durch technische Rafinessen gepunktet, sondern vielmehr durch Fluffigkeit und Flauschigkeit, durch unglaublich knuffelige Süße, die sowohl von Kindern als auch Erwachsenen bislang immens angenommen wurde.

Dass marketingstrategisch dieser Erfolg nun kapitalistisch ausgeschlachtet gehört, ist eine Sache. Dass man dabei den Blick aufs Wesentliche nicht verliert und den Kindern trotzdem lehrreichen Stoff in den Plot packt, eine andere. Beides haben die Macher mit Bravour geleistet und zünden erneut die Rakete, die alt als auch jung mächtig Spaß im Kino (und demnächst zu Hause) garantiert.

Ich für meinen Teil fand den Nachfolger tatsächlich weitaus gelungener als den ersten Teil – und das soll etwas heißen.

Wer also das Unbeschreibliche noch nicht vollzogen und den Titel noch nicht im Kino gesehen hat: Sucht euch die letzten Schauplätze in irgendwelchen monströsen Multiplex-Kinos in den Kellerabteilen und zieht euch das Ding nochmal auf der großen Leinwand rein, bevor’s dann den Weg auf den heimischen Fernseher findet – beide Felder sind für diese Geschichten bestens geeignet.

Toppt den ersten Teil um Längen und produziert einmal mehr genialen Einfallsreichtum gepaart mit kindlicher Knuffigkeit in einer Story, die witziger nicht sein könnte. Reingehen!

Nachspann: ⚪️⚪️🔘 | Wer’s drauf anlegt, wird hier noch mit einer akustischen Überraschung belohnt.

Kinostart: 27. Juni 2019

Original Title: The Secret Life of Pets 2
Length: 86 Min.
Rated: FSK 0