Tag: Korruption

Faking Bullshit – Krimineller als die Polizei erlaubt

© 2020 Telepool

Da sagt man immer, die Deutschen könnten keine Filme machen. Haben kein Talent beim Drehbuchschreiben, können nicht „vernünftig“ sprechen, überzeugen mit ihren Arbeiten immer so halblebig und sorgen dafür, dass Worte wie „Bullshit“ eher in meinen Kritiken zu lesen sind, die sich über solche Filme auslassen und nicht im Titel selbst.

Tja, und dann finden sich ein paar fähige Menschen zusammen, nisten sich in der Stadt Ahlen ein und fangen an, ihr Ding zu drehen … und raus kommt diese Wundertüte an empfehlenswertem, deutschen Humor, der so unterhaltsam, lustig und in sich stimmig ist, dass es lautschreienden Kritikern wie mir tatsächlich die Sprache verschlägt.

Jeder weiß, dass ich mich oft durch mieses Filmmaterial quäle und mir daher alles anschaue … und man kennt meine Voreingenommenheit, wenn schon die ersten Minuten eines Films nicht passen und ich merke: „Ok, deutsch“, dass es dann meist schon rum ist.

Faking Bullshit fängt an, knipst irgendwie einen Schalter um und dann ist man auf so hohem, professionellen Level, dass ich mich frage: Wieso kommt so ein Streifen erst jetzt auf die Leinwand?

Genau das hätten wir seit Jahren gebraucht, um im internationalen Wettstreit ebenfalls Dinge abzuliefern, die man auf Showbühnen der Welt präsentieren kann, ohne sich in Grund und Boden schämen zu müssen … und ohne Hitler drin zu haben (wofür deutsche Filme nunmal hinlänglich bekannt sind… leider).

Ganz im Ernst? Das Ding hat mich voll abgeholt, mir unzählige Lacher entrungen und durch seine liebenswürdig-nonchalante Art ein Momentum auf der Leinwand kreiert, in das man nur zu gerne abtaucht und das eigentlich viel zu schnell endet.

Die Atmosphäre im Film ist geladen von prunkvollen Ideen, der Cast ist mega aufeinander abgestimmt, die Running Gags zünden jedes Mal und die Portionen Schalk und Humor sind fantastisch abgestimmt, so dass am Ende ein Komplott voller Energie, filmischen Tatendrangs und empfehlenswerter Kost herauskommt, bei dem ich nicht – wie üblich – sage: „Ganz okay, kann man sich anschauen“… nein, ich sage: Zimmert euch diesen Film zwingend in einem möglichst vollen Kinosaal rein, denn zusammen hat man dabei noch viel mehr Spaß als ohnehin schon.

Was bleibt einem da noch weiter übrig, als ein Chapeau auf das Drehbuch, die Idee und die wunderbare Umsetzung zu sagen, den Drink zu kippen und sich dann mit dieser herrlich schrägen Erzählung unterhalten zu lassen?

Wischt jegliche Ideen, die euch beim Besehen des Plakats oder lesen des Titels in den Kopf kommen sollten, behände beiseite und löst absolut entspannt euer Kinoticket für diesen wunderbaren Streifen: Selten hat man in deutschen Filmlanden so wunderbare Kost vorgesetzt bekommen, die ich euch an dieser Stelle uneingeschränkt empfehlen kann. Habt Spaß – und sagt mir gerne in den Kommentaren, wie euch der Titel gefallen hat.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht zwingend abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: Faking Bullshit – Krimineller als die Polizei erlaubt
Length: 103 Min.
Rated: FSK 12

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Pandemie

Pandemie - Filmplakat
© 2013 Busch Media Group

So, jetzt räum ich mal mit den Problemen auf, die ich dabei hatte, als ich dieses Werk gesichtet habe.

Corona sagt euch was? Ich dachte mir schon vor Wochen: Naja, es wird nicht lang dauern, bis wir dazu billige C-Movies auf den Tisch kriegen … und voila – noch nicht mal einfallsreich beim Titel – einfach nur „Pandemie“ – und da haben wir ihn schon. Das kann ja nichts werden.

Und ja, schaut man sich den Film unter diesen Gesichtspunkten an, kommt einem das ganz große Kotzen. Es geht nicht um Corona (wie auch, alles noch viel zu frisch), sondern um ältere Schwierigkeiten, die dieser Planet unlängst hatte (darum ja auch „Basierend auf wahren Begebenheiten“ … uhhhhhhh) und es geht nicht um China und das kolossale Versagen dieses Kontinents, wenn es um derartige Ausbrüche geht, sondern man verschärft sich hier auf den Bezirk rund um Seoul und propagiert, wie unglaublich cool und lässig diese Regierungsform solch einen Ausbruch gemeistert hätte.

Dabei stehen diesem Film zwei Dinge so dermaßen im Weg, dass ich dafür gerne noch ein trashigeres Bewertungssystem einführen möchte, denn C-Movie ist fast schon geschmeichelt. Und zwar: Die Synchro. Yo, Asiaten können gute Filme machen, haben ihre Sprache und kommen dabei auch oft sehr authentisch und kulturell überzeugend rüber und dann kommen wir Deutschen und übersetzen den Kram und zerstören somit alles, was vorher (vielleicht) mal da war.

Die Dummbratzigkeit, mit der hier die Synchronsprecher schwätzen, ist kaum mehr zu unterbieten. Es ist lächerlich vom ersten bis zum letzten Wort und man glaubt, der Regisseur will einen verarschen, bis einem klar wird: Nein, das ist die Synchro. Im Original hört sich das vielleicht viel überzeugender und natürlicher an. Bei dem, was in meiner German Version aber zum Besten gegeben wurde, war es extrem schwer, von diesem Vorurteil abzusehen und den Menschen aufrichtige Absichten abkaufen zu können.

Dann der Plot. Die Regierungsformen der einzelnen Länder mögen im Film erstmal keine Rolle spielen, sofern man sich hier auf „fiktiv“, „unterhaltsam“, „es ist nur eine Geschichte“, „es sollen Andeutungen und keine Nacherzählungen sein“ fixieren möchte, aber es ist einfach zu offensichtlich, dass hier diktatorisch-politische Mächte am Werk waren, denn – im Hinblick auf heute und Corona – fühlt es sich dermaßen falsch an, diesen Film zu schauen, weil es irgendwie nach einem billigen „Das kann einem heute doch kein Mensch ernsthaft so abkaufen“-Politikwerbetrash anhört, der das „blöde Volk beruhigen und belügen soll“ und ihnen vorgaukelt, dass die gute tolle Regierung schon alles lösen und natürlich für das Wohl der Bevölkerung sorgen wird, man muss sie nur überzeugend wählen und ihnen Vertrauen en Masse vorschießen.

Dann stellt sich raus: Der Film wurde bereits 2013 abgedreht und das „Wir nehmen eine andere Pandemie“-Ding entpuppt sich auf einmal als „Okay, das war doch damals der richtige Leitfaden und hatte gar nichts mit Corona zu tun.“, was es für mich nachträglich nochmal etwas in ein anderes Licht stellt, denn damals wusste auch noch keiner so richtig, wer wie was wann wo richtig zu machen hatte und der ganze politische Unsinn, der heute verzapft wird, war damals noch gar nicht so offensichtlich an der Tagesordnung.

Das wiederum tut dem übermiesen Synchro-Stimmentheater aber dennoch nicht zu mehr Ruhm verhelfen, sondern entschuldigt nur ein wenig das dennoch miese Drehbuch, in dem eben keine typisch-amerikanischen Wendungen warten oder profilträchtige Charakterzüge aufgebaut werden, im echten Leben möchte man den Darstellern trotz allem nicht zwingend über den Weg laufen oder gar sein Leben in ihre Hände anvertrauen.

Ihr seht schon: Knallt euch Dope rein und legt den Streifen ein, dann ist’s wurscht und ihr könnt damit tun und lassen, was immer ihr wollt, denn dann spielt’s keine Rolle. Sofern aber größere Ansprüche (oder überhaupt Ansprüche) im Raum stehen, solltet ihr dieses Ding weiträumig umfahren oder darauf warten, dass es bei SchleFaZ läuft – da passt es in meinen Augen am besten hin.

C-Movie Trash aus dem Jahr 2013, das man aufgrund der Corona-Pandemie wieder aus der Mottenkiste gräbt und jetzt weltweit vermarkten möchte … ob das so wirklich klappt, wage ich an dieser Stelle zu bezweifeln.

Nachspann: ⚪️⚪️🔘 | Es kommen nochmal lange Filmsequenzen, also ruhig bis ganz zum Schluss sitzen bleiben.

Kinostart: 6. August 2020

Original Title: Gamgi
Length: 121 Min.
Rated: FSK 16


21 Bridges

21 Bridges - Filmplakat
© 2020 Leonine

Entgegen so manchen Behauptungen, dass dieser Film nicht wirklich prickelnd sein soll, hatte ich dabei echt gute Laune und fühlte mich bestens unterhalten. Das Problem scheint wohl zu sein, dass viele eine Art „Verbrecherjagd“ erwarten mit irgendwelchen Auflösungen am Schluss und dann wird’s schon irgendwie gehen alles … und das ist der Film eben nicht.

„Gelöst“ wird quasi mehr oder weniger schon relativ weit am Anfang, was für mich den Ausschlag dafür gab, meine „Was ist das“-Erwartungen völlig über Board zu werfen.

Zu dem Zeitpunkt war ich auch selbst grad im Schreibfieber und habe mir deshalb während des Plots permanent überlegt, wie ich an der Stelle reagieren würde. Wohin ich rennen würde, was ich tun würde – wem mich anvertrauen usw. – und das löste tatsächlich eine Kreativitätsbombe in meinem Kopf aus, die von der Filmmusik und immer neuen Plotelementen untermalt wurde.

Und dadurch, dass so frühzeitig quasi klar wird, wer hier der Böse ist, denke ich auch, dass die Absicht der Macher ebenfalls nicht gewesen ist, eine Verbrecherjagd mit spektakulärer Auflösung zu starten, sondern man vielmehr das Momentum innerhalb der Stadt feiern wollte, und das ist in meinen Augen tatsächlich auch sehr gut gelungen. Natürlich kann man sich jetzt über Sinn und Unsinn des Titels streiten und auch hier wieder aufgeblasene Fragwürdigkeiten anprangern, oder man lässt sich einfach auf den General-Showdown ein und zelebriert es im Stile von Run All Night, der ja auch schon so permanent-aufgekratzt daher kam und bis heute zu einem meiner Lieblingsfilme zählt.

Inzwischen wohl weniger im Kino verbreitet, darf man die wenigen Chancen immer noch gerne nutzen – oder eben in ein paar Wochen auf VoD zurückgreifen, um sich den Film doch noch anzusehen.

Keine Jagd, sondern einfach nur „Es ist was los – und das dauerhaft“. Umsetzung gut, der Plot solide, die Durchführung hat ihre wunderbaren Szenen und über Titel und Sinnhaftigkeit darf man nicht nachdenken, dann ist der Film auch sein Geld wert. Popcorn dazu – Bierchen und der Abend ist gerettet.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Hat keine weiterführenden Szenen, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 6. Februar 2020
Heimkino-Start: 12. Juni 2020

Original Title: 21 Bridges
Length: 101 Min.
Rated: FSK 16


Batman Begins

Batman Begins - Filmplakat
© 2005 Warner Bros. Ent.

Ist es geil, oder was?

Kinder: Dieser Titel ist einfach mal fucking 15 Jahre alt … und läuft derzeit in den Kinos auf der Leinwand! Ich kann euch kaum beschreiben, was das für ein Gefühl ist, zurück in die Zeit geschleudert zu werden und dieses großartige Meisterwerk wieder durch die Säle brettern zu hören.

Christopher Nolans Batman-Trilogy ist etwas, das an Vollkommenheit kaum zu überbieten ist. Machen wir so weiter und verrecken eines Tages allesamt an unserer eigenen Dummheit und Uneinsichtigkeit und Äonen später kommen Außerirdische auf diesen Planeten und finden irgendwelche Relikte, dann braucht man ihnen eigentlich nur diese Filme vorlegen. Die enthalten die Essenz all dessen, was menschlich ist – im Guten wie im Schlechten.

Ich vergöttere Nolan für diese Werke – und kenne die Filme daher in und auswendig. Wer tut das nicht? Gefühlt jeder hat die drei Streifen in irgendeiner (oder mehreren) Form(en) zu Hause rumstehen und mit Sicherheit mehr als einmal gesehen.

Und doch ist es wahr: Wir hocken im Saal – im großen Kino – vor der großen Leinwand … und es läuft Batman Begins … ich fühl mich wie ein kleines Kind, dem man gerade offenbart hat, dass zukünftig 4x im Jahr Weihnachten gefeiert wird: Leute: GÄNSEHAUT!!!

Comicverfilmungen hin oder her – es gibt viel Scheiß, grade auch aus dem Hause DC in Kooperation mit Warner Bros. haut man in der Neuzeit oft keine so sensationellen Granaten raus … davon merkt man hier halt einfach mal rein überhaupt nichts.

Und jetz‘ sag einer, die Zwangspause war zu nichts gut: Es geht nämlich weiter, denn ab nächster Woche wird The Dark Knight und eine Woche drauf The Dark Knight Rises gezeigt und ich zitter jetzt schon vor Aufregung und Vorfreude.

Es gibt KEINE Ausreden, diese Woche irgendwas als Vorwand zu nutzen, um nicht eine der Event-Vorstellungen zu besuchen, um sich diesen Film wieder im Kino reinzuziehen: Spätestens dann merkt ihr, dass VoD und der ganze Home-Cinema-Bullshit einpacken können und die große Leinwand IMMER gewinnt.

DAS ist wahrhaftiges Kino ohne all die jammerläppigen Eigenschaften, die moderne Filme inzwischen so an sich tragen: die alte, unberührte Kunst, die ein Epos feiert, wie es das bisher kein zweites Mal gibt.

Allein die Tiefe der Batman-Saga, ihre Verwurzeltheit mit den tiefsten Urängsten und -instinkten der Menschheit ist einmalig und in meinen Augen hat Nolan genau das auf den Punkt gebracht. Seine Düsternis, diese von anderen hin und wieder kritisierte „Dunkelheit“, die eben nicht auf Humor und Tralala aufbaut, sondern sich gediegen wie ein kristallscharfes Schwert ungehindert durch deine Adern schiebt, ist genau mein Ding.

Ich feiere es, dass man nun (gezwungenermaßen) zu alten Mitteln greift, um die Menschen zurück ins Kino zu holen … und nicht die Kinos gewinnen, sondern ihr, wenn ihr die Chancen nutzt, denn dieses Ereignis ist mit Geld nicht aufzuwiegen.

Achja: CinemaxX z.B. bietet die Filme derzeit übrigens für 4,99 € an … wer da noch rumjammern möchte, dem ist tatsächlich auch nicht mehr zu helfen. Eben genau wie vor 15 Jahren – auch beim Preis.

ZIEHT EUCH DIESES EPOS REIN! So eine Chance kriegt ihr nicht wieder!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Die Musik, Leute! Diese unfassbare, eindringliche und beispiellose Musik … wer darauf verzichten möchte … bitteschön.

Kinostart: 16. Juni 2005

Original Title: Batman Begins
Length: 140 Min.
Rated: FSK 12