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Birds of Prey – The Emancipation of Harley Quinn

Birds of Prey - The Emancipation of Harley Quinn - Filmplakat
© 2019 Warner Bros. Ent.

Das Ding läuft nun ja mittlerweile schon eine Weile im Kino (und ist fast schon wieder raus?) und hatte so diverse kleine Schwierigkeiten im Flow der „Superhelden-Action“.

Fangen wir mal mit dem Offensichtlichen an: Hollywood kränkelt seit jeher bei der Namensgebung von Filmen. Nicht nur, dass die Biester manchmal sogar beim Drehen schon geilere Fake-Titel angedichtet kriegen, sondern die Übersetzungen sind ein Horrorkabinet für sich.

Hier haben wir nun wieder einen Reigen an Fehlentscheidungen: Birds of Prey war der ursprüngliche Titel, etwas frischer und nicht so abgekocht wie die üblichen „Wir nennen einfach den Titelhelden beim Namen“-Dinger, die an Einfallsreichtum kaum mehr zu unterbieten sind teilweise.

Damit konnte aber das nicht so kinoversierte Publikum scheinbar nichts anfangen, weswegen man schnell eine Umbenennung vornahm, um irgendwie „Harley Quinn“ in den Titel zu kriegen: Die kennen vornehmlich ja inzwischen ein paar Leute und damit sollte die Kasse dann besser klingeln. Scheinbar ist das Publikum selbst wohl zu doof, die Persönlichkeiten auf dem Plakat der richtigen Superhero-Chronologie zuordnen zu können und man muss extra dazu schreiben, wer das nun ist.

„Und noch ein Löffelchen für Omi…“ … na gut, lassen wir das.

Dann aber hierzulande noch eine andere Übersetzung an den Start zu bringen – und die dann englisch zu lassen (was ich ja ausnahmslos begrüße eigentlich) – ist in meinen Augen in diesem Zusammenhang dann die größte Dummheit ever.

Der Film heißt nun also in Englisch schlicht: Harley Quinn: Birds of Prey (Vorschlag: Wie wäre der Titel für das deutsche Pendant gewesen? Ich mein ja nur …) und in Deutsch bekanntlich Birds of Prey – The Emancipation of Harley Quinn. Großartig. Das hat nun endgültig alle Verwirrung … äh … beseitigt … oder so.

Dann kommen wir mal zum Inhalt. Dass sich in jüngster Vergangenheit so manche Szene zwischen den Geschlechtern abgespielt hat: Keine Neuigkeit. Dass „Frauen erobern die Welt und zeigen‘s allen“ das neue „Wir sind cool“ ist: Auch bereits kapiert. Zumindest einige.

Dass dann aber in einem Film, der so unglaublich geiles Potenzial dazu hat, hier draus etwas zu machen … und charakteristisch schon von Beginn an darauf ausgelegt ist, mal die Sau rauszulassen und auf diese ganzen gesellschaftlich-verzogenen Gepflogenheiten gepflegt zu scheißen und einfach wirklich geil zu sein … so armselig darauf verzichtet wird, cool zu sein: Ein Trauerspiel. Diese „Frauen sind die Überkönner und wirklich alle Männer absolute Dummpfeifen“ ist nicht die Antwort, die an der traurigen Vergangenheit irgendwie konstruktiv etwas ändern würde. Damit nährt man eher die falsche Fraktion, die nun wieder ein Argument mehr in der Tasche hat, warum besser Männer… und so … ihr versteht?

Und das zerreißt nicht nur den Film, sondern stößt Kritikern und „Normalpublikum“ gleichermaßen übel auf.

Ein weiteres Problem, was ich mit diesem Streifen hatte: Irgendwie kommt keine Fahrt auf. Erinnert ihr euch an die Szenen in The Dark Knight, wo einfach minutenlang nur gefahren wurde, Speed, Einstellungen, Musik, dumpfe Bässe, Lachen, Drive … es war großartig. Birds of Prey hat hier zwar unglaublich geile Ansätze, bricht die dann aber Sekunden später durch miese Schnitte und absolut dumme Dialoge wieder selbst ein, bevor überhaupt so etwas wie „Stimmung“ entstehen kann.

Man merkt nämlich deutlich, dass (und das ist das größte Plus des Films überhaupt) die Musik hier einfach strahlt. Die Stücke wurden so exzellent ausgewählt und der Soundtrack ist Oberbombe. Immer, wenn die Musik anfängt zu spielen, fängt auch der Film an, Spaß zu machen … und hört dann beim nächsten abrupten Schnitt schlagartig wieder auf. Und somit „steht er auf der Stelle“, statt sich vorwärts zu bewegen und etwas tatsächlich ins Rollen zu bringen und die Gewaltigkeit und den Extremismus von Quinn tatsächlich zu verkörpern.

Auch, wenn der Versuch gut gemeint war: Die Chance, Suicide Squad zu toppen wurde durch eine miese Gender-Politik im Film und durch unbedarfte Schnitte und nicht aufkommende Action hart ausgebremst. Damit reiht sich auch dieser Teil in die leider immer noch nicht glänzende Riege von DC‘s Superheldensaga ein. Wir müssen also weiter hoffen, dass zu unseren Lebzeiten nochmal etwas besseres kommen wird …

Nachspann: ⚪️⚪️🔘 | Hier zahlt sich nun endgültig aus, wenn man – passend zum englischen Titel – dann wirklich die OV gewählt hat: Wer bis ganz zum Schluss hocken bleibt, kann nur im Original über die Jokes lachen, die dann noch kommen.

Kinostart: 06. Februar 2020

Original Title: Harley Quinn: Birds of Prey
Length: 109 Min.
Rated: FSK 16


Joker

Joker - Filmplakat
© 2019 Warner Bros. Ent.

Nennen wir das Kind beim Namen: Deutschland hat‘s verkackt!

JokerDC‘s letzte Ehrenrunde, um aller Welt zu beweisen, dass dieses Label doch was drauf hat. Joker – der Charakter, der eigentlich kaum Fehlschläge zulassen kann, weil er so gestört, so kaputt, so dreckig, so abnormal, so fern der Normalität ist.

Eigentlich … eigentlich, dieses wehmütige Wort … eigentlich hätte man nur den Hauptdarsteller richtig dreckig und abgefuckt über die Leinwand huschen lassen müssen und alles wäre perfekt gewesen. „Smile“.

Warte mal: Genau das hat man ja eigentlich getan. Abgefuckte Schrift in zerfledderten Tagebüchern. Eine rauchige, derbe, schmutzige Stimme, und viel diabolisches Charisma: Nur kriegen diejenigen, die sich hierzulande die eingedeutschte Version davon anschauen, davon einfach gar nichts mit.

Auch Deutschland wurde durch den Trailer bereits von Nat „King“ Cole‘s „Smile“ so getriggert, dass die Wirkung dieses Wortes – Smile – den ganzen Film über wirkt … nur leider nicht im Deutschen. Da heißt es auf einmal „Lachen“, oder irgendwas anderes, was den Übersetzern eben gerade eingefallen ist, während sie die 1a-fastschonDruckschrift-Version des Tagesbuchs eingedeutscht und die Szenen neu gedreht haben … Spinnt ihr eigentlich?

Ihr seid schuld, dass hierzulande Besucher der Premierenvorstellungen sagen „Sorry, aber der hat einfach mal gar nicht gezündet“. Wie haben die in Venedig dann 8 Minuten Standing Ovation hingekriegt?

Ach – die haben nicht die deutsche, sondern die Originalversion gesehen? Sind die etwa unterschiedlich?

Wisst ihr was?

Ich hasse euch dafür, was ihr dieser Version angetan habt.

Ich hasse euch dafür, dass ihr gefühlt das Nervenkitzlige rausgeschnitten habt, um den Aufruf an die Ärmeren dieses Landes, sich zu erheben und gegen die kapitalistische Elite zu protestieren, abzuschwächen, damit es wieder nur zweitklassige Unterhaltung bleibt und bloß keiner auf die Idee kommt, trotzdem durchzudrehen.

Joker – also das Original – sagt aber etwas anderes. Und genau das ist die Perle, für die man eigentlich sein Kinoticket löst, wenn man den Film sehen möchte. Joker sagt: Dreht durch. Rastet aus. Lasst euch den ganzen Scheißdreck einfach nicht mehr gefallen. Brennt alles nieder. Holt euch euren Applaus. Zeigt der Welt, dass ihr mit den euch aufgedrückten Konformismus-Regeln nicht einverstanden seid und lasst das Chaos beweisen, dass ihr euch dem nicht weiter beugen wollt.

Verändert etwas.

Revolutioniert.

Und irgendeiner (oder eine) da oben war sich ziemlich sicher, dass man dies einem deutschen Publikum wohl nicht zumuten kann.

Und darum ist die deutsche Version davon einfach so scheiße.

Also geht in das Original.

Oder lasst es.

Dolby Vision™
Lasst euch von dem Anfang nicht stören – der Film findet seinen Weg in die Sphären von Dolby Vision™, also gebt ihm paar Minuten und genießt die Atmosphäre, die hier geschaffen wurde.

Dolby Atmos™
Viele von euch erwarten das Chaos, pure Energie – und was euch geliefert wird, ist anders, als die PR wohl angekündigt hat, jedoch sind die Szenen – speziell in der U-Bahn – derart grandios, dass du im Dolby Cinema™ einfach stirbst vor Geilheit! In jedem anderen Kino nicht.

DC hat‘s nicht verkackt. Deutschland hat‘s verkackt. Das Original braucht Zeit und erhebt sich in einer grandiosen Show. Deutschland hat Angst – und Joker darum die Seele geklaut und irgendwas kaputtes auf die Leinwand gebracht, was nicht mehr zündet. FU, Translators. Und Publikum: geht bitte in‘s Original.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts mehr.

Kinostart: 10. Oktober 2019

Original Title: Joker
Length: 122 Min.
Rated: FSK 16